Fotos und Reklame von Hanomag-Personenwagen in chronologischer Reihenfolge
© Originaldokumente aus Sammlung Michael Schlenger (soweit nicht anders angegeben), bei Weiterverwendung bitte Quellenangabe

















































































































































Fotos und Reklame von Hanomag-Personenwagen in chronologischer Reihenfolge
© Originaldokumente aus Sammlung Michael Schlenger (soweit nicht anders angegeben), bei Weiterverwendung bitte Quellenangabe

















































































































































Der Mensch ist ein Überlebenskünstler – bisher jedenfalls hat er die größten Katastrophen überstanden, deren Bedrohlichste wohl die letzte Eiszeit war.
Dieser Befund mag überraschen, aber im 21. Jahrhundert sollte man auch mal weiter zurückdenken als 1939-45. Zumal man sich längst wieder an massenhaftes Sterben an der Front in einer Region gewöhnt hat, in der das im 2. Weltkrieg schon einmal der Fall war.
Im April 2022 – vor ziemlich genau vier Jahren – wurden die weit gediehenen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in Istanbul auf Basis leerer westlicher Versprechungen beendet. Hunderttausende Tote später ist das Ziel weiter in die Ferne gerückt denn je – es interessiert kaum noch jemanden im „Wertewesten“. Es sterben ja nicht die eigenen Jungs.
Was werden die Veteranen beider Seiten dereinst zu erzählen haben, wenn dieser am leichtesten vermeidbare aller Kriege seit 1945 zuende ist? Wir werden sehen, hoffentlich früher als später, auch wenn Ignoranz und Inkompetenz in der Politik zweifeln lassen.
Unterdessen wollen wir schauen, was uns die Veteranen des 2. Weltkriegs noch zu sagen haben – von den Überlebenden der Eiszeit künden ja keine Fotos, nur die kargen archäologischen Reste ihres harten Daseinskampfs, der vor 10.000 Jahren endete.
Unerhört robust wie unsere damaligen Vorfahren mussten die automobilen Zeitzeugen sein, die ab 1939 in ein gigantisches Geschehen hineingezogen wurden, das nur die wenigsten überblickten und das allen alles abverlangte (außer den Rädelsführern).
Zu den Veteranen mit vier Rädern, die daran beteiligt waren und das Ganze oft genug überstanden, wenn auch schwer gezeichnet, gehört nach meinem über lange Jahre gewachsenen Eindruck das Modell „Rekord“ des Maschinenbaukonzerns Hanomag.
Die erste Version dieses gut aussehenden und grundsolide konstruierten Vierzylindertyps war bereits 1934 auf den Markt gekommen. 1937/38 wurde eine überarbeitete Version gefertigt, die eine modifizierte Kühlerpartie und nunmehr gelochte Räder besaß:

Von der von 1934 bis 1936 gebauten ersten Ausführung des Hanomag Rekord mit weiter oben angebrachtem Kühleremblem und Scheibenrädern liegen mir zahlreiche Aufnahmen der Vorkriegszeit vorliegen. Dagegen erzählen viele Aufnahmen der letzten Version vom Militäreinsatz.
Das wohl früheste Beispiel ist auf folgendem Foto zu sehen, das eine deutsche Militärkolonne mit teilweise noch zivil lackierten Fahrzeugen zeigt:

In der Mitte sehen wir einen Hanomag „Rekord“ von 1937/38, der zwar bereits ein militärisches Kennzeichen trägt (WH=Wehrmacht Heer), aber keine Tarnscheinwerfer, wie sie am Kriegsbeginn 1939 vorgeschrieben waren.
Man könnte daher meinen, dass das Foto während einer Übung noch zu Friedenszeiten entstanden ist.
Ich glaube aber, dass wir es eher mit einem Schnappschuss eines deutschen „Landsers“ während der Frühphase des Kriegs – evtl. auch während Balkan-Feldzugs 1941 – zu tun haben. Vielleicht erkennt ein Leser ein Detail, welches zur Klärung beiträgt.
Der wackere Hanomag „Rekord“ begleitet uns von nun an durch den 2. Weltkrieg – hier wohl mit Männern einer Instandsetzungseinheit nebst vierbeinigem Maskottchen:

Hier wiederum sehen wir noch ein ziviles Nummernschild, aber schon das auf dem Kotflügel aufgemalte taktische Zeichen einer Militäreinheit sowie die erwähnten Tarnscheinwerfer.
Auch die matttgraue Lackierung verrät, dass dieser Hanomag längst zum Kriegsdienst eingezogen worden war.
Bei den sich gerne elitär gebenden Herren der Fliegertruppe („Luftwaffe“) war der unzerstörbare „Rekord“ ebenfalls ein gern gesehener Kamerad – vor allem in der schicken Ausführung als Cabriolet:

Man sieht hier, dass dieser Veteran bereits einige Kampfspuren hat einstecken müssen, aber immerhin sind noch alle Teile vorhanden und der Wagen kommt einigermaßen repräsentativ daher.
Unterdessen erfreuten sich einige wenige Besitzer an der Heimatfront, deren Hanomag nicht für die expansiven Bestrebungen des nationalsozialistischen Staats einkassiert worden war, an ihrem weitgehend zivil gebliebenen Vehikel.
Nur die Tarnblenden auf den Scheinwerfern, die bei Nachtfahrten eine Identifikation durch gegnerische Flugzeuge verhindern sollten, verweisen darauf, dass die Aufnahme mitten im Krieg entstanden ist – laut Beschriftung im März 1943:

Weshalb hier der Winkel zwischen der Regionalkennung und der laufenden Nummer fehlt, der bei im Krieg weiterhin zivil genutzten PKW vorgeschrieben war, muss offen bleiben.
Ich vermute, dass diese Vorschrift ebenso wie die Sache mit den Tarnscheinwerfern nicht strikt befolgt wurde – man hatte andere Sorgen und die Leute wussten auch so, wer die wenigen waren, die als Arzt oder Unternehmer noch mit Privat-PKW fahren durften.
Vermutlich verhielt es sich so wie mit der PKW-„Umweltplakette“ im Deutschland der Gegenwart – kein Mensch interessiert sich im Alltag dafür.
Dass es ab 1943 mit dem Kriegs“glück“ auf deutscher Seite längst abwärts ging, das illustriert eine weitere Aufnahme, die einen Hanomag „Rekord“ beim deutschen Militär zeigt:

Nicht nur macht dieses Exemplar blechseitig einen mitgenommenen Eindruck, auch die Mehrfarblackierung deutet auf die Spätphase des Kriegs hin. Da der Gegner inwischen die Lufthohheit hatte, kam der Tarnung von Fahrzeugen nun besondere Bedeutung zu.
Solche Streifenlackierungen sollten die Konturen verwischen und waren – wie alles – auf dem Papier genau geregelt. Die Praxis an der Front sah oft anders aus – so wie auch die „Uniformen“ der deutschen Soldaten allmählich einer bunten Mischung wichen.
Wer das Inferno der Endphase des 2. Weltkriegs überlebt hatte, welche die meisten Opfer forderte, der fand sich mit ganz viel Glück irgendwann nach Mai 1945 in einem zivilem Umfeld wieder, in dem noch ein Hanomag „Rekord“ auf einen wartete.
Dieser hier besaß vermutlich noch seine Militärlackierung, war vom Einsatz schwer gezeichnet, aber hatte wieder eine zivile Zulassung:

Der ernst dreinschauende Herr neben dem Hanomag hatte sicher vor nicht allzulanger Zeit noch Stahlhelm und Uniform getragen.
Wir verstehen nur zu gut, warum ihm nicht nach einem befreiten Lächeln zumute war – auch der außergewöhnliche Besitz eines Autos, eine extravagante Krawatte und ein treuer Hund halfen damals nicht, die Dämonen der Vergangenheit zu vertreiben.
Mit bohrendem Blick schaut uns dieser Veteran an und fragt uns wortlos und zeitlos: „Musste das alles sein? Wozu all diese Opfer?“
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