Zunächst muss ich mich bei meinen nicht der deutschen Sprache mächtigen Lesern entschuldigen, die hier auf Basis automatisierter Übersetzungen mitlesen. Das sind übrigens eine ganz Menge, wie ich der Blog-Statistik entnehme.
Also: wenn jemandem der Titel merkwürdig vorkommt, dann liegt das daran, dass ich hier gerne mit Wortspielen arbeite. Diese funktionieren meist nur in der Ausgangssprache.
Auch im Deutschen mag nicht jeder meinen unseriösen Hang zur „Kalauern“, aber die Sache muss zuerst mir Spaß machen, sonst gäbe es diesen Blog nicht seit über 10 Jahren.
Allerdings weiß ich es selbst sehr zu schätzen, wenn einer die Dokumentation von Vorkriegswagen ernster nimmt als ich und dabei alles richtig macht. Ein Beispiel dafür ist Ferdinand Lanner, dessen Website zu Fiat (und Steyr) das Beste ist, was es online auf diesem Sektor überhaupt gibt – und das nicht nur in deutscher Sprache.
Ich bin dort oft unterwegs, wenn es um die Vorkriegsautos von Fiat geht und auch heute profitiere ich davon. Allerdings lege ich Wert auf die Festellung, dass ich auf diesem Sektor diesmal etwas vorstellen kann, was Sie sonst nirgens finden werden.
Anlass dazu gab mir die neuerliche Beschäftigung mit dem 1935 eingeführten Fiat 1500 – mit seinem leistungsstarken 6-Zylindermotor, modernem Fahrwerk und phänomenal großzügigem Innenraum aus meiner Sicht damals das beste Auto seiner Klasse überhaupt.
Noch dazu sah der Wagen bei Erscheinen unerhört dynamisch aus – kaum ein anderer Hersteller trieb es mit der modischen Stromlinien-Front so auf die Spitzer wie die Turiner:

Dieses in Österreich zugelassene Exemplar stellt stellvertretend für die vielen Wagen dieses markanten Typs, die Fiat damals außerhalb Italiens verkaufte.
Es gab sogar eine deutsche Produktion im Heilbronner Fiat-Werk (vormals NSU). Der 1500er war in Deutschland bei Kennern dermaßen begehrt, dass es viele Sonderaufbauten gab, die am italienischen Heimtmarkt nicht angeboten wurden.
Gebaut wurde eine ganze Palette von Cabriolets, die den Wagen völlig anders wirken ließen wie dieses Exemplar, das einst in Hessen unterwegs war:

Diese offenen Versionen verdienen eine eigene Betrachtung. Mir liegen dazu inzwischen viele Originalfotos vor – nicht nur dieses, das ich Leser Rolf Ackermann verdanke.
Doch heute bleibt es in Sachen Fiat bei einer geschlossenen Veranstaltung, einer von wahrlich exklusiver Klasse. Das werden am Ende auch die zugeben, die vom Rang der Marke Fiat in der Vorkriegszeit bislang wenig ahnten, auch weil diese hervorragenden Wagen in deutschen Landen heute extrem selten anzutreffen sind.
Vielleicht erinnern sich einige Leser an ein Foto, das ich hier als bislang einziges Dokument aus meinem Fundus präsentiert habe, das einen Fiat 1500 in der Facelift-Version von 1940 in Deutschland zeigte:

Dieses in Sachsen entstandene Foto stammt aus der frühen Nachkriegzeit und zeigt den Fiat 1500 mit der nach US-Vorbild modernisierten Frontpartie, die ihm in Italien den Spitznamen „Musone“ einbrachte, den man mit „Schnute“ übersetzen kann.
Diese optische Anpassung ließ den Wagen ganz anders erscheinen, obwohl unter dem Blech alles beim Alten blieb – anno 1940 wurden in Europa allgemein keine neuen Zivil-PKW mehr entwickelt.
Damals war Deutschland bereits zwei Jahre damit beschäftigt, seine Nachbarländer einzukassieren – erst noch halbwegs friedlich, dann mit Gewalt. Nachdem man den Widerstand der Polen brutal gebrochen hatte, waren 1940 erneut die Belgier, Niederländer und Franzosen an der Reihe.
Während des „Wirkens“ deutscher Truppen entstand im verbündeten Italien, das schon seit 1935 in begrenztem Umfang eigene Feldzüge führte, dieser aufwendige Farbprospekt für den optisch modernisierten Fiat 1500:

Hübsch, nicht wahr? Man bekommt hier einen Eindruck vom völlig anderen Erscheiungsbild des Fiat 1500 mit der neuen „Musone“-Front. Der Wagen wirkte jetzt repräsentativer und dazu passend hatten sich die Werbeleute diese prächtige Szene ausgedacht.
Wenn Sie den Anblick der Dame im Reiterkostüm verarbeitet haben, die neben dem tatsächlich in Grünmetallic erhältlichen Fiat zu sehen ist, bemerken Sie vielleicht auch den Stempel einer deutschen Fiat-Vertretung in Chemnitz auf dem Blendmauerwerk im Hintergrund.
In Sachsen hat diese deutschsprachige Version des Prospekts über Jahrzehnte geschlummert, bis ich ihn erwerben konnte.
Die adrette Signorina vom Deckblatt begegnet uns auf der folgenden Seite wieder- nunmehr mit einer blauen Strickjacke angetan:

Wir machen noch nähere Bekanntschaft mit der jungen Dame, die sich hier mit Kennerblick dem Fiat zuwendet.
Ich will nicht eigens aufzählen, was da alles für den aufmerksamen Leser an Informationen zusammengestellt wurde. Sie können es bei Interesse selbst studieren. Trotz der reduzierten Auflösung, in der ich diese Dokumente publiziere, um die Ladezeiten kurz zu halten, sollte alles gut lesbar sein.
Und wenn Sie sich für die Details nicht interessieren, gefällt Ihnen vielleicht der Blick in den Innenraum der viertürigen Limousine, die ohne Mittelsäule auskam und damit einen einzigartig bequemen Ein- und Ausstieg erlaubte:

Jetzt könnten Sie natürlich sagen: Neu ist das alles nicht, wenn auch ziemlich eindrucksvoll. Selbst kleinere Details wie die Hydraulik-Stoßdämpfer und die 12 Volt-Elektrik waren bei einem 1,5 Liter-Auto jener Zeit außergewöhnlich.
Gar nicht erst erwähnt wird, dass der Fiat 1500 eine Ganzstahlkarosserie besaß, wie das bei Großserienherstellern damals längst Standard war. Nur Firmen, die keine größeren Stückzahlen zustandebrachten, hielten noch an der traditionellen und enorm teuren Kompositbauweise mit blechbeplanktem Holzrahmen fest.
Auch das autobahntaugliche Spitzentempo des Fiat von 115 km//h findet nirgends Erwähnung, das war bei hochwertigen Wagen schon in der Mittelklasse selbstverständlich – und in Italien als eigentlichem Erfinderland der Autobahn ohnehin.
Nur der Vollständigkeit halber bringe ich daher auch die Rückseite des deutschen Prospekts des Fiat 1500 C „Musone“:

Schön und gut, werden jetzt vielleicht manche sagen, die dem Link zu Ferdinand Lanners formidabler Web-Präsenz gefolgt sind – so einen deutschen Prospekt des Fiat 1500 C von anno 1940 findet man dort ja ebenfalls.
Gewiss, und man findet auf diesem Niveau dort noch viel mehr. Das illustriert, was ein einzelner Enthusiast an Dokumentation zu leisten imstande ist, wenn Material, Wille und Können zusammenkommen.
Aber mein Prospekt bietet als Alleinstellungsmerkmal nicht nur den Originalstempel einer Chemnitzer Fiat-Vertretung auf dem Deckblatt, die ihn für Sammler mit protestantischem Reinlichkeitsfimmel „verdirbt“, für mich aber besonders authentisch macht.
Nein, mein Prospekt hat noch eine andere, verborgene Qualität. Die konnte ich hervorzaubern, indem ich die vor über 85 Jahren auf dem Deckblatt festgehaltene Szene zum Leben erweckt habe.
Ich habe mich dabei der modernen KI-Technologie bedient, die – richtig verstanden und überlegt eingesetzt – Dinge ermöglicht, die an Magie grenzen. Auch wenn der Prospekt einst in deutscher Sprache verfasst war, wollte ich doch die junge Dame im Reiterdress ihre Muttersprache sprechen lassen:
Deutschsprachiger Prospekt Fiat 1500 von 1940; KI-basierte Animation: Michael Schlenger
Bevor sie in den Wagen mit Chauffeur einsteigt, weist uns die flotte Reiterin darauf hin, dass dies der Fiat 1500 im modernisierten Gewand ist und: „Mein Favorit auf vier Rädern“.
Damit ist klar, dass das edle Ross für sie nur noch ein schönes Hobby ist. Die Heimfahrt tritt sie mit sechs Zylindern an. Wenn das das Pferd erfährt…
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