Wenn mir wie heute bei der abendlichen Runde mit unserem türkisfarbenen Fiat 500 – auch als „rollende Eisdiele“ bezeichnet – ein BMW aktueller Produktion begegnet, dann denke ich oft: „Was hätten wohl die Gestalter der Marke von einst zu diesen Montrositäten gesagt?„
Heute weiß vermutlich kaum noch einer der verantwortlichen Deformationskünstler, wie klar und unaufgeregt, zugleich aber unverkennbar die klassischen BMWs waren.
Vermutlich ist diesen Herrschaften auch nicht mehr bekannt, dass die BMW-Automobile zumindest in der Vorkriegszeit eine Schöpfung der damals in Deutschland führenden mittteldeutschen Automobilindustrie waren.
Im Eisenacher Werk, in dem bis 1928/29 Dixi-Wagen gebaut wurden, zuletzt in Gestalt eines Lizennachbaus des legendären Austin Seven, entstanden alle BMW-Automobile bis Ende des 2. Weltkriegs.
Noch 1937 hatte man eigene Karosseriepressen angeschafft, um die zeitgemäßen Ganzstahlkarosserien zumindest der BMW-Limousinen nunmehr unabhängig von Lieferungen der Berliner Firma Ambi-Budd herstellen zu können.
Im gleichen Jahr erschien der Typ 320, der optisch die moderne Linie des prestigeträchtigen BMW 326 aufnahm, aber einen auf 45 statt 50 PS gedrosselten 2-Liter-Sechszylinder besaß, außerdem die veraltete Vorderachse des Vorgängeryps 319.
Nur zwei Jahre später, noch vor Kriegsbeginn 1939, folgte der 321 mit der Vorderachse des 326 und einigen Detailverbesserungen.
Optisch ist dieses Modell an der abweichenden Stoßstange, dem Fehlen von Dreiecksfenstern und der Rückkehr zu hinten angeschlagenen (also vorne öffnenden) Türen zu erkennen:

Diese ungewöhnliche Aufnahme zeigt meines Erachtens ein nach Ende des 2. Weltkriegs in Ostdeutschland (DDR)) zugelassenes Exemplar.
Für eine Nachkriegsversion spricht neben dem Kennzeichen auch die nachträgliche Montage eines Außenspiegels auf dem Vorderkotflügel.
Man könnte es bei der Bewunderung dieses meisterhaft gestalteten Eisenacher Alteisens bewenden lassen, wären da nicht die oberhalb der Windschutzscheibe angebrachten Scheibenwischer.
Das findet sich so nach meiner Recherche am BMW 321 in der Limousinen-Ausführung nicht, auch nicht an den noch in Eisenach nach dem Krieg bis 1950 gebauten Exemplaren dieses Typs.
In der Literatur konnte ich keinen Hinweis darauf finden, und stelle daher dieses Detail erwartungsfroh zur Diskussion.
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Besten Dank! Wer etwas Erfahrung mit KI-Bilderzeugungs-Software hat, kann sich sogar selbst genau die Autos zaubern, die er heute gerne auf der Straße sehen würde. Zeitgemäß in der Anmutung, aber immer noch klassisch ausgewogen, Extreme meidend und traditionsbewusst. Kein Wunder, dass BMW mit dem Mini und Fiat mit dem modernen 500 soviel (ungeplanten) Erfolg hat. Auch Fords Mustang läuft in der Neuauflage wie geschnitten Brot.
„Was hätten wohl die Gestalter der Marke von einst zu diesen Montrositäten gesagt?“
Eine Aussage der ich absolut beipflichte. Wenn es erlaubt ist, David Obendorfer ist diesbezüglich ein spannendes Thema. So hätte es auch gehen können. Sollte der Link hier nicht gefallen, bitte entfernen.
Mit Grüßen aus TF, Marco Grunwald.
https://www.bimmertoday.de/2015/11/02/bmw-cs-vintage-e9-concept-retro-design-photoshop-david-obendorfer/
Klasse, vielen Dank!
Die Position der Winker gibt einen Hinweis: sie sitzen an der A-Säule und nicht, wie später bei diesem Modell hinter dem seitlichen Flügel der Motorhaube, in Höhe des Türgriffes. Ein frühes Modell. Zudem war die ausstellbare Frontscheibe optional. So gab es eben auch Fahrzeuge mit oben gelagertem Wischerantrieb ohne dieses Extra.
Der Spiegel entstammt dem P 50 (Krähenfuß), die Zulassung steht für Ostberlin. Die verwendete Kennzeichen-Grafik und auch das Format des Selben findet sich ab 1962. Da ich keine elektrischen Blinker erkenne nehme ich an das diese in den oberen Positionsleuchten nachgerüstet wurden. Ab dem 1. Januar 1956 waren sie in der DDR vorgeschrieben für Neufahrzeuge, Bestands- oder Altfahrzeuge hatten bis zum 1. Januar 1960 Duldung.
Gruß aus TF,
Marco Grunwald.
Die geteilte Frontscheibe hat auch das 327 Coupé, von dem ich hier eine gute Innenansicht des Armaturenbretts fand :
https://www.tester.pe/el-bmw-327-coupe-la-idea-del-coupe-moderno-y-un-orgulloso-patrimonio-del-pasado/
Hier ein Cabriolet von 1939 zum Vergleich auch mit dem 309 :
https://www.classic-trader.com/uk/cars/listing/bmw/321/321/1939/344990
https://www.kickdown.com/postings/6d76107a2e9f-1934-bmw-309-in-de-33824-werther-westf
Eine hinreichend stabile Ausstellfunktion wie bei der einteiligen Scheibe des 309 erscheint mir bei dem recht schmalen Trennsteg der geteilten Scheibe als schwierig – und mit deren Wegfall konnte der Wischerantrieb unter dem Armaturenbrett „versteckt“ werden.
Der Positionierung der Scheibenwischer dürften irgendwelche technischen Überlegungen zugrundegelegen haben. Im BMW-Standardwerk von Nyncke/Simons/Zeichner findet sich auf Seite 139 der Hinweis, dass mit dem Wegfall der nach vorn ausstellbaren Frontscheibe auch die oben angebrachten Wischermotoren Geschichte waren. Bisher fehlt jedenfalls eine plausible Erklärung für die abweichende Position beim hier vorgestellten 321.
Bei offenen Versionen findet man die oben angebrachten Wischer oft – nur bei der Limousine sind sie sehr rar, ohne dass ich eine Systematik sehen kann. Danke für den Hinweis in Sachen Eisenach (ich meinte eigentlich die mitteldeutsche Region).
Die oben angelenkten Wischerarme sowie an der B-Säule angeschlagene Türen gab es beim viertürigen 326 und dem 329 als Cabriolet. Auch diese hatten die „unvollendete“ Ellipsenform der seitlichen Luftgitter, die man in dieser von schräg oben positionierten Aufnahme perfekt erkennen kann, und so zeigt sich auch der 321 als gestalterisches Meisterwerk aus Thüringen ! Ob ein Messestandsbild von der 27. IAMA vom Feb.1937 die Lösung brächte, ist dennoch fraglich, denn primär wurden bei BMW wohl Motorräder wie die R17 präsentiert. Vielleicht entstand diese Version des 321 aber doch erst in der Awtowelo-Ärä, obwohl die Scheibenwischer da schon durchweg unter der Windschutzscheibe angebracht waren.
Unter de.dyler.com findet sich unter 1939 BMW 321 ein Fahrzeug Limousine 2 türig welches vor 5 Jahren in Italien zum Verkauf stand der ebenfalls die Wischer oben hatte. Es finden sich auch noch weitere Bilder von offenen 321 mit dieser Wischeranornung die es auch beim Typ EMW 340 gab. Ob es sich bei Ihrem Bild um einen BMW oder einen EMW handelt kann ich nicht erkennen. Die Aufnahme ist auf jeden Fall Nachkriegszeit, eher 60er Jahre. Spiegelform und Blinker sind Hinweise. Übrigens, Eisenach war auch in den 30er in Thüringen gelegen.