Baut heute eigentlich noch jemand in Deutschland 6-Zylinder-PKW? Ich könnte es ja jetzt „Groken“ statt wie einst „Googeln“, aber mir ist’s eigentlich egal.
Die Zeiten sind ohnehin vorbei, in denen ein 6-Zylinder mit seiner bauartbedingten Geschmeidigkeit des Laufs als erstrebenswert für alle galt, die bisher in den Niederungen von 4-Zylinder-Aggregaten ihr automobiles Dasein fristeten.
Ende der 1920er Jahre war die erste große Phase der 6-Zylinder-Kultur im PKW-Segment – ausgehend von den USA. Das Phänomen erstreckte sich dort bis weit in die Mittelklasse, beschränkt sich aber in Deutschland meist auf das gehobene Segment.
Ein wohl ziemlich einzigartigen Versuch, einen Mittelklassewagen mit 6-Zylinder bei kleinem Hubraum zu etablieren, unternahm ausgerechnet Opel – ein Hersteller, der nach dem 1. Weltkrieg nicht gerade durch eine besonders raffinierte Modellpolitik aufgefallen war.
Angespornt vom wachsenden Interesse deutscher Käufer an eingermaßen bezahlbaren Wagen mit „amerikanischen“ Qualitäten, was Optik und Leistung angeht, führten die Rüsselsheimer 1927 den nur 1,7 Liter messenden Sechszylindertyp 7/34 PS ein
Der folgte allerdings vom Erscheinungsbild noch dem veralteten Opel-Standard und war ab 1928 der Konkurrenz billiger und zugleich stärkerer Wagen ausgesetzt. Man reagierte darauf bemerkenswert rasch und brachte noch im selben Jahr den Wagen mit 8/40PS-Motorisierung heraus.
Als dann noch 1929 die schwerfällige Optik einem dem Zeitgeschmack entprechenden Erscheinungsbild wich, das sich eng an den führenden US-Vorbildern orientierte, war die Grundlage für einen achtbaren Markterfolg geschaffen.

Auf diesem Foto, das ich schon einmal vorgestellt habe, wird deutlich, dass der Opel trotz seines äußerst kompakten Sechszylinders weit davon entfernt war, ein Wagen für kleine Leute zu sein.
Otto-Normalverbraucher konnte sich im Deutschland der Vorkriegszeit nämlich überhaupt kein Auto leisten, erst recht keinen Sechszylinderwagen.
Und doch wurde der Opel 8/40 PS von kleinen Leuten durchaus geschätzt, wenn auch auf anderer Weise, als man erwarten würde. Diese Erkenntnis vermittelt ein „neues“ Foto dieses Modells, welches ich kürzlich erworben habe.
Es ist auch deshalb bemerkenswert, weil hier der Blick auf den Niederrahmen gelenkt wird, der ein Kennzeichen des „Facelifts“ des Opel 8/40 PS war:

Jetzt wissen Sie schon einmal, wie das mit den kleinen Leuten gemeint war – wie so oft nicht ganz ernst, doch in gewisser Weise zutreffend.
Indessen mag es spannender sein, der Sache mit dem erwähnten Niederrahmen nachzugehen. Selbiger ist an der geringen Höhe der Schwellerpartie zwischen Trittbrett und Aufbau zu erkennen.
Ist Ihr Blick ebenfalls an dem dort angebrachten Schild hängengeblieben? Nun, wir wollen sehen, ob wir dort etwas erkennen können, was zumindest ein Indiz zur Herkunft dieses Opels liefern kann – also schauen wir genauer hin:

Ich kann hier sicher zwei Wörter entziffern, das erste und das letzte: „Auto….Stuttgart“. Was aber steht dazwischen – Staiger, Singer oder etwas anderes in der Richtung?
Sicher findet es ein Leser heraus und kann uns darüber aufklären, von wem genau dieser Opel einst verkauft wurde. Leider werden wir sonst kaum mehr über die „kleinen Leute“ erfahren, in deren Fotoalbum diese Aufnahme die Zeiten überdauert haben dürfte.
Wie so oft ist alles, was wir hier sehen, vergangen und vergessen – weshalb die Frage umso reizvoller ist, wieviele der einst immerhin 20.000 Opel-Sechszylinder überlebt haben, die Ende der 1920er Jahre einen zumindest für deutsche Verhältnisse achtbaren Erfolg hatten..
Nachtrag: Mehrere Leser nannten das traditionsreiche Stuttgarter Autohaus „Staiger“ als Kandidaten – Klaas Dierks konnte sogar eine zeitgenössische Reklame beisteuern:

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Danke, das tue ich auch!
Das ist dass schöne hier in diesem Blog, man lernt immer etwas hinzu! Danke für ihre Mühen, Herr Schlenger.
Grüße aus dem Brandenburgischen,
M. Grunwald
Paul Staiger gründete sein Unternehmen bereits 1898 als Fahrradhandel. Schon vor dem 1. Weltkrieg hatte er die Generalvertretung von Opel für das Königreich Württemberg. Neben dem Autohandel wurden lange Zeit Fahrräder gebaut, in wechselnden Firmenkonstellationen. Ein Autohaus Staiger ist in Stuttgart nach wie vor aktiv, mit einigen Filialen in der Region und der Vertretung weiterer Marken neben Opel.
Joachim Schmidt
Es war schon Ihr Vorschlag – Auto-Staiger dürfte richtig sein :
https://www.autohaus.de/nachrichten/autohandel/125-jahre-auto-staiger-aeltester-opel-haendler-deutschlands-feiert-jubilaeum-3368956