Anno 1920: Ein Horch 8 mit 24 PS…

Kennt eigentlich noch irgendeiner die pseudohistorischen Werke eines skurrilen Zeitgenossen namens Erich von Däniken? Der die Menschheitsgeschichte ganz anders erzählte, als man das gemeinhin lehrt oder sich im Selbststudium aneignen kann?

Ich habe die Kreativität solcher Leute im Uminterpretieren von archäologischen Relikten schon immer bewundert – weniger weil sie so überzeugend gewesen wären, als wegen ihres enormen wirtschaftlichen Erfolgs im Ausnutzen der Beeinflussbarkeit der Leute.

Mein Favorit bei von Däniken war stets der außerirdische „Raumfahrer“, den er auf einem Maya-Relief zu sehen behauptete. Schon allein die Projektion neuzeitlicher Konzepte und technischer Schöpfungen des Menschen auf die ferne Vergangenheit – und dann noch auf extraterrestrische Besucher – ist eine Zumutung für die Vernunft, sollte man meinen.

Wenn eine Zivilisation außerhalb unseres Sonnensystems – deren Existenz rein statistisch wahrscheinlich ist – über die Technologie verfügt, die ungeheuren Distanzen im All zu überbrücken, dann wird diese wenig bis nichts mit dem zu tun haben, was wir Erdlinge bisher auf dem Transportsektor zustandegebracht haben.

Ich war lange der Überzeugung, dass uns die Aufklärung dagegen immunisiert hätte, einfach jeder mit Bildern und wissenschaftlich wirkendem Vokabular daherkommenden Geschichte ungeprüft Glauben zu schenken.

Vor ein paar Jahren wurde ich indessen eines Besseren belehrt. Seither weiß ich, dass man der Masse alles erzählen kann, man muss es nur mit tiefenpsychologisch wirksamen Mitteln und in Endlosschleife tun.

Meine Leser sind indessen – so hoffe ich – gegen derlei Methoden abgehärtet und konsumieren mit der gebotenen Skepsis, was ihnen der Blogwart hier auftischt.

So wird mir wohl keiner abkaufen, dass es Anfang der 1920er Jahre bereits eines der Horch „8“-Modelle ab, die den bis heute anhaltenden Ruhm der sächsischen Marke begründeten.

Der meisterhafte 8-Zylinder, mit dem Horch an der gesamten deutschen Konkurrenz vorbeizog, wurde ja erst ab 1927 angeboten. Kurz nach dem 1. Weltkrieg wäre an die Neuentwicklung eines hochfeinen Aggregats mit Ventilsteuerung über gleich zwei im Zylinderkopf rotierenden Nockenwellen auch kaum zu denken gewesen.

Was also hat es mit dem Horch 8 von anno 1920 auf sich? Und wieso hatte der nur 24 PS? Nun, das war ein alter Hut, denn einen Horch der Spezifikation 8/24 PS gab es schon 1911.

Die „8“ bezog sich auf die skurrilen Steuer-PS – eine von Beamten erdachte Größe, die in einem losen Zusammenhang mit dem Hubraum und exakt keinem mit der tatsächlichen Leistung stand. Wieso man dafür eine Steuer verlangen kann, ist ebenso rätselhaft wie bei der Fenstersteuer – aber irgendwie will die Kasse ja gefüllt werden.

Jedenfalls brachte Horch anno 1911 einen 2-Liter-Vierzylinder heraus, der als 8/24 PS angeboten wurde – „Namen“ brauchten die Autos damals noch nicht. Der anfängliche Flachkühler wich erst einem Schnabelkühler, dann einem moderaten Spitzkühler.

Diese Metamorphosen lassen sich in meiner Horch-Galerie anhand einiger anderer Horch-Typen nachvollziehen – da lief das nämlich genau so.

Fotos der späten Ausführung mit Spitzkühler sind nach meiner Wahrnehmung sehr selten – hier ist das erste, das ich meinem Fundus einverleiben konnte:

Horch 8/24 PS der frühen 1920er Jahre; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Der im Raum Erfurt zugelassene Wagen wirkt hier wenig spektakulär. Das war er gemessen an der Konkurrenz in dieser Klasse von Adler, Brennabor oder Adler auch nicht.

Doch die Chronistenpflicht gebietet es, diesen vom Kühler abgesehen völlig beliebigen Tourer der 2-Liter-Kategorie ebenfalls zu würdigen.

Das Foto ist übrigens ein „schönes“ Beispiel dafür, wie reizlos und detailarm so eine Schwarzweiß-Aufnahme fallweise wirken kann, wenn man ihr nicht mit einer historisch informierten Kolorierung mehr von dem entlockt, was sich darin verbirgt.

Und genau zur Illustration dieser Erkenntnis belasse ich es heute dabei. Also kein Horch „8“ und auch kein lebensnaher Einblick in die Welt von gestern – aber keine Sorge, es findet sich eine andere Gelegenheit…

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