Endlich wieder einmal ein Beitrag zu Opels 4 PS-Modell, von dem die Rüsselsheimer zwischen 1924 und 1931 fast 120.000 Exemplare absetzen konnten – so wird jetzt mancher denken.
In der Tat ist dieser erste ganz große Absatzerfolg eines deutschen Autoherstellers gemessen an seiner einstigen Präsenz und auch dem heutigen Bekanntheitsgrad ein eher seltener Gast in meinem Blog.
Das liegt daran, dass ich bisher meinte, alle gängigen Varianten davon bereits vorgestellt zu haben (siehe auch die Exemplare in meiner Opel-Galerie). Die äußeren Veränderungen, welche hauptsächlich die Gestaltung von Kühler, Haube und Vorderkotflügel betrafen, lassen sich dort gut nachvollziehen.
Doch ist mir dieser Tage eine Ausführung zugetragen worden, die ich so noch nicht präsentiert habe und die so reizvoll ist, dass ich über den eher peinlichen Ursprung des Opel 4 PS-Modells als Nachbau eines Citroen der frühen 20er hinwegschauen kann.
Wer jetzt allerdings aus der von mir erfundenen Modellbezeichnung „Edelschimmel“ darauf schließt, dass diesmal auch ein paar extra Pferdestärken im Spiel sind, liegt daneben – so sympathisch mir das Prinzip „zuviel Leistung gibt es nicht“ ist.
Was die Motorisierung angeht, bleiben wir heute ganz im Rahmen dessen, was Opel über die Jahre aus seinem (steuerlich so eingestuften) 4 PS-Modell an Spitzenleistung herausholte.
Bei Einführung anno 1924 beschränkte man sich noch auf 12 PS bei 1 Liter Hubraum, das entsprach der Leistung leichter Cyclecars mit zwei Sitzen und war für geschlossene Aufbauten unzureichend. Erst bei den späten Ausführungen mit 16 bzw. zuletzt 20 PS findet man zunehmend auch Limousinen dieses Typs – und des öfteren leichte Lieferwagen!
Nutzfahrzeuge sind an sich nicht mein Metier, doch mache ich gerne Ausnahmen bei nachträglichen Umbauten auf PKW-Chassis oder auch werksmäßigen Versionen, die technisch ebenfalls ganz dem Standard entsprachen, also ohne stärkere Rahmen oder spezielle Motoren und Getriebe gebaut wurden.
Bisher ist mir nur einmal eine solche Kreation auf Opel 4 PS-Basis begegnet:

Erste Datierungshinweise liefern hier die geschwungene Kühleroberseite nach Vorbild des US-Herstellers Packard, die Trommelscheinwerfer und die stärker der Radform folgenden Vorderkotflügel – das wurde beim Opel 4 PS-Typ Ende 1927 eingeführt.
Bei der werksmäßigen Lieferwagenausführung wurden diese Elemente 1:1 übernommen, weshalb man sich in solchen Fällen an der Dokumentation in der Literatur orientieren kann.
Im Fall von Opel gibt es nur eine einzige mir bekannte Publikation, welche auf diese Details eingeht – die „Opel Fahrzeugchronik Teil 1 -1899-1951“ von Bartels/Manthey.
In dieser einzigartigen Abhandlung finden sich auch Beschreibungen der Werks-Lieferwagen auf Basis des 4 PS-Chassis. Dort erfahren wir, dass der Opel-Lieferwagen 4/16 PS ab Frühjahr 1928 Seitenscheiben erhielt – damit können wir das Fahrzeug auf obigem Foto aus der Sammlung von Wolfgang Kuessner (Kiel) auf wenige Monate genau datieren.
Das hilft uns auch bei der heute im Mittelpunkt stehenden „Edition Edelschimmel“, die ich Björn Hering verdanke. Er sandte mir zwei Fotos zu, die einen Opel 4 PS-Lieferwagen zeigen, welcher in den 1930er Jahren der Dresdener Firma Paul Eichmann gehörte:
Björn Herings Urgoßvater war als Prokurist bei der Firma Eichmann tätig und in seinem Nachlass fand sich diese außergewöhnliche Aufnahme.
Aufmerksame Leser werden nun auf Anhieb sagen: „Das muss ein Modell ab Frühjahr 1928 sein – denn dieses Exemplar hat nicht nur den Packard-Kühler und die Trommelscheinwerfer, sondern auch Seitenscheiben!„
Ja, aber jetzt wissen wir immer noch nicht, ob der Lieferwagen der Firma Paul Eichmann aus Dresden ein Opel 4/16 PS oder der Ende 1928 eingeführte Typ 4/20 PS war.
Wir haben heute jedoch Glück, denn Björn Hering kann mit einer weiteren Aufnahme desselben Wagens am gleichen Ort aufwarten, die uns ein entscheidendes Detail offenbart:
Hier sehen wir nämlich nicht nur einige mehr oder weniger gut aufgelegter Mitarbeiter der Firma Paul Eichmann, sondern auch einen Scheibenwischer auf der Windschutzscheibe sowie an den vorderen Scheibenpfosten angebrachte ausklappbare Fahrtrichtungsanzeiger („Winker“).
Das wurde erst Ende 1930 eingeführt – ein gutes halbes Jahr vor Produktionseinstellung des Opel 4 PS-Typs. Somit muss dieses Exemplar die Motorisierung 4/20 PS besessen haben.
Alles schön und gut, aber wo bleibt bei allen diesen Finessen und Pferdestärken der versprochene „Edelschimmel“? Nun, den müssten Sie längst bemerkt haben – der befindet sich nämlich serienmäßig auf dem Camembert-Käse, der vor dem 2. Weltkrieg in Steingaden im Allgäu aus Heumilch nach französischem Vorbild hergestellt wurde.
Gemessen am eher überschaubaren Angebot raffinierter Käsespezialitäen in deutschen Landen – bemerkenswert trotz reichlich verfügbarer hervorragender Rohmilch – war bereits ein Edelschimmel-Käse der gängigen Gattung Camembert hierzulande etwas Besonderes.
Der kühn als „Schloss“-Camembert angepriesene Käse aus Steingaden erfreute sich bei solventen Käufern damals einiger Beliebtheit – antiquarisch finden sich noch viele einschlägige Reklamen.
Die Edition „Edelschimmel“ auf Basis des Opel 4 PS-Modells, die gibt’s aber nur hier…
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