Alles so schön bunt hier: Berliet Tourenwagen

Heute bekommen Sie hier wieder einiges zugemutet.

Es beginnt damit, dass ich mir keine große Mühe gemacht habe, den schönen Tourenwagen aus dem französischen Hause Berliet – vor allem bekannt für LKW – auf dem folgenden Foto näher zu bestimmen:

Berliet Tourer der frühen 1920er Jahre; Originalfoto: Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Irgendein Modell von Anfang der 1920er Jahre meine ich hier zu sehen, doch Genaueres konnte und wollte ich auf die schnelle nicht ermitteln.

Es wäre auch sinnlos, in einen solchen Exoten (aus deutscher Sicht) viel Zeit zu investieren. es interessiert sich ohnehin kaum einer dafür. Zu eng bemessen ist der Horizont der meisten „Oldtimer“-Liebhaber hierzulande – jedenfalls nach meiner Wahrnehmung.

Für die unerwartete Horizonterweiterung sorgt dafür am Ende jemand anderes.

Allerdings verdient das heute präsentierte Foto, das mir Matthias Schmidt aus Dresden in digitaler Form zur Verfügung gestellt hat, durchaus eine besondere Betrachtung.

Dazu nehmen wir die Schwarz-Weiß-Brille ab, machen uns ein paar Gedanken darüber, wie die Welt von gestern wohl live und in Farbe ausgesehen hat.

Dann holen wir die KI unseres Vertrauens aus dem Schlaf – keiner der üblichen und kostenlosen Verdächtigen nebenbei – und geben ihr ein detailliertes Briefing.

Maximal zwei, drei Versuche gestehen wir ihr zu, dann muss ein akzeptables Ergebnis stehen. Es ginge mit mehr Aufwand noch besser, aber ich habe nur begrenzte Zeit für diese Dinge und ich meine, dass sich bereits das sehen lassen kann:

Berliet Tourer der frühen 1920er Jahre; Originalfoto: Sammlung Matthias Schmidt (Dresden); KI-gestützte Kolorierung: Michael Schlenger

Alles so schön bunt hier“ – das war, was mir dazu einfiel und genauso hatte ich es bestellt.

Selber denken, selbst das Programm bestimmen, selbst über gut und schlecht befinden – genau das, was einen unabhängigen Geist auszeichnet.

Das Gegenteil davon nennt sich Fernsehen – streng nach Stundenplan konsumieren, was einem andere nahebringen wollen. Als Erwachsener sollte man irgendwann dieser passiv erduldenden Schülerrolle, nun ja: entwachsen sein.

Einmal davon daheim ausgezogen, habe ich jedenfalls nie wieder von der öffentlich-rechtlichen Stange „TV geglotzt“. Die Flimmerkiste kam seitdem nur noch zum Einsatz, um selbst ausgewähltes Material anzusehen, das es allenfalls ins Mitternachtprogramm auf einem Nischenkanal schafft – oder vielleicht auch gar nicht.

Das verschafft einem Souveränität über seine knappe Zeit und begünstigt zugleich die Herausbildung eines eigenen Blicks auf die Welt.

Alles so schön bunt hier“ – das ist auch eine Zeile in einem Werk der Punk-Queen Nina Hagen, in dem sie die TV-Sucht durch den Kakao zieht. Hat absolut nichts mit Vorkriegsautos zu tun und ist auch musikalisch nicht die von mir bevorzugte Richtung.

Aber: Die Hagen ist so ziemlich das einzige DDR-Produkt, dem ich neben der Simson Schwalbe meine uneingeschränkte Anerkennung für ihre Performance zolle.

Ein Show-Talent mit Selbstironie und einer Live-Stimme, welche hier und da untergründig eine geschulte Opernsängerin vermuten lässt. Dabei hatte sie bloß als Kind Opernaufnahmen konsumiert. Schade, dass sie nie die Mailänder Scala gerockt hat.

So, ab jetzt wird es ganz schön bunt hier und ich rate Schöngeistern (m/w/d) nun abzuschalten:

Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

Kommentar verfassenAntwort abbrechen