Wer das zur Monatsmitte anstehende Fotorätsel vermisst hat und seine Routinen gestört sieht, muss folgende Ausrede akzeptieren: Am Wochenende bin ich aus Italien zurückgekehrt, aber nicht ganz planmäßig.
Denn am Morgen des Vortags meiner Abreise bemerkte ich, dass mein treuer Dacia „Duster“ 4×4 nach 80.000 km erstmals einen Plattfuß hatte. Wie es dazu gekommen war, das weiß ich nicht, jedenfalls stand ich gerade auf dem Supermarkt-Parkplatz, als mir die Schieflage meiner Fuhre auffiel.
Vermutlich hatte sich das allmählich eingestellt, es war von außen keine Beschädigung zu sehen. Nun sollte es sich bewähren, dass ich beim Kauf des Wagens ein vollwertiges Ersatzrad mitgeordert hatte – das dachte ich zumindest.
Also raus mit dem Teil aus der Reserveradwanne, den Wagenheber angesetzt und das Rad mit dem defekten Reifen abgebaut. Die Radbolzen ließen sich dank des wohlweislich mitgeführten Schlüssels mit Verlängerung problemlos lösen.
Der Radwechsel war schneller erledigt, als meine Parkplatznachbarin für ihren Einkauf benötigte. Dumm war nur eine Sache: Die schicken Alufelgen besitzen konisch zulaufende Bohrungen für die Radbolzen, welche wiederum entsprechend geformt sind, um hineinzupassen. Die Felge des Reserverads dagegen hatte gerade Bohrungen…
Das bedeutete, dass sich die Radbolzen dort nicht so weit einführen ließen wie bei den Originalfelgen – nach ein paar Umdrehungen (etwa zwei Drittel des Gewindes) war Schluss.
Da hatte ich nun also einen prächtigen Continental-Reservereifen mit Zulassung für Spitze 200 – wenn auch mit anderem Profil – doch es war klar, dass ich nun besser nicht wie gewohnt mit Bleifuß die Heimfahrt antreten könnte.
Vermutlich gehört es sich, darauf hinzuweisen, dass man mit so einer halbgaren Verbindung nicht knapp 1.200 km angehen sollte. Allerdings war ich mir sicher, dass ich damit immer noch sicherer unterwegs sein würde als einst mit meinem 1200er Volkswagen auf derselben Strecke. Passend dazu setzte ich mir 120 km/h als Höchstgeschwindigkeit – Zahlenmagie.
Da ich den Antriebsstrang des Duster 4×4 auf reinen Frontantrieb umstellen kann (der Defekt betraf ein Hinterrad) war das aus meiner Sicht eine akzeptable Lösung. Das Durchschnittstempo sank freilich drastisch und ich machte häufiger halt, um zu sehen, ob das Reserverad noch festsaß (was es tat).
Langer Rede kurzer Sinn: die Heimfahrt gestaltete sich langwieriger als üblich, was auch meine Pläne für den Blog durcheinanderbrachte. Allerdings hätte die absurde Zunahme an Baustellen und Langsamfahrstellen auf der deutschen A5 auch sonst den Schnitt gedrückt.
Bekanntermaßen brennt aber bei der hier behandelten Thematik nichts an und tatsächlich gibt es sogar eine kleine Verbindung zwischen meinem Reifenabenteuer und dem erst heute präsentierten Rätselfoto – dazu muss man allerdings genau hinsehen:

Genau hinsehen könnte auch dabei helfen, die Marke dieses achtbar dimensionierten Tourers zu identifizieren.
Ich habe zwar diesbezüglich eine Vermutung, aber sicher bin ich mir nicht. Nur die Ansprache als deutsches Fabrikat der Zeit direkt nach dem 1. Weltkrieg möchte ich mit Gewissheit wagen.
Dafür spricht neben dem Spitzkühler vor allem die nach innen eingezogene „Schulter“ des Wagenkörpers, welche auch den sonst oft separaten Verdeckkasten einbezieht. Das war eine bei deutschen Fabrikaten bis Anfang der 1920er Jahre verbreitete Lösung.
Von daher könnte dieser Tourer alles Mögliche gewesen sein – letztlich liefern nur die Anordnung und Gestaltung der Luftschlitze in der Motorhaube sowie der Kühler mit leider nicht lesbarem Schriftzug einige Anhaltspunkte.
Ich gehe wie gewohnt kühn in Vorlage und behaupte, dass es sich um einen „Dürkopp“ um 1920 handeln könnte.
Beweisen kann ich das nicht, aber andere Verdächtige in dieser Größenklasse wie Adler, Benz, NAG, Opel, Presto oder Protos zumindest möchte ich ausschließen.
Immerhin kann ich auf eine Reklame von Dürkopp verweisen, die ein ziemlich ähnliches Fahrzeug zeigt, wenn auch etwas stilisiert, wie das damals üblich war:
Jetzt sind Sie dran, liebe Leser. Habe ich etwas übersehen? Ist der Fall vielleicht einfacher, als ich dachte?
Und für diejenigen, die wie ich auch solche Sachen mögen: In welcher Beziehung zueinander standen die hier abgebildeten Leute?
Insbesondere: Wer könnte der junge Mann vorne am Kühler gewesen sein? War es vielleicht der Fahrer, während sich der Besitzer für das Foto selbst ans Steuer gesetzt hatte? Wäre nicht die erste Szene dieser Art…
Wie immer bin ich gespannt, was Ihnen alles zu diesem Foto einfällt oder auffällt. Und wer sich berufen fühlt, von eigenen Reifenabenteuern, Urlaubspannen und dergleichen zu erzählen, darf sich ebenfalls aufgefordert fühlen!
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Klasse, bin jetzt ebenfalls überzeugt!
Ausgezeichnet- danke!
Danke – das passt zu den übrigen Kommentaren!
Moin Herr Schlenger,
bei dem stattlichen Tourenwagen handelt es sich um ein Exemplar des von 1922 bis 1924 gebauten Apollo 10/40 PS, womit auch der Kühlerschriftzug entschlüsselt wäre. Eine ähnliche Abbildung dieses Typs findet sich in dem unlängst erschienenen Buch „Der einstmalige Kraftfahrzeugbau in Apolda“ von Günter Doms.
Ich muss zugeben, ja, ich hatte schon das Fotorätsel des Monats vermisst und fühlte irgendwie meine Routine gestört. Auch wenn ich häufig nicht synchron zum Lebensrhythmus unseres Blog-warts laufe. Wenn ich z.B. um Weihnachten nie Zeit habe, Beiträge zu lesen, kommen selbige wie aus der Pistole geschossen. Wenn ich allerdings mal viel Zeit habe, setzt sich Michael nach Italien ab und genießt das dolce vita. Aber ich freue mich immer wieder, auch ältere Beiträge, die ich versäumt habe, nachzulesen.
Zur Reifethematik muss ich sagen, dass auch ich vergangenes Wochenende wieder Panne hatte. Ich hatte zum dritten Mal einen Gürtelbruch am Rad hinten links. Das macht sich dann bemerkbar, indem es sich anfühlt, als würde man Buckelpiste fahren und der Reifen fährt sich dann auch sehr schnell partiell ab und lässt Luft.
Diesmal war zwar alles unkritisch, weil ich zu Hause war und das Auto nicht brauchte. Es ist mir jedoch auch schonmal mit dem Gürtelbruch in Südtirol auf der Brennerautobahn bei Pfingstrückreiseverkehr passiert, mit Luftverlust… Einfach nur ätzend.
Zum Fotorätsel muss ich sagen, dass ich bei der langgestreckten Form erst an ein französisches Fabrikat dachte, aber die typisch deutsche Tulpenkarosserie brachte mich von meinem gedanklichen Ausflug ebenfalls schnell zurück in deutsche Gefilde. Die Ähnlichkeit zum Dürkopp Spitzkühler könnte ich jedoch nicht erkennen. Dürkopp-Kühler haben in den am oberen Wasserkasten immer einen eckigen Übergang von der waagerechten zur senkrechten Netzeinfassung. Bei diesem Kühler hier, ist der Übergang jedoch stark ausgerundet.
Beim Betrachten der Personen fiel mir die Hand des lässigen Wuschelkopfes am Kühler auf. Direkt unter dieser meine ich einen Schriftzug lesen zu können, welcher mit einem großen geschwungenem A, beginnt. Aha A wie Apollo würde ich sagen. Ich hatte doch mal ein Bild aus dem Netz gespeichert, wo ein großer Apollo drauf war. Soeben nachgeschaut, und tatsächlich hat er ebenfalls sechs senkrechte Luftschlitze in der Haube (während kleinere Modelle häufig nur fünf hatten).
Leider kann ich das Foto hier nicht anhängen, aber auch die Bilder in der Galerie zeigen die gleiche Kühlerform:
https://i0.wp.com/vorkriegs-klassiker-rundschau.blog/wp-content/uploads/2021/04/apollo_10-30_oder_10-40_ps_ur-grossvater_von_benjamin_koch_am_steuer_galerie.jpg?ssl=1
Ich bin also für einen Apollo 10/30 oder 10/40PS aus den schönen Apolda (auch wenn man dort die ehemaligen Apollo-Werke erst vor neun Jahren abgerissen hat).
Viele Grüße René
Wie immer nähere ich mich einer eventuellen Lösung über den Kühler und die Embleme. Dürkopp sortiere ich deshalb aus, weil dort quasi zu 100% Emblem an den Spitzkühler verbaut worden sind und das hiesige Fahrzeug keine zeigt. Stattdessen glaube ich den Schriftzug „lesen“ zu können und setze auf Apollo. Mit den besten Grüßen aus Bärlin Claus