Es kann gut sein, dass ich die heutige Story schon einmal in ähnlicher Form erzählt habe, aber nicht jeder, der jetzt hier mitliest, wird sie kennen. Ich habe auch keine Zeit, um mir etwas völlig Neues auszudenken.
Morgen in der Frühe geht es wieder zurück aus dem teilweise noch verschneiten Italien nach Deutschland – knapp 1200 Kilometer sind zu absolvieren. Mein vierrädriger Gefährte auf diesen Touren ist nun schon im fünften Jahr ein Dacia „Duster“.
Das ist zwar kein Vorkriegsauto, ist mir aber so ans Herz gewachsen, wie das bei den Autos der Altvorderen der Fall war, als man zu seinem Wagen eine innige Beziehung pflegte.
Mit 150 PS-Benziner ist der in Rumänien gebaute Franzose mit Nissan-Allradantrieb eine bunte Mischung, aber das Beste, was ich mir für meine Zwecke in der mittleren Preisklasse vorstellen kann und der erste und vermutlich letzte Neuwagen meines Daseins.
Über 70.000 pannenfreie Kilometer im Ganzjahresbetrieb sind keine Selbstverständlichkeit, wenn man auf neuzeitliches German Over-Engineering hereinfällt. Für einen „Duster“ dagegen ist das gerade erst der Anfang einer wunderbaren Freundschaft.
Was einen auf so langen Strecken treu, komfortabel und bei Bedarf mit Tempo 200 kutschiert, ist mehr als nur ein fahrbarer Untersatz – es ist ein Gefährte, der mir mein Dasein angenehm und (im positiven Sinne) abenteuerlich macht.
Genau so sollte das auch mit der zweibeinigen Gefährtin sein, und in der Beziehung habe ich ebenfalls die richtige Wahl getroffen. Schon als Student und Käfer-Fahrer hatte ich mir nämlich diese adrette Begleiterin zugelegt:

Klaglos, stets perfekt gestylt und immer gut gelaunt machte sie einige Umzüge und berufliche Neubeginne mit. Vermutlich hat sie mir heimlich und beharrlich die Faszination für die völlig andere Welt des Vorkriegsautos angehext.
Jedenfalls war sie – wenn ich mich recht entsinne – der Anfang meiner Foto-Sammelleidenschaft, was wirklich alte Autos angeht.
Lange hatte ich keine Ahnung, mit was für einem Wagen meine flotte Gefährtin sich einst hatte ablichten lassen. Tatsächlich bekam ich es erst vor ein paar Jahren heraus, als sich genügend Vergleichsmaterial angesammelt und sich mein Blick für die Details von Vorkriegswagen geschärft hatte.
Dieses Leserfoto lieferte mir über die Gestaltung der Räder den entscheidenden Hinweis:

Ein paar Vergleiche mit anderen Aufnahmen im Netz unter besonderer Berücksichtigung der Zierleiste unterhalb der Seitenscheibe räumten jeden Zweifel aus:
Meine langjährige Gefährtin hatte sich – bevor wir uns kennenlernten – für einen 1929er Pontiac entschieden.
Sie hatte ein gutes Gespür bewiesen, was die Wahl des Gefährts angeht. Für weniger als 900 Dollar bot die noch junge Marke Pontiac damals einen 60 PS starken und dank 3,3 Liter Hubraum drehmomentstarken 6-Zylindermotor, der für über 100 Stundenkilometer gut war.
Der Wagen ließ sich schaltfaul fahren, besaß aber schon ein teilsynchronisiertes Getriebe, was in der unteren Mittelklasse (nach US-Standards) noch nicht selbstverständlich war.
Davon wurden 1929 kolossale 120.000 Exemplare gebaut – genug, um auch die Exportmärkte in Europa abzudecken.
So ein Gefährt ließ – wie eine gute Gefährtin – wenig zu wünschen übrig, weshalb diese Wagen lange auf den Straßen blieben. Einer dieser Pontiacs hatte es sogar geschafft, ein unfreiwilliger,. wenn auch angesehener Insasse der DDR zu werden:

Dank der rührigen ostdeutschen Oldtimerszene, die sich lange vor der in der Bundesrepublik formiert und staatlich hatte absegnen lassen, blieben dort viele der einst in Deutschland allgegenwärtigen US-Wagen der späten 1920er Jahre erhalten.
Diese Fahrzeuge waren für ihre Besitzer wertvolle Gefährten in einer Welt des Mangels und (von Ausnahmen abgesehen) erbärmlicher Standards, was Gestaltung, Verabeitungsqualität, Platzangebot und Leistungsfähigkeit betrifft.
Ich bin fast sicher, dass der 1929er Pontiac auf dem wohl um 1970 entstandenen Foto aus DDR-Zeiten noch existiert.
Ein schönes Beispiel dafür, wie gefällig so ein Gefährt nach so langer Zeit noch wirken kann. Das kann man zwar nicht von jeder Gefährtin sagen, doch kann zumindest ich sagen: meine hat sich gut gehalten…
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