Ein Vorläufer des Tatra 77/87 aus den USA (1931)

Der tschechischen Firma Tatra kommt das Verdienst zu, als erste Serienfahrzeuge mit Stromlinienkarosserie und Heckmotor gebaut zu haben (Tatra 77 ab 1934). Doch wurde schon Ende der 1920er Jahre mit dem Burney Streamline in England ein erster Versuch unternommen, das Konzept serientauglich zu machen.

Nur wenigen Spezialisten dürfte bekannt sein, dass es neben dem gescheiterten Burney in den USA einen Entwurf von John Tjaarda gab, der den Erfolgsmodellen von Tatra vorausging und diesen zumindest formal sehr nahekam.

Der aus den Niederlanden eingewanderte Tjaarda arbeitete nach Anstellungen bei diversen US-Karosseriebauern ab 1930 im Designbüro von General Motors (GM). Dort entwarf er einen Stromlinienwagen mit V8-Motor im Heck, dem der später von Tatra realisierte Wagen verblüffend ähnelte.

GM hat das von Tjaarda vorgeschlagene Fahrzeug zwar nicht in die engere Wahl gezogen, es gab nicht einmal einen Prototyp. Doch existieren Abbildungen, die den visionären Entwurf von Tjaarda zeigen. Hier eine Darstellung des Wagens aus der Zeitschrift „Modern Mechanics and Inventions“, Ausgabe Juli 1931:

Entwurf_von_John_Tjaarda_1931

© Bildquelle: http://blog.modernmechanix.com; Urheberrecht: „Modern Mechanics and Inventions“

Die Proportionen, Frontpartie, Seitenlinie und Rückenfinne finden sich in sehr ähnlicher Form beim drei Jahre später vorgestellten Tatra 77 wieder. Nur die hinteren Radkästen unterscheiden sich deutlich.

Wer nun im Tatra 77 bzw. 87 ein Plagiat vermutet, liegt ebenso schief wie die Verfechter der These, das Entwicklungsbüro Porsche habe bei der Entwicklung des Volkswagens lediglich bei Tatra oder Josef Ganz abgekupfert.

Vielmehr lag das von Tatra und Volkswagen serientauglich gemachte Konzept in den 1930er Jahren schlichtweg in der Luft. Wie bei vielen Erfindungen befruchteten sich die Entwickler wechselseitig oder kamen unabhängig zu ähnlichen Ergebnissen.

Die Stromlinienentwürfe von Tjaarda senior sollten auch in den USA noch Folgen haben. Übrigens war John Tjaarda der Vater des Autodesigners Tom Tjaarda, der so unterschiedliche Fahrzeuge wie den DeTomaso Panthera und den ersten Ford Fiesta zeichnete.

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