Rätselfoto des Monats: Ein Peugeot im Prater?

Kürzlich publizierte der amerikanische KI-Entwickler OpenAI quasi als Nebenprodukt der weiteren Verbesserung seiner Modelle Lösungen für eine ganze Menge an mathematischen Rätseln.

Wie man hört, war die offenbar nicht uneitle Gemeinde der Mathematik-Sonderbegabten darüber nicht erbaut – wurde doch damit einigen Herrschaften die Beschäftigungsgrundlage entzogen, für welche bis dato der Steuerzahler ungefragt aufzukommen hatte.

Da werden sie sich nun neu erfinden müssen, die Rechenexperten, eventuell auf dem Sektor der praktischen Verwertbarkeit KI-gestützter Mathematik in dem Fortkommen der Gesellschaft dienlichen Feldern.

Auf innovative Weise dem Fortkommen der Gesellschaft anbieten mussten sich vor weit über 100 Jahren auch die überflüssig gewordenen Kutscher, nachdem ihnen das Automobil die über Jahrhunderte gegebene Beschäftigungsgarantie zerlegt hatte.

Die wirklich Intelligenten – nicht nur Inselbegabten – der solchermaßen vom Fortschritt Übergangenen sahen schon damals die Gelegenheit, sich vorteilhaft zu platzieren, nämlich ganz vorne in lenkender Position und mit mehr als nur ein paar Pferden zu Gebote:

Tourenwagen der 1920er Jahre im Prater (bei Wien); Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Der Herr über die reichlich vorhandenen Pferde unter der Haube dieses beeindruckend dimensionierten Tourenwagens schaut uns geradezu herausfordernd an – mit ähnlichem Selbstbewusstsein waren viele Vertreter der damaligen neuen Eliten am Steuer ausgestattet, die etwas konnten, was ihre Brötchengeber nicht vermochten.

Genau so wird man zum nützlichen Mitglied der Gesellschaft, indem man zusieht,wie man etwas macht, wofür die anderen einen schätzen und im Idealfall gut bezahlen.

Mit Gejammer über die Wegrationalisierung der bisherigen Wirkungsstätte hält man den Fortschritt nicht auf – es gilt, selbst Teil desselben zu werden. Man kann zwar auch einem der Bescheidenheit verpflichteten Orden beitreten und Verzicht üben, aber diesen Luxus kann man sich in der Regel nur leisten, wenn einen der Fleiß der Gesellschaft trägt.

„Im Prater“ wurde einst dieses Foto aufgenommen, so ist es auf dem Abzug von alter Hand überliefert. Damit ist der weitläufige Park vor den Toren der Stadt Wien gemeint – der Name ist dem Lateinischen Wort „pratum“ für Wiese entlehnt.

Ich könnte es mir einfach machen und es beim schlichten Genuss dieses schönen Dokuments belassen – doch Teile meiner Leserschaft sind vom sympathischen Bedürfnis beseelt, mehr über das abgebildete Auto zu erfahren.

Wenn ich mir selbst nicht sicher bin, ist so ein Foto ein sicherer Kandidat für die Rubrik „Rätselfoto“, dank derer wir schon einige Fälle knacken konnten. Fast immer liefere ich eine These mit, die ich zur Diskussion stelle – so auch heute.

Mir scheint die oben leicht abfallende Kühlerpartie mit dem ansatzweise zu erkennenden Gittermuster des Kühlernetzes auf einen Peugeot der frühen bis mittleren 20er Jahre zu verweisen. Die Michelin-Reifen würden dazu gut passen

Von den Abmessungen her könnten wir es mit einem Fahrzeug des mittleren Typs 153 BRA zu tun haben, der mit extralangem Radstand und 3-Liter-Motor mit rund 35 PS aufwartete.

Da man allerdings auch in Alternativen denken sollte, sofern man keine reine Inselbegabung besitzt, ist auch etwas anderes vorstellbar: Die Kühler- und Haubenpartie könnte auch die eines großen Adler der Zeit um 1912 sein, der nach dem Krieg modernisiert wurde.

Was meinen Sie, liebe Leser und automobilistisch Hochbegabten?

Während Sie sich auf klassische Weise an dem Fall abarbeiten, nutze ich die Errungenschaften der KI. Denn dieser prächtige Wagen nebst Insassen ist doch ein idealer Kandidat für eine historisch informierte Kolorierung.

Ich habe mir dafür heute zwischendurch ein paar Minuten reserviert – mit mehr Zeitaufwand wäre noch weit mehr drin, aber das hier kann sich sehen lassen, meine ich:

Tourenwagen der 1920er Jahre im Prater bei Wien; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger in KI-basierter Kolorierung

Mir kam es hier vor allem auf die lebendige Wirkung der Insassen an – sicher ließen sich auch Vorder- und Hintergrund noch natürlicher gestalten, wenn man sich Zeit für eine entsprechende Anweisung an die KI nimmt.

Doch dafür fehlte es mir heute an Muße, sodass Sie mit diesem Resultat vorliebnehmen müssen.

Vor wenigen Jahren noch undenkbar, dass man so etwas als „kleiner Mann“ binnen kurzem hinbekommt – aber dasselbe galt einst auch für die Beherrscher des Autos, welche Repräsentanten einer Demokratisierung waren, die niemand von den alten Eliten bestellt hatte…

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