Heute bekommen wieder einmal die Bewohner der einstigen Reichshauptstadt ihr Fett ab – doch keine Sorge: ich meine damit nicht die heutigen. Die sind schon genug gestraft mit der „Experten“regierung, welche sie sich jüngst zusammengewählt haben.
Nein, diesmal haben wir es mit einem fülligen Berliner mit belgischem Migrationshintergrund zu tun – einem dicken Brummer der Manufaktur „Minerva“ nebst stattlichem Chauffeur.
Eigentlich hatte ich vor, den beiden etwas Bewegung angedeihen zu lassen in Form einer KI-basierten Animation, aber ein Detail hat mich dann doch so lange aufgehalten, dass ich davon Abstand genommen habe.
Vorkriegswagen von Minerva waren (und sind erst recht heute) große Raritäten. Speziell der nach dem 1. Weltkrieg konzipierte 6-Zylindertyp 30CV mit mehr als 5 Litern Hubraum konkurrierte international mit Rolls-Royce & Co.
Für Luxuswagen dieser Klasse gab es auch im Deutschland der Zwischenkriegszeit einen kleinen Markt – der dürfte sich auf Berlin, Hamburg und München beschränkt haben, wo es Leute mit entsprechender Brieftasche gab.
Diese Kundschaft konnte sich auch noch zu einer Zeit einen Chauffeur leisten, als es immer mehr Selbstfahrer unter den Autobesitzern gab.
So ein angestellter Fahrer war idealerweise ähnlich opulent dimensioniert wie das ihm anvertraute Gefährt, um die Proportionen desselben für unbedarfte Zeitgenossen nicht unbotmäßig erscheinen zu lassen:

Tatsächlich hält hier die Verdrängung des Fahrers mit der des dicken Belgiers mit – die Länge der Haube und die Zahl der Luftschlitze sprechen stark für das Spitzenmodell von Minerva, das bereits 1920s vorgestellt und bis 1927 gebaut wurde.
Aus stilistischen Gründen vermute ich in diesem Fall eine Entstehung um die Mitte der 1920er Jahre – genauer brauchen wir es auch nicht.
Dass wir es mit einem Minerva zu tun haben, daran besteht kein Zweifel. Neben der charakteristischen Gestaltung der Kühleroberseite ist es das Markenemblem, welches uns Gewissheit gibt – der behelmte Kopf der römischen Göttin Minerva:
Ebenso gewiss sind die Zulassung im Raum Berlin (Kürzel: IA) sowie die Entstehung der Aufnahme – „Juli 1930“ ist auf der Rückseite des Abzugs von alter Hand vermerkt.
Was den dicken Belgier aus Berlin indessen geheimnisvoll macht, ist ein Detail, welches mir erst beim Versuch aufgefallen ist, das Foto zu animieren.
Mein Plan war der, den Fahrer zunächst die Ledertasche auf dem Trittbrett aufzunehmen, dann einzusteigen und loszufahren. Das wäre auch fast gelungen, hätte sich nicht eine für die KI unüberbrückbare Schwierigkeit ergeben.
Schauen Sie selbst:
Tatsächlich liegt besagte Ledertasche nicht einfach nur auf Trittbrett, sondern vielmehr auf der heruntergeklappten Vorderseite eines in den Schweller des Wagens integrierten Kastens. Sie wäre also in der Kiste zu verstauen.
Davor sieht man ein glänzendes Metallobjekt, das nach vorne hin spitz zuläuft. Genau diese Konstellation zu verstehen, bereitet mir Schwierigkeiten.
Denn das erwähnte Teil auf dem vorderen Abschnitt des Trittbretts sieht für mich aus wie die Spitze des weiter hinten befindlichen Ersatzkanisters – eines damals verbreiteten Typs mit Griff an der Oberseite, der eine windschnittig erscheinende Form aufwies.
Doch warum sollte diese Spitze demontierbar sein? War dies aus Platzgründen erforderlich, um den Trittbrettkasten aufklappen zu können? Das scheint nicht der Fall zu sein – also was war der Zweck dieses Objekts? Fungierte es vielleicht als Einfülltrichter?
Sie sehen: Solange das nicht geklärt ist, lässt sich der genaue Ablauf der erforderlichen Handgriffe nicht beschreiben, um den Wagen abfahrbereit zu machen.
Dies war es, was mich von einer Animation letztlich Abstand nehmen ließ. Der Versuch war davon abgesehen indessen so vielversprechend, dass ich demnächst wieder eine kleine Videosequenz auf Basis eines hier vorgestellten Fotos bringen werde.
Ob es dann wieder ein dicker Belgier oder ein eher schmalbrüstig daherkommender Deutscher werden wird, vielleicht auch ein hochbeiniger Ami aus den Weiten der Vereinigten Staaten, das werden wir sehen…
Nachtrag: Wenigstens eine kolorierte Version dieses großartigen Fotos will ich Ihnen nicht vorenthalten.
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Ein tolles Teil zum günstigen Preis wäre das gewesen -taucht wohl nur alle paar Jahr einmal auf.
Ja von diesen schönen Kanistern, ist vor 3 Jahren einer in sehr gutem Zustand versteigert worden:
https://auction.nicola-ac.de/catalog113/?page=1&search=Fermax&btn=Suchen&sortBy=&filter=
Leider habe ich die Auktion verschlafen.
Die Befestigungsmittel fehlen jedoch.
Viele Grüße René
Klasse, danke! Man sieht diese markanten Kanister öfters bei Wagen der 20er Jahre, aber Name und genaue Funktion waren mir nicht geläufig.
Der dicke Belgier…sehr schön, ich musste gleich an die Fernsehserie mit Dieter Krebs denken.
Ich kann Herrn Lange nur beipflichten.
Beim Trittbrettkanister handelt es sich vermutlich um eine FERMAX-Kanister.
Dieser besaß oben eine Öffnung um Benzin einzufüllen und vorn eine um das Benzin in den Tank zu Gießen. Hinten wurde das Teil mittels einer Flügelschraube am Trittbrett befestigt und vorn in diese am Trittbrett verschraubte Kappe geschoben.
Der Kanister war genau vor den Werkzeugfach befestigt. Der Chauffeur musste somit um an das Fach zu gelangen erst die hinter Flügelschraube lösen und den FERMAX nach hinten aus seiner Kappe herausnehmen. Dies war sicher etwas umständlich, aber eine Montage des Kanisters weiter hinten am Trittbrett hätte bedeutet, daß die feinen Herrschaften beim Einstieg über das Ding hätten kraxeln müssen. Das wäre ausgeschlossen.
Viele Grüße René
Danke für den Interpretationsvorschlag!
… Das spitz zulaufende Teil ist vermutlich eine fest auf dem Trittbrett montiuerte Kappe, die sowohl den Auslass des Kanisters vor Verschmutzung bewahren als auch dem Kanister eine fliessende, windschnittige Form geben soll. Die Befestigung des Kanisters dürfte sich, für uns unsichtbar, auf dem Trittbrett unter dem Deckel des Kastens befinden.
Die Werkzeugtasche ruht auf einem ausziehbaren Tableau; dadurch wurde sie vor Feuchtigkeit geschützt, da der Kasten nicht wirklich wasserdicht gewesen sein dürfte. Die Arbeitserleichterung für den Chauffeur beim Entnehmen der schweren Tasche hat vermutlich nicht an vorderster Stelle gestanden.
Freundliche Grüße
Karlheinz Lange