Alles hat seine Zeit und alles geht irgendwann zugrunde – weicht Neuem. Das kann man im Naturkundemuseum am Beispiel längst verschwundener Arten ebenso erfahren wie beim Studium von menschlichen Bauwerken.
Eine Ausnahme ist möglicherweise „Stuttgart 21“, ein Monument deutscher Detailversessenheit (oder Dummheit) , das sich einfach dadurch der Vergänglichkeit entzieht, dass es nicht fertigwird. Worum es dabei ursprünglich ging – längst vergessen.
Als Geld noch eine Rolle spielte, weil man den Untertanen gerade einmal den Zehnten abpressen konnte und nicht über die Hälfte ihrer Einkünfte, wurden öffentliche Gebäude meist nach Plan fertig und waren dann für Jahrhunderte gemacht.
Nur wenn man sich bei den Nachbarn unbeliebt machte, einer im Dachstuhl einen Glimmstengel „vergaß“, oder man schlicht vom Fortschritt überholt wurde, konnte sich die Nutzungsdauer drastisch verkürzen.
Im besten Fall erbauen die ruinösen Überreste indessen noch spätere Generationen. So einen Fall darf ich Ihnen, liebe Freunde des wirklich alten Automobils, heute zeigen.
Viel kann ich dazu nicht erzählen, aber wie bei allen guten Dingen ist die Botschaft dieses Dokuments zeitlos:

Ein meisterhaft komponiertes Foto ist das aus meiner Sicht.
Wer auch immer es gemacht hat, war seiner Zeit weit voraus. So pflegt man zumindest zu sagen, wenn man sich vorstellt, dass die Leute früher beschränkt und rückständig waren.
Nur weil man eine so kühne Perspektive auf keinem Werksfoto eines Autoherstellers kurz vor dem 1. Weltkrieg finden wird, als die Verkaufsprospekte nur öde Seitenansichten brachten, heißt das nicht, dass kein Amateur es damals besser konnte.
Aber woher wissen wir überhaupt, dass die Aufnahme wirklich so uralt ist? Nun, die ruinöse Burg im Hintergrund liefert trotz ihrer markanten Silhouette keinen wirklich brauchbaren Datierungshinweis – wenngleich sie mir die Inspiration zum heutigen Titel lieferte.
Ich mache die zeitliche Einordnung an dem Tourenwagen fest, der auf den ersten Blick wenig Markentypisches erkennen lässt. Normalerweise ist aus diesem Blickwinkel kaum ein frühes Automobil klar identifizierbar.
Doch die Gunst der Überlieferung hat uns die Haubenpartie mit den leicht schrägstehenden Luftauslässen in wünschenswerter Klarheit bewahrt. Damit haben wir ein Indiz dafür, dass wir es mit einem Opel der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zu tun haben.
Zwar finden sich schrägstehende Haubenschlitze damals auch bei Herstellern wie Horch und Dixi, doch der geringe Neigungswinkel war typisch für Opel-Automobile.
Die Rüsselsheimer Firma bot damals das volle Spektrum vom leichten zweisitzigen Doktorwagen bis zum 100 PS-Luxusauto an – heute undenkbar.
Für die Datierung um 1912 spricht nach meiner Erfahrung der noch deutliche „Sprung“ zwischen der Motorhaube und dem anschließenden Windlaufblech vor der Frontscheibe. Das tauchte bei deutschen Serienautos ab 1910 auf und wich direkt vor dem 1. Weltkrieg einer durchgehenden Linie von Haube und Windlauf.
Über die möglichen Motorisierungen will ich erst gar nicht spekulieren – zuviel kommt hier in Betracht. Jedenfalls dürfen wir davon ausgehen, dass wir es mit einem solide motorisierten Reisewagen mit mindestens 30 bis 40 PS Leistung zu tun haben.
Die damaligen Opel-Käufer waren solvente Zeitgenossen, die von einem Automobil auch die Steigfähigkeit für Ausfahrten in bergigem Terrain erwarteten. Dazu benötigte man großvolumige Fahrzeuge, die sich vollbesetzt mit wenig Schaltaufwand fahren ließen.
Genau das war damals das Terrain dieser mittleren bis großen Opels.
Damit wären wir wieder beim Eingangsthema – von der Festung zur Ruine. Denn von der einst unangefochtenen Position von Opel als einer der besten deutschen Autohersteller ist nach über 100 Jahren nichts mehr zu sehen außer diesen Relikten auf alten Fotos.
Der „Kapitän“ nach dem 2. Weltkrieg war das letzte Modell, mit dem die Rüsselsheimer noch einmal zeigten, wo sie herkamen. Mit Grausen denkt man an spätere Oberklasse-Versuche wie „Senator“ oder „Monza“, deren Interieur auf dem Niveau des „Kadett“ war.
Auch der spätere „Omega“, den der Vater einer meiner Verblichenen fuhr, war ein gruseliges Plastikmonster mit miserablem Fahrwerk und „spezieller“ Verarbeitung. Der letzte gelungene Opel aus meiner Sicht war der fesche kleine „Adam“. Der fiel irgendwelchen EU-Auflagen zum Opfer, die kein Wähler je bestellt hat.
Tja, damit wären wir im wahrsten Sinne des Wortes am Ende – aber nur für heute, denn in meinem Blog tue ich einfach so, als sei die Welt von gestern immer noch lebendig…
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Der Opel war im RB Trier zugelassen.
Danke – sieht in der Tat sehr danach aus!
Die Burg dürfte Burg Thurant bei Alken an der Mosel sein, aufgenommen aus der Nähe von Brodenbach auf der rechten Moselseite. Damals wie heute ein beliebtes Fotomotiv.