„Schürzenjäger“-Special: Steyr Typ XII Gläser-Cabrio

Es ist schon einige Jahre her, da musste ich wegen einer amtlichen Angelegenheit die hessische Provinzstadt Gießen aufsuchen – ein Ort, der trotz der Zerstörungen von Weltkriegsbombern und Nachkriegsbauplanern noch einiges Sehenswertes an Historie zu bieten hat. Nur die Einkaufsviertel gilt es (wie vielerorts) strikt zu meiden

Auf dem Weg aus der Beamtenstube zurück begegnete mir ein mutmaßlicher Student, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin Feminist“ spazierentrug. Es war nicht höflich von mir, aber ich musste spontan laut lachen, als der Bub an mir vorbeiging.

„Ich weiß genau, worauf Du aus bist„, war mein Gedanke. Der wollte sich schlicht Zutritt zu weiblichen Kreisen verschaffen, die ihm sonst vielleicht verschlossen blieben.

Als „Frauenversteher“ bezeichnete man damals solche Typen – wie die aktuelle Variante lautet, ist mir mangels Kontakt zum Jungvolk nicht geläufig. Ob letzteres noch spricht oder nur schreit wie die Kinder in der benachbarten Grundschule, weiß ich ebenfalls nicht.

Egal, denn immerhin sind mir dafür Begrifflichkeiten aus der Welt von gestern geläufig – so etwa der des „Playboys“, der die Damen als nettes Spielzeug ansieht und benutzt – aber herrje: es gehören halt immer zwei dazu.

In noch weiter zurückliegenden Zeiten gab es die abfällige Bezeichnung des „Schürzenjägers“ für unausgelastete Herren, die sich und (meist) eher ahnungslosen Fräuleins ihre Verführungskünste beweisen mussten.

Bevor ich aber nun vollends auf schlüpf(e)rigem Terrain ausrutsche, rette ich mich auf sicheren Grund und wechsele flugs das Thema.

Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an dieses prächtige Cabriolet, das einst die Dresdener Manufaktur Gläser auf Basis des österreichischen Steyr Typ XII schneiderte:

Steyr Typ XII, Karosserie von Gläser (Dresden); Originalfoto: Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Für einen Schürzenjäger ist der Bursche ganz links noch viel zu klein, was die Eltern nicht davon abhielt, ihn als Matrosen zurechtzumachen, wie das damals auch nach Verlust der schönen Flotte im 1. Weltkrieg noch üblich war.

Warum nicht, die Sektsteuer zur Finanzierung von Schlachtkreuzern und Unterseebooten war ja auch noch da (und ist es bis in unsere Tage). Selbst die geplanten neuen Fregatten gibt es nicht – warum auch, wenn man die Steuermilliarden auch so versenken kann…

Wo, waren wir stehengeblieben? Richtig, um den Typ XII von Steyr ging es – ein feines Mittelklassemodell mit 1,6 Liter messendem Sechszylinder (ohv), der 30 PS leistete. Von 1925 bis 1929 wurden über 11.000 Stück davon gebaut.

Ob damit auch Schürzenjäger der Endzwanziger auf den Kriegspfad gingen, ist mir zwar nicht geläufig. Dennoch kommen die Schürzenjäger von heute auf ihre Kosten, wenn sie sich dieser Variante mit unverhohlen indiskretem Blick nähern.

Steyr Typ XII, Karosserie von Gläser (Dresden); Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Dieser im Raum Erfurt zugelassene Wagen war zweifellos ebenfalls ein von Gläser eingekleideter Steyr des Typs XII – jedenfalls ursprünglich.

Versierte Schürzenjäger werden jedoch bemerken, dass dieses Exemplar sich dem neugierigen Blick aufs Fahrwerk entzieht. Denn hier besitzen die Vorderkotflügel seitlich heruntergezogene „Schürzen“ (die heißen wirklich so).

Diese prüde Verhüllung kam erst mit dem legendären Graham „Blue Streak“ Anfang der 1930er Jahre auf und setzte sich dann auch in Europa rasch durch.

Wie es scheint, hatte hier der Besitzer seinen noch aus den Zwanzigern stammenden Steyr optisch modernisieren lassen – ob bei Gläser oder anderswo, sei dahingestellt.

Was die Motorisierung angeht, war der Steyr durchaus noch satisfaktionsfähig – selbst der 1931 eingeführte Mercedes 170 war mit seinem 32 PS-Sechszylinder in der gleichen Liga angesiedelt. Nur fahrwerkseitig war er moderner, äußerlich ganz sicher nicht.

Sie sehen: Als Schürzenjäger wird man auch bei Vorkriegsmaterial noch durchaus fündig. Die Schönheiten von einst haben sich mit Einsatz einiger kosmetischer Kunst gut gehalten, finde ich – was meinen Sie?

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