Zugegeben, heute ist mir wirklich nichts Zündendes für den Titel eingefallen. Dennoch lohnt sich die Lektüre – und beileibe nicht nur, wenn man Freund der Marke BMW ist.
Nach Übernahme der Eisenacher Dixi-Produktion Ende 1928 waren die ersten Automobile mit BMW-Plakette noch einige Jahre lang enge Verwandte des britischen Austin 7, der mit wenigen Modifikationen seit 1927 in Thüringen als „Dixi“ gebaut worden war.
Das bewährte, doch inzwischen veraltete Modell wich erst 1932 einer Neukonstruktion. Die war mit 20 PS-Vierzylinder aber noch nicht das, was sich später als typischer BMW etablieren sollte.
So war der BMW 3/20 PS mit das biederste Automobil, das im Deutschland der 1930er Jahre gebaut wurde – nicht nur weil ihm noch der Nierenkühler fehlte:

Auch mit dem 800ccm-Motor konnte man kein umwerfend eigenes Profil entwickeln. Kein Wunder, dass die Absatzzahlen weit hinter dem Vorgänger 3/15 PS zurückblieben, der zu Zeiten der Wirtschaftskrise viele Freunde gefunden hatte.
Immerhin reagierte BMW prompt und stellte schon nach einem Jahr – anno 1933 – einen Sechszylinderwagen vor, der mit nunmehr 30 PS überzeugendere Leistung bot. Das war für mich der erste echte „Dreier-BMW“ – der Typ 303.
Zudem hatte BMW nach dem optisch eigenschaftslosen 3/20 PS Typ ein eigenständiges Gesicht gefunden, wobei die Ähnlichkeit zu „Rosengart“-Wagen auffällt:

Ja, ich weiß: es könnte sich hier auch um einen 309 handeln, den parallel gebauten Vierzylinder mit 22 PS, den ich aber gern übergehen möchte, weil der leistungsmäßig für mich kein eigentlicher BMW war.
Allerdings erwies sich auch der neue 30 PS-Sechszylinder im Typ 303 bei allen Qualitäten des Aggregats als zurückhaltend. So wurde er schon 1934 durch den 34 PS leistenden BMW 315 abgelöst – der (kaum überraschend) 1,5 Liter Hubraum besaß.
Damit hatte BMW immerhin den Aufstieg in die 100 km/h-Klasse geschafft. Äußerlich war der 315 an der markanten Gestaltung der Luftschlitze in der Motorhaube zu erkennen. Diese waren 1934 auf sechs Felder verteilt, die jeweils eine horizontale Zierleiste aufwiesen.
Man kann dieses Detail auf der folgenden Aufnahme erahnen, die einst bei einer unbekannten Sportveranstaltung entstand:

Dummerweise findet sich diese Gestaltung jedoch auch bei den 1934 gebauten letzten BMWs des schwächeren Sechszylindertyps 303.
Bislang konnte ich keinen Hinweis darauf finden, ob sich die 1934 wohl kurze Zeit parallel gebauten BMWs der Typen 303 und 315 äußerlich unterschieden. Ich vermute, dass man angesichts der rasanten Entwicklung damals keinen Wert auf solche Finessen legte.
Bis zum Beweis des Gegenteils nehme ich daher an, dass BMW 303 und 315 anno 1934 äußerlich ununterscheidbar waren. Allerdings unterstelle ich ohne jede Evidenz, dass die wenigen deutschen Käufer eines BMWs damals die bessere Motorisierung bevorzugten.
So gehe ich davon aus, dass die junge Dame mit Hund, die hier neben einer 1934er BMW-Limousine die Frage nach dem Typ mit „315“ beantwortet hätte:

Diese schöne Aufnahme verdanke ich in digitaler Kopie Leser Klaas Dierks, der hier ein Exemplar mit Zulassung in Mecklenburg an Land gezogen hat.
Das Nummernschild beginnend mit dem Buchstaben „M“ gab es erst ab 1934 (vgl. A. Herzfeld, Deutsche Kfz-Kennzeichen, Bd. 1), was die Datierung unterstützt.
So weit so gut – und so weit so konventionell, was die Einordnung des 1934er BMW angeht. Nun kommt aber noch etwas, was sie so nirgends sonst zu lesen bekommen.
Denn auch wenn diese 6-Zylinder-BMWs gelungene und fein motorisierte Wagen waren, verdienen sie es noch nicht, als besondere Meisterwerke ihrer Klasse gefeiert zu werden.
Man darf nicht nur den deutschen Maßstab anlegen, also schauen, was Opel, Hanomag oder auch Mercedes damals zu bieten hatten. Tatsächlich hat sich BMW mit dem 1,5 Liter-Modell leistungsmäßig nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
Lassen wir auch den Ford „Eifel“ außen vor, der ab 1935 schon mit 1,2 Liter-Seitenventiler dieselbe Leistung und Spitze 100 km/h bot – zu einem viel niedrigeren Preis. Nein, wir schauen bei dieser Gelegenheit nach Italien (einige Leser ahnen, was jetzt kommt).
Man muss schon auf einem Auge blind sein, um die fortschrittliche Großserienproduktion von Fiat zu übersehen, der seit 1920 lange kein deutscher Hersteller etwas entgegenzusetzen hatte.
In den 1930er Jahren hatte sich das trotz der Erfolge von Opel und DKW nicht grundlegend geändert. Fiat baute damals durchweg Modelle, die zum Besten ihrer Klasse zählten.
Und in einer Gattung waren die Turiner konkurrenzlos: Der 1934 entwickelte 6-Zylindertyp 1500 zeigte, was in dieser Kategorie in Großserie möglich war: Standfeste 45 PS stellten die braven 34 Pferdchen des BMW bei gleichem Hubraum mühelos in den Schatten.
Dabei hatte der BMW ebenfalls im Zylinderkopf hängende Ventile, also prinzipiell dieselben Voraussetzungen, um dem Hubraum eine angemessene Leistung zu entlocken. Selbst bei der Sportversion 315/1 mit 40 PS blieb BMW hinter der Serienleistung des Italieners zurück.
Der in jeder Hinsicht exzellente Fiat 1500 taucht in der heutigen deutschen Literatur so gut wie nicht auf – obwohl er sich x-mal besser verkaufte als deutsche Fabrikate dieser Klasse und sogar im Heilbronner Fiat-Werk gebaut wurde.
Der BMW 315 blieb demgegenüber mit rund 9700 Exemplaren eine nachrangige Erscheinung. Das gehört aus meiner Sicht zu einer Einordnung des BMW – man sollte nicht nur die enthusiastischen zeitgenössischen Urteile aus deutscher Feder zugrundelegen.
Was den erwähnten Fiat 1500 angeht, dürfen Sie sich übrigens auf eine Besprechung freuen, die ihresgleichen sucht und bei der sogar die Kolorierung „original“ ist…
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