Im letzten Blog-Eintrag hatte ich es angekündigt – ich bin von meinem Italien-Aufenthalt wieder nach Deutschland zurückgekehrt.
Nun könnte man Ende März davon ausgehen, dass man dabei vom Hauch des Frühlings begleitet wird. Nachdem es in Umbrien die Tage zuvor ziemlich kalt gewesen war und es in höheren Lagen wiederholt geschneit hatte, stellte sich die Situation am Morgen der Abfahrt noch ganz vielversprechend dar:

Kurz bevor es auf die Schnellstraße Richtung Norden ging, „musste“ ich noch kurz anhalten und diesen prächtigen Blick festhalten. Vorne die abfallenden Hänge des Monte Subasio, im Mittelgrund das 2500-jährige Spello und auf den schon an die Toscana grenzenden Gipfeln in der Ferne der letzte Schnee – so dachte ich.
„Sauber – so lässt es sich gepflegt dem Frühling entgegenfahren„, könnte man hier meinen.
In Umbrien mit seinem eigenständigen Mikroklima blieb mir der Wettergott (m/w/d) noch hold. Doch kaum gelangte ich in das nördlich angrenzende Bergland, das kurzzeitig zur Toscana, dann zur Emilia-Romagna gehört, änderte sich das Bild.
Zwar blieb es sonnig, doch plötzlich war alles tief verschneit. Über Nacht waren 20cm Neuschnee gefallen. Bis zum Morgen hatten die Schneepflüge ganze Arbeit geleistet, sodass sich gut fahren ließ, wengleich stellenweise nur eine der zwei Spuren frei war.
„Sauber – schon wieder Winter“ – mein im letzten Blog-Eintrag erwähnter treuer Weggefährte Dacia „Duster“ präsentierte sich trotz allem so, als wäre nichts gewesen:

Der unheimlich saubere Auftritt ist einer Wachsschicht zu verdanken, die ich vor langen Touren aufzutragen pflege – da perlt schlicht alles ab, was von der nassen Straße auf die Karosserie gelangt.
Übrigens sind es Verhältnisse wie hier geschildert, die seinerzeit meine Entscheidung begründet hatten, die Allradoption zu wählen. In Italien kann es immer mal wieder solche Überraschungen geben, auch dort, wo nicht gleich ein Schneepflug aktiv wird.
Nicht zufällig sind in Mitteltalien alle möglichen 4×4-Varianten verbreitet, am häufigsten sind japanische Vertreter dieser Art, der Fiat „Panda“ und natürlich Dacias „Duster“. Es verhält sich mit dem Allradantrieb wie mit den Grundrechten – im Alltag braucht man sie nicht, sie sind auf Extremsituationen ausgelegt (so jedenfalls die Theorie…).
Nachdem ich hier Tank und Reservekanister zum „Super“-Preis aufgefüllt hatte, ging es dann ohne weitere Neubetankung bis nach Hause.

Normalerweise habe ich es auf der Heimfahrt eher eilig, doch diesmal wollte ich erproben, mit wie wenig Sprit sich die Strecke zur Not absolvieren lässt. Bei Tempo 100 wäre das zwar mit 5 Liter möglich, aber man will ja kein Verkehrshindernis sein.
Als guter Kompromiss erwies sich ein Marschtempo zwischen 115-120 km/h, so ergab sich ein Verbrauch von rund 6 Litern. Für einen Benziner dieser Größe und Leistung ein bemerkenswertes Ergebnis und zugleich Ausweis der Effizienz eines erschwinglichen modernen Wagens. Wer in solchen Verbrennern heute noch ernsthaft ein Problem sieht, hat keine Ahnung von den Verbräuchen und Abgaswerten von früher.
Ich lege also nicht nur äußerlich auf einen sauberen Auftritt wert – man ist ja schließlich nicht allein auf der Welt, ich reise auch mit sauberem Gewissen in meinem Verbrenner, der in ferner Zukunft gewiss nicht als rollender Sondermüll enden wird wie die Batteriekutschen.
Nachdem wir das alles sauber abgehandelt haben und in der hessischen Heimat der Winter immer noch nicht ganz überwunden scheint, dachte ich, dass man durchaus noch einmal ein passendes Vorkriegsfoto bringen könnte, bevor es wirklich Frühling wird:

„Sauber – da erkennt man ja gar nichts!“ – könnte jetzt einer meinen.
Nun, zum einen fällt auf, wie glänzend dieses zweitürige Cabriolet hier trotz unverkennnbar winterlicher Gefilde daherkommt. Zum anderen ist genug zu sehen, um den Hersteller und auch die Entstehungszeit dieses Wagens ermitteln zu können.
Den ersten Hinweis gibt der Kühlwasserdeckel mit seitlichen Flügeln – das findet sich so bei Wagen der US-Marke Chrysler ab Mitte der 1920er Jahre. Der zweite Hinweis ist die glänzende Abdeckung der Öffnung für die (nur zur Not) vorgesehene Anlasserkurbel, die von der damals im Winter üblichen Kühlerabdeckung freigelassen wird.
Die Gestaltung der Vorderkotflügel wich bei Chrysler Ende der 20er Jahre einer glatten Ausführung, sodass sich dieses Exemplar auf ca. 1926/27 datieren lässt. Das deutsche Kennzeichen ist dabei keineswegs ungewöhnlich – Sie werden einige Vergleichsexemplare aus Deutschland in meiner Chrysler-Galerie finden.
„Sauber – endlich sind die US-Autofotos ebenfalls nach Marken sortiert“, mag jetzt einer denken. Stimmt, das gehört zu den vielen kleinen Verbesserungen, die laufend in dieses Projekt einfließen, das ich seit nunmehr über 10 Jahren verfolge.
Erfreulich nicht zuletzt, dass der heute in winterlichem Umfeld präsentierte Chrysler über einen typisch deutschen Cabrio-Aufbau verfügte – dafür spricht die Ausführung der Türpartie mit extrabreiter Zierleiste.
Nicht so sauber lässt sich das Kennzeichen erkennen – hier scheint die entscheidende Kennung aus römischer Ziffer und einem Buchstaben verschmutzt oder mit Schnee bedeckt zu sein.
Egal, am Reiz des Fotos ändert das nichts – so ein Chrysler war auch in der Mitte der 1920er Jahre noch verbreiteten Vierzylinder-Version ein ausgezeichneter Begleiter in allen Lebenslagen – das Versprechen des Automobils heute wie vor 100 Jahren…
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