Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum britische Vorkriegswagen so selten einen Auftritt haben in meinem Blog.
Nun, dass ich in der Hinsicht eine Abneigung pflegte, davon kann nun wirklich keine Rede sein. Seit bald einem Vierteljahrhundert besitze ich unter anderem einen MGB GT, auf dessen Qualitäten ich nichts kommen lasse.
Auch dem Mini und den klassischen Jaguar-Modellen kann ich viel abgewinnen. Damit ist auch in etwa die Bandbreite britischer Autos der Vorkriegszeit markiert – damals reichte die Palette vom populären Austin 7 bis hin zu den Bentleys, die man heute auf dem Kontinent vorwiegend als hochgezüchtete „Specials“ kennt.
Die Marke Rolls-Royce spielt von jeher in einer eigenen Liga, die lassen wir mal außen vor, obwohl ich auch von diesen majestätischen Automobilen schon das eine oder andere hier anhand alter Fotos präsentieren konnte.
Die heute in der Szene so präsenten und enorm beeindruckenden Bentleys seien ihren Besitzern herzlich gegönnt – ich bin sogar schon einmal auf dem Trittbrett eines solchen Geräts mitgefahren (kein Scherz).
Aber es muss nicht immer Bentley sein, wenn es um potente Vorkriegs-Engländer geht – es gab da eine ganze Menge aufregende Fabrikate. Dazu gehörte auch eines, das viele vom Namen her eher mit langweiliger Hausmannkost von der Insel verbinden.
Doch kann man sich gewaltig irren, was das angeht, so wie das schon in den 1960er Jahren geschah, als der Wagen auf dem folgenden Foto umseitig als Bentley bezeichnet wurde:

Mit diesem großartigen Foto wurde einst die Folge „The Gravediggers“ der britischen Kult-Fernsehserie „The Avengers“ (Staffel 4, Folge 2) beworben.
Die Serie ist im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Mit Schirm, Charme und Melone“ bekanntgeworden – eine treffende Anspielung auf die Waffen der unterkühlten Heldenfigur „John Steed“. Zusammen mit seiner Partnerin „Emma Peel“ – ein schillernder Charakter, den man in deutschen Krimiproduktionen der Zeit vergeblich sucht – löste Steed aufregende Fälle, in denen das alte England und die Moderne aufeinandertrafen.
Für gewöhlich fuhr Steed als Repräsentant traditioneller Britishness in der Serie einen Vorkriegs-Bentley, was zu dem irrigen Vermerk auf der Rückseite des Fotos geführt haben dürfte. Ob die Ortsangabe „Stapleford Park von Lord Gretton, Leicestershire“ zuverlässiger ist, habe ich nicht geprüft – der alte Friedhof jedenfalls gefällt mir als Liebhaber von Orten, die uns die Vergänglichkeit vor Augen führen.
Doch was war das denn nun für ein Wagen, wenn schon kein Bentley?
Nun, Kenner wird es nicht überraschen, dass es sich um einen Vertreter der altehrwürdigen Marke Vauxhall handelte, die vor der Eingliederung in den amerikanischen General Motors-Konzern anno 1925 in der britischen Oberklasse angesiedelt war.
Lange Zeit blieb das noch vor dem 1. Weltkrieg entwickelte Spitzenmodell 30-98 HP die bevorzugte Wahl des Herrenfahrers, der einen sehr schnellen Wagen bevorzugte. Die Straßenversion war an die 140 km/h schnell, die Sportausführung schaffte über 160 km/h.
Diesem 4,5 Liter großen Vierzylinderaggregat wurde in den frühen 1920er Jahren eine 4-Liter-Maschine zur Seite gestellt – der entsprechende Typ 23-60 HP war damit immer noch über 100 km//h schnell und hubraumbedingt enorm drehmomentstark.
Mit einem dieser beiden Typen wurde „Avenger“-Held John Steed einst bei tiefstehender Sonne auf dem Friedhof abgelichtet. Damit fungierte er zugleich als Rächer der einst so angesehenen Marke Vauxhall, die heute zu Unrecht im Schatten von Bentley steht.
Was ist aber die Antwort auf die eingangs gestellte Frage? Nun, da meine Fotofunde vorwiegend aus deutschen Landen stammen (einst und heute), sind englische Vorkriegsfabrikate nur selten vertreten, weil sie von Austin (und Rolls-Royce) abgesehen hier wohl nicht systematisch vertrieben wurden.
Umso reizvoller wäre es, wieder einmal einen Vorkriegs-Briten mit antiker deutscher Zulassung präsentieren zu können – wie gesagt: es muss nicht immer Bentley sein!
Copyright: Michael Schlenger, 2026. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.


















































































