Fotorätsel des Monats: Der „Russenbräu“-Special

Das Fotorätsel des Monats März 2026 hat kürzlich Walter Haefeker aus dem schönen Bayernland beigesteuert.

Er interessiert sich für ein eigentümliches Vorkriegsauto auf einem Foto, das an einem kaum weniger eigentümlich anmutenden Ort entstand – Russenbräu in Tiefenbach.

Die rätselhafte Ortsbezeichnung ist schnell aufgelöst – es handelt sich um ein prächtiges altes Brauhaus aus dem späten Jugendstil mit barocken Elementen, das um 1910 an der Stelle einer Bäckerei entstand, die wohl öfters „russiges“ Brot fabriziert hat, so die Überlieferung. Mit russischen Genussgetränken hat der Name also nichts zu tun.

Beginnen wir mit dem wohlproportionierten Bau, der die funktionellen Elemente einer Brauerei gekonnt mit Anklängen an herrschaftliche historische Bauten der Region verknüpft:

Gasthof „Russenbräu“ in Tiefenbach; © Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Ihr besonderes Augenmerk möchte ich auf die steil ansteigende Straße auf der echten Seite lenken – dort erscheint die Außenmauer wie in den Hang hineingebaut.

Dieses Detail lässt das nun folgende Foto, an das Walter Haefeker seine Frage knüpft, gleich etwas weniger rätselhafter erscheinen.

Denn wahrscheinlich an der erwähnten Stelle entstand vor rund 100 Jahren folgende Aufnahme, die aus gutem Grund ziemlich „schräg“ erscheint:

unbekanntes Automobil in Tiefenbach (Oberpfalz); Foto übermittelt von Walteer Haefeker

Wir dürfen davon ausgehen, dass der abgebildete Wagen hier keineswegs verunglückt war, sondern an dieser steil abfallenden Partie geparkt worden war.

Ob das Auto etwas mit dem Wirtshaus „Russenbräu“ zu tun hatte und ob die abgelichteten Personen nicht nur zufällig anwesen waren, wissen wir nicht.

Die Fotosituation bleibt rätselhaft, wobei mir auf historischen Autofotos schon einige Luxusschlitten in finstren Hinterhöfen und eher unbeholfen aufgenommen begegnet sind, das will also nichts heißen.

Ein stolzer Besitzer oder der Chauffeur hätte seinen Wagen jedenfalls kaum so der Nachwelt überliefern wollen. Daher gehe ich davon aus, dass es sich um ein zufällig entstandenes Foto eines örtlichen Amateurs handelt.

Was ist nun zu dem Auto selbst zu sagen? Nun, eines vorneweg: Genau weiß ich es nicht, sonst wäre der Wagen nicht in der Rätselkategorie gelandet.

Aber ungefähr einordnen lässt sich das Gefährt schon. Das Fehlen von Vorderradbremsen und die Rechtslenkung sind Hinweise auf eine Entstehung vor 1925, während die Form der Scheinwerfer auf elektrische Beleuchtung hindeutet, die sich erst nach dem 1. Weltkrieg allgemein durchsetzte.

Eine Datierung auf rund fünf Jahre genau ist nach gut 100 Jahren schon einmal nicht schlecht, aber hier enden leider auch die Gewissheiten. Denn die Vorderpartie mit in Wagenfarbe lackiertem Spitzkühler nach Vorbild von Daimler bzw. Benz gab es damals bei zahlreichen Herstellern im deutschen Sprachraum.

Immerhin können wir schon einmal Brennabor und Beckmann wir ausschließen, deren Wagen damals zwar auch Spitzkühler besaßen, aber keine senkrechten Haubenschlitze.

Aufgrund der Gestaltung besagter Entlüftungsschlitze kommen auch Dürkopp, Ley, Opel, Rex-Simplex und Simson nicht in Betracht.

Jetzt könnte man insbesondere einen Benz in Betracht ziehen – etwa das Modell 10/30 PS der frühen 1920er Jahre. Allerdings wollen die Nabenkappen – oft markenspezifisch ausgeführt, so gar nicht dazu passen.

Letztlich ist festzuhalten, dass dieser Wagen so stark modifiziert wurde, speziell am Heck, dass auch der Spitzkühler eine nachträgliche Ergänzung sein könnte. Mir liegen haufenweise Bilder deutscher Wagen jener Zeit mit solchen im Zubehör erhältlichen Spitzkühlern vor, ohne dass ich sie irgendeiner Marke zuordnen könnte.

Sie sehen also: Ich mag mich hier nicht festlegen. Von daher hoffe ich auf Ideen von Lesern, die am Ende dieses Fotorätsel lösen können. Mir selbst bleibt nur, abschließend auf den heutigen Gasthof „Russenbräu“ zu verweisen, der sich nach der denkmalgerechten Sanierung sehr einladend präsentiert, wie ich finde.

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