Zu den Autos aus deutscher Fabrikation, die ich mir nicht schönsehen kann, gehört der Ford „Köln“, der von 1933 bis 1936 gebaut wurde.
Schuld an seiner hochbeinigen Erscheinung und kruden technischen Machart war allerdings „Ford Britain“ – denn dort war das Vorbild als sogenannter Y-Type entwickelt worden. Was sich auf der Insel über 100.000mal absetzen ließ, floppte am deutschen Markt.
Verantwortlich dafür war aus meiner Sicht die andere Konkurrenzsituation. Vom Preis her unschlagbar war in der Hubraumklasse des Ford „Köln“ (knapp 1 Liter) der Opel 1,2 Liter bzw. P4. Nicht ganz so unglücklich gestaltet, technisch ähnlich, aber vor allem deutlich billiger erreichte der Opel den zehnfachen Absatz wie der Ford.
Wer mehr ausgeben wollte, bekam dann richtig schöne Wagen mit modernem Frontantrieb und überlegener Straßenlage. DKW machte mit seinen stets schicken Zweitaktern vor allem bei Kunden das Rennen, die vom Motorrad kamen.
Adler sprach mit seinem Trumpf Junior im 1-Liter-Segment die Gourmets an, die Viertakter, flotte Optik und mehr Platz wollten – dafür war allerdings ein satter Aufpreis fällig.
Man sieht: auch von der Faktenlage schönreden ließ sich der Ford „Köln“ nicht – das Urteil des Käufers als einziger relevanter Gradmesser fiel entsprechend aus.
Aber: schön gemacht ist zumindest diese Aufnahme des in Deutschland ungeliebten Ford „Köln“ dann doch:

Diese Familie hatte ihren Ford „Köln“ geschickt so „besetzt“, dass man seine unglückliche Erscheinung glatt übersieht.
Das hätte glatt ein Werbefoto für den Wagen werden können – vielleicht hätte man dann bei deutschen Kunden noch ein paar Sympathiepunkte sammeln können.
Ob die ausländische Herkunft des Herstellers wirklich absatzbremsend wirkt, wie man bisweilen liest, ist eine unbewiesene Behauptung. Der hervorragende Absatz der kompakten Fiats am deutschen Markt wie auch die Präsenz von US-Mittel- und Oberklassewagen spricht dagegen, dass nationale Motive eine große Rolle spielten.
Vielleicht sollte man das Propagandabild Deutschlands in den 1930er Jahren rund 90 Jahre später nicht für bare Münze nehmen. Wenn es ums Auto ging, kam es entweder aufs Geld, Optik oder Leistung an – und man kaufte dann das, was am besten passte.
Im vorliegenden Fall haben wir es mit einer Familie aus der niederschlesischen Industriestadt Waldenburg zu tun. Jedenfalls war ihr Ford „Köln“ in der südwestlich von Breslau gelegenen Stadt (heute polnisch: Wałbrzych) zugelassen.
Bei allen Qualitäten der Aufnahme besteht noch Spielraum, sie weiter herauszuarbeiten, ohne den historischen Charakter zu beeinträchtigen:
Behutsam optimiert mittels KI präsentiert sich der Köln mitsamt einstigen Besitzern nun durchaus so, dass man sagen möchte: „Zumindest schön gemacht!“
Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.