Kaum ist es einmal ein paar Tage hochsommerlich warm in deutschen Landen, hört man überall nur noch Jammern über die „Hitze“. Man merkt auch daran, unsere Republik altert rapide – irgendetwas ist immer nicht gerade so, wie man sich das so wünscht.
Wem’s aktuell wirklich zu warm draußen ist, kann ja drinnen bleiben, wenn er keinen Job hat, der anderes erfordert. Irgendwo findet sich schon ein kühles Räumchen, denn die meisten braven Zeitgenossen haben ihre Häuser ja tüchtig gedämmt, nicht wahr?
Ich gehöre nicht zu der Fraktion, in meinem Büro waren es heute 31 Grad und die Arbeit will trotzdem erledigt werden. Gejammert wird nicht, schon aus Prinzip, und erst recht nicht, wenn es bei uns mal so ist wie im Süden.
Tatsächlich war nach getaner Schreibtischarbeit der Gang nach draußen, etwas Arbeit in Hof und Garten dann geradezu entspannend. Keine stickige Luft mehr, Sonne auf der Haut und wenn man’s langsam gehen lässt, gewöhnt man sich dran.
Bei der abendlichen Fahrradrunde durch die goldgelben Felder und kerngesunde, tiefgrüne Laubwälder begegnete mir außer ein paar deutlich jüngeren Sportlern kein Mensch.
All die prächtige Natur und Kulturlandschaft unter tiefblauem Himmel, Mohn- und Kornblumen am Wegesrand, Störche auf den Feldern und urige Rinder in der sumpfigen Au – sieht diese Wunder denn sonst keiner? Ich vergaß, es gibt ja die Glotze…
Ich meine: Das Leben ist immer zu kurz, ich will nichts davon verpassen und schon deshalb kann’s mir auch nicht heiß genug dabei sein.
Damit ist es höchste Zeit für ein heißes Eisen, das ich schon seit Jahren anfassen will. Und das kam ausgerechnet vom US-Massenhersteller Ford, dem denkbar unwahrscheinlichsten Kandidaten dafür.
Nachdem Henry Ford mit dem legendären Model T die Weichen für die Demokratisierung des Automobils gestellt hatte – was ihn bei allen menschlichen Fehlern zu einem der ganz großen Beförderer des Fortschritts gemacht hat – hielt er viel zu lange an dem Gefährt fest.
Jetzt, wo jeder ein Auto hat (in den USA, versteht sich), ist doch das Ziel erreicht, so sein Credo – der Überlieferung nach. Noch um 1925 kauften die Leute gerne die „Tin Lizzie“:

Die Aktionäre der Firma und Fords Sohn Edsel waren zum Glück weitsichtiger. Sie sahen die immer stärker werdende Konkurrenz, vor allem von Chevrolet, und drängten auf eine Neuentwicklung.
Diese gelang tatsächlich in sehr kurzer Zeit, obwohl Henry Ford mit seinen meist instinktgeleiteten Ideen der Entwicklung zur Serienreife des öfteren im Weg stand.
Doch 1928 war man soweit. Nach fast einem Jahr Produktionspause, in dem Konkurrent Chevrolet zur Nr. 1 am US-Markt aufstieg, brachte Ford das völlig neue Model A heraus.
Mit seinem 40 PS starken Motor, nunmehr klassischem Getriebe und einem markanten Styling, das den Vorgänger auch äußerlich alt aussehen ließ, hatte man das Konzept für einen weiteren Millionenerfolg geschaffen.
Das Ford Model A wurde auch im neuen Werk in Köln gebaut und war schon öfters ein willkommener Gast in meinem Blog. Hier ein Exemplar, das auch als Nebendarsteller vor der spätmittelalterlichen Kulisse der bayrischen Stadt Miltenberg gute Figur machte:
Doch die Tage des Model A sollten noch noch schneller gezählt sein als die des Model T.
Kaum war der neue Ford auf dem Markt, zeichnete sich in den Staaten immer deutlicher der Trend zu billigen 6-Zylinderwagen ab – selbst in Deutschland gab es trotz desolater Wirtschaft eine steigende Zahl solventer Käufer dafür.
Diesmal war es wieder Henry Ford, der auf dem Umweg über einen 8-Zylinder-Sternmotor den richtigen Impuls gab, ohne den das von ihm gegründete Unternehmen binnen weniger Jahre untergegangen wäre.
Nur übergangshalber brachte man 1932 das Model B als Vierzylinder-Nachfolger des Ford A heraus. Der behutsam weiterentwickelte Motor leistete nun 50 PS.
Für deutsche Verhältnisse war das ein hervorragender Wert und zusammen mit dem neuen Erscheinungsbild der Kühlerpartie und reichlich Chrom konnte man sich damit sehen lassen:
Doch nach dem Motto „Heißer geht immer“ brachte man im praktisch identischen Gewand im selben Jahr 1932 etwas heraus, was vermutlich die letzte Großtat von Ford war – den V8-Motor für jedermann!
Einige Leser werden sich an meinen Beitrag „Kurz vor acht“ zum Cadillac von 1914 erinnern, in dem ich nebenbei darauf hingewiesen hatte, dass die Marke mit der Einführung eines V8-Motors ab 1915 in die Luxusklasse aufstieg.
Jetzt kam Ford keine 20 Jahre später daher und bot so einen Antrieb in einem Brot- und Butter-Auto an – phänomenal.
Möglich war dies nur, weil man bei der Konstruktion von vornherein auf die Anforderungen der Großserie und die Produktionskosten geachtet hatte – beides Disziplinen, in denen viele deutsche Hersteller damals nicht gerade glänzten.
Der wichtigste Schritt zum Erfolg bestand darin, dass man den Motorblock und die beiden Zylinderbänke aus nur einem Stück goss. Das hatte niemand zuvor in Serie gewagt und nahm einen Großteil der Entwicklung in Anspruch.
Aus demselben Motiv verzichtete man auf einen modernen Ventiltrieb mit im Zylinderkopf hängenden Ventilen. Stattdessen behielt man die traditionelle Bauweise mit seitlich stehenden Ventilen bei und montierte statt eines Zylinderkopfs einen flachen Deckel – der dem Ford V8 zum legendären Namen „Flathead“ verhalf.
Unter Effizienzaspekten war diese Lösung zwar nicht ideal, aber das war egal, denn Fords neuer V8 leistete bereits bei der Einführung 1932 satte 65 PS. Schon ein Jahr später waren es 75 PS, dann 85 und zuletzt 95 PS.
Ein dermaßen starker Motor in einem Auto für jedermann (nach US-Maßstäben), das war sensationell. Auch anfängliche Qualitätsprobleme änderten nichts an dem unmittelbaren Erfolg dieses Konzepts, auf das Henry Ford persönlich gedrängt hatte, während sein Sohn Edsel einen 6-Zylinder bevorzugt hätte.
Der alte Fuchs hatte damit ein letztes Mal seine Qualitäten als chaotisches Erfindergenie bewiesen. Typisch für ihn war auch, dass ihn das Styling des neuen Ford V8 kaum interessierte.
So kamen die Modelle des ersten Baujahrs 1932 genauso daher wie das Vierzylindermodell B – nur ein V8-Emblem auf Kühler und Radkappen ließ äußerlich erkennen, was für ein Aggregat unter der Haube arbeitete.
Bei folgendem in Deutschland zugelassenen Exemplar vermute ich, dass wir es mit einem V8-Modell von 1932 zu tun haben, ganz sicher bin jedoch nicht.
Doch mit zumindest einem sicheren Kandidaten in Sachen V8 von 1932 kann ich aufwarten, während die späteren Modelljahre in meinem Fundus zahlreicher vertreten sind.
Dieses Foto ist von großem Reiz, da das Auto hier wieder einmal nur die Bühne zur Selbstinszenierung darstellt – nebenbei eine Funktion, die heute kaum noch einer nutzt und das nicht nur, weil es keine Trittbretter mehr gibt.
Zudem trägt das Foto auf der Rückseite den mysteriösen handschriftlichen Zusatz: „1937 auf der Reise nach Meran mit unserer Mutter, bevor sie verschwand„.
Nun wäre das schon alles, was ich dem Ford V8 des Einführungsjahrs 1932 abgewinnen kann und was ich aus eigenen Beständen an Material dazu beisteuern kann. Wenigstens das V8-Logo ist auf den Radkappen gut zu erkennen.
Das kommt mir selbst noch nicht aufregend genug vor – und frei nach dem Motto „Heißer geht immer“ will ich Ihnen mit dem folgenden kleinen Video Appetit auf die nächste Folge dieser Serie machen, die am Ende bis ins Modelljahr 1939 reichen soll.
So hatte ich kürzlich bei der örtlichen US-Klassikerveranstaltung „Rumbling Engines“ die Gelegenheit, einen Ford V8 des Modelljahrs 1933/34 näher zu inspizieren.
Dieses Gerät weist nicht nur eine viel aufregendere Kühlerpartie auf als der Erstling von 1932 auf, es handelt sich auch ein echtes „Hotrod“ – also einen mit Tuningteilen heißgemachten Wagen mit ansonsten weitgehend originaler, stark gebrauchter Erhaltung.
Das Exemplar diente mir als Objekt dazu, die Videofunktionen meiner Nikon-Kamera mit klassischem Zoomobjektiv manuell zu erproben. Bitte seien Sie gnädig, ich habe das Teil hier erstmals ausprobiert und ein paar brauchbare Szenen zusammengefügt.
Wirklich zufrieden bin ich nur mit der unterlegten Tonspur. Sie könnten anhand eines Details im Wageninnern auf die Idee kommen, die Stimme von Marilyn Monroe zu hören, die dieses Jahr 100 geworden wäre und eine enorm vielseitige Künstlerin war.
Aber nein, das nette Jazz-Gesangsstück habe ich komplett KI-basiert „komponiert“ – mit anderen Worten: Ich habe genau beschrieben, was ich haben will und im zweiten oder dritten Anlauf wurde dann geliefert wie bestellt.
Der Text ist so „sinnvoll“, wie das bei Schlagern von jeher der Fall ist, doch der Effekt entscheidet und mir gefällt das Resultat. Wundern Sie sich nicht über den anfänglich schwarzen Bildschirm – das ist genau so gewollt und ändert sich im rechten Moment…
Ford V8 Hotrod von 1933/34 bei „Rumbling Engines“ 2026, Bad Nauheim; Video-Copyright Michael Schlenger, 2026; Musik: KI-basiert
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Musik hat wie Sprache ein gewisse Logik (Muster) und beinhaltet gleichzeitig infinite Variabilität auf Basis der vorhandenen Elemente. Eingängige 3-Minuten-Stücke lassen sich daher quasi am Fließband produzieren, wenn man die wesentlichen Bestandteile einmal in weiterverarbeitbarer Form erfasst hat. Auch Nuancen wie Stimmfarbe, Timbre, Rubato, Treffsicherheit beim Singen lassen sich abstrakt abbilden. Natürlich bedient sich KI dabei vorhandener Vorbilder, was dazu beiträgt, dass das Ganze so authentisch wirkt. Die Schlagerfuzzis werden sich zwar einen neuen Job suchen müssen, aber wer das kreative Potenzial von KI erkennnt und für sich nutzt, findet großartige Betätigungsfelder. Letztlich ist KI für mich die konmzentrierte Verfügbarkeit fast aller menschlicher Fähigkeiten – wie im richtigen Leben kommt man dabei nicht umhhin, einem klaren Kompass für Qualität zu folgen. KI ist wie das Automobil ultimativ demokratisch – man bekommt damit etwas an die Hand, was sonst nur einer Elite zugänglich war. Wie beim Auto muss man freilich damit umgehen lernen. Auch das praktizieren wir hier gewissermaßemn live im Blog. Danke für Ihren klugen Kommentar, übrigens!
Das Sie KI-basierend erstellte Songs nutzen habe ich mitbekommen. Dennoch ist es (für mich) frappierend wie eng sich das erstellte Ergebnis zeitlich und Genre-mäßig erstellt. Es klingt absolut natürlich, mit einer Einzelstimme belegt, selbst das Tremolo ist deutlich hörbar. Mit KI habe ich lediglich auf einer gänzlich anderen Ebene zu tun. (Strömungslehre, Avionik) Daher ist das eine willkommene Bereicherung für mich. Auf die nächste Folge freue ich mich schon sehr. Vielen Dank.
Danke! Bei den Hotroddern gibt es ja ein riesiges Spektrum. Der von mir dokumentierte Ford ist ein weitgehend authentischer „Überlebender“ ohne die verbreiteten Modifikationen am Dach, nur die Haubenteile fehlen. Der Flathead V8 ist mit vielen Teilen aus dem Zubehör heißgemacht – da sind locker 150 PS drin. Zusammen mit dieser Optik in der Tat speziell, aber verdammt gut gemacht. Danke für den Hinweis in Sachen Musik – Ruth Brown mag ich auch, hatte aber gar nicht an sie als Vorbild gedacht. Im vorliegenden Fall nutze ich KI-basiert erstellte Songs, um kein Copyright zu verletzen.
Was für ein phantastischer Beitrag! Danke dafür. Die Musik erinnert mich total an Ruth Brown – Sweet Baby of Mine. Eine meiner Lieblings-Interpretinnen. Ich bin ja bei dem Thema „Vorkriegs-Autos“ eher ab Mitte, Ende der 30er angesiedelt. Aber diese Hotrod-Szene ist schon sehr speziell. Positiv gewichtet.
Beste Grüße aus dem Brandenburger Land,
M. Grunwald.