Auf der Suche nach dem Frühling? Citroen B14

Ende März und selbst an meinem gegenwärtigen Aufenthaltsort in Mittelitalien lässt der Frühling auf sich warten. Tagsüber kaum über 10 Grad, kalter Wind, die Leute laufen eingepackt herum wie in Deutschland im Winter.

Mit dem mir eigenen Optimimus bzw. Leichtsinn habe ich auf „angemessene“ Kleidung verzichtet – ein Jackett über dem Hemd muss genügen und tut es auch.

Ich sehe das sportlich und sogenannte Funktionskleidung aus Polyester-Derivaten kommt mir nicht ins Haus. Meine Mutter hat mir unter anderem auch 100 % Naturfaser als Wert an sich vermittelt – bereut habe ich es bisher nicht.

Interessanterweise kam man einst sogar ohne Heizung im Auto aus – jedenfalls gab es das in der Vorkriegszeit nur in US-Oberklassewagen serienmäßig. Dabei war zumindest in Deutschland der Autobesitz nur einer kleinen Schicht an Betuchten zugänglich. Aber die waren bei frischen Temperaturen genau das – eben gut betucht.

Ein hübsches Beispiel dafür darf ich Ihnen heute (wieder einmal) nahebringen. Neues vermag ich zwar nicht zu bieten, was das Auto angeht, Sie werden es aber nicht bereuen.

Bei der Gelegenheit möchte ich an die Diskussion um in Deutschland gebaute Klein- und Mittelklassewagen ausländischer Hersteller anknüpfen. Heute ist das nicht mehr so präsent, doch in den späten 1920er und 30er Jahren war das völlig normal.

Nicht nur fertigte Fiat in seinem Heilbronner Werk fast alle Modelle und stieß auf begeisterte Nachfrage. Auch Ford trug mit den in Köln gebauten Wagen zur Deckung des Bedarfs deutscher Käufer bei. In nur zwei Jahren fanden über 11.000 Model A-Fords aus Kölner Produktion Absatz, dazu nochmals rund 12.000 in Berlin montierte Exemplare.

Vor diesem Hintergrund ist auch der Erfolg des von 1933-36 gebauten Ford „Köln“ als eher überschaubar anzusehen. An mangelnder Offenheit für die Qualitäten ausländischer Konstruktionen kann es jedenfalls nicht gelegen haben.

Das zeigt sich nicht zuletzt an den ebenfalls in Köln gebauten Wagen des französischen Herstellers Citroen. Im 1927 errichteten deutschen Werk der Marke entstanden binnen anderthalb Jahren rund 9.000 Exemplare des Typs B14 für den einheimischen Markt.

Diese ersten in Deutschland gebauten Citroens bestanden noch nicht einmal überwiegend aus im Inland gefertigten Teilen, fanden dennoch hervorragenden Absatz, obwohl der Krieg mit dem angeblichen Erbfeind erst einige Jahre zurücklag.

Hier haben wir ein typisches Exemplar eines Citroen B14 mit deutscher Zuassung:

Citroen B14 in Bad Pyrmont; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Der B14 von Citroen bot damals in der unteren Mittelklasse ein Gesamtpaket, mit dem kein deutscher Hersteller mithalten konnte:

Moderne Ganzstahlkarosserie mit Platz für die ganze Familie, servounterstützte Bremsen (Westinghouse/WABCO) und 22 PS aus 1,5 Litern Hubraum zum konkurrenzlosen Preis.

Demtsprechend häufig begegnen einem solche Citroens in deutschen Landen auf alten Fotos – insofern zeigt das heute präsentierte Foto nichts Ungewöhnliches.

Aufgenommen wurde der Wagen in Bad Pyrmont vom dort ansässigen Hoffotografen, der sich mangels solventer adliger Kunden auf betuchte Kurgäste spezialisiert haben dürfte.

Gekonnt hat er den Citroen hier auf der Hauptallee des Orts abgelichtet – mit dem Säulengang der sogenannten Wandelhalle im Hintergrund.

Zwar war es ein kühler Vorfrühlingstag und es hatte geregnet – doch die Besitzer des Wagens hatten diesen vor dem Fototermin noch bei einer örtlichen Tankstelle putzen lassen, damit er auch wirklich gute Figur macht:

Citroen B14 in Bad Pyrmont; kolorierte Fassung: Michael Schlenger

Bei dieser KI-gestützten Kolorierung habe ich Wert darauf gelegt, dass der Citroen einen möglichst sauberen Auftritt hat – das durfte man bei einer solchen Gelegenheit erwarten.

Das Zweifarbschema entspricht damaligen Standards und dürfte dem Original recht nahekommen. Die eigentliche Kür besteht indessen darin, den Wagen und seine Insassen wieder zum Leben zu erwecken.

Mit einer geeigneten KI ist das inzwischen auch für Amateure wie mich recht gut darstellbar. Man muss freilich eine Vorstellung davon haben, was solche Systeme leisten können und wie sie mit den Anweisungen („Prompts“) des Auftraggebers umgehen.

Meist bedarf es nur einiger weniger Versuche und man bekommt ein überzeugendes Ergebnis, etwas Übung und geeignetes Ausgangsmaterial vorausgesetzt.

Wie war das doch gleich am Anfang? Hatte ich da nicht das Ausbleiben des Frühlings beklagt? Egal, wir haben ja ein Automobil und fahren ihm einfach entgegen:

https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog/wp-content/uploads/2026/03/Citroen_B14_Hoffotograf_Bad_Pyrmont_animiert.mp4

Citroen B14 in Bad Pyrmont; KI-gestützte Animation: Michael Schlenger

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5 Gedanken zu „Auf der Suche nach dem Frühling? Citroen B14

  1. Was die in Köln gebauten, deutschen CITROEN Automobile angeht, so gibt es ein hervorragendes Buch von Immo Mikloweit: „CITROEN, die ersten deutschen Jahre von 1919 bis 1969“, erschienen 2019. Ich war und bin begeistert vom Inhalt, insbesondere der Fotoauswahl historischer Fotos und Anzeigen. Wer über Citroen in Deutschland schreibt, findet hier ( fast ) alles.

  2. So soll es sein, Herr Hirmer! Wir können die Dinge im Großen und Ganzen nicht ändern, aber wir können uns in unserer eigenen kleinen Welt so einrichten, dass die Lebensfreude nicht auf der Strecke bleibt. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit sowie mit den zeitlos gültigen Dingen ist eine zuverlässige Methode, sich nicht über Gebühr dem Hier und Jetzt auszuliefern.

  3. Ein überaus gelungener Beitrag mit einmaliger KI – Bearbeitung, der Spaß und Lebensfreude vermittelt. Bei den wenig erfreulichen täglichen Berichten, gleich ob aus westlicher oder östlicher Richtung bzw. aus dem Naher Osten, ist zwischendurch mal wieder Schmunzeln und Lachen, wie frische Frühlingsluft einatmen und genießen. Besten Dank dafür.

  4. Sehr schön belebte Frühlingsszene, sogar ergänzt um die Passanten in zeitgenössicher Kleidung ! Sehr gut gefällt mir auch die Farbwahl des B14 ! Mit ihm sowie dem nachfolgenden C4 bot Citroën den perfekten Familienwagen, auch wenn nur wenige Familien hierzulande das Geld dafür hatten.

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