Wir sind zu-Rück! – Im Lancia Lambda…

Vorab eines: Die tiefere Bedeutung des Titels meines heutigen Blog-Eintrags erschließt sich wohl nur dem Einsender der großartigen Fotos, die ich im Folgenden zeigen darf.

Ihm sei an dieser Stelle herzlich gedankt, auch wenn er ungenannt bleiben möchte. Verraten sei nur soviel, dass die Aufnahmen, die er mir in digitaler Form zur Verfügung gestellt hat, von seinen Vorfahren stammen, die einst in Wiesbaden lebten.

Dazu passt perfekt gleich das erste Foto – entstanden vor der klassischen Säulenhalle des Kurhauses in der einst internationalen Ruhm genießenden hessischen Kurstadt:

Lancia Lambda vor dem Wiesbadener Kurhaus; Originalfoto aus Familienbesitz

Rund 100 Jahre dürfte es her sein, dass diese Szene für die Nachwelt festgehalten wurde.

Mit nur wenigen Anpassungen konnte ich das Original in einen Zustand versetzen, der zum Motto „Wir sind zurück“ passt – denn die Insassen dieses Tourers wirken trotz etwas Unschärfe ganz wunderbar lebendig.

Zurück ist damit auch einer meiner Favoriten aus der Welt des Vorkriegsautomobils – und selbst wer dieses Fahrzeug noch nicht kennt, wird dennoch bemerken, dass es anders aussieht als das meiste, was man aus den frühen bis mittleren 20er Jahren kennt.

Tatsächlich war dieses Auto in seiner Gesamtheit das vielleicht innovativste aller Zeiten:

1.) selbsttragende Karosserie ohne Leiterrahmen mit tiefem Schwerpunkt, 2.) vordere Einzelradaufhängung mit Schraubenfedern und Teleskop-Stoßdämpfern, 3.) serienmäßige 4-Rad-Trommelbremsen, 4.) Aluminium-V4-Motor mit engem Zylinderwinkel und obenliegender Nockenwelle.

Das war bei Erscheinen 1922 sensationell und es ist kein Wunder, dass das Konzept mit seiner unerreichten Straßenlage und Fahrstabilität fast zehn Jahre aktuell bleiben sollte.

Die Rede ist vom optisch ikonischen „Lambda“ des italienischen Herstellers Lancia, dessen Grundzüge bereits bei Ende des 1. Weltkriegs festgelegt wurden.

Natürlich war das kein billiges Auto für jedermann – dafür waren damals Ford und Fiat, Austin und Citroen zuständig (deutsche Hersteller spielten aus vielerlei Gründen keine Rolle in der Hinsicht).

Der Lambda war ein Wagen für Gourmets und fand international mühelos Käufer, selbst im durch Größenwahn und Kriegswirtschaft ruinierten Deutschland.

Lancia Lambda, vermutlich in Wiesbaden; Originalfoto aus Familienbesitz

Diese zweite Aufnahme entstand möglicherweise ebenfalls in Wiesbaden. Jedenfalls zeigt sie Mitglieder der dort ansässigen Familie des Einsenders dieser Aufnahmen.

Das Auto selbst gehörte wohl einem Bekannten der Familie, die selbst „nur“ einen Opel 4 PS besaß – aber schon das war im Vorkriegs-Deutschland etwas Besonderes.

So wissen wir leider nichts Näheres über den Lancia, dessen Konterfei ich hier mit Hilfe einer spezialisierten KI aufgemöbelt habe. Hier gilt nun auch für die Hunde im Passagierabteil „Wir sind zurück“, so als wären sie gestern aufgenommen worden.

Kurioserweise ist eine weitere Aufnahme desselben Wagens überliefert, die den Lancia mit einer unbekannten jungen Dame und einer ganzen Rotte solcher junger Hunde zeigt:

Lancia Lambda; Originalfoto aus Familienbesitz

Der heutige Besitzer der Fotos vermutet, dass der Wagen für Werbeaufnahmen oder für ein Gesellschaftsmagazin jener Zeit genutzt wurde – tatsächlich finden sich andere Fotos mit ganz ähnlicher „Besatzung“ in jener Zeit.

Auch in diesem Fall habe ich das recht grobkörnige Originalfoto KI-basiert überarbeitet, sodass hier ebenfalls der Eindruck gerechtfertigt erscheint: „Wir sind zurück!“

Was mit moderner Technologie möglich ist soll auch die letzte Aufnahme aus dieser Reihe illustrieren – hier das Original, das am Mittelrhein auf der Höhe von Oberdiebach entstand, im Hintergrund erkennt man die Kirche von Lorch:

Lancia Lambda am Mittelrhein; Originalfoto aus Familienbesitz

Natürlich könnte man es dabei bewenden lassen und die heutige Fototour im Lancia Lambda beenden.

Wenn wir aber die Welt von gestern – zumindest in automobiler Hinsicht – zurückhaben wollten, dann müssen wir hier noch einiges an zeitbedingten Defekten beheben.

Dazu gehören die Risse im Abzug und der fehlende Rand, aber auch die flauer Wiedergabe des Lancia nebst Passagieren mit zwei und vier Beinen.

Bevor KI-Technologie allgemein zugänglich wurde, wäre die Restaurierung eines solchen Fotos äußerst zeitaufwendig gewesen. Heute ist das eine Sache von ein paar Minuten: man formuliert möglichst präzise, was korrigiert bzw. ergänzt werden soll, und – sehr wichtig – hält auch fest, was man nicht an Veränderungen haben will.

Nach wenigen Minuten erhält man dann ein Ergebnis wie dieses hier, nicht in allen Details perfekt, aber eine enorme Verbesserung gegenüber der Vorlage:

Lancia Lambda am Mittelrhein; Originalfoto aus Familienbesitz; KI-basierte Restaurierung; Michael Schlenger

Damit wir uns richtig verstehen: so ein restauriertes Foto ersetzt nicht das Original, aber es kann uns im Idealfall der tatsächlichen Situation näherbringen als dieses.

Ich meine, dass dies ein gutes Beispiel dafür ist, wie man ein sonst weniger attraktives Foto für die Gegenwart „retten“ kann, indem man das hervorholt, was darin verborgen ist.

Dass die Sache ihre Grenzen hat und im Einzelfall auch problematisch sein kann, diese Feststellung ist trivial. Damit mussten sich schon die frühen Fotografen auseinandersetzen, deren Resultate ja auch nur eine mehr oder weniger abstrakte Wiedergabe des tatsächlichen Sinneseindrucks waren.

Hätten die Leute deshalb nicht fotografieren sollen? Sie wussten doch auch, dass die fertigen Abzüge keine präzise Wiedergabe der Wirklichkeit waren.

Mit dem Bewusstsein, dass keine Technologie ein in allen Facetten exaktes Abbild der uns umgebenden Welt ermöglicht, so wie sie sich uns darbietet, kann man auch verblichene, zerkratzte, fleckige oder gar unvollständige Fotos von einst in einen Zustand versetzen, der die Zeitzeugen zum Ausruf animieren würde: „Wir sind wieder zurück!“

Und darum geht es mir am Ende: Nicht um die Fotos oder die Autos, sondern um das, was unsere Vorfahren einst bewegte und was sie für festhaltenswert hielten – meist zeitlose Dinge…

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4 Gedanken zu „Wir sind zu-Rück! – Im Lancia Lambda…

  1. I don’t mind seeing your color versions, as long as you also show the b/w originals. I’m even fascinated when you’ve done animation, of the family getting in the car, for instance. But it also horrifies me a bit. 🙂 It’s quite amazing how it can create action.

  2. Many thanks for your differentiated view – very much appreciated. Indeed, there is a thin line between an „enhanced“ or optimized version of an original photo and an unrealistic recreation – „unrealistic“ in the sense that the result wouldn’t have been achievable with the best technology, back then. It’s probably the same as with photorealistic paintings – they are „too good to be true“ in a paradoxical way. Regarding colorizations, I tend to decide on a case-by-case basis. There are black&white photos that just lack depth and details due to the limitation on shades of grey. Then, a colorized version may enable us to enjoy the actual situation and make the people in the picture appear like human beings. So, as with most aspects in life, it’s wise to follow a differentiated approach or put simplier: „it depends“…

  3. I like and appreciate your „enhanced“ or „recovered“ versions of these photos. I am not a fan of colorization, or of unrealistically over-restoring old photos. I’d rather see something tattered than slickly reimagined. I’ve played with AI restoration a bit. I’ve messed with my family photos that were terribly exposed. AI can make them look much better – but sometimes they no longer look like my family. So I leave those as they were. I think there’s a delicate line between good restoration (if you want to call it that) that recaptures the original image, and a mindless „make it look better than new“ approach. I really don’t like that slick aesthetic, that tries to make everything modern and perfect… I really enjoy your blog and photos.

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