Keine Woche ist es her, dass ich hier das Fotorätsel des Monats präsentiert habe.
Den abgebildeten Zweisitzer aus der Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg hatte ich unter dem launigen Arbeitstitel „Eisgruber Special“ vorgestellt – aber tatsächlich handelt es sich um ein Serienfabrikat der Maschinenfabrik Ley aus Arnstadt in Thüringen, wie sich erwiesen hat.
Hier nochmals die 1913 entstandene Aufnahme:

Die unter dem Markennamen Loreley ab 1906 gebauten Wagen sind in der Literatur recht gut dokumentiert, aber Originalfotos speziell der vor 1920 gebauten Typen sind rar.
Zwar hatte ich die Firma Ley als möglichen Hersteller erwogen, ich konnte aber zunächst keine vergleichbare Abbildung finden. Leser Ariejan Bos aus den Niederlanden – ein hervorragender Kenner der gesamten Vorkriegsauto-Welt – konnte mir aber auf die Sprünge helfen. Er identifizierte den Wagen eindeutig als Loreley.
Das brachte mich dazu, in der Typengeschichte der Maschinenfabrik Ley etwas tiefer zu forschen – und zwar anhand des 2024 erschienen Werks „Ley Arnstadt“ von Hans-Joachim König.
Ich hatte das enorm facettenreiche Buch bereits im Blog besprochen und Interessierten dringend empfohlen. Nun kam es mir gerade recht, um der Loreley-These von Ariejan Bos nachzugehen.
Tatsächlich findet sich in dem Werk auf Seite 62 eine Prospektabbildung von 1911, die einen nahezu identischen Zweisitzer zeigt – nur die hinteren Kotflügel sind anders gestaltet. Doch alles übrige – speziell die Motorhaube mit dem mittig angebrachten Griff und die Details des Aufbaus – stimmen vollkommen überein.
Der Prospekt ist im Ley-Buch auf 1911 datiert, ich gehe aber davon aus, dass er die Modellpalette von 1912 (oder sogar etwas später) zeigt.
Die angegebene Motorisierung 6/20 PS steht im Widerspruch zur gesamten mir bisher vorliegenden Literatur zum kleinen Vierzylinder-Ley, durchgängig wird dort 6/18 PS genannt und erst für 1914 dann 6/20 PS.
Nun ist ein Originalprospekt eine verlässlichere Quelle als die Jahrzehnte später entstandene Standard-Literatur zu deutschen Vorkriegswagen. Dennoch wäre eine Motorleistung von 20 PS bei einem Hubraum von 1,5 Litern anno 1911/12 ungewöhnlich hoch. Entweder ist die Jahresangabe zu dem Propekt also falsch oder man hat bei Ley arg dick aufgetragen.
Auch für den parallel mit fast identischem Hubraum erhältlichen Ley-6-Zylindertyp – damals ein echter Exot am deutschen Markt – werden für 1911/12 durchweg nur 18 PS genannt.
Dieses Rätsel werden wir vielleicht nicht mehr lösen können – aber die Identifizierung des Zweisitzers als Loreley der 6 PS-Steuerklasse ist ein Erfolg, der mir vollauf genügt und illustriert, wie wertvoll sachkundige Leserhinweise sein können.
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Erkennungsdienstliches Gespür bilde ich mir erst ab Bj. 1924 ein, sodaß ich mich mit Eisgruber als Familienname wie auch Eisgrub als Ortsangabe befaßte. Vom Mainzer Brauereitunnel bis zum südmährischen Schloß (jetzt Lednice) wie auch einem namentlich und regional passenden Reisebusbetrieb kam ich zwar, doch keine Spur vom gesuchten Automobil. Daher begrub ich die regionalen Ansätze und legte weitere Gedanken auf Eis – aber nun ist der „cold case“ um den schönen Loreley erfolgreich gelöst !