Sollten Sie den geplatzten Reifen auf meine heutige Ausfahrt mit meinem 75 Jahre alten „Adler“-Fahrrad beziehen, liegen Sie falsch. Ich konnte die meist über Feldwege und Schotterpisten führende 30km-Tour ohne Plattfuß absolvieren – Bildbericht folgt.
Doch das Thema ist durchaus dringlich, denn wie anders würde man den Defekt auf dem folgenden Foto ansprechen, das mir Leser Matthias Schmidt aus Dresden in digitaler Form übermittelt hat?

Das sieht nach einer hübschen Explosion am Hinterrad aus, nicht wahr. Dennoch machen die uniformierten Herren einen gut gelaunten Eindruck, sollten sie diesbezüglich gänzlich uninformiert gewesen sein?
Aber nein, es handelt sich bloß um eine Fehlstelle in dem fast 100 Jahre alten Abzug oder einen damals entstandenen Verarbeitungsfehler. Das ist aus zweierlei Gründen zu verkraften:
Zum einen haben wir es nach längerer Pause wieder einmal mit einem prächtigen Exemplar des in Berlin gebauten Protos-Wagens in der ab 1924 gebauten stärker motorisierten 45 PS-Ausführung C1 zu tun.
Zu erkennen ist dieses damals zahlreich hergestellte Fahrzeug nicht nur an dem opulent gestalteten Spitzkühler – einem Relikt des späten Jugendstils, das mir von jeher gut gefällt, weil es Charakter und Ausstrahlung hat. Es sind zudem die nunmehr zehn (statt acht beim C10/30 PS) und höheren Luftschlitze, welche den C1 auszeichneten.
Ab 1925 kamen Bremstrommeln an den Vorderrädern hinzu, die auch am heute vorgestellten Exemplar zu sehen sind. Aufgenommen wurde dieser Protos allerdings erst 1928 in Neisse – damals war der Wagen äußerlich von vorgestern.
Wir freuen uns natürlich trotzdem (oder vielleicht sogar deshalb) darüber, weil auch dieses alte Eisen einer traditionsreichen Firma ohne große Zukunft damals zum Straßenbild gehörte.
Zum anderen – dachten Sie, das hätte ich vergessen? – können wir heute nachträglich den Reifenplatzer problemlos reparieren und müssen uns dabei nicht einmal die Hände schmutzig machen.
Damit es der KI bei dieser für sie trivialen Arbeit nicht langweilig wird, habe ich gleich noch eine zurückhaltende Kolorierung in Auftrag gegeben. Dabei kam mir zupass, dass die Farbgebung der Soldaten der damaligen deutschen Reichswehr wenig Spielraum für Interpretationen gibt.
Das damalige „Feldgrau“ war eine Mischung aus Grün und Grau – originale Farbmuster dürften indessen rar sein. Bei der späteren Wehrmacht als deutscher Nachfolgerarmee wurde der Ton angeblich beibehalten, aus jener Zeit liegen immerhin schon Farbaufnahmen vor. Deren „müde“ Töne sind freilich aus technischen Gründen mit Vorsicht zu genießen.
Dennoch habe ich mich an solchen Beispielen orientiert und hoffe, dass die Kolorierung auch bei Kennern in der Leserschaft Zustimmung findet:
Bei dem sicher ebenfalls zur Reichswehr gehörenden Protos habe ich den auf dem Originalfoto zu erkennenden tiefen Glanz dahingehend interpretiert, dass dieser Wagen nicht „feldgrau“ überpinselt war.
Die Reichswehr hatte bekanntlich nur wenig Einschlägiges zu tun, da konnte man im damaligen Deutschland auch mit schön auf Schaftstiefelglanz poliertem Auto herumfahren.
Vielleicht könnte man sich daran ein Vorbild nehmen und den hunderten Generälen ohne Divisionen, die bei der Armeesimulation „Bundeswehr“ ihr sicheres Auskommen finden, einfach ein paar schicke Dienstwagen nebst Fahrer zur Verfügung stellen – anstatt hunderte Milliarden Volksvermögen für Waffensysteme aus der Welt von gestern zu verschleudern, die niemand bedienen will und für die obendrein der „Feind“ fehlt, der sich ein Land ans Bein binden wollte, in dem es außer Problemen nichts mehr zu holen gibt…
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