Offenbacher Offenbarung: Mercedes 200 Cabriolet C

Der gemeine Offenbacher Automobilist offenbart sich (seit ich denken kann) durch das Kürzel „OF“ auf dem Nummernschild – von Schelmen auch als „ohne Ferstand“ interpretiert.

Der Fairness halber möchte ich anmerken, dass mich auch Inhaber der Zulassungen „HG“ und „FR“ regelmäßig auf die Palme bringen – erstere durch notorische Schlafmützigkeit bzw. mitleiderregende Orientierungslosigkeit, zweitere durch erzieherische Absicht vermuten lassendes Schleichen auf zweispurigen Autobahnabschnitten.

Nachdem wir dies geklärt hätten, kommen wir zurück zum Offenbacher – indessen nicht zum gemeinen, sondern dem, der sich in den 1930er Jahren einen kleinen, aber feinen Mercedes leisten konnte.

Während mich die geschlossenen Fahrzeuge aus dem Hause Daimler-Benz in jener Zeit mit ihrer immergleichen Biederkeit langweilen, kann ich mich für die offenen Versionen durchaus erwärmen – je größer, desto mehr.

Mein Favorit in der Hinsicht ist der Typ 320, der im Unterschied zum ebenfalls schicken 290 für einen Wagen seiner (Preis-)Klasse angemessen souverän motorisiert war. Abgefeiert habe ich das darauf basierende Cabriolet hier.

Indessen bot man auch in der Einsteigerklasse – rein größenmäßig, ganz gewiss nicht preislich zu verstehen – in der ersten Hälfte der 1930er Jahre ein ansehnliches Cabriolet:

Mercedes-Benz 200 Cabriolet C von 1933; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Puuh, das kommt aber nicht gerade wie die in Aussicht gestellte Offenbarung rüber – auch wenn die Zulassung wie angedroht auf Offenbacher Insassen schließen lässt.

Doch warten Sie’s ab, gleich werden Sie sehen, was ich meine.

Zuvor sei angemerkt, dass wir es hier mit dem 1933 eingeführten Typ 200 (W21) zu tun haben. Wie sein Vorgängermodell 170 besaß er einen Sechszylindermotor, war aber mit 40 PS Leistung nicht ganz so untermotorisiert wie dieser.

Immerhin hatte man sich „beim Daimler“ schon beim 170er zu hydraulischen Bremsen durchgerungen, nachdem diese andernorts bereits seit Jahren in der Großserie bewährt waren. Durchaus eine Offenbarung war indessen das moderne Fahrwerk.

Gelungener als beim 170er waren aus meiner Sicht die offenen Karosserien auf Basis des 200. Das gilt speziell für das Cabriolet C, das wir auf der hier vorgestellten Aufnahme sehen.

Aber da gibt es ja kaum etwas zu sehen, so könnte man meinen. Genau das wollen wir beheben und das Ergebnis ist die eigentliche Offenbarung, die ich meinte:

Mercedes-Benz 200 Cabriolet C von 1933; KI-optimiertes Foto: Michael Schlenger

Mit der Restaurierung habe ich mir keine große Arbeit gemacht – vielleicht 1 Minute hat mich die Sache gekostet.

Das Ergebnis ist eine Offenbarung, auch was den intelligenten Einsatz moderner digitaler Technologie angeht. Man müsste ganz schön borniert sein, um nicht die Möglichkeit von Künstlicher Intelligenz auf diesem Gebiet zu nutzen.

Man kann damit den alten, oft schlecht erhaltenen Fotos fast immer das entlocken, was einst an Substanz darin steckte – und man kann dabei auch Spaß haben.

Wer die Sache allzu ernst angeht, überbewertet nicht nur diese selbst – es geht bloß um alte Fotos irgendwelcher alter Autos. Er übersieht auch, dass ohne Spaß an der Sache dieser Blog und die damit verbundene einzigartige Dokumentation von Vorkriegsautos nicht existieren würde.

Dass dies eine Offenbarung ist, das muss man auch als Offenbacher einsehen, so schmerzhaft ungerecht im Einzelfall mein Urteil ausfallen mag…

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Ein Gedanke zu „Offenbacher Offenbarung: Mercedes 200 Cabriolet C

  1. Erstklassige Rettung des durch Lichteinfall sowie Pfusch beim Fixieren ruinierten Abzugs mittels KI ! Hier zeigt sich, daß abseits des medialen und politischen Geschreis um „deepfakes“ (zu Fotolaborzeiten Fotomontage genannt) eine echte und wirksame Hilfe entstand, die so einen klaren und unbeeinträchtigten Blick auf historische Bilddokumente ermöglicht. Das Aussehen des Kühlergrills eines Mercedes der Baureihe W21 ließe sich noch anderweitig finden, aber Sie haben uns hier auch schon einmalige Raritäten gezeigt, von denen heutzutage kein einziges existierendes Exemplar mehr bekannt ist. Da wäre dann ein solches dank KI optimiertes Bild geradezu unersetzlich !

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