Geklaut – und stolz darauf: Peugeot 302 und 402

Darf man auf Diebesgut auch noch stolz sein? Diese Frage sollten sich nicht nur die in der deutschen Politik häufigen Träger des Titels „Dr. plag.“ fragen. Offenbar ist bei kleinen Geistern die Versuchung groß, sich mit fremden Federn zu schmücken und damit hausieren zu gehen.

Zum Glück kommt irgendwann alles raus – ob es bleibende Konsequenzen hat, ist eine andere Frage. Auch gemeine Diebe haben einen „Ehrenkodex“ und protegieren einander.

Heute bringe ich eine ganze Bilderreihe zu dem Thema – aus der schillernden Kategorie „Beuteautos“, die ich eine Weile vernachlässigt habe. Es hat seinen Grund, dass ich ausgerechnet jetzt darauf zurückkomme – die Auflösung findet sich am Ende.

Ausgangspunkt meiner Diebesstory ist der Peugeot 402 bzw. sein etwas kleineres Schwestermodell 302. Bei Einführung anno 1935 bzw. 1936 gehörten die beiden Franzosen zum Aufregendsten, was in Europa in der Mittelklasse hergestellt wurde.

Das lag weniger an der Technik und den Fahrleistungen als an der sensationellen Optik:

Peugeot 402B; originales Werksfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Nachdem Chrysler kurz zuvor mit dem „Airflow“ ein Gefährt auf den Markt gebracht hatte, das eine windschnittige, aber monströse Karosserie besaß, zeigten die Franzosen, wie man das richtig macht: eigenwillig, aber zugleich hochelegant.

Dieser einzigartige Wurf war mehr Skulptur als Automobil und das macht die anhaltende Faszination des Peugeot 402/302 aus, denn mit den Vierzylindermotoren mit anfänglich nur 55 bzw. 43 PS blieb man hinter den Möglichkeiten zurück.

Erst der 402B war ab 1938 mit 63 PS für ein Auto dieser Klasse angemessen souverän motorisiert. Wir werden dieser Variante noch begegnen.

In Deutschland scheint sich der Peugeot weniger gut verkauft zu haben als der kaum weniger großartige Citroen „Traction Avant“, aber der lief ja auch im Kölner Werk vom Band.

Peugeot hatte als eine der historisch wichtigsten europäischen Hersteller zwar von Anbeginn auch deutsche Verkaufsniederlassungen und speziell die Modelle der 20er Jahre findet man durchaus öfter mit deutschem Kennzeichen auf historischen Fotos.

Doch im Fall des 402/302 scheint der Funke erst später übergesprungen zu sein.

Nachdem deutsche Truppen 1940 erst die Niederlande und Belgien und dann Frankreich überrannt und unterjocht hatten, begann wie in allen besetzten Ländern (Tschechoslowakei, Polen, Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Jugoslawien, Griechenland, Sowjetunion – habe ich etwas vergessen?) das große Ausplündern.

Das umfasste neben Edelmetallen, Devisen und Kunst praktisch alle hochwertigen Automobile der 1930er Jahre.

Dieser kolossale Raubzug ist – neben allem anderen – in den betroffenen Ländern unvergessen. Das könnte ein Grund sein, warum Ankündigungen aus Berlin, „wieder“ die größte Militärmacht des Kontinents werden zu wollen, auf wenig Begeisterung stößt.

Die folgenden Bilder bringen in Erinnerung, dass auch die zehntausendfachen Beschlagnahmungen ziviler PKW durch deutsche Truppen keinem harmlosen Sammlerspleen entsprangen – sie dienten den anschließenden Eroberungen durch die schon damals an chronischem Mangel laborierende Militärmaschinerie.

Hier haben wir einen wohl während des Frankreichfeldzugs abgegriffenen Peugeot 302/402, genau kann man es wohl nicht sagen, der laut Beschriftung im September 1940 Teil einer deutschen Marschkolonne war:

Peugeot 302/402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit, Herbst 1940; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Das auf dem linken Vorderkotflügel aufgemalte Dromedar könnte einen Hinweis auf die Militäreinheit geben – sachkundige Hinweise sind willkommen (Kommentarfunktion nutzen).

Im Fall der nächsten Aufnahme lässt sich immerhin sagen, dass wir es mit einem Peugeot 302 zu tun haben – die bis weit über den Kotflügel reichende Hintertür ist ein Hinweis auf diese Version mit verkürztem Radstand.:

Peugeot 302; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Der smarte Soldat am Lenkrad war wohl außer Dienst (er hat die Uniformjacke abgelegt), trägt aber noch die Reitstiefel, die bei Offizieren in der Anfangsphase des Kriegs gern getragen wurden, auch wenn man der motorisierten Truppe angehörte.

Mir scheint, als sei der Wagen hastig mit einer matten Farbe übermalt worden, was für ein frisch für die Truppe geraubtes Auto sprechen würde.

Vermutlich ebenfalls in der Frühphase des Westfeldzugs entstand das nächste Bild, das einen Unteroffizier einer Sanitätseinheit auf „seinem“ Peugeot zeigt. Im Hintergrund ist eine Renault-Vertretung und ein Fahrzeug dieses Herstellers zu sehen:

Peugeot 302/402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Bei der Gelegenheit sei angemerkt, dass das Buchstabenkürzel „WH“ für eine Heereseinheit der sogenannten „Wehrmacht“ stand, also des deutschen Militärs im 2. Weltkrieg.

Das Symbol auf dem in Fahrtrichtung rechts befindlichen Kotflügel verweist auf die Infanterietruppe, wenn ich es richtig sehe. Der verdeckte Stander deutet auf einen höheren Dienstrang hin und der junge Unteroffizier könnte der Fahrer gewesen sein.

Für die Verlegung größerer Truppenteile über längere Distanzen nutzte man indessen die Eisenbahn – hier haben wir ein Beispiel dafür, das einen Peugeot 302/402 einer Luftwaffeneinheit der „Wehrmacht“ zeigt (daher WL):

Peugeot 302/402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Am Ziel angekommen nutzte man dann freie Stunden zu weiteren unbefangenen Aufnahmen mit dem in die Truppe eingereihten Diebesgut.

Das folgende Foto illustriert das sehr gut, es handelt sich wieder um einen Beutewagen der Luftwaffe, wenn auch diesmal ein späteres Exemplar (402B ab 1938)

Erkennbar ist das an dem nun expressiver gestalteten Kühlergrill mit keilfömig von oben hineinragender Fläche, auf der „402B“ zu lesen war (hier nicht der Fall):

Peugeot 402B; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Wie genau die Kühlerfront des Peugeot 402B mit dem nun auf über 60 PS erstarkten Motor aussah, das sehen wir gleich auf einer weiteren Aufnahme eines Raubfahrzeugs.

Doch zuvor zeige ich ein Foto, das ein solches Auto in einer typischen Situation mit Fahrer – dem schlanken Soldaten im „Stillgestanden“ – und dem Nutzer des Beutefahrzeugs – wohl ein hoher Offizier mit „Ehrendolch“ – zeigt:

Peugeot 402B; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Man bekommt hier eine Ahnung davon, wo im deutschen Militärapparat Ressourcen auch in Details wie Uniformen verschwendet wurden, was sich erst im späteren Kriegsverlauf drastisch ändern sollte.

Nun aber zum angekündigten Foto, das den Peugeot 402B mit gut erkennbarer Typbezeichnung am oberen Ende des Kühlergrills zeigt.

Solche hochwertigen Fotos findet man meist in der Phase der deutschen „Erfolge“ in der ersten Kriegshälfte, wobei die ungeheuren Opfer auf der eigenen Seite ausgeblendet wurden – so als seien sie es irgendwie „wert“ gewesen.

Peugeot 402B; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Sehr selbstsicher tritt man auch noch 1941 auf – laut Beschriftung des folgenden Fotos in Serbien – während eine deutsche Fahrzeugkolonne in bergigem Gelände vorrückt.

So eine Aufnahme kann natürlich nur weit hinter gegnerischen Linien und mit eigener Lufthoheit entstanden sein. Der wichtigtuerisch wie Napoleon in seinem absurd langen Mantel voranschreitende deutsche Offizier im Vordergrund hatte nichts zu befürchten.

Zwei niedere Dienstgrade eilen ihm beflissen hinterher – rechts wartet ein wohl beim Westfeldzug geklauter Peugeot 402 auf die Weiterfahrt:

Peugeot 402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Im weiteren Kriegsverlauf sinkt die Zahl der privat erstellten Fotos, auch die Qualität lässt stark nach. Materialmangel und nachlassende Motivation für das Morden machen sich bemerkbar.

Auch der Stolz auf das Diebesgut rückt in den Hintergrund und man dokumentiert allenfalls noch hastig die Situationen – vermutlich weiß man gar nicht mehr, woher all diese fremden Autos kamen, die der Alptraum jedes Logistikers gewesen sein müssen.

Bei Motorrädern sah das übrigens nicht viel anders aus, neben den üblichen Verdächtigen von BMW, DKW und Zündapp fuhren deutsche Soldaten alles Mögliche:

Peugeot 302 oder 402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Im Fall des Peugeot 302/402 dürfte die Ersatzteillage noch entspannt gewesen sein – rund 100.000 Stück wurden davon gebaut, viele davon noch nach der Besetzung Frankreichs speziell für’s deutsche Militär, das dies moderne Baureihe offenbar sehr schätzte.

Mit so einem futuristisch wirkenden Gerät konnte man sich als Offizier sehen lassen:

Peugeot 402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Trat während der Fahrt ein Problem auf, nutzte freilich die starke Verbreitung dieser Peugeot-Typen wenig – hier war ein kompetenter Fahrer gefragt.

Bei einer solchen Gelegenheit muss folgende bizarre Aufnahme entstanden sein – laut Beschriftung 1942 in Polen.

Ein deutscher Soldat – mit Schirmmütze aber ohne Uniformjacke – hält irgendeinen Gegenstand in der rechten Hand, während er in den Motorraum schaut:

Peugeot 402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit, aufgenommen in Polen 1942 ; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Gewiss, hin und wieder kann man mit ein paar kontrollierten Hammerschlägen einem arbeitsscheuen Anlasser auf die Sprünge helfen, aber hier fehlt mir jede Erklärung.

Immerhin ist zu erkennen, dass das Pannenfahrzeug ein Peugeot 402B war und wohl ursprünglich in Luxemburg zugelassen war.

Die Geschichte zu diesem Beutewagen und diesem Foto müsste noch geschrieben werden – wie bei so vielen Dokumenten dieser Art, die uns rätseln lassen.

Wenig Fragen offen lässt indessen das letzte Foto dieser Serie. Es entstand wohl ab 1943 irgendwo an der Ostfront und zeigt einen weiteren geraubten Peugeot 302/402 mit der in der Spätphase des Kriegs üblichen Mehrfarbtarnung:

Peugeot 302/402; Fahrzeug einer deutschen Militäreinheit; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Was genau an diesem Fahrzeug zu reparieren war, das zu ermitteln, überlasse ich Ihnen, liebe Leser.

Sicher ist nur, dass dieser Peugeot zum Zeitpunkt der Aufnahme einige Jahre harten Kriegsdienst auf deutscher Seite hinter sich hatte. Der ursprüngliche Besitzer hatte sein Auto damals längst abgeschrieben und sah es gewiss nie wieder.

Es ist eine kluge Sache, die unzähligen offenen Rechnungen von damals auf allen Seiten ruhen zu lassen – denn zahlen müssten dafür heute nur noch völlig Unbescholtene.

Den Raub dokumentieren und daran erinnern, das sollte man dennoch tun – so wie man der Opfer auf allen Seiten gedenkt, die sich ihr Schicksal nur selten ausgesucht haben – etwa die zivilen Bombentoten und die Vertriebenen.

Bloß etwas lernen kann man daraus: Sich neuerlich aufmunitionieren gegen imaginierte Feinde jenseits unserer Grenzen – das sollten wir tunlichst lassen. Gut ausgebildete Kräfte zur Sicherung unseres Gemeinwesens im Innern und zur Abwehr unerwünschter Eindringlinge, ansonsten Handel und diplomatischer Austausch – mehr braucht es nicht.

Allenfalls im ganz Kleinen sollte man lokale Raubzüge dulden, wenn sie niemandem wirklich schaden, aber gleichzeitig dem leiblichen Wohlbefinden einiger zuträglich sind.

Hochreife, sonnenheiße Sauerkirschen, geraubt am Zaun eines verwilderten Kleingartens am Ortsrand. Das war die eigentliche Inspiration zu den heutigen Betrachtungen…

Copyright: Michael Schlenger, 2026

Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

5 Gedanken zu „Geklaut – und stolz darauf: Peugeot 302 und 402

  1. Die moderne Möglichkeit, mit staatlichem Zwang Massenheere aufzustellen, ermöglicht es den Tätern, sich selbst schön herauszuhalten bei Angriffskriegen. Das war in der Antike und bis in die Renaissance meist noch anders – da mussten die Anführer in der Regel selbst in die Schlacht, meist gestützt auf eine überschaubare Zahl von Berufssoldaten. Das machte Kriege nicht schöner, aber wenigstens wurden nicht ganze Generationen verheizt.

  2. Täter und Mittäter haben alle (zumeist bekannte) Namen, aber ob Russland oder Ukraine, ob Israel, Iran oder Libanon – es werden die Länder und damit jeweils alle dort lebenden Menschen genannt. Putin im Boxring gegen Klitschko und Netanjahu beim Judo gegen Chamenei – bzw. analog zum Duell, wo der Herausgeforderte die Wahl der Waffen hatte – das wären „gerechte“ Kriege .. aber schon vor 211 Jahren durfte ein Kriegsverbrecher sogar wiederholt ins Exil, anstatt hingerichtet zu werden.

  3. Es ist kein Zufall, dass die Propagandisten der „Kriegstüchtigkeit“ allesamt nicht mehr der letzten Kriegsgeneration angehören (die noch wussten, wovon sie reden) und allesamt nicht von einem Kriegseinsatz betroffen wären. Doch es gibt auch ein Gutes: Die weit überwiegende Mehrheit unserer Landsleute hat „null Bock“ auf Kriegsdienst und würde nach einer Woche Ausbildung die weiße Flagge hissen. Ich war 1988/89 Panzergrenadier bei der Bundeswehr an der innerdeutschen Grenze – kein Zuckerschlecken, aber nicht annähernd so hart wie bei den Amis oder den Russen. Selbst das macht die Jugend von heute nie im Leben mit. Schade nur um die vielen Milliarden für die sinnlose Rüstung gegen einen eingebildeten Gegner. Was könnte man damit alles machen: Bildung, Infrastruktur, Kultur, Hilfen für wirklich Bedürftige… Und was hätten unsere Vorfahren für ein besseres Leben haben können als mit erbeuteten Autos einem ungewissen Ende entgegenzufahren…

  4. „Bloß etwas lernen kann man daraus: Sich neuerlich aufmunitionieren gegen imaginierte Feinde jenseits unserer Grenzen – das sollten wir tunlichst lassen. Gut ausgebildete Kräfte zur Sicherung unseres Gemeinwesens im Innern und zur Abwehr unerwünschter Eindringlinge, ansonsten Handel und diplomatischer Austausch – mehr braucht es nicht.(…)“

    Ich stimme aus vollem Herzen zu. Danke dafür. Die gegenwärtig vorherrschende „Kriegstüchtigkeit“-predigende Klientel macht mich absolut betroffen. Nichts gelernt aus der Geschichte, die Realitäten komplett ausblendend. Ich habe Kinder und dementsprechend das Recht, gedanklich zu intervenieren. NOCH gestattet mir das Grundgesetz diese Möglichkeit.

  5. Zu den bleibenden Konsequenzen illegalen Handelns fällt mir nur „QUOD LICET JOVI, NON LICET BOVI“ ein, besonders bei einem alias Paolo Pinkel .. anderen mit selbiger Vorgeschichte wäre jegliche mediale Präsenz längst versagt worden.
    P wie PEUGEOT ist da wesentlich angenehmer zu erörtern, zumal die „02er“ aus Sochaux noch faszinierender sind als die aus Milbertshofen. Obgleich einst und heutzutage am wenigsten in Erscheinung tretend, ist der 302 mein Topfavorit ! Aber auch der 402 mit oder ohne Emblemspange im Kühlergrill ist sehr beeindruckend und seine Passagierzelle fand auch beim Berliet 11CV Verwendung. Zum 202 hieße es, nun „Eulen nach Athen zu tragen“ – und obwohl sonst dem Fleischlichen zugeneigt, habe ich in der Hitze der vorigen Woche ebenfalls vornehmlich Kirschen und Erdbeeren konsumiert !

Kommentar verfassenAntwort abbrechen