Modifizierter BMW 309 in der Nachkriegszeit

BMWs erster „Dreier“ – der 303 mit 6-Zylindern von 1933/34 –  wurde auf diesem Blog bereits vorgestellt (Bildbericht).

Wie später ab den 1970er Jahren wurde damals außerdem ein Vierzylinder mit weitgehend identischer Karosserie angeboten, der BMW 309. Es war das erste Modell der Marke, bei dem der Hubraum Teil der Typbezeichnung war.

In Zeiten der Hubraumverkleinerung – neudeutsch: Downsizing – wirkt ein Motor mit 0,9-Liter nicht ungewöhnlich. Damals mussten sich die BMW-Freunde allerdings mit 22 PS Leistung begnügen. Da boten selbst DKWs Vierzylinder-Zweitakter mehr und das auch noch zum niedrigeren Preis.

Doch muss sich der BMW 309 einst so gut verkauft haben, dass es nach dem Krieg noch Überlebende gab. So ein Exemplar ist auf folgendem Originalfoto zu sehen:

BMW_309_Nachkrieg.jpg

© BMW 309, Bj. 1934-36; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Dass es sich wohl um einen 309 und nicht um einen äußerlich sehr ähnlichen 303 mit 6-Zylinder-Motor handelt, lässt sich wie folgt herleiten:

Beim 303 reichte im Erscheinungsjahr 1933 die Motorhaube bis an die A-Säule, die zudem im unteren Bereich einen Schwung nach vorne aufwies. Der 309 dagegen hatte bei sonst praktisch gleicher Karosserie eine kürzere Motorhaube und eine gerade verlaufende A-Säule. Ab 1935 wichen beim 309 die eingestanzten Haubenschlitze einem aufgeschweißten geschlitzten Blech. Daher dürfte dieser 309 noch von 1934 stammen.

Unabhängig von der Frage der Motorisierung ist der 3er BMW auf unserem Foto in mehrfacher Hinsicht interessant. Werfen wir einen näheren Blick darauf:

BMW_309_Nachkrieg_Mitte

Auffallend sind die Vorderschutzbleche mit Seitenschürzen. Sie wurden weder beim BMW 309 noch beim 303 mit 6-Zylinder verbaut. Sie finden sich beim BMW 319, der mit ähnlicher Karosserie, aber stärkerem Motor ab 1935 gebaut wurde. Vermutlich wurden sie von einem Wagen dieses Typs übernommen.

An dem Auto finden sich weitere Modifikationen: So ist an der A-Säule statt des Fahrtrichtungsanzeigers eine Antenne montiert. Der Wagen verfügt also bereits über ein Autoradio. Zudem ist auf dem Vorderkotflügel ein Blinker zu erkennen. Ein nach hinten zeigenden Blinker ist seitlich unterhalb der C-Säule angebracht:

BMW_309_Nachkrieg_HeckpartieDie Heckstoßstange ist vermutlich ebenfalls nachträglich montiert worden. Sie könnte wie der geschürzte Vorderkotflügel von einem Wagen des Typs BMW 319 stammen.

Sicher nicht von einem BMW jener Zeit wurde die zweigeteilte Vorderstoßstange gespendet. Sie könnte vorher an einem DKW der 1930er Jahre verbaut gewesen sein:

BMW_309_Nachkrieg_Damen

Im Unterschied zu den Vorderstoßstangen macht der nachgerüstete Nebelscheinwerfer einen guten Eindruck. Vielleicht wurde er erst kürzlich montiert.

Das Nummernschild ist leider auch auf dem Originalabzug schwer lesbar. Die ersten beiden Buchstaben könnten „KB“ lauten, was auf eine Zulassung im Berlin der frühen Nachkriegszeit hinweisen würde („Kommandantur Berlin“).

Kleidung und Frisur der Damen neben dem BMW würden zu einem Aufnahmezeitpunkt Ende der 1940er Jahre passen. Der Zustand der Häuserfassaden weist auf Bombenschäden hin. So scheint der Verputz durch den Luftdruck von Sprengbomben abgefallen zu sein und beim stärker zerstörten Haus rechts wurden die Fensterrahmen möglicherweise zur Rohstoffgewinnung ausgebaut.

Gerade vor diesem Hintergrund zeugt die Aufnahme vom Optimismus und Aufbauwillen derer, die den Krieg überlebt hatten. Der BMW mit seinen vielfältigen Modifikationen ist damit Spiegel der damaligen Zeit und so authentisch, wie es ein historisches Automobil überhaupt sein kann.

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