Wie ich zuletzt hier schrieb, bin ich gerade in Mittelitalien (Umbrien) auf der Suche nach dem Frühling, der sich dieses Jahr indessen auch dort rar macht.
Immerhin schien heute den ganzen Tag die Sonne und nach getaner Schreibtischarbeit (die mich auf allen meinen Wegen begleitet) setzte ich mich ins Auto und fuhr quer durch die Valle Umbra in der Hoffnung, auf der anderen (westlichen) Seite den Frühling zu erhaschen.
Der Blick von oben auf 500 Metern Höhe war im wahrsten Sinne erhebend, aber die Farben des Frühlings waren noch nicht zu sehen. Schauen Sie selbst:
Hier geht der Blick von Süden nach Nordwesten, über das zauberhafte Spello und den mächtigen Monte Subasio bis zum grandiosen Assisi, das am Ende in der Ferne leuchtet.
Der Ort, von dem ich heute diesen Blick genoss, ist einer der vielen antiken Stätten auf den Hügeln beiderseits der Valle Umbra, die meist an die 2500 Jahre alt sind. Dieser jedoch ist einer der wenigen, die heute nicht mehr besiedelt sind.
So findet man sich heute auf dem Bergplateau von „Urvinum Hortense“ meist alleine inmitten einiger Ruinen – der Großteil der seit dem 3. Jh. vor Christus blühenden Stadt liegt noch im Boden verborgen. Erst in den 1930er Jahren wurde sie wiederentdeckt.
Nach dem Winter, bevor die Vegetation wieder alles überwuchert, bekommt man dort einen guten Eindruck von der Ausdehnung der Stadt, die über der Valle Umbra thronte und in der römischen Epoche alle Annehmlichkeiten bot:
Eine öffentliche Therme, eine große Zisterne zur Wasserversorgung der Häuser im Sommer, ein Theater und einen Tempel am höchsten Punkt der Stadt.
An den Fundamenten dieses Tempels genoss ich heute die Frühlingssonne, über die Vergänglichkeit allen Menschenwerks sinnierend:

Auf dem Rückweg von dort begegnete mir dann die Inspiration zum heutigen Blog-Eintrag.
Von der Anhöhe, auf der einst Urvinum Hortense stand, geht es einen steilen Weg hinunter auf einen Bergsattel, wo sich der Besucherparkplatz befindet.
Gegenüber sieht man die Befestigung des kleinen Orts Collemancio, der im Mittelalter unter Verwendung des Steinmaterials der römischen Stadt entstand. Zauberhaft, nicht wahr?

Unten angekommen stieß ich dann auf etwas, was ich hier nicht erwartet hatte, aber freudig begrüßte. Denn dort stand nicht nur mein Auto, das mir Zeitreisen wie diese ermöglicht, weshalb ich es immer wieder als verlässlichen Gefährten meines Daseins personalisiere.
Dort stand in der Sonne auch etwas, das ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, früher geringgeschätzt hatte und nun auf einmal in seiner zeitlosen Qualität wiederentdeckte.
Auch hier sage ich: Schauen Sie selbst und fragen Sie sich, ob Sie nicht einsteigen wollten, um die Wunder der Welt am Steuer zu erfahren, auch wenn das kein Vorkriegswagen ist:

Da parkte doch tatsächlich ein Porsche 924, der vor gut 50 Jahren auf den Markt gekommen war. Das Teil wurde von vielen damals nicht ernst genommen, doch war es ein genialer Wurf, der so heute nicht mehr möglich wäre.
Ein anfangs 125 PS leistender Vierzylinder von VW, Transaxle-Getriebe, gut 1 Tonne Leergewicht und über 200 Spitze – verpackt in einer modernen Karosserie ohne jeden Bezug zu Porsche-Historie, das war ziemlich kühn, wurde aber vom Markt belohnt.
Stetige Modellpflege, stärkere Motoren und behutsame optische Verbesserungen bescherten dem 924er ein langes Leben – erst 1988 endete die Produktion. Man kann an diesem Wagen erkennen, was der deutschen Autoindustrie verlorengegangen ist.
Erfrischend Neues von Porsche oder VW in dieser Hinsicht darf man nicht mehr erwarten. So geht alles irgendwann seinem Ende entgegen, das gilt nicht nur für antike Stätten in Italien.
Umso faszinierender ist die Begegnung mit einem Porsche, als der Name zwar schon gut bekannt, aber noch unverbraucht war. So entwarf Ferdinand Porsche als Mittvierziger nach dem 1. Weltkrieg für die Premiummarke Austro-Daimler den Typ AD6-17, den ich im Blog schon einige Male anhand alter Fotos präsenieren durfte.
Mit seinem 4,4 Liter großen 6-Zylindermotor, der dank direkter Ventilsteuerung über obenliegende Nockenwelle 60 PS leistete, markiert der Austro-Daimler AD6-17 einen beeindruckenden Neubeginn des österreichischen Fabrikats:

Das Imperium war zwar Geschichte, doch mit so einem Austro-Daimler konnten solvente Besitzer weiterhin Eindruck machen – und sei es vielleicht nur mit einem Leihwagen zur Hochzeit.
Leider ist zu den Insassen und zur Örtlichkeit nichts überliefert – eventuell hat ja ein Leser eine zündende Idee, der Hintergrund könnte einen Hinweis geben.
Mehr fällt mir dazu heute nicht ein, es handelt sich ja auch um einen eher spontanen Bericht, den ich mit heißer Nadel um das Thema „Neues von Porsche“ gestrickt habe.
Immerhin hat so die Suche nach dem Frühling das eine oder andere Resultat gezeitigt, an dem man sich erwärmen kann, auch wenn die weiteren Aussichten wenig erbaulich sind…
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