„The Race of Gentlemen“: Klassische Hotrods in Aktion

Mit Hotrods tun sich manche Klassikerfreunde schwer. Zu extrem finden sie viele Umbauten, zu „rattig“ den Zustand der Fahrzeuge, zu „schräg“ oft auch die Besitzer.

Dabei gibt in der Hotrod-Szene ganz unterschiedliche Kulturen, die einen jeweils eigenen Stil pflegen. Da gibt es die klassischen Umbauten auf Basis des Ford T und A, am besten mit einem V8-Motor und „gestrippter“ Karosserie – gern in Schrottplatz-Optik. Nachfolgend ein Extrembeispiel auf Model-T-Basis:

Hotrod_Model_T_Darmstadt_2014

© Hotrod in Darmstadt 2014; Bildrechte: Michael Schlenger

Dann gibt es die Perfektionisten, die aus Straßenkreuzern der 1940er und 50er Jahre beeindruckende Designstücke zaubern – mit sauberen („gecleanten“) Linien und gesenkter („gechoppter“) Dachlinie. Das sind oft stilvolle Varianten des Originals in handwerklich exzellenter Qualität. Die Technik bleibt hier dezent im Hintergrund wie bei folgendem Beispiel:

Gechopptes_Coupe_Darmstadt_2014

© Hotrod in Darmstadt 2014; Bildrechte: Michael Schlenger

Einen dritten Weg stellen die Rat-Rods dar. Hier wird ein heruntergekommener originaler Klassiker lediglich technisch auf Vordermann gebracht. Das Äußere wird bewusst vernachlässigt oder es wird mit rustikalen Mitteln nachgeholfen  – wie etwa hier:

Chrysler_1948_Goodwood-Revival_2015

© Chrysler Coupé von 1948, Goodwood Revival Meeting 2015; Bildrechte: Michael Schlenger

Die Übergänge zwischen diesen Strömungen sind fließend, außerdem gibt es noch regionale Varianten. Zum Beispiel wird in England, Deutschland und Skandinavien ein meist dezenterer Stil gepflegt als in den USA.

Doch auch in den Vereinigten Staaten, wo es dank liberaler Zulassungsvorschriften die wohl radikalsten Umbauten gibt, ist eine Szene am Werk, die recht nah am Original bleibt. Das sind keine reinen Schaustücke, sondern mehr oder weniger einsatzbereite Fahrzeuge, meist auf Vorkriegsbasis.

Eine schöne Auswahl solcher klassischen Hotrods gibt es jährlich am Strand von Wildwood in New Jersey zu besichtigen. Dort wird eine augenzwinkernd als Race of Gentlemen bezeichnete Beschleunigungsorgie zelebriert, bei denen umgebaute Veteranenvehikel auf einer kurzen Geraden gegeneinander antreten.

© Race of Gentlemen 2015; Videoquelle: Vimeo; Urheberrechte: Awol.TV & Worthless.CO

Hier steht ganz klar der Spaß am Unvernünftigen im Vordergrund. Die teilnehmenden Gefährte zeugen von viel Kreativität und Stilbewusstsein, ein Gegenentwurf zu den gleichförmigen Massenprodukten des Alltags. Einigen der „Gentlemen“ nimmt man gern ab, dass sie auch sonst einen unkonventionellen Lebensstil pflegen…

Die Hotrodder besetzen eine auch für „normale“ Oldtimerfreunde durchaus reizvolle Nische in der Klassikerszene. Denn was letzlich alle Veteranenfreunde eint, ist die Freude an urwüchsiger, anschaulicher Technik, ein mehr oder minder ausgeprägter Hang zur Individualität und ein Bewusstsein für den Wert des Historischen.

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