Heute kann ich Ihnen auf den ersten Blick nur wenig Neues bieten – meine Leser werden ja von jeher verwöhnt, was österreichische Vorkriegswagen betrifft.
Das hat seinen Grund, denn sie waren einst auch in Deutschland recht verbreitet, wie die vielen Fotos zeigen, die ich über die Jahre von Wagen der Firmen Austro-Daimler, Gräf & Stift und vor allem Steyr quasi nebenher eingesammelt habe.
In natura dagegen sind speziell die markanten und gut motorisierten Steyr-Autos des Typs V, um den es diesmal (wieder) geht), heute kaum anzutreffen. Dabei waren die recht modernen Sechszylinderautos der Marke in den 1920er Jahren schwer zu übertreffen.
Ihre über obenliegende Nockenwelle gesteuerten 3,3 Liter-Motoren schufen zusammen mit großzügig bemessenen Benzintanks plus ggf. Reservetanks ab 1920 (Typ II) die Basis für hervorragende Reisewagen. Nur auf die bei französischen Oberklassemarken damals bereits gängigen Vorderradbremsen mussten Käufer verzichten.
Was dessen ungeachtet einst im Alpenraum als leistungsfähig galt, war erst recht im deutschen Mittelgebirge schwer zu übertreffen:

Bei diesem in Schlesien zugelassenen Exemplar (Kennzeichenkürzel „IK“) mit dem weniger weit vorkragenden Spitzkühler handelte es sich wohl um einen Typ V von 1924/25. Im Fall des sehr ähnlichen Vorgängers II mit identischer Motorisierung befand sich die Kühlerspitze wesentlich weiter vorne.
Das Foto ist zwar gelungen komponiert, aber die technische Qualität lässt zu wünschen übrig – sei es aufgrund der Eigenschaften des damals verwendeten Objektivs, sei es aufgrund des Alters des Abzugs.
An mangelndem Licht dürfte es nicht gelegen haben – das Foto scheint an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit entstanden zu sein.
Da stellt sich doch die Frage, ob man die Wirkung des Steyr auf dieser alten Aufnahme nicht mit etwas KI-Hexerei übertreffen kann. Tatsächlich erwies sich das als gar nicht so einfach.
Zwar konnte ich die gewünschte Farbgebung realisieren, die sich an einem unrestaurierten Original des Steyr II orientiert. Doch schwer zu treffen war die „Zielscheibe“ auf der Kühlerspitze mit einem Teil des Steyr-Schriftzugs. So ganz getroffen hat dieses Detail meine Überarbeitung nicht, wie auch die Gestaltung der Radnabe etwas unpräzise ist:
Doch mit dem Gesamtergebnis bin ich durchaus zufrieden – nicht weil es in allen Details gelungen wäre, sondern weil es Fragen aufwirft, die nur Steyr-Experten zu beantworten vermögen.
Dazu gehört beispielsweise die Gestaltung der Scheinwerfer. Waren sie komplett vernickelt – Chrom war um 1925 noch nicht etabliert, Messing aber passé – oder war das Gehäuse schwarz lackiert und nur der vordere Lampenring glänzend?
Mit dem entsprechenden Wissen ausgestattet ließe sich bei Gelegenheit eine Kolorierung kreieren, welche die heutige übertrifft, auf jeden Fall aber den Steyr Typ V 12/40 PS besser trifft, was seine Erscheinung vor rund 100 Jahren betrifft…
So lange ist das her? Unglaublich, dabei scheinen uns zumindest die Insassen viel näher – ein Effekt, der nur mit Kolorierung und Akzentuierung der Gesichtszüge erreichbar ist. Ja, die KI dichtet da mitunter etwas dazu, aber auch diese Ergebnisse werden immer besser.
In einem Punkt dürfte Einigkeit bestehen: Eine historisch informierte Kolorierung trifft die Originalsituation meist besser als die schwarz-weiße Abstrakton der Wirklichkeit. Bloß übertreffen wird sie diese nicht, denn sie ist unwiederbringlich verloren und diese Fotos von einst sind bloß eine entfernte Erinnerung daran…
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