Winterfoto eines DKW F7 „Spezial“ von 1937

Freunde der frontgetriebenen Zweitaktmodelle von DKW finden auf diesem Blog einiges an Anschauungsmaterial – vom F1 bis zum F8 ist jeder Typ vertreten. Einen Überblick über alle einschlägigen Beiträge findet sich unter dem Begriff „DKW“ in der Schlagwortwolke.

Dennoch gibt es noch immer Varianten, die eine eigene Abhandlung verdienen. Im vorliegenden Fall geht es um den Wagen auf dem folgenden schönen Winterfoto:

DKW_F7_Reichsklasse_Spezial

© DKW Front F7 Baujahr 1937; Fotoquelle: Sammlung Michael Schlenger

Auf den ersten Blick scheint das Foto wenig Aufregendes zu bieten. Kenner werden zurecht auf ein relativ spätes Modell des Typs F7 tippen. Die Form und Zahl der Kühlluftschlitze in der Haube sowie der gerade verlaufende vordere Türabschluss verraten das.

Manch‘ einer wird aus dem reichen Chromschmuck außerdem ableiten, dass es sich um die gehobene Variante „Meisterklasse“ handeln müsse. Sie unterschied sich bei den DKW-Fronttrieblern seit jeher von der günstigeren „Reichsklasse“ durch den etwas stärkeren Motor (700ccm mit 20 PS statt 600 ccm mit 18 PS), eine attraktivere Karosserie und hochwertigere Innenausstattung.

Doch mit der Vermutung, dass man eine „Meisterklasse“-Ausführung vor sich hat, liegt man falsch. Vielmehr handelt es sich um eine Zwischenvariante mit der Bezeichnung „Reichsklasse Spezial“. Die Besonderheiten dieser erstmals beim Typ F7 angebotenen Version lassen sich auf folgender Ausschnittsvergrößerung unseres Bildes herausarbeiten:

DKW_F7_Reichsklasse_Spezial_Front

Ein erster Hinweis, dass der Wagen nicht über die „Meisterklasse“-Ausstattung verfügt, sind die lackierten Radkappen – in der gehobenen Variante wären sie verchromt gewesen. Des Weiteren fehlt der Einlass an der Oberseite der Frontscheibe, der beim F7 „Meisterklasse“ eine Belüftung des Innenraums erlaubte. Nicht zuletzt spricht die Farbgebung gegen eine „Meisterklasse“-Ausführung, die eine die Wagenlinie betonende Zweifarblackierung aufwies.

Was unterscheidet die „Reichsklasse Spezial“ von der Basisversion? Nun, da wären zunächst die Chromstoßstangen, die es bei der „Reichsklasse“ nur als Sonderzubehör gab. Vor allem aber kam die „Reichsklasse“ ohne die Chromzierleisten an der Motorhaube und um die Windschutzscheibe daher. Nicht zuletzt gab es die beiden feinen Zierleisten in der Kühlermitte nur bei der Austattung „Reichsklasse Spezial“-

Was wir leider nicht sehen können, ist die gegenüber einer schlichten „Reichsklasse“ etwas großzügigere Innenausstattung des Wagens. So wurde serienmäßig neben dem Tacho eine Benzinuhr verbaut, außerdem gab es eine Innenbeleuchtung und etwas gediegener verarbeitete Sitze.

Die auf dem Foto gut sichtbare, innen montierte Scheibenheizung war ein Zubehör aus dem Handel, dort waren auch die ganze Scheibe abdeckende Versionen erhältlich. Die Zweifach-Scheibenwischer waren auf Bestellung auch bei der Reichsklasse erhältlich, waren also nicht an eine spezielle Ausstattungsvariante gebunden. Die geben uns aber einen Hinweis auf das Baujahr des Wagens. Denn nur 1937 waren die Wischer unten montiert, im Jahr darauf wanderten sie nach oben.

Auch das Aufnahmejahr lässt sich eingrenzen. Der Wagen trägt ein Nummernschild des Deutschen Reichs, wobei das Kürzel „IV B“ eine Zulassung im damaligen Land Baden anzeigt. Der Wagen trägt noch keine Tarnüberzüge auf den Scheinwerfern und auf dem Nummernschild fehlt der markante Haken für Privatwagen, die mit Sondergenehmigung auch nach Kriegsausbruch 1939 weitergenutzt werden durften.

Somit ist das Foto entweder im Winter 1937/38 oder 1938/39 entstanden. Damals stand es um die politische Großwetterlage in Europa bereits denkbar schlecht und der Besitzers des Wagens schaut dazu passend mit gemischten Gefühlen in die Ferne…

Rätselhaft bleibt der in feiner Kursivschrift verfasste Vermerk auf der Rückseite: „Auf einer Fahrt zum Kurs, mein Meister Lutz“.

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