Hier ist für immer August! NAG K3 Tourer

Nach einem erbärmlichen Frühjahr hat sich das Wetter in unseren Breiten – also in meinem Fall in der Wetterau zwischen Taunus und Vogelsberg – eines weitaus Besseren besonnen.

Bei satten 30 Grad Celsius lässt sich genüsslich die Gartenarbeit nachholen, die während meines kurzen Italienaufenthalts liegengeblieben war. Die mit einem Mal tausendfach aufgehenden Rosenknospen brauchen wenig mehr als Bewunderung – außer abendlichem Wässern natürlich.

Leider gedeiht indessen auch das Unkraut wie verrückt, nachdem es es wochenlang reichlich Regen gegeben hatte. Die geliebte Sonne macht da leider keinen Unterschied, ihre Kraft treibt alles hervor – darunter auch den Schweiß des Gartenarbeiters.

Doch in meinem Fall liebt der das genau so – von mir aus kann es das ganze Jahr so wie im August sein. Dass es richtig schön warm ist, merke ich auch daran, dass ich von Wasser auf kalte Vollmilch umstelle – seit meiner Jugend der bevorzugte Durstlöscher bei anstrengenden (sportlichen) Tätigkeiten im Sommer.

Köstlich, dass das nach Wasser älteste Getränk der Menschheit seit ihrer Sesshaftwerdung heute von manchem Zeitgenossen problematisiert wird. Jedem Tierchen sein Plaisirchen.

Auf dem Foto, das ich dank Leser Matthias Schmidt (Dresden) heute vorstellen darf, war einst wirklich August – anno 1913, so ist es umseitig überliefert:

NAG Typ K3; Originalfoto von August 1913 aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Wer meinen Blog schon länger verfolgt oder einfach Ahnung von diesen Dingen hat, der weiß: Ein Ovalkühler war vor dem 1 .Weltkrieg bei vielen Marken zu finden- aber in genau dieser Gestaltung nur bei der bedeutenden Berliner Manufaktur NAG.

Auf dem Originalfoto ist sogar das typische NAG-Emblem oben auf dem Kühlergehäuse zu erkennen, insoweit ist der Fall klar.

Die NAG hatte ab 1910 nach und nach die K-Modellfamilie neu herausgebracht, deren Mitglieder sich äußerlich stark ähnelten, wie das damals von den meisten Herstellern praktiziert wurde und uns heute vor einige Probleme stellt.

Letztlich unterschieden sich die NAG-K-Typen hauptsächlich in der Motorisierung und dementsprechend in den Abmessungen. Der kleine K2 6/14 PS „Darling“ war schon einige mal Gast hier im Blog, ihn möchte ich im vorliegenden Fall ausschließen.

Die stark motorisierten Typen K5 und K8 waren deutlich größer und der K4 kam erst 1914 auf den Markt, also nachdem diese Aufnahme entstanden war.

Beweisen kann man es nicht, aber ich halte den mittleren Typ K3 für den wahrscheinlichsten Kandidaten. Bei 2,1 Liter Hubraum war eine Spitzenleistung von 22 PS damals zeitgemäß. Auch dank Vierganggetriebe war das ein erwachsenes Reiseauto.

Leider wissen wir nichts über die Leute an Bord des Exemplars auf dem Foto von Matthias Schmidt. So bleibt uns nur, über die offenbar unterschiedlichen Charaktere zu sinnieren, wobei die uns direkt anschauende junge Dame sicher nicht nur mich anspricht.

Nur, dass dieser NAG einst im damaligen Neckarkreis zugelassen war, das ist gewiss.

Hätten die Insassen gewusst, dass ein Jahr später der 1. Weltkrieg begann, der nur Verlierer kannte, hätten sie wohl gewünscht: „Würde dieser August einfach ewig währen.“

Nun ja, wenigstens auf diesem schönen Foto blieb das so. Und so sollten vielleicht auch wir uns wünschen, dass es einfach so herrlich sommerlich bliebe, wie es das gerade ist. Besser werden dürfte es wohl kaum…

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