Eine arbeitsreiche Woche wirft ihre Schatten voraus – nicht nur am Schreibtisch, auch in der Werkstatt. Mein Adler-Fahrrad der späten 40er oder frühen 50er Jahre braucht noch einige Stunden Zuwendung, bevor es am kommenden Wochenende zum Einsatz kommt.
Komplett original und gut erhalten sind Rahmen, Schutzbleche und Felgen – in einem eher seltenen rotbraunen Ton mit goldener Linierung und Akzenten rund um den Steuerkopf herum.
Doch Lenker und Vorderradbremse waren mit Teilen verbastelt, die dem ungewöhnlichen Gesamtzustand nicht gerecht werden – da galt es passende Teile aus dem Fundus zu wählen und anzupassen. Endlich finden auch die seit Jahren herumliegenden weinroten Bakelit-Lenkergriffe mit Adler-Prägung ihre Bestimmung.
Das Vorderrad muss noch zentriert und der Lack eingewachst und poliert werden – dann steht eine ausgedehnte Probefahrt an. Danach weiß ich, was sonst noch zu tun ist, damit das Rad klaglos eine 30 Kilometer-Tour auf teils unbefestigten Wegen mitmacht. Das alles will nebenher erledigt werden, daher habe ich es heute etwas eilig.
Das „Problem“, dass es mitunter schnell gehen muss, hatten schon in Vorkriegszeiten auch andere Leute. In Italien hatten Alfa und Lancia in den 30er Jahren einiges im Angebot, womit man sich ohne weiteres mit Dauertempo 130 raus aus der Metropole auf’s Land oder an die Seen begeben konnte.
Die Amis hatten es zwar daheim nicht so eilig, aber Hochleistungswagen wie der fabelhafte Graham „Supercharged“ mit permament (und ruhig) mitlaufenden Kompressor wurden von der eiligen Fraktion in Europa gern gekauft. Eine Klasse für sich war daneben Auburn.
In Deutschland gab es damals nur eine ernstzunehmende Waffe auf dem Sektor – die Kompressor-Mercedes der Typen 500 K bzw. 540 K, die es ab 1934 bzw. 1936 zu kaufen gab. Ich bin zwar kein Freund des Kompressor-Gejaules dieser Geräte – aber herrje, wenn man es eilig hat, muss man nehmen, was man kriegen kann:

Diese Aufnahme hat mir schon vor einigen Jahren Leser Marcus Bengsch in digitaler Form zur Verfügung gestellt.
Heute, da ich wenig Zeit für lange Episteln habe und mir nicht die Nacht um die Ohren schlagen will, kommt mir der Mercedes auf dem damals eingesandten Foto wie gerufen.
Angemerkt sei, dass ich keine spezielle Ahnung von diesen Mercedes-Typen mit den außenliegenden Auspuffrohren und den opulenten Chrom-Applikationen habe, die bis heute weltweit höchstes Ansehen bei Kennern genießen.
Daher bin ich mir bei meiner Ansprache dieses Fahrzeugs als 540K ab 1936 auch nicht hunderprozentig sicher. Aber was ist schon absolut sicher außer Steuern zahlen und Sterbenmüssen?
Also stelle ich dieses Exemplar gern zur Diskussion, auch was die genaue Ausführung betrifft – bei den Mercedes der 1930er Jahre gab es ja ab Werk einige Cabriolet-Versionen (A, B, C), außerdem war bei unabhängigen Karosseriebauern alles möglich.
Eine genaue Entsprechung fand ich jedenfalls nicht in der 2019 aktualisierten Ausgabe des „Oswald“ (Deutsche Autos 1920-1945), obwohl die eine Vielzahl an Aufbauten auf Basis des 500K bzw. 540 K dokumentiert.
Mein Beitrag besteht heute darin, das etwas verschwommene Foto nachzuschärfen und zwar so, dass die Aufnahme dem prächtigen Wagen besser gerecht wird. Das Ergebnis ist ein Paradebeispiel dafür, was KI-Anwendungen inzwischen zu leisten vermögen:
Binnen Sekunden erhielt ich diese überarbeitete Fassung, an der ich wenig auszusetzen weiß – dieser Mercedes ist auch in zweidimensionaler Form und in Schwarzweiß quasi alternativlos, wenn’s einmal schnell gehen muss…
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