Kürzlich gab es beim „Grand Meeting“ auf Rittergut Birkhof am Niederrhein eine Neuschöpfung von Audi zu besichtigen – den Auto Union Typ 52 Schnellsportwagen.
Tatsächlich hat es dieses Gerät, das die Leistung eines Rennwagens mit dem Komfort eines Straßenfahrzeugs kombinieren sollte, nie über das Entwurfsstadium hinaus geschafft. Gemessen am gestalterischen Stand der Dinge von Mitte der 1930er Jahre war das auch besser so – dieses Monstrum hätten sich nur echte Enthusiasten in die Garage gestellt.
Mir hat die über einen Zeitraum von 10 Jahren entstandene Schöpfung, die sich an überlieferten Daten orientiert, überhaupt nichts gesagt – es ist kein historisches Objekt und die Anmutung lässt auf den ersten Blick moderne Fertigungstechnik erkennen.
Das soll nicht heißen, dass ich „gegen“ solche Rekreationen oder selbst reine Fantasiegebilde wäre – sie sollten mich aber wenigstens inspirieren und den Einsatz heutiger Technologie rechtfertigen.
Immerhin kann die Audi AG aber auch mit etlichen echten Raritäten aus der (streng genommen nur angeeigneten) Historie aufwarten.
Ein Beispiel dafür ist der Achtzylinder-Audi Typ SS 20/100 PS „Zwickau“, von dem zwischen 1929 und 1932 einige hundert Exemplare entstanden. Von diesen mächtigen Luxuswagen scheinen nur noch rund eine handvoll zu existieren (vgl. Kirchberg/Hornung, Audi-Automobile 1909-1940, S. 234).
Dass es nicht mehr Überlebende gibt, dürfte unter anderem daran gelegen haben, dass sich der damalige Audi-Chef Rasmussen (der zuvor DKW gegründet hatte) in den USA die Motorenfertigung der insolventen Firma „Rickenbacker“ hatte andrehen lassen.
Während Reihenachtzylinder damals in den Staaten etabliert waren und in Großserienproduktion entstanden, bereiteten die Rickenbacker-Aggregate jede Menge Probleme. Die Vergabe der Motorenproduktion in Deutschland an einen völlig unerfahrenen Betrieb aus dem DKW-Verbund trug wohl erheblich zum Desaster bei.
Jedenfalls blieben die Audi-Achtyzlinder mit dem wenig zugkräftigen Namen „Zwickau“ (der Vorgänger hieß noch „Imperator“) eine Rarität, weshalb es jedesmal etwas besonderes darstellt, eine originale Abbildung davon bringen zu können.
Heute kann ich mit dieser Postkarte aufwarten, welche um 1930 entstand und einen dieser wohlproportionierten 100 PS-Wagen zeigt:

Da dieses historische Überbleibsel nicht gerade überwältigend ist, was Qualität oder Erhaltungszustand angeht, dachte ich mir: „Wie wäre es, so einen Zwickau zu restaurieren?“
Da ich nicht über die bei Audi Tradition verfügabren Mittel verfüge, habe ich mich der mir zu Gebote stehenden modernen Technologie bedient und zwei KI-gestützte Beispiele erstellt.
Das erste orientiert sich streng an der überlieferten Vorlage und könnte in dieser Qualität einst auch mit einer professionellen Großformatkamera gemacht worden sein:
Gewisse Schwierigkeiten bereitete dabei die geschärfte Wiedergabe der auf der Vorlage nur schemenhaft wiedergegebenen Kühlerfigur (hier half es, die KI ausdrücklich darauf hinzuweisen, was die Figur darstellt) sowie des kaum erkennbaren Kühleremblems, welches das Stadtwappen von Zwickau darstellt. Das ließ sich nicht überzeugend reproduzieren.
Davon abgesehen ist die Restaurierung recht originalgetreu gelungen, meine ich.
Beim zweiten Beispiel habe ich mich mehr aus dem Fenster gelehnt und gleich eine Rekreation der ganzen Szene in Farbe beauftragt – die Umgebung eingeschlossen. Das Farbschema des Wagens folgt damals typischen Mustern, wobei für die stets in Manufaktur gebauten Audi-Karosserien prinzipiell viele Varianten möglich waren.
Ich habe mich für ein tiefes Blau entschieden, aber eine etwas hellere Abstufung der Räder gewählt, wie sie das Original nahelegt.
Größere Freiheiten habe ich mir bei der Wiedergabe des Bergs im Hintergrund genommen. Ich kenne die Örtlichkeit nicht, nehme aber an, dass sich darauf eine Burgruine befindet.
Diese in Gänze zu restaurieren, wäre dann doch vermessen, also beließ ich es bei der Andeutung von Mauern und Türmen:
Im Detail ist das Resultat sicher angreifbar, aber so ist das nun einmal, wenn man in Vorlage geht – immer noch besser als gar nichts Kreatives zu unternehmen.
Ob mir hier nun eine Restaurierung oder Rekreation gelungen ist – oder gar beides – das überlasse ich wie immer Ihrem Votum, das gern ebenso meinungsstark darf sein wie das meine – denn hier hat auch der ungehemmte Austausch Tradition…
Nachtrag: Der markante Berg im Hintergrund ist die „Landeskrone“ bei Görlitz, der Rest eines Vulkankegels, auf dem sich die Reste einer mittelalterlichen Burg und ein Aussichtsturm aus dem 18. Jh. befinden.
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Danke für die Klarstellung in Bezug auf Auto Union – in der Tat hat man sich da nach dem Krieg bei Audi ein arg großes Erbe zueigengemacht. Was die Linierung angeht, können wir angesichts der Vielzahl der historischen Möglichkeiten (un der lückenhaften Dokumentation) weder etwas kategorisch ausschließen noch kategorisch als Standard setzen. Es hängt nicht zuletzt auch von der Farbgebung ab, ob eine zusätzliche farbige Linie stimmig wirkt oder zuviel wird. Mein tiefschwarzer La Licorne von 1933 mit Originallack (ein völlig konventioneller Mittelklassewagen) hat eine hauchfeine grüne Linierung entlang der Seite, ich habe aber auch schon zweifarbige Originallack-Wagen desselben Typs ohne Linierung gesehen. Der Aufwand für eine Linierung war ja überschaubar – ein guter Pinstriper bekommt das noch heute in überschaubarer Zeit freihändig hin (und Zeit kostete damals viel weniger) – exklusiv war das also keineswegs, eher ein schönes Detail, wenn man es wollte. Also sollten wir das nicht zu apodiktisch sehen.
Mit dem “ Großproduzenten …“ ist selbstverständlich die Auto Union AG als Ganzes gemeint, für deren aus vier, nein fünf, Strängen zusammenlaufende Geschichte die Audi Tradition formalhistorisch heute steht.
Vergessen sind heute jedoch die erheblichen Stückzahlen der Nutzfahrzeug-Fahrgestelle, auf denen insbesondere Mannschaftstransporter der Polzeien, Busse und Aussichtswagen im In- und Aualand aufgebaut wurden und die, zumindest zeitweise, die Anzahl der gefertigten PKW überatiegen haben dürfte.
Im Buch „Die Nutzfahrzeuge der Auto Union“ kann man sich darüber informieren und erfährt z B.vom „Audi“, mit dem man in Dänemark lange Jahre den herannahenden Überlandbus meinte.
Und zur optionalen Linierung in Handarbeit mit dem sog. Schlepppinsel ist anzumerken, daß diese seinerzeit ein Kennzeichen qualitativ hochwertiger Wagen mit entsprechend aufwändigen Finish war und schon deshalb sicher nicht als „Extra“ galt, da es den Käufer als Gernegroß ausgewiesen hätte.
Heute existierende Exemplare in rekontruiertem outfit sind dafür kein Gegenbeweis.
Bei der Auto Union fing die Linierung in der Kotflügelsicke schon beim DKW Front Luxus
an. Ich fuhr seinerzeit bis an den Bodensee, um als „Beweisaufnahme“ ein unfestauriwrtes Exemplar zu fotografieren !
Vielen Dank – nur Folgendes sehe ich anders:“Werkshistorie eines früheren Großproduzenten deutscher Automobile seitens eines in den Sechzigern d. v. Jh. neu erfundenen deutschen Premium- Herstellers“. Also, Audi war in der gesamten Vorkriegszeit niemals auch nur annähernd ein Großproduzent, sondern auch gemessen an den bescheidenen deustchen Verhältnissen ein absoluter Nischenhersteller. Auch nach dem 1. Weltkrieg blieb die Jahresproduktion durchweg unter der von Stoewer bspw. (es sei denn, Sie meinten DKW als kurzzeitige Mutter von Audi). Und was den in den 60ern neu erfundenen „Premiumhersteller“ angeht, ist zu konstatieren: Die Positionierung von Audi war damals eindeutig bürgerliche Mittelklasse, aufbauend auf dem Frontantriebserbe von DKW. Erst ab dem Audi 100 und später mit dem 8-Zylinder wurde die Marke Audi systematisch in Richtung Premium und Technikführerschaft entwickelt. Noch zu den Zierlinien: Die ebenfalls herbeizuzaubern hatte ich ebenfalls erwogen, nachdem ich das auf einem erhaltenen Wagen dieses Typs mit schwarzer Lackierung so gesehen hatte. Es gibt aber auch mindestens ein Exemplar ohne diese Verfeinerung, wenn ich es richtig sehe. Im übrigen sah keiner dieser Wagen wie der andere aus, die Karosserien waren ja alle individuell gefertigt, weshalb es im Unterschied zu Horch keine präzise überlieferten Farbschemata ab Werk gibt, an denen man sich orientieren könnte. Von daher meine ich, dass es das auch so gegeben haben kann – reine Objektivität werden wir da nicht mehr erlangen können. Aber so haben wir immer auch Diskussionstoff und der Blick schärft sich weiter.
Nein, ich bin nicht erschrocken, als ich das erstmal von der „unzeitgemäßen „Nachschöpfung“ der AutoUnion-Schnellsportwagenlimousine hörte!
Die selektive Geschichtswahrnehmung und Darstellung der Werkshistorie eines früheren Großproduzenten deutscher Automobile seitens eines in den Sechzigern d. v. Jh. neu erfundenen deutschen Premium- Herstellers ist mir als früherem „Hoflieferanten“ durchaus geläufig, die ideologische Ausrichtung am gewünschten Premium- Image nur zu vertraut.
Doch – was bliebe davon, wenn man die Bedeutung der einzelnen Geschäftssparten und Konzern- Marken für die Werkshistorie per Deckungsbeitragsrechnung ermittelte ?
Die Landeskrone hätte ich, wie ich zugeben muß, von der hier als Bildhintergrund gewählten Südseite auch nicht erkannt – obwohl ich sie ,wohl 2006/7, zusammen mit meiner damals 84jährigen Mutter selbst erklomm. Dort oben gibt’s aber nur ein einladenden Gasthaus, wo wir uns stärken konnten.
Ohne mir als Nachfahre einer „in der Wolle gefärbten“ schlesischen Großmutter und Breslauerin eine schlesischen
„Restidentität“ zuschreiben zu wollen, nutzte ich doch gerne die Gelegenheit ab 2004 auf diversen Oldtimer- Rallys und Ausfahrten mir Polen von Elbing bis Zamosc und natürlich auch Schlesien Ober bis ins niederschlesische Liegnitz und Hirschberg zu erschließen. Alles mit dem schönen 3=6er, der fast
sein ganzes bisheriges Leben
mit Km- Stand 06276 in einer Kutschen- Remise der Südpfalz gefristet hatte. Nach Südpolen ging mit einem schönen weinroten R 4 L, rückzu über Breslau, Eulen-, Riesen- und Isergebirge ins Sächsische.
Die „Recreations- Fähigkeiten unseres Blogwarts in Ehren – aber die feinen Details, wie die Zierlinien z.B. an Gürtelsicke und Felgentopf des vorgestellten stolzen Audi „Zwickau“ sollten doch nicht in der Orgie der authentischen Farbigkeit untergehen!
Bemerkenswert Übrigens ist, daß der 8- Zylinder- Typ „Zwickau“ von seinem 6- Zyl.- Bruder „Dresden“ begleitet wurde , was wohl als Referenz an die Zwickauer Auto-
mobilarbeiter zu verstehen ist!.
Lieber Herr Börner, bei aller gemeinsamer Leidenschaft für das schlesische Erbe muss ich Sie in diesem Fall enttäuschen. Der Audi war im Raum Görlitz zugelassen, das damals am äußersten Westrand Schlesiens lag. Dort findet sich die herrliche Landeskrone als Hausberg, wie ich gerade eben herausgefunden habe: https://de.wikipedia.org/wiki/Landeskrone.
Da Sie, Herr Schlenger, ebenso wie ich schlesische Wurzeln haben, interessiert es Sie vielleicht, dass der Berg im Hintergrund des Fotos aller Wahrscheinlichkeit nach der „Heilige Berg der Schlesier“, der Zobten ist. Das passt insofern auch gut zur Zulassung des Audi, dessen Kennzeichen IK für Schlesien steht. Der Zobten liegt etwa 30 km südöstlich von Breslau.
Eine Burg auf dem Gipfel hat es vor Jahrhunderten mal gegeben, zum Zeitpunkt der Aufnahme kann das, was man im Original nur schemenhaft erkennen kann, nur das Kirchlein „Mariä Heimsuchung“ gewesen sein. Heute befindet sich in der Nähe ein Sendemast
Das „Heimatlied“ der Schlesier lautet:
Wo des Zobtens mächt’ger Bau
steigt empor zum Himmelsblau
und des Wetters Unbestand
weit im Umkreis macht bekannt
da bist du, mein Schlesierland.
Meine Großmuter Erna und ihre Schwester Ilse, beide geborene Beckmann aus Breslau und einst bis in die Wolle gefärbte Schlesierinnen , haben mir vor Jahrzehnten dieses „Heimatlied“ vorgetragen.
Im Jahr 1903 hat der Vater dieser Schwestern, Paul Beckmann, einen Versuch unternommen, mit seinem Typ XVII diesen Zobten zu bezwingen – im Winter! Kurz vor dem Ziel ist er aufgrund von Schneeglätte zur Umkehr gezwungen gewesen. Die Presse berichtete darüber, ein Foto existiert.
Hallo Claus, danke für den Hinweis! Es existieren ja doch einige Fahrzeuge dieses Typs – muss ich im Blog korrigieren. Das Emblem via KI perspektivengerecht in das Bild reinzufummeln wäre extrem aufwendig, den Aufwand spare ich mir…
Hallo Michael, im Audi Museum in Ingolstadt habe ich vor Jahren den gesuchten Audi Zwickau fotografiert und auf meiner Webseite (www radiatoremblems.com) gezeigt, inkl. des Zwickau Emblems. Bei der KI Überarbeitung des Fotos wäre es wohl möglich gewesen, das Emblem von dort zu holen und auf den Kühler zu setzen…dann wäre auch dieses Detail echt geworden Beste Grüße Claus