Hoch hinaus – auf’s Land! Horch 350 Limousine

Hoch hinaus strebt mancher, oft leider nicht hoch genug qualifiziert – mir genügt es meist schon, wenn es auf dem Thermometer endlich nach oben geht.

In dieser Hoffnung strebte ich am letzten Wochenende gen Süden – in der zweiten Mai-Hälfte sollte es in Mittelitalien eigentlich schon ganz angenehm sein, so dachte ich.

Bei 11 Grad verließ ich das kalte Germanien, doch auch in der Schweiz sah es diesbezüglich nicht besser aus.

Verflixt, wenigstens südlich der Alpen sollte der Frühling doch alles fest im Griff haben, hoffte ich. Weit gefehlt – auch in Como dieselben 11 Grad.

Immerhin konnte ich dann die Po-Ebene trockenen Reifens durchmessen – nach 75.000km hatte mein wackerer Dacia Duster kurz vorher neue Pneus bekommen, diesmal Ganzjahresreifen von Continental.

Das sollte sich als gute Wahl erweisen, denn ab der Ausfahrt Cesena Nord, ab der es hart Richtung Süden ging, stand das Wasser immer wieder auf der Straße. Es schüttete wie aus Eimern und das, wie ich dem italienischen Radio entnahm, seit Tagen.

Die Contis durchpflügten indessen das Wasser, wie ich das so nicht kannte – man spürte die Reibung, aber kein Aufschwimmen – wenigstens das begeisterte mich.

Bei immer noch 11 Grad erreicht ich mein Ziel in Umbrien. Wie ich hörte, hatte noch am Vortag Schnee auf den höchsten Gipfeln gelegen. Entsprechend liefen die Leute herum wie im Winter.

Dazu passend kann ich mit diesem Foto aufwarten. es zeigt einen ebenfalls der Kälte angepassten Horch 10/50 PS von ca. 1925 nebst Besitzer aus der Zeit, bevor es bei den Sachsen hoch hinaus ging mit ihren phänomenalen Achtzylindern:

Horch 10/50 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Der Vierzylindertyp 10/50 PS war von der Leistung und den Dimensionen her bereits in der Oberklasse angesiedelt – man erkennt ihn übrigens an den weit unten angebrachten Luftschlitzen in der Motorhaube ähnlich den damaligen Fiat-Sechszylindern.

Von hier ging es ab 1927 freilich richtig hoch hinaus. Denn erst brachte man einen Achtzylinder allerfeinster Bauart heraus – mit zwei obenliegenden Nockenwellen.

Ab 1928 hatte man dann auch eine dem hochkarätigen Antrieb angemessene Karosserie im Programm – sie wurde mit dem Typ 350 eingeführt, den ich in meinem Blog schon etliche Male auf zeitgenössischen Fotos gezeigt habe.

Mit diesem Luxusgerät machte man auch auf dem Land gute Figur, wie ich heute anhand dieser Aufnahme illustrieren kann:

Horch 350; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Zugegeben, man sieht nicht furchtbar viel von der großen 6-Fenster-Limousine, aber genug, um sie als Achtzylinder-Horch 350 ab 1928 ansprechen zu können.

Ein wichtiges Detail in dem Zusammenhang sind die bei deutschen Autos jener Zeit seltenen Parkleuchten am hinteren Ende der Motorhaube. Vorbild waren hier US-Fabrikate, an denen Horch Ende der 20er Jahre auch sonst genau Maß nahm.

So konnte die flotte Lady vor dem Wagen sicher sein, dass es damit hoch hinaus ging, auch wenn man „nur“ auf’s Land fuhr.

Das wäre es an sich schon gewesen für heute, wenn sich der italienische Frühling nicht inzwischen von seiner prächtigsten Seite gezeigt hätte – noch frisch, aber sonnig.

Ich nutzte die Gelegenheit, um die Auffahrt zu meinem gegenwärtigen Aufenthaltsort mittels Bordkamera zu dokumentieren. Dabei geht es hoch hinaus aus der Valle Umbra, an deren Rand das 2500-jährige Spello thront, erst durch endlos scheinende Olivenhaine und dann Eichenwälder hinauf auf 600 Meter Höhe ins Bergnest Collepino.

Sehen Sie mir die vielen groben Schnitte nach – ich habe das hier zum ersten Mal ausprobiert und ich musste ja die Länge an das mittels KI erzeugte (somit copyright-freie Musikstück anpassen.

Ich meine aber, dass das satte Grün der Landschaft und der warm leuchtende Kalkstein seine eigene wohltuende Magie tun, während es hier hoch hinaus geht – zwar nur mit vier Zylindern aber auf moderne Weise durchaus luxuriös…

https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog/wp-content/uploads/2026/05/Auffahrt_Collepin-o_Komp.mp4
Fahrt von Spello nach Collepino (Umbrien), Mai 2026; Copyright: Michael Schlenger

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Ein Gedanke zu „Hoch hinaus – auf’s Land! Horch 350 Limousine

  1. Sehr schönes Video ! Den Horch 350 könnte ich immer noch mit dem Adler Standard von 1931 oder mit einer amerikanischen 6-Fenster-Limousine verwechseln, aber da ich bei einem weiteren gerade auf ebay gesichteten Angebotsbild den Elbblick mit der Sächsischen Schweiz erahne, wäre Horch eine sehr naheliegende Lösung. Denn auch da sieht man nur die Seite, aber nichts vom Kühlergrill, so wie bei Ihrem Bild der Zaun den Blick darauf verwehrt. Um 1930 waren auch die Luftschlitze zumeist senkrecht, während es zuvor etwa bei Adler oder Brennabor auch waagrechte in 2 oder 3 Reihen gab. Genießen Sie Umbrien – hoffentlich im Sonnenschein !

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