Heute unternehme ich den Versuch, das gewohnte Bild von einem Audi ein wenig zu korrigieren. Ob mir das am Ende gelingt, werden Sie mir im Zweifelsfall schon sagen.
Was einem heute unter der Marke „Audi“ auf der Straße begegnet. ist gewiss exzellent. Ein modernes Exemplar dieses Fabrikats steht einem Mercedes in nichts nach, ohne dass man sich zwischenzeitlich ähnlich eklatante Verarbeitungsmängel geleistet hätte.
Insofern markieren die großen Audis heute eine ähnliche Klasse wie einst die Wagen der Marke Horch, welche in der Auto-Union aufging, deren vier Ringe Audi sich nach dem 2. Weltkrieg angeignet hat.
Auf diese Weise hat man Audi neu erfunden – eine direkte Kontinuität zwischen den Vorkriegsaudis aus Zwickau und den Nachkriegswagen aus Ingolstadt gibt es meines Erachtens nicht.
Natürlich ist stets Vorsicht angebracht, wenn man den Versuch einer solchen Auffrischung alter Gene unternimmt. Im Fall der Nachkriegsmarke Audi war es tatsächlich ein sehr langer Weg, bis das Ergebnis wirklich überzeugte.
Heute will ich zeigen, dass sich das auch schneller bewerkstelligen lässt, wenn man nur beherzt und mit einer klaren Vorstellung ans Werk geht.
Auch in diesem Fall geht es darum, nach einem Weltkrieg ein Relikt von gestern neu zu beleben – und zwar dieses hier:

Dass sich dieser Tourenwagen mit typischer Zweifarblackierung überhaupt als Audi ansprechen lässt, erfordert schon einige Erfahrung. Den Schlüssel zur Identifizierung liefern die Kühlergestaltung sowie Zahl und Anordnung der Haubenschlitze.
Da Vorkriegs-Audis immer nur in Manufaktur und speziell vor dem 1. Weltkrieg in nur sehr geringen Stückzahlen gebaut wurden, ist es gar nicht so einfach, genügend Vergleichsmaterial zusammenzutragen.
Gemeinsam mit Sammlerkollegen (und zugleich Lesern dieses Blogs) ist mir das über die Jahre einigermaßen gelungen – jedenfalls bietet meine Audi-Galerie inzwischen mehr Originalaufnahmen als andere mir bekannte Quellen.
In Frage kommen hier die Audi-Typen B 10/28 PS bzw. C 14/35 PS, die bereits 1911/12 eingeführt und mit nur wenigen Änderungen bis kurz nach dem 1. Weltkrieg gebaut wurden. Vor allem die Gestaltung des Kühlers und die Art der Scheinwerfer erlaubt eine genauere Einordnung.
Im vorliegenden Fall kommt ein Audi von ca. 1914 ebenso in Betracht wie einer von 1918/19. Elektrische Scheinwerfer – erkennbar an der Schüsselform – waren optional bei den meisten deutschen Herstellern bereits kurz vor dem Krieg erhältlch und wurden danach Standard.
Insofern können wir uns hier nicht genauer festlegen. Doch eines ist klar: Dieser Audi war noch zum Aufnahmezeitpunkt Mitte der 1920er Jahre durchaus auf der Höhe der Zeit.
Vielleicht hatte er eine neue Lackierung erhalten, wenn es noch ein Vorkriegsexemplar war. Genau das will ich heute simulieren, indem ich dem Original mit frischer Farbe einen neuen Anstrich gebe:
Das Ergebnis kann sich sehen lassen, meine ich, zumal einige Details nun klarer hervortreten und die schlechte Qualität des alten Fotos korrigiert wurde.
Nur mit einem Detail bin ich nicht ganz glücklich – die von mir zur Kolorierung genutzte KI weigerte sich nämlich standhaft, auch die Scheinwerfergehäuse in Wagenfarbe zu lackieren.
Insofern gilt auch bei solchen historisch informierten Kolorierungen stets: „Vorsicht, frische Farbe“ – wir sind Augenmenschen und nehmen nur zu gern zum Nennwert, was wir sehen oder von anderen in manipulativer Absicht als „Bildbeweis“ serviert bekommen.
Und jetzt bin ich gespannt auf Ihre Meinung!
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