Nicht schön, aber selten: Ford „Köln“ Cabriolet

Die Karosseriebaukunst erreichte in den 1930er Jahren ihren Höhepunkt – auch wenn bis in die 1960er Jahre vor allem in Italien nochmals hinreißend schöne Manufakturwagen entstanden.

Doch nicht alles, was damals in aufwendiger Handarbeit gefertigt wurde, war auch zwangsläufig ein Meisterwerk. Vor allem bei Fahrzeugtypen mit kurzem Radstand war es schon immer schwierig, einen harmonischen Aufbau hinzubekommen.

Ein gutes Beispiel dafür stellen wir heute anhand einer originalen Werksaufnahme vor. Die Basis des Wagens war ein Ford des Typs „Köln“, wie er ab 1933 in der altehrwürdigen Domstadt gebaut wurde.

Mit dem in England entwickelten Modell – dort als Ford Y-Type bekannt – endete die Produktion des Model A in Köln. Zuvor (1926/27) war dort bereits in kleinen Stückzahlen das legendäre Model T gefertigt worden.

Im Unterschied zu den beiden Vorgängertypen wurde der Ford „Köln“ nicht lediglich aus zugelieferten Teilen montiert, sondern nach kurzer Anlaufphase vollständig in Deutschland hergestellt.

Die offenen Versionen basierten auf Entwürfen deutscher Karosseriebaufirmen, hier haben wir eine davon:

Ford_Köln_1933-36_Galerie

Ford „Köln“; originales Werksfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Der Qualität des großformatigen Abzugs nach zu urteilen haben wir es hier mit einem Werks- oder Pressefoto zu tun – leider ohne nähere Angaben auf der Rückseite.

Dass das Foto einen Ford „Köln“ zeigt, ist gesichert – die Stoßstange mit drei Rippen und die schräggestellten Luftschlitze in der hinteren Haubenhälfte sind typisch für das bis 1936 gebaute Modell.

Bei diesem kleinen Wagen wurde karosserieseitig beträchtlicher Aufwand getrieben, die Zweifarblackierung und der reichliche Chromeinsatz machten das Cabriolet zu einem teuren Vergnügen – es war mehr als anderthalbmal so teuer wie die Basisausführung.

Technisch war der Wagen primitiv, man kann es nicht anders sagen. Während das Model A selbst in der Sparvariante für den europäischen Markt knapp 30 PS leistete (in den USA 40 PS), begnügte sich der Ford „Köln“ mit gerade einmal 21 PS.

Der 0,9 Liter „große“ Vierzylinder wies eine konventionelle Seitensteuerung auf. Damit trat man gegen technisch vergleichbare Wagen wie den Hanomag 4/23 PS an, der immerhin Hydraulikbremsen besaß, aber auch wesentlich teurer war.

Es erstaunt, dass man bei einem solch einfachen Gefährt wie dem Ford „Köln“ ein aufwendiges Cabriolet anbot. Trotz aller Bemühungen ließ sich auf der Basis dieses Kleinwagens kein sonderlich ansprechender Aufbau realisieren.

Speziell der Überhang der Heckpartie stört das Auge – bei einem größeren Radstand wäre das Ergebnis überzeugender gewesen. Leider wissen wir bisher nicht, wer der Lieferant dieser Karosserie war.

Daneben gab es mindestens eine weitere Variante des 2-Fenster-Cabriolets des Ford „Köln“, die auch in der Literatur zu finden ist. Sie findet sich auf folgender Aufnahme, auf der sich der Wagen vor einer spektakulären Architekturkulisse förmlich verliert:

Ford_Köln_Karosserie_Deutsch_Galerie

Ford „Köln“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Leser Thomas Reichl verdanken wir den Hinweis, dass dieses Foto vor der Neuen Orangerie im Park von Sanssouci in Potsdam entstanden ist.

Das Auto kommt in dieser von der Renaissance inspirierten Szenerie nicht sonderlich gut weg – speziell bei niedergelegtem Verdeck wirkt der Aufbau besonders unförmig. Wenn nicht alles täuscht, handelt es sich um eine von Deutsch gefertigte Karosserie.

Sie weicht in einigen Details von dem Aufbau auf dem eingangs gezeigten Werksfoto ab:

Ford_Köln_Karosserie_Deutsch_Ausschnitt

Die Tür ist hinten – nicht vorn – angeschlagen und es fehlt die Fortsetzung der seitlichen Zierleiste an der Motorhaube, die die Linie etwas gestreckter wirken lässt. Merkwürdig erscheint das hochaufgetürmte Verdeck, war das wirklich so gemeint?

Alles in allem ein wenig erbaulicher Anblick, da helfen auch die vom englischen Y-Type stammenden serienmäßigen Drahtspeichenräder nicht.

Von den gut 11.000 Exemplaren des Ford „Köln“, die einst entstanden, dürften nur die wenigsten einen solchen Cabrioletaufbau besessen haben. Für weniger Geld bekam man ein ansprechendes 2-Fenster-Cabrio des gleichstarken Opel 1,2 Liter.

Heute dürfte es daher nur noch ganz wenige Exemplare dieses offenen Ford aus früher Kölner Produktion geben.

Er wurde bald vom Ford „Eifel“ überflügelt, von dem es bei ähnlichen Abmessungen ein feines Cabriolet von Gläser gab – aber das heben wir uns für eine andere Gelegenheit auf…

© Michael Schlenger, 2018. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

4 Gedanken zu „Nicht schön, aber selten: Ford „Köln“ Cabriolet

  1. Danke für die Aufklärung, Herr Reichl! Also handelt es sich um das Orangerieschloss im Park von Sanssouci.

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  2. Hallo Herr Schlenger !
    Zum Glück musste niemand mit einem Ford “ Köln “ die Alpen überwinden um dieses Foto zu machen . Es genügte schon den Wagen in den Park von Sanssouci nach Potsdam zu fahren .Die Aufnahme entstand vor der Orangerie . Die Szene wirkt allerdings sehr südländisch .
    Alles Gute
    Thomas Reichl

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  3. Die geografische Richtung dürfte stimmen, die Architektur passt aber nicht, dennoch danke für den Vorschlag!

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  4. Il Vittoriale degli Italiani am Gardasee könnte der gesuchte Gebäudekomplex sein.
    Mit Oldtimergrüßen
    Thomas Billicsich

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