Die Welt von gestern kommt nicht wieder – je weiter man sich von ihr entfernt, desto fremder erscheint sie einem.
Das gilt schon, wenn man die Verhältnisse im Deutschland des Jahres 2026 mit denen in der braven Bundesrepublik 50 Jahre zuvor vergleicht. Irritierend, dass man dort Mitte der 70er ohne die unzähligen Vorschriften, Markteingriffe und Bevormundungen der Gegenwart ziemlich gut zurechtkam.
Gewiss, auch damals brachten steigende Energiepreise einiges durcheinander, wie das aktuell der Fall ist. Nur vordergründig irritierend, dass damals wie heute die Krisenherde ähnlich waren. Wie es scheint, hat der sogenannte Westen nichts dazugelernt.
Dieser Tage bekommen wir abermals vorgeführt, was mit Blick auf die USA schon vor Jahrzehnten treffend auf den Punkt gebracht wurde: „The government is just the entertainment division of the military-industrial complex.“ – „Die Regierung ist bloß die Unterhaltungsabteilung des militärisch-industriellen Komplexes„.
In diesem zeitlosen Bonmot finden ein Zitat des amerikanischen Musikers Frank Zappa und des einstigen US-Präsidenten Eisenhower zusammen. Das Sagen in den Staaten hat zumindest in Bezug auf die Außenpolitik demnach nicht die Regierung, sondern ein seit 1945 wild wuchernder Apparat aus Geheimdiensten, Armee, Rüstungsfirmen und Lobbys.
Vielleicht hilft die Erinnerung an diese alte Konstante, das aktuelle Geschehen im Nahen Osten weniger irritierend zu finden. Ich selbst brauchte einige Tage, um mir darauf einen Reim zu machen, da das Ganze verstörend erscheint, wenn man davon ausgeht, dass der Präsident in allen Bereichen federführend ist. Doch das ist mitnichten der Fall, wie schon der eine oder andere Vorgänger schmerzhaft erfahren musste.
Nach diesem Exkurs ins Aktuelle geht es nun weiter in die Vergangenheit zurück, doch auch dort begegnen uns irritierende Phänomene.
So fragt man sich, was diesen Ford Köln und das wackere Pferd mitsamt seinem Herrn verbunden haben mag. Zufall oder hatte hier der Wagen den Geist aufgegeben und steht im Begriff, mit 1 PS abgeschleppt zu werden?

Der kleine Ford aus Kölner Produktion – der Name war Programm – war schon einige Mal Gast in meinem Blog. Auch diesmal lässt sich zu dem von den englischen Ford-Werken entwickelten Modell, das in den USA kein Mensch kennt, wenig Positives sagen.
Mit 21 PS aus 1 Liter Hubraum zählte der Ford zu den Einsteigermodellen am deutschen Markt, freilich ohne so attraktiv und preisgünstig daherzukommen wie die kleinen DKWs, die zudem fahrwerkseitig moderner waren.
Nur gut 11.000 Stück entstanden ab 1933 vom Ford Köln – über einen Zeitraum von 4 Jahren war das dürftig – vor allem gemessen am adretten und mit 34 PS ordentlich motorisierten Nachfolger „Eifel“, der ab 1935 in über 60.000 Exemplaren gebaut wurde.
Heute ist der Ford „Köln“ immerhin gut dafür, nachhaltig zu irritieren, jedenfalls in meinem Blog, denn überlebende Wagen dürften rar sein.
Hier haben wir das bereits mit 1 PS abgelichtete Exemplar bei anderer Gelegenheit – jetzt wieder mit Motorproblemen und außerdem Polizeibesuch:
Doch auch hier finden sich irritierende Perspektiven – irgendetwas stimmt hier nicht, irgendetwas verschwimmt, ist kaum zu greifen, wirkt schwer verständlich.
Sie sehen, das eingangs angerissene Thema holt uns hier wieder ein. Man hat das Gefühl tiefer Verwirrung, meint seinen Sinnen nicht trauen zu können. Kann es sein, dass man das ganze Durcheinander nur träumt?
An dieser Stelle gilt es, sich an einen Grundsatz zu erinnern, der einem vor einigen Jahren schon einmal gute Dienste leistete. Man darf Bildern nicht trauen, darf sie keine Macht über den Verstand erlangen lassen.
Bilder haben erhebendes wie manipulatives Potenzial – das liegt in der Natur unserer Wahrnehmung. Doch durch Anwendung der Vernunft können wir die Kontrolle zurückerlangen.
Im vorliegenden Fall genügt bereits eine Drehung um 90 Grad, um der irritierenden Perspektive Sinn abzugewinnen – allerdings braucht der Kopf einen Moment, um durch die Täuschung der Sinne hindurchzuschauen.
Dazu muss man sich zwingen, das vordergründig Sichtbare zu ignorieren, hier den Ford „Köln“. Beginnt man vom linken Bildrand aus, die Szene neu zu betrachten, gewinnt man plötzlich eine ganz andere Perspektive:
Haben Sie das Rad mit dem großen Bolzenkreis, die geöffnete Tür und das Trittbrett registriert? Das ist die andere Wahrheit hinter der sich vordergründig aufdrängenden.
Natürlich ist das eine Doppelbelichtung, wie sie nur in der Analogfotografie möglich war, wenn der Filmtransport zwischen zwei Aufnahmen versagte oder vergessen wurde.
Irritierend bleibt das Ganze trotzdem, weil der Sehsinn ständig zwischen den beiden Ebenen umschalten will – wir haben es nun einmal gern eindeutig. Doch die Welt tut uns nicht den Gefallen, so zu sein.
So ist das übrigens auch heute mit den Perspektiven des Ford-Werks in Köln. Aufgrund des erwartbaren Fehlschlags der dort angesiedelten Elektroauto-Produktion („Einstiegs“-Preis des „Explorer“: 40.000 EUR…) ist der traditionsreiche Standort gefährdet.
Von einst über 20.000 sinkt den Planungen gemäß die Zahl der Arbeiter in Köln bis 2027 auf 9.000 – die Deindustrialisierung Deutschlands setzt sich also auch hier Ford…
Immerhin kann ich im Blog eine positive Perspektive zeichnen – denn der geisterhaft auf dem Foto des Ford „Köln“ abgelichtete Wagen dürfte ein Adler „Standard 6“ gewesen sein. Den haben wir schon lange nicht mehr behandelt, das muss sich ändern!
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Interessant diese unterschiedlichen Sichtweisen – gab es in den 30er Jahren sicher auch so. Ich vermute, dass vor allem Aspekte wie Frontantrieb und Optik für DKW-Käufer den Ausschlag gaben. Der Preis war es wohl nicht, der F4 war teurer, der F5 dann billiger als der Ford (zumindest zeitweise und je nach Austattung). Jedenfalls sprechen die Stückzahlen klar dafür, dass der DKW seinen Käufern mehr bot (ganz gleich wie subjektiv das war) – ca. 70.000 Exemplare (F4/5 1934-36)= vs. ca. 11.000 Stück (Ford „Köln“). Was machte denn aus Ihrer Sicht die DKW-Fronttriebler am Markt so erfolgreich, während Ford das Nachsehen hatte?
Herr Weigold, der Ford ist verdammt schwächlich????
Eng????
Aber der DKW F5 Reichsklasse hingegen ist dann wohl verdammt robust und ein Raumwunder?
Wo bitteschön ist der Ford schwächlich?
Leistung?
Verarbeitung?
Eng, besonders vorne, sind ALLE Kleinwagen der Vorkriegszeit.
Trotzdem klappt das ein- und aussteigen ganz wunderbar.
Gut, ich bin nur 180cm groß und muss den Bauch hinter dem Lenkrad nicht einziehen…
Man sitzt Schulter an Schulter.
Man bedenke das Platzangebot im DKW F1 und F2…
Hinten ist im Ford Platz ohne Ende, große Kopf- und Beinfreiheit.
Mein Fazit ist, kein Vorkriegs-DKW ist „besser“, egal in welcher Hinsicht, als der Ford Y.
Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Ich hatte über 20 Jahre mit DKWs zu tun.
Sie Herr Weigold, sind was DKWs betrifft, absoluter Experte, niemand hat so ein ausgezeichnetes Wissen über DKW wie Sie. Trotzdem lohnt es sich auch einmal über den Tellerrand zu schauen….
Danke – diesmal leiste ich Ihnen Gesellschaft dabei, wie die Sache ausgeht. Hoffe, ja immer noch, dass man in Washington einen Kniff findet, wie man aus der Nummer herauskommt, aber die wahren Drahtzieher scheinen woanders zu sitzen. Immerhin ist bei den Amis die Bereitschaft, die eigenen Jungs zu opfern, nicht mehr so ausgeprägt wie einst. Der Drohnenkrieg der Moderne zieht vielleicht dem fatalen (da immer wieder missbrauchten) Ideal der soldatischen Tapferkeit überhaupt endgültig den Stecker…
Köstlich und zugleich sehr treffend – danke!
Besten Dank für die Perspektive aus Besitzersicht! Allerdings würde ich nicht die DKWs als Vergleich heranziehen, wobei sich die aus guten Gründen verkauften wie geschnitten Brot (speziell bei Einsteigern, die vom Zeitaktmotorrad kamen). Der Ford „Köln“ war am ehesten mit dem Einsteiger-Fiat des Typs 508 Balilla vergleichbar, Leistung, Verbrauch und Platzangebot innen sind fast identisch. Den Fiat gab es auch mit Hydraulikbremse und ich meine, dass er zeitgemäßer aussah als der noch stark an die 20er erinnernde Ford. Vom Fiat gab es serienmäßig eine Reihe attraktiver Aufbauten, mit denen Ford nicht mithalten konnte. Preislich waren die Wagen indessen auf ähnlichem Niveau angesiedelt. Allerdings waren beide gemessen noch weit von dem entfernt, was dann die Nachfolger „Eifel“ und „Fiat 1100“ leistungsmäßig und optisch boten. Insofern waren solche Einfachautos schnell veraltet, nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Reisegeschwindigkeit. Auf dem Land leisteten beide freilich noch bis in die Nachkriegszeit gute Dienste, sonst gäb es wohl keine mehr…
Der Ford Köln, der als Model y in England 1932 erschien, ist dem DKW wahrlich in vielen Dingen überlegen.
Sei es die Ausstattung, sei es die Verarbeitung oder die Güte des Materials.
Es ist ein kleiner, extrem zäher und zuverlässiger Wagen. Er fährt sich sehr gut und sicher. Die Karosserie ist haltbar.
Woher ich das weiß?
Ich bin Besitzer eines in restaurierten Ford’s mit Original 24000km.
Ich bin Ex-Besitzer einer DKW F8 2sitzer Cabriolimousine.
Dieser DKW wurde voll restauriert, einschließlich komplett neuer Holzkarosserie mit Kunstlederbezug.
Ein übergwichtiges, schwach motoriertes Auto, dem in entscheidenden Moment die Kraft fehlt. Der Ford schafft alles.
Ein guter Motor und eine reichhaltige Ausstattung.
Speichenräder, ausstellbare Frontscheibe, Tankanzeige, Amperemeter, Frischluftzufuhr über Klappe vor der Frontscheibe, vier(!) Seitenfenster zum kurbeln bei dem Zweitürer, ausreichend Platz für 4 Personen, geringer Verbrauch, Verbundglasscheiben ringsherum, sehr gut funktionierende Gestänge bremsen, Blechkarosserie, Stoßstangen hinten und vorne, Wasserpumpe, Benzinpumpe, Heckrollo, Kurbel….
Was hat der DKW?
Nichts davon solange es die Reichsklasse ist!
Bis auf den Motor, hat der DKW hauptsächlich Schwachstellen!
Der Motor keine Kraft (vor allem die Front-Luxus Modelle, die einfach zu schwer sind).
Der Schalt Satz im Getriebe nicht haltbar.
Antriebswellen ebenfalls nicht haltbar!
Fahrwerk? Nun ja, es ist in Ordnung, allerdings kann die „Schwebeachse“ hinten einseitig schon einmal aus der Führung springen…
Fallbenzin, Benzinhahn, Meßstab für den Tank, Thermosyphonkühlung,
Seilzugbremsen, keine Motorbremse (für den Zweitakter tödlich)…
Anfällige Zündanlage mit Reglerkasten und seinen zwei Zündspulen, zwei Unterbrecher, zwei Kondensatoren.
Karosserie?
Gut, am Beispiel einer Türe geht das ganz einfach…
Man nehme eine Art Bilderrahmen.
Von außen nagelt man dünnes Sperrholz bezieht es mit Kunstleder. Von innen nimmt man Pappe, bezogen mit Stoff. Der Fensterrahmen ist ein dünnes U-Profil aus Blech.
Scheibe und Kurbelapperat sind so schwer wie die Tür selbst…
Dicht wurde dieses Holz-Pappe-Sandwich eigentlich nie…
Da Trittbretter fehlen, verschmutzen die Flanken sehr.
Nicht so beim Ford!
Zudem ist der Rahmen, die Achsen beim DKW ziemlich klobig konstruiert.
Beim Ford ist alles filigraner, da bester Stahl verwendet wurde.
Außerdem altert der DKW extrem schnell.
Der Verbrauch des DKW ist für einen Kleinwagen sehr hoch. Dazu kommt auch noch das Zweitaktöl.
Dann der Gestank….
Ich möchte den DKW nicht schlechtreden, allerdings muss ich mich dagegen wehren, das der kleine Ford, der in 5 Jahren Produktionszeit mit 160000 gebauten Exemplaren, ein arg primitves Automobil ist…
Das trifft eher auf den überteuerten DKW zu!
Der DKW profitierte damals hauptsächlich wegen dem Deutschlandweit aufgebauten DKW-Motorrad-Händlernetz, das dann auch die Automobile verkaufte.
Natürlich war der DKW auch wegen seiner einfachsten Technik leicht zu reparieren.
Vor allem aber profitierte der DKW in den 30er Jahren von seinem an einen Horch angelehnten Design. Hätte es die Fusion zur Auto-Union nicht gegeben, wäre es mit DKW auch Schluss gewesen.
Mein Fazit ist, der Ford Köln ist dem DKW F1-F8, technisch, von der Verarbeitung, und auch von der Ausstattung überlegen.
Auch der Verbrauch ist beim Ford wesentlich geringer. Der DKW brauchte in meiner bergigen Gegend immer zwischen 8-13 Liter 1:25 Gemisch, der Ford kommt niemals über 8 Liter…
Ja, man erinnert sich z.Zt. ständig an manches, was einen damals schon störte oder gar mitnahm!
Mir als Jahrgang, der den sog. Vietnam- Krieg (führte nicht die USA diesen Krieg?) vom ersten bis zum letzten Tag am Radio verfolgen „durfte“ , wurde schon vor ca. 40 Jahren klar, wer die eigentliche Weltgefahr war – damals…
Und heute? Hat sich da was geändert – oder hab ich da was verpasst?
Zufällig konnte ich mit 7 Jahren Verspätung bei einem Berlin- Besuch den Film über die Letzten Tage und die Hubschrauberflucht der letzten Amis aus der Saigoner US- Botschaft sehen – ein Erlebnis, das fürs Leben bleibt!
Auch der Fachbegriff „Militärisch- industrieller Komplex“ war mir damals längst geläufig.
Lehren aus der Geschichte– überflüssig ! Denn Geschichte wiederholt sich ja nicht….
Der kleine Ford Y – oder „Köln“, wie er in Deutschland hieß, war sicher nicht so unzuverlässig, wie die heutigen Bilder nahelegen und ist nach Angebotshäufigkeit auf dem Markt auch heute nicht so selten, nur eben verdammt schwächlich und eng….
Das erste Foto führt uns dankenswerterweise vor, daß
die hier zu sehende bayerische Tracht des rettenden Engels mit seinem getreuen Arbeitskollegen mit Strassenzulassung, vom Hüatl bis zu die g’nagelten Schua damals Im Alpen- und Voralpenland als Arbeitskleidung und Alltragstracht getragen wurde – immer, und keineswegs nur zum Oktoberfest!
Bei Bodenfrost im Alpenland
die Fahrt des Ford ein Ende fand
Soll sich jetzt das Pferd hier plagen
bergauf im Schnee mit diesem Wagen ?
Ein „ix“wie die 9 in römischen Ziffern,
da wollte der Bauer sich erst vergewissern :
Klang das hier nun nach „Westostfalen“
was da kam auf des Bauern Fragen ?
Denn auf des Kühlergrilles Streben
ist hier auch nichts von Köln zu lesen !
Zu seiner Form sag ich nochmal
die war ganz international !
Aus Herford kam der Ford hierher,
einer Hansestadt ganz ohne Meer.
So wurde hier noch ganz bedrückt
am Knipsknopf doppelt zugedrückt !