Regelmäßige Leser meines Blogs wissen: ich bin ein Verfechter des Ersatzrads. Nach einschlägigen Erfahrungen mit quasi neuen Markenreifen haben ich und die entschieden bessere Hälfte unsere Autos entsprechend nachgerüstet.
Im Zweifelsfall findet sich etwas Passendes unbenutzt irgendwo auf einem Online-Marktplatz und ein Platz im Auto dafür findet sich im Regelfall im Kofferraum.
Heute dehnen wir das Thema allerdings etwas aus – zum einen historisch, zum anderen auf andere Felder, in denen Ersatz-Rat mitunter teuer ist. Das muss aber nicht so sein, wie wir gleich sehen werden.
Um Rat in Sachen Ersatzrad ersuchten mich kürzlich Doris und Norbert Rauscher. Die beiden unterhalten eine liebevoll gemachte und unbedingt studierenswerte Website zur Historie des Ortes Kuschkow in der Niederlausitz (Spreewaldregion) – dazu später mehr.
Im Rahmen ihrer Archivarbeit waren sie auf ein Foto gestoßen, das eine deutsche Mitttelklasse-Limousine der frühen 1930er Jahre mit Berliner Zulassung zeigte.
Wie es der Zufall will, war uns derselbe Wagentyp mit ebenfalls Berliner Zulassung zuletzt im Alpenraum begegnet – vielleicht erinnern Sie sich hieran:

Ich hatte das Auto seinerzeit anhand der markanten Kühlerpartie als Wanderer des Typs W10-IV identifiziert – ein recht gängiges Vierzylindermodell mit 30 PS Leistung.
In meiner Wanderer-Galerie finden sich einige weitere Exemplare dieses Typs, die jedoch alles eines vermissen lassen – ein Ersatzrad!
Das war mir gar nicht aufgefallen, bis mich das Ehepaar Rauscher mit diesem Foto konfrontierte und um (soviel Spaß muss sein) Ersatz-Rat bat: War das hier ebenfalls ein Wanderer W10-IV von Anfang der 1930er Jahre, obwohl das Auto hier mit Reserverad abgelichtet ist?
Ja, liebe Familie Rauscher, auch dieses schöne Exemplar war ganz sicher ein Wanderer W10-IV – das seitlich montierte Ersatzrad war ein Extra, das sich nicht jeder gönnte.
Im Fall der Fälle reparierte man eine Reifenpanne kurzerhand selbst.
Wenn die Zeit zum Flicken des Schlauchs nicht reichte – eine Würgerei, den Mantel von der Felge zu bekommen – behalf man sich mit einer Schraube, die man in das Loch drehte oder einem eingewachsten Docht, den man mit einem Werkzeug in dasselbe hineindrückte.
Wer weitere solcher improvisierter Methoden aus jener Zeit kennt, ist aufgerufen, diese Form des Ersatz-Rats hier kundzutun – vielleicht kann man das entsprechende Wissen ja einmal gebrauchen.
Das wäre es auch eigentlich schon in Sachen Vorkriegsautos für heute, jedenfalls von meiner Seite. Doch wenn Ihnen der Sinn nach mehr aufbereiteter Historie steht und Sie noch andere Interessen haben als das alte Blech – dann hier mein Ersatz-Rat:
Werfen Sie mal in einer ruhigen Minute auf die Website von Doris und Norbert Rauscher, wo auch der Wanderer W IV-10 zu sehen ist – da gehen Ihnen die Augen auf.
Es ist berührend, am dort aufbereiteten Leben von Menschen teilzuhaben, die man gar nicht kennt, aus einem Dorf, von dem man noch nie gehört hat.
Wie bei den alten Autofotos ist es die Magie der belebten Bilder von einst, die uns die Welt von gestern ganz nahebringt. Wie gekonnt die Rauschers das aufbereitet haben, davon machen Sie sich am besten selbst ein Bild – und zwar hier.
Sie werden dort unzähligen, teils begeisternden, teils erschütternden Originaldokumenten begegnen, die eine Vorstellung von der Fülle an Leben vermitteln, das einst den kleinsten Winkel unseres Landes beseelte – aber auch von den persönlichen Schicksalen, in denen sich das Geschehen auf der großen Bühne der Geschichte erbarmungslos widerspiegelte.
Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.