Dem Menschen seine Laster austreiben zu wollen, das scheint ein zeitloses Thema von Leuten zu sein, die sich moralisch überlegen geben – und so komme auch nicht drumherum.
Allerdings bin ich ein entschiedener Befürworter des Lasters – es muss allerdings kein Diesel sein und auf einem PKW sollte er basieren – so etwas gefällt mir.
Klingt einigermaßen merkwürdig, ist aber vollkommen ernst gemeint.
Ich bin in der Hinsicht vorbelastet – da haben wir es wieder – denn ich besitze einen Peugeot 202, der in seinen Papieren als Laster eingetragen ist.
Ob es mit der erlaubten knapp halben Tonne Zuladung zu tun hat oder der Tatsache, dass dieses Gerät vom Peugeot-Werk einst als „Utilitaire“ – also Nutzfahrzeug – verkauft wurde, das weiß ich nicht.
Jedenfalls ist unübersehbar, dass dieser Laster auf dem PKW-Modell basiert:

Einen ganz ähnlichen Fall will ich heute vorstellen – unter dem überaus passenden Motto: „Laster von Anfang bis Ende“.
Am Anfang steht das 1932 eingeführte Model B von Ford – ein optisch überarbeiteter und mit nunmehr 50 PS stärkerer Nachfolge des legendären Model A. Dessen Produktion hatte 1931 nach über vier Millionen Exemplaren geendet.
In den USA wurde das Model B mit seinem in die Jahre gekommmen Vierzylindermotor nur ein Jahr lang gebaut – man verlegte sich dann auf den sensationellen V8-Typ, der auch in Deutschland gern gekauft wurde (Bericht kommt irgendwann). Dagegen wurde es im Kölner Ford-Werk in der ursprünglichen Form bis 1934 weitergefertigt, bis es zum moderner gestalteten Ford „Rheinland“ mutierte.
Merkwürdigerweise ist diese „B“-Ware aus dem Hause Ford auf alten Fotos nur selten anzutreffen, obwohl in Köln knapp 1.800 Exemplare gebaut wurden. Mir liegt bislang überhaupt nur eine Aufnahme aus deutschen Landen vor, die ein solches Fahrzeug zeigt:
Vom Vorgängertyp unterschied sich das Model B optisch durch die einfache Stoßstange mit Mittelrippe, die geschwungene Scheinwerferstange und den abgerundeten Kühler.
Die Drahtspeichenräder gab es wie schon beim Model A serienmäßig. Nur eine Ausführung kam mit ganz anderen Rädern daher und hier nimmt das Laster seinen „Fordgang“.
Wie schon beim Model A brachte Ford nämlich auch vom „B“ eine Nutzfahrzeugvariante heraus, den Typ „BB“. Der zeichnete sich durch größere Räder und entsprechend mehr Bodenfreiheit und ein verstärktes Chassis aus.
Dieser lasterhafte Ford „BB“ sah von vorne aber immer noch ziemlich genau wie der PKW aus, auf dem er basierte. Auf dem folgenden Foto von Sommer 1935 sehen wir links ein entsprechendes Exemplar:
Die robuste „Arbeiter- und Bauern“-Variante des Ford B war auch im 2. Weltkrieg in verschiedenen Varianten anzutreffen (Beispiele hier).
Kurioserweise stieß das deutsche Militär beim Angriff auf die Sowjetunion ab 1941 auch auf das russische Pendant – den GAZ AA, der auf Basis einer Ford-Lizenz gebaut wurde. Für die Rote Armee wurden alleine davon rund 150.000 Stück gebaut (Quelle).
Viele erbeutete Exemplare fuhren dann neben den in Köln gebauten Wagen des Typs BB auf deutscher Seite herum.
Diese Form des Lasters dürfte spätestens im Mai 1945 ihr Ende gefunden haben, obwohl das Sammelsurium der zuletzt noch existierenden Wehrmachtsfahrzeuge alles Mögliche umfasste, darunter schon 1940 beim Westfeldzug erbeutete bzw. beschlagnahmte französische Wagen.
So ist nicht auszuschließen, dass auch das Model BB auf der folgenden Nachkriegsaufnahme eine „Frontkarriere“ hinter sich hatte:
Mit diesem in der sowjetischen Besatzungszone im Raum Leipzig zugelassenen Wagen mit charmanter Insassin findet das Thema Laster für heute sein glückliches Ende.
Das Bild ist ein schönes Dokument vom Überleben von Vorkriegsfahrzeugen in einer Zeit großer Not, in der jedes einsatzfähige Auto einen unschätzbaren Wert verkörperte.
Dieses Exemplar dürfte einem jungen Paar einen geschäftlichen Neubeginn ermöglicht haben – dass das neue sozialistische Regime später immer intensiv Krieg gegen private Unternehmen führen sollte, das konnten die beiden damals noch nicht wissen…
Michael Schlenger, 2025. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.
Danke und viel Erfolg bei der Wiederbelebung!
Hallo und moin,
vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
Ich selber besitze und restauriere einen Ford BB von 1933 mit langem (3,98m) Radstand aus Kölner Produktion.
Dieser hat nach seinem Dienst im Privaten, bei der Wehrmacht, bei den Sowjets und schließlich bis in die 80er in der ehem. DDR verrichtet.
Nun soll er wieder hergerichtet werden und auf die Straße zurück.
Alles in allem ein absolut robuster LKW dessen Stahl und Blechteil auch nach über 90 Jahren noch gut sind und dessen Motor auch noch 40 Jahren Standzeit noch gut angesprungen ist.
Ansonsten schließe ich mich meinem Vorredner an. Das Fahrzeug auf dem Bild ist ein umgebauter Ford-B.
Viele Grüße
Matthias Rehberg
Sehr schöne Ergänzung, Herr Röhrs – gefällt mir gut!
Die Fa. Jahns, bekannt als Ford-Jahns, war eine Fordvertretung über sehr lange Zeit bis in dieses Jahrtausend mit Stammsitz in Hildesheim und Außenstellen u.a. in Alfeld, Coppenbrügge und Goslar, soweit mir bekannt ist. Ob die Werkstatt in Walsrode dazu gehörte, kann ich nicht sagen.
Ich habe noch einen nie eingelösten Gutschein aus den 30er Jahren von dem Junior der Fa. für eine Ausfahrt in einem Cabrio als Geburtstagsgeschenk an meine Großmutter, irgendwo in den Unterlagen vergraben…….
Schön, danke!
Moin,
der Wagen mit dem Kennzeichen aus der preuß. Provinz Hannover scheint in Alfeld zugelassen worden zu sein. Heut gibt es noch eine Autowerkstatt Jahns in der Nähe von Walsrode, das Foto könnte also in diesem Umkreis aufgenommen worden sein.
Schöne Grüße,
KD
Besten Dank, Herr Klioba – Sie haben wahrscheinlich recht. Der Radstad lässt sich aus dieser Perspektive nur schwer schätzen, aber die Gestaltung der Türunterseite und des Trittbretts sprechen in der Tat eher für einen Umbau auf Basis der Standard-Limousine des Model B. Für den BB sprach aus meiner Sicht die auffallende Stärke des Chassisrahmens, aber vielleicht wurde hier nachgeholfen…
Guten Morgen Herr Schlenger,
bei dem vermeintlichen Ford BB bitte ich in Betracht zu ziehen, ob es sich nicht eher um einen normalen Ford B Pkw handelt, der zu einem Behelfslieferwagen umgebaut wurde, wie es so vielen Vorkriegswagen in den frühen Nachkriegsjahren erging. Die Scheibenräder sprechen auf den ersten Blick zwar für einen BB, aber zumindest das Vorderrad wäre schon mal nicht original. Der Radstand sieht mir auch mehr nach den 2,69 Metern der normalen Limousine, als nach den 3,34 Metern des BB aus (oder gar den 3,99 des langen BB-Chassis). Insbesondere aber ist auf keinem mir bekannten historischen Foto eines BB eine Reserveradhalterung mit Kotflügelvertiefung auf der Fahrerseite vorhanden. Auch die diagonale Halterung des Trittbrettendes spricht für ein verkürztes Limousinentrittbrett, dem der Querträger des BB an dieser Stelle fehlte. Nichtsdestotrotz ist das Foto ein zeigenswertes Zeitdokument.