Kleiner Wagen, großes Kino: Opel 1,3 Liter Cabrio

Leser meines Blogs wissen: Ich bin kein Freund untermotorisierter Fahrzeuge, wie es sie im Deutschland der 1930er Jahre einige gab.

Einsteigermodelle wie die stets schön gezeichneten Frontantriebs-DKWs nehme ich dabei aus, sie mussten vor allem günstig in Anschaffung und Betrieb sein. Zudem höre ich von den DKW-Kennern, dass sich diese Autos durchaus engagiert fahren ließen.

Der Spaß hört indessen auf, wenn ein enorm teurer Mercedes-Benz Ende der 30er Jahre mit einem simplen Seitenventiler, 4 Zylindern und schmalen 38 PS aus 1,7 Litern aufwartete. Das war weder Stand der Technik noch dem Preis angemessen.

Doch auch in der unteren Mittelklasse gab es am deutschen Markt Beispiele für im Konkurrenzvergleich auffallende Untermotorisierung. So baute Opel in den Jahren 1934/35 das Modell 1,3 Liter, das gerade einmal 24 PS leistete. Der Ford Eifel dagegen bot 34 Pferdestärken bei lediglich 1,2 Litern Hubraum.

Allerdings war der Opel etwas billiger und verfügte über hydraulische Bremsen. Bei einem eher schwachen Wagen war letzteres vielleicht kein großer Vorteil, aber Opel bot im Fall des 1,3 Liter dennoch etwas, was den Kleinen am Ende ganz groß herauskommen ließ.

Was das war, erschließt sich zu Beginn der heutigen Bilderserie nicht gleich auf Anhieb. Zunächst müssen wir uns mit dieser mäßigen Frontansicht begnügen:

Opel 1,3 Liter Cabriolet; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Diese Aufnahme entstand zusammen mit einigen weiteren Mitte der 1930er Jahre, als ein in Deutschland zugelassener Opel 1,3 Liter die Großglockner-Hochalpenstraße in Österreich befuhr.

Auf obiger Aufnahme wird der weiße Wagen gerade von einem Steyr überholt,wenn ich mich nicht irre.

Aus dieser Perspektive lässt sich der genaue Typ ebensowenig festnageln wie in der folgenden Situation:

Opel 1,3 Liter Cabriolet; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Immerhin ahnt man schon einmal, dass man es mit einem Cabriolet zu tun hat. Auch sehen wir zwei der Insassen, von denen die männliche eine grotesk anmutende Lederhose trägt, die wir gleich noch in voller Pracht bewundern dürfen.

Wenn Großstädter sich mit traditioneller Tracht verkleiden, kann das leicht schiefgehen, vor allem wenn man nicht die Figur eines strammen, von körperlicher Arbeit geprägten Landburschen hat, sondern ein Schreibtischdasein führt und sich einen hübschen Bauch herangezüchtet hat.

Übrigens glaube ich, dass wir die Fotografin der bisherigen Aufnahmen (und der am Ende folgenden) in dieser Szene sehen – ich vermute, dass es sich um die Tochter des Mantel und kurze Hose kühn kombinierenden Herren links handelte, neben dem sie auf diesem Foto zu sehen ist:

Opel 1,3 Liter Cabriolet; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Dieser Aufnahme ist auch zu entnehmen, dass es sich um ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug handelte.

Nebenbei bemerken wir, dass selbst Radler damals bereits auf der Großglockner-Hochalpenstraße unterwegs waren – und das ohne Schaltung, allenfalls mit Bergritzel auf der Hinterachse.

Genug der Abschweifungen, höchste Zeit, dass der kleine Opel groß herauskommt.

Dazu habe ich mir erlaubt, den Fahrer auf der folgenden Aufnahme herauszuschneiden. Er hockt mit seiner lächerlichen Montur auf dem Begrenzungsstein rechts von dem schönen Wagen und würde das ganze Motiv ruinieren. Bleibt nur seine Frau (vermutlich), die im Trachtenlook durchaus gute Figur macht:

Opel 1,3 Liter Cabriolet; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Da sehen wir nun, was Opels 1,3 Liter bestenfalls zu leisten vermochte – nämlich dem Betrachter in Gestalt des Cabriolets einen veritablen Augenschmaus zu bereiten.

Die Formen waren sehr amerikanisch, stehen dem kompakten Auto aber sehr gut, speziell mit dem kurzen Dachaufbau und dem langen Heck mit großem Kofferrraum.

Dabei haben wir es nicht mit dem Werkscabriolet zu tun, bei dem die Türen vorne angeschlagen waren und das Verdeck weiter hinten angebracht war. Mir scheint das ein Spezialaufaubau zu sein, der aus meiner Sicht das Beste aus der kompakten Basis machte. Der brave Opel wirkt hier geradezu sportlich!

Doch das im Titel angekündigte Kino verlangt speziell bei amerikanischen Formen nach satten Technicolor-Farben und die will ich Ihnen nicht vorenthalten:

Opel 1,3 Liter Cabriolet; KI-gestützte Kolorierung: Sammlung Michael Schlenger

Was sagen Sie dazu? Bei aller Liebe zum schwarz-weißen Original kann man sich der Wirkung dieser kolorierten Version schwer entziehen.

Das ist nicht nur der Nutzung eines spezialisierten KI-Tools zu verdanken, sondern auch der Tatsache, dass schon auf dem Ursprungsfoto der Opel perfekt vor dem leicht unscharfen Hintergrund „freigestellt“ wurde.

Ob die Tracht der Dame neben dem Opel irgendeinem alpenländischen Vorbild entspricht, kann ich nicht beurteilen – eventuell haben wir ja einen Spezialisten dafür in der Leserschaft.

Jedenfalls meine ich, dass wir den Opel 1,3 Liter in der Ausführung von 1935 – erkennbar an den senkrechten Haubenschlitzen – hier als Star auf großer Leinwand hinreichend hinreißend inszeniert haben.

Die Rüsselsheimer bauten den Wagen übrigens bis 1937 mit nunmehr besserer Motorisierung (2 Liter-Sechszylinder) weiter, aber das ist eine andere Geschichte…

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