Langjährige Leser meines Blogs werden sich vielleicht wundern: seit wann findet der Blog-Wart den Winter „magisch“?
Betont er sonst nicht bei jeder Gelegenheit, dass er gut darauf verzichten kann, dass es ruhig das ganze Jahr über 30 Grad Celsius sein kann – ja, dass er erst dann seine Wohlfühltemperatur erreicht hat, wenn andere über die „Hitze“ jammern?
Nun, da ist etwas dran, wobei ich weniger ein Problem mit dem Winter „per se“ als habe, als mit den Leuten, für die der Winter ein Problem darstellt – und zwar beim Autofahren.
Mit den Fahrzeugen des 21. Jh., modernen Reifen, Spurhalteassistenten, ABS und x weiteren Erleichterungen lässt sich bei winterlichen Verhältnissen so sicher fahren wie nie zuvor.
Doch ist vielleicht genau das das Problem: Denn etwas Verständnis für die besonderen Verhältnisse bei Eis und Schnee ist schon vonnöten, um damit zurechtzukommen.
Und weil es daran oft mangelt, wird beim ersten weißen Flaum auf der Straße geschlichen wie zur Zeit der Pferdekutsche. Das ist jedenfalls meine Beobachtung hier im Westen Deutschlands, wo harte Winter schon seit meiner Kinderzeit in den 70er Jahren rar sind.
Leser aus Skandinavien, Osteuropa oder Nordamerika werden über diese spezielle Ausprägung der legendären „German Angst“ jetzt lächeln – dort ist man es gewohnt, auch bei Schnee und Eis täglich unterwegs zu sein.
Das war auch in deutschen Landen einst völlig normal – wer in der Vorkriegszeit ein Auto besaß, der fuhr oft auch ganzjährig und scheute winterliche Verhältnisse nicht – im Gegenteil, wie ich Ihnen heute vorführen werde.
Doch wollen wir es ganz entspannt angehen lassen – wie einst diese Herren hier:

Wer würde nicht gern an dieser Szene teilhaben, die ich hier besprochen habe?
Den Tourenwagen, der irgendwo in Südosteuropa aufgenommen wurde, habe ich seinerzeit als Pontiac des Modelljahrs 1928 identifiziert. Die markante Kühlerfigur liefert die Marke, die Gestaltung der Motorhaube und die verspielte seitliche Zierleiste sind typisch für die 1928er Ausführung dieses US-Sechszylinderwagens der Einsteigerklasse.
Die mit 40 PS moderate Leistung markierte in den Staaten damals die Untergrenze des Vertretbaren, aber in Europa galten diese Wagen als gut motorisierte Mittelklassewagen.
So ist mir zwischenzeitlich eine weitere Aufnahme eines solchen 1928er Pontiac mit Tourenwagenaufbau zugelaufen – typisch für den europäischen Markt zu einer Zeit, in der in den Staaten geschlossene Aufbauten dominierten:
Technisch ist diese Aufnahme nicht der Rede wert, doch immerhin kann man hier das Auge etwas schulen – die Silhouette von Indianerhäuptling Pontiac zeichnet sich hier besonders gut ab. Auch die erwähnte Zierleiste mit dem Ornament am Vorderende findet sich wieder.
Über Ort und Umstände des Fotos ist nichts bekannt – irgendwo in Europa wird sie wohl entstanden sein, wobei ich eher auf den Süden oder den Balkan tippe.
Interessant ist allenfalls, wie anders ein Tourer mit niedergelegtem Verdeck wirkt – tatsächlich bevorzuge ich Aufnahmen mit geschlossenem Dach wie die zuvor gezeigte. Die Autos wirken auf mich dann vollständiger und machen einfach mehr Eindruck.
Nochmals einen anderen Effekt haben indessen Fahrzeuge mit Limousinenaufbau – auf den ersten Blick erscheinen sie wie ein anderer Typ. So etwas fand sich in Europa wie gesagt seltener als in den USA und das spiegelt sich auch in den noch existierenden Fotos wider.
Umso beeindruckender ist es dann, wenn man doch einem 1928er Pontiac mitten in Deutschland mit der teuren geschlossenen Karosserie begegnet – und das noch mitten im Winter – magisch, nicht wahr?
Dieses wunderbare Foto wurde mit langer Belichtungszeit aufgenommen, was die leichte Unschärfe der Personen (inkl. Hund) erklärt, aber den Pontiac perfekt in Szene setzt.
Besonders glücklich ist hier, dass die Kühlerfigur sich knackscharf vor dem dunklen Mantel des Fahrers hinter dem Auto absetzt. Zugelassen war der Wagen im thüringischen Gera, leider wissen wir nichts über das Besitzerpaar, das zweifellos gut situiert war.
Die Zierleiste des Tourers findet sich hier nicht, auch auf die Scheibenräder müssen wir verzichten, doch dafür gibt es eine geschlossene Kabine, vielleicht mit Heizung im Fußraum aus dem Zubehörhandel.
Das Dokument verdanke ich Leser Erhard Schmidt und ist ein schönes Beispiel für das fruchtbare Zusammenwirken der Vorkriegs-Enthusiasten, von dem dieser Blog seit nunmehr 10 Jahren profitiert.
Jetzt könnte einer sagen: Keine Kunst, von den Schätzen anderer Sammler zu profitieren. Dazu zwei Anmerkungen: Der weit überwiegende Teil der in die tausende gehenden Originalfotos, die ich hier für Leser ausbreite, stammt aus meinem eigenen Fundus.
Und die Präsentation von Leserfotos ist immer noch meine Eigenleistung – ganz abgesehen von der Bereitstellung des Blog-Formats, dessen Kosten ich alleine trage (auch für die Werbefreiheit zahle ich).
Nun gut, mag man jetzt denken, das ist aber nur die äußere Hülle – der Zauber der Fotos Dritter entfaltet sich aber doch ganz von allein, wo liegt da die Leistung des Blog-Warts?
Liebe Leser, warum ich an der Magie des heute vorgestellten Winterfotos einen gewissen Anteil habe, das werden Sie gleich sehen.
Ich habe nämlich selbst ein wenig gezaubert, damit wir alle den Winter im Vorkriegsauto so entspannt genießen können, als sei es gestern gewesen – vergessen Sie nicht, den Ton zu aktivieren:
1928er Pontiac; Originalfoto: Sammlung Erhard Schmidt; Animation: Michael Schlenger
Sehen Sie jetzt, warum auch ich den Winter ganz zauberhaft finden kann? Dabei ist eine solche Animation („image-to-video“) keine Magie, sondern etwas, was man lernen und diszipliniert anwenden kann – so wie das sichere Fahren im Schnee.
Der Weg dorthin ist nicht einfach – wer hier auf schnelle Erfolge hofft, macht schnell die Erfahrung, dass die Sache anspruchsvoll ist. Auf unbekanntem KI-Terrain bewegt man sich besser vorsichtig vorwärts wie auf einer plötzlichen Eisfläche.
Wenn man aber den Bogen heraushat, dann beginnt die Sache rasch Spaß zu machen. Und nein: Ich werde Ihnen nicht verraten, mithilfe welcher KI ich das gemacht habe. Glauben Sie ruhig an etwas Magie, wenn sie so etwas mögen.
Der Umgang mit KI ist vielleicht die Zauberkunst des 21. Jahrhunderts. Eine Kunst ist dabei jedenfalls, die rechte Balance zwischen Authentizität und Fantasie zu finden. Auf der Suche nach diesem Gleichgewicht werden Sie mich dieses Jahr begleiten können.
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Besten Dank für diesen Zeitzeugenreport – natürlich gab es Besitzer, die im Winter nicht fahren mussten, aber Geschäftsleute, Ärzte, Taxifahrer, Kuriere, Hotelchauffeure usw. hatten keine Wahl.
Wenn ich meinem verstorbenen Eltern glauben schenken darf, dann war es in der Vor- und frühen Nachkriegszeit nicht für alle Fahrzeugbesitzer selbstverständlich im Winter zu fahren. Meine Eltern hatten einen Batteriedienst und über den Winter immer Batterien von stillgelegten Fahrzeugen im Batterielager . Die wurden regelmäßig geladen und der Säurestand geprüft. Ich selbst kann mich erinnern, daß noch in den 60ern mindestens ein Kunde im Winter seine Batterie brachte.
Die Werkstatt wurde beim Umbau der Scheune ca. 1966 aufgelöst und die restlichen Ersatzteile der Autoelektrikwerkstatt entsorgt. Bis auf das große VARTA Ladegerät welches ich später hatte.