Wenn man nichts Genaues weiß, aber Expertentum vortäuschen will, macht man es am besten wie neuerdings die Wetterfrösche – man stellt eine Vermutung als Frage in den Raum, nennnt aber auch gleich das Gegenteil als Möglichkeit: „Altweibersommer oder herbstliche Abkühlung?“.
Dieser feigen Methode bediene ich mich gerne bei meinem monatlichen Fotorätsel – so auch heute.
Der kolossale Wagen der frühen 1920er Jahre auf folgendem Foto lässt sich nur mit wenigen Kandidaten in Einklang bringen, darunter dem skurril benamten Typ Treff-Aß aus dem Hause Hansa-Lloyd.
Dieses über 5 Meter lange Gefährt wurde in der ersten Hälfte der 1920er Jahre gefertigt und besaß einen damals schon anachronistischen gigantischen Vierzylindermotor mit 4,5 Litern Hubraum, der rund 60 PS leistete.
Einige dieser Riesenwagen konnte ich bereits dokumentieren – siehe meine Hansa-Galerie. Die Proportionen stimmen überein, nur dummerweise der Kühler nicht:

Zu diesem beeindruckenden Automobil mit Tourenwagenverdeck nebst Sturmstange fällt mir leider wenig anderes ein.
Auffallend sind die niedrigen Luftschlitze in der Motorhaube, die ich so bisher nur bei einem raren Sechszylinder-NAG gesehen habe, der seinerseits ein Rätsel repräsentiert, denn ich kenne nur diese eine Abbildung davon:

Welcher deutsche Hersteller hat in den frühen 1920er Jahren noch in dieser Größenklasse Automobile mit dieser Art Haubenschlitze gebaut?
Oder bin ich auf dem Holzweg und die Gestaltung der Luftschlitze in der Motorhaube ist eine optische Täuschung? Ich habe das Votum dem von mir in solchen Fällen bevorzugten KI-Tool überlassen.
Es kommt im Zuge einer ohne nähere Vorgaben umgesetzten Optimierung zu einem interessanten Ergebnis.
Demnach verfügte dieser Wagen keineswegs nur über wenige und ungewöhnlich kleine Haubenschlitze. Vielmehr sind auf dem Original bloß einige Reflektionen einer viel größeren Zahl normal dimensionierter Haubenschlitze zu sehen – wenn man genau hinschaut, zeichnen sich diese schemenhaft ab:

Möglich ist nun zweierlei: Entweder hat die KI auf dem Foto kaum sichtbare Hinweise auf mehr und größere Luftschlitze registriert und in die Optimierung einbezogen. Oder sie hat diese schlicht als Möglichkeit dazugedichtet, weil die Wahrscheinlichkeit das nahelegt.
Damit wären wir wieder auf dem Niveau der aktuellen Wetter“prognosen“, die mit einem Fragezeichen versehen sowohl Altweibersommer als auch herbstliche Abkühlung in den Raum stellen.
Wenn wir schon bei der Wettervorhersage für die nächste Zeit scheitern, wäre es schön, wenigsten bei diesem Prachtexemplar von Automobil aus alter Zeit herauzufinden, was es genau damit auf sich hatte…
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