Fund des Monats: Ein FN 42E „Prince Albert“

Eigentlich hatte ich einen Fiat als Fund des Monats Oktober vorgesehen, doch in letzter Minute fiel der doch eher in die Rätselkategorie – Sie werden ihn also auf jeden Fall demnächst zu Gesicht bekommen.

Zum Glück bin ich in allen Lebenslagen ein Freund von „Plan B“ – schließlich ist es eine alte Erfahrung nicht nur von Nutzern der deutschen Staatsbahn, dass immer etwas dazwischen (oder auch gar nicht) kommen kann.

So griff ich kurzerhand auf einen anderen Kandidaten zu, dessen Markenname immerhin ebenfalls mit „F“ beginnt und sogar noch exotischer sein dürfte.

Dabei sieht man es dieser Limousine der 1930er Jahre auf den ersten Blick gar nicht an, dass sie aufgrund ihrer Rarität in den automobilen Adelsstand gehört:

FN Typ 42E „Prince Albert“; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Sieht fast aus wie ein deutscher „Adler“, könnte man bei oberflächlicher Betrachtung meinen aber das ist uns heute nicht adlig genug.

Deutsch ist hier zwar einiges – nicht nur das Schild der Zolleintreibestelle – aber der Wagen erweist sich nach eingehender Analyse als lupenreiner Belgier.

So etwas haben Sie bestimmt noch nie zu Gesicht bekommen, so bieder-konventionell das Auto auch erscheinen mag.

Wer genau hinschaut, erkennt das Kürzel „FN“ auf dem Kühleremblem, welches auf den gleichnamigen belgischen Hersteller verweist, der sein Hauptgeschäft traditionell mit Schusswaffen machte.

Die PKW-Sparte von FN fand ihr Ende anno 1935 mit genau diesem Modell – dem FN 42E mit dem glamourösen Namen „Prince Albert“.

Wie bereits der Vorgängertyp FN 42 „Prince Baudouin“ besaß der Wagen einen seitengesteuerten Vierzylindermotor, allerdings aufgebohrt auf 2,3 statt 2 Liter. Die Leistung des Wagens wird mit 45 PS angegeben, was mir etwas schwach vorkommt.

Weniger als 50 PS leisteten in dieser Hubraumklasse selbst konservative deutsche Fabrikate wie Hanomag und Wanderer damals nicht.

Aber das war ohnehin egal, denn nach wenigen hundert Exemplaren endete die PKW-Produktion von FN – man beschränkte sich ab dann auf Nutzfahrzeuge.

Bleibt nur noch die Frage, was von dem Exemplar auf dem heute präsentierten Foto zu halten ist, welches offenbar im 2. Weltkrieg aufgenommen wurde. Das lassen zumindest die Tarnüberzüge auf den Scheinwerfern vermuten.

Ich gehe davon aus, dass es sich um ein während des deutschen Angriffs auf Belgien anno 1940 beschlagnahmtes Fahrzeug handelt, das bei privaten deutschen „Besitzern“ landete.

FN Typ 42E „Prince Albert“; KI-basierte Optimierung: Sammlung Michael Schlenger

Haben Sie eine Idee, wie dieser FN von 1935 in die Hände der jungen Dame geraten sein könnte, die uns hier so freundlich mit der mutmaßlichen Kriegsbeute anschaut?

Dass eines dieser Autos noch in Friedenszeiten auf den deutschen Markt gekommen ist, kann man zwar nicht völlig auschließen. Aber sehr unwahrscheinlich ist das schon, da der FN Mitte der 1930er Jahre in Deutschland einen schweren Stand gehabt hätte.

Vermutlich wird das ein Rätsel bleiben, aber die machen ja einen Gutteil der Faszination dieser Dokumente aus, die wir wie Treibgut an den Gestaden der Zeit einsammeln…

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