Mehr Luce für die Luzi: Adler „Trumpf“ 1,7 Liter

Mein heutiger Blog-Eintrag dient eher der persönlichen Traumabewältigung als dem automobilhistorischen Erkenntnisgewinn. Also: Wer in dieser Hinsicht keinen Spaß & Spott versteht, sollte sich ein anderes Thema suchen – Auswahl ist hier ja reichlich vorhanden.

Wer jetzt noch dabei ist, hat vielleicht kürzlich auch den neuen Ferrari „Luce“ mit Erstaunen zur Kenntnis genommen – das erste Batterievehikel der legendären Sportwagenmarke.

Nun habe ich nichts gegen den Elektroantrieb, er hat seine Vorteile und wer so etwas in der Garage haben will, ohne ihm unbekannte Steuerzahler zur Finanzierung seines Spleens in Anspruch zu nehmen, soll das gerne tun.

Vielleicht liefern ja auch die Kernkraftwerke neuester Generationen irgendwann den billigen Strom im Überfluss, den man dazu in der Breite bräuchte. Nur in Deutschland wird das wohl eher nichts – dabei könnten wir damit den noch enorm energiehaltigen Atommüll verwerten, der mangels Endlager oder Wiederaufarbeitung einfach irgendwo herumsteht.

Darum geht es aber im Fall des Luce gar nicht, denn der wäre auch mit Verbrennermotor nahe am GAU für die italienische Supersportwagenschmiede. Der Grund liegt in der erschreckend banalen (nicht einmal provozierenden) Gestaltung.

Das betrifft nach meiner Wahrnehmung nicht nur das Äußere, das den Charme einer Birkenstocksandale hat, nämlich: keinen.

Mag sein, dass man dem unvollendet erscheinende Gerät mit ein paar Teilen aus dem D&W-Katalog (gibt es den noch?) genug Persönlichkeit verleihen könnte, um in einem Ruhrpott-Hochzeitskorso zumindest aufzufallen.

Von geradezu spektakulärem Unvermögen spricht indessen vor allem das Interieur. Man mag es noch unterhaltsam finden, dass man das Lenkrad am unteren Ende abgeflacht hat, um der Wohlstandsplautze der Besitzer Platz zu geben.

Aber ansonsten? Billig inszenierte Instrumente wie aus einem Computerspiel, völlig abwegige Drehknöpfe am Lenkrad – besonders bizarr der für die Scheibenwischer.

Dann ein wie nachträglich angebrachtes Apple-iPad wirkender Bildschirm in der Mitte mit riesigem Griff, der mich ebenso an Krankenhäuser und Altersheime erinnert wie die plumpe Stange zum Zuziehen der Türen.

Geradezu grotesk die analoge Uhr, die am rechten Rand des Bildschirms sitzt und bei forcierter Fahrweise sicherheitshalber nur vom Beifahrer abgelesen werden sollte – die Anmutung auf dem Niveau von Elektroweckern der späten 80er Jahre.

Köstlich die wie billige Becher aus dem Kaffeeautomaten wirkenden Hutzen der Belüftung – auch darauf muss man erst einmal kommen. Spontan an Fleischwurst denken musste ich angesichts der aufgepumpt erscheinenden Polster der Sitze, denen man gründlich jede Lederanmutung ausgetrieben hat.

Meine bessere Hälfte äußerte die Idee, dass man die schlauchbootartigen Dinger ausbauen und am Baggersee zum gemütlichen Paddeln auf dem Wasser gut einsetzen könne.

Zu erwähnen nicht zuletzt die öde Wiederholung abgerundeter Formen, aber vielleicht sollte diesbezüglich gnädiger sein – sofern man den Preis von über 500.000 EUR ausblendet.

Denn immerhin waren die zweifellos hochbezahlten Herren bei Ferrari ja so dumm, als Gestalter einen Bengel aus den USA zu verpflichten, der jahrelang für das Nicht-Design bei Apple verantwortlich war. Das hatte freilich den Vorteil, dass jede i-Phone-Generation genauso langweilig aussah wie die vorherige.

Zu denken gibt mir nur, dass die Italiener ausgerechnet auf diesem Feld, auf dem sie von jeher Meister sind, einem Milchbuben aus den Staaten die Verantwortung abtraten. Das wäre unter Enzo Ferrari oder Luca di Montemozolo nie passiert.

So, das wäre vorerst alles, was mir zu dem „Luce“-Mobil von Ferrari einfällt. Zur Kompensation meiner Tirade und Traumabewältigung wende ich mich nun der im Titel erwähnten „Luzi“ zu – ein speziell in Hessen verbreiteter Spitzname für „Lucia“ oder „Lucie“.

Da es sich um ein hessisches Auto handelt – den Adler „Trumpf“ 1,7 Liter, um genau zu sein – fand ich den Namen passend. Außerdem brauchte ich das für das Wortspiel im Titel:

Adler „Trumpf“ 1,7 Liter; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Hier steht sie die Luzi – neben dem wohlgestalteten Adler „Trumpf“ in der gekonnt modernisierten Form, die man 1936 dem gut eingeführten Fronttriebler verpasste.

Warum man an der in dieser Hubraumklasse damals nicht mehr zeitgemäßen Motorisierung mit nur 38 PS festhielt, ist mir nicht bekannt. Immerhin brachte man 2 Jahre später den etwas besser motorisierten Adler 2 Liter mit 45 PS heraus.

Man kann die beiden Versionen vor allem an den unterschiedlichen Rädern unterscheiden – massiv beim Adler 1,7 Liter und gelocht beim 2 Liter.

So genügt uns zur Identifikation des Adler unserer Luzi die obige Aufnahme, auch wenn sie den Wagen nicht in voller Schönheit zeigt. Aber es kommt noch schlimmer: Denn beinahe nichts ist von dem Auto auf der zweiten Aufnahme zu sehen, dafür die Luzi bei herrlichem „Luce“, wie man es nur hoch in den Bergen findet:

Adler „Trumpf“ 1,7 Liter; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Dass es sich tatsächlich um denselben Wagen handelt, das legt nicht nicht nur unsere Luzi nahe, sondern auch der Aufkleber auf dem Seitenfenster hinten links, dessen Silhouette auf dem ersten Foto ebenfalls zu sehen ist.

Man hatte offenbar schon die Feengrotten in Thüringen besucht, bevor man sich ins Hochgebirge aufmachte, um sich nach dieser unterirdischen Erfahrung wieder mehr Licht zu gönnen.

Was danach aus unserer Luzi und dem Adler wurde, das bleibt für immer ein Geheimnis. Bekanntlich gingen ab 1938 in Europa die Lichter aus – für viele Menschen für immer.

Sicher bin ich dagegen, dass es heute jede Menge Zeitgenossen gibt, die den „Luce“ von Ferrari genauso großartig finden wie den vergammelten Sichtbeton, vor dem man das Gefährt in Babyblau offiziell präsentiert hat. Vielleicht auch das ein Sinnbild…

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Hier ist für immer August! NAG K3 Tourer

Nach einem erbärmlichen Frühjahr hat sich das Wetter in unseren Breiten – also in meinem Fall in der Wetterau zwischen Taunus und Vogelsberg – eines weitaus Besseren besonnen.

Bei satten 30 Grad Celsius lässt sich genüsslich die Gartenarbeit nachholen, die während meines kurzen Italienaufenthalts liegengeblieben war. Die mit einem Mal tausendfach aufgehenden Rosenknospen brauchen wenig mehr als Bewunderung – außer abendlichem Wässern natürlich.

Leider gedeiht indessen auch das Unkraut wie verrückt, nachdem es es wochenlang reichlich Regen gegeben hatte. Die geliebte Sonne macht da leider keinen Unterschied, ihre Kraft treibt alles hervor – darunter auch den Schweiß des Gartenarbeiters.

Doch in meinem Fall liebt der das genau so – von mir aus kann es das ganze Jahr so wie im August sein. Dass es richtig schön warm ist, merke ich auch daran, dass ich von Wasser auf kalte Vollmilch umstelle – seit meiner Jugend der bevorzugte Durstlöscher bei anstrengenden (sportlichen) Tätigkeiten im Sommer.

Köstlich, dass das nach Wasser älteste Getränk der Menschheit seit ihrer Sesshaftwerdung heute von manchem Zeitgenossen problematisiert wird. Jedem Tierchen sein Plaisirchen.

Auf dem Foto, das ich dank Leser Matthias Schmidt (Dresden) heute vorstellen darf, war einst wirklich August – anno 1913, so ist es umseitig überliefert:

NAG Typ K3; Originalfoto von August 1913 aus Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

Wer meinen Blog schon länger verfolgt oder einfach Ahnung von diesen Dingen hat, der weiß: Ein Ovalkühler war vor dem 1 .Weltkrieg bei vielen Marken zu finden- aber in genau dieser Gestaltung nur bei der bedeutenden Berliner Manufaktur NAG.

Auf dem Originalfoto ist sogar das typische NAG-Emblem oben auf dem Kühlergehäuse zu erkennen, insoweit ist der Fall klar.

Die NAG hatte ab 1910 nach und nach die K-Modellfamilie neu herausgebracht, deren Mitglieder sich äußerlich stark ähnelten, wie das damals von den meisten Herstellern praktiziert wurde und uns heute vor einige Probleme stellt.

Letztlich unterschieden sich die NAG-K-Typen hauptsächlich in der Motorisierung und dementsprechend in den Abmessungen. Der kleine K2 6/14 PS „Darling“ war schon einige mal Gast hier im Blog, ihn möchte ich im vorliegenden Fall ausschließen.

Die stark motorisierten Typen K5 und K8 waren deutlich größer und der K4 kam erst 1914 auf den Markt, also nachdem diese Aufnahme entstanden war.

Beweisen kann man es nicht, aber ich halte den mittleren Typ K3 für den wahrscheinlichsten Kandidaten. Bei 2,1 Liter Hubraum war eine Spitzenleistung von 22 PS damals zeitgemäß. Auch dank Vierganggetriebe war das ein erwachsenes Reiseauto.

Leider wissen wir nichts über die Leute an Bord des Exemplars auf dem Foto von Matthias Schmidt. So bleibt uns nur, über die offenbar unterschiedlichen Charaktere zu sinnieren, wobei die uns direkt anschauende junge Dame sicher nicht nur mich anspricht.

Nur, dass dieser NAG einst im damaligen Neckarkreis zugelassen war, das ist gewiss.

Hätten die Insassen gewusst, dass ein Jahr später der 1. Weltkrieg begann, der nur Verlierer kannte, hätten sie wohl gewünscht: „Würde dieser August einfach ewig währen.“

Nun ja, wenigstens auf diesem schönen Foto blieb das so. Und so sollten vielleicht auch wir uns wünschen, dass es einfach so herrlich sommerlich bliebe, wie es das gerade ist. Besser werden dürfte es wohl kaum…

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Nichts für den kleinen Mann? Mannesmann WII 5/20 PS

Selbst die vielen deutschen Leicht-Automobile der frühen 1920er Jahre waren nichts für den sprichwörtlichen „kleinen Mann“. Für den Durchschnittsbürger standen Kauf und Unterhalt jedes Autos (und meist auch Motorrads) damals völlig außer Betracht.

Es war wohl der deutsche Hang zu unfundiertem Heroismus – ein irrationaler Zug, der schon im Idealismus des 19. Jh. „intellektuellen“ Ausdruck fand und bis heute fortlebt – dass zahllose Kleinsthersteller etwas versuchten, was nüchternes ökonomisches Kalkül von vornherein verbot.

Im schlimmeren Fall bastelten handwerklich Begabte in Hinterhofwerkstätten das x-te „echte Volksautomobil“, ohne überhaupt logistisch wie finanztechnisch zu einer rationalen Fertigung imstande zu sein.

Egal, man probierte es wieder und wieder und wieder. Immerhin verbrannte man kein Volksvermögen dabei wie beim modernen Versuch, den Energiebedarf eines in scharfem Wettbewerb stehenden Industriestandorts mit zufällig anfallendem Strom zu konkurrenzfähigen Preisen decken zu wollen.

Das Ergebnis dieses grotesken Großexperiments kann jeder auf seiner Stromrechnung und in den von zehntausenden Windrädern geschändeten Landschaften besichtigen.

Im besseren Fall verlegte sich nach dem 1. Weltkrieg ein gut verdienender Industriekonzern darauf, nebenher ebenfalls in die Autoproduktion einzusteigen – man hatte ja die technische Kompetenz, die Fabrikationsmöglichkeiten und das Kapital, um neue Wege zu gehen.

Ein Beispiel dafür war der Mannesmann-Konzern, der bis Ende der 1920er Jahre PKW der unteren Hubraumklasse baute. Viel scheint darüber nicht bekannt zu sein, ein durchschlagender Erfolg blieb auch hier aus – kein Wunder, wenn es keinen Markt gibt.

Das hätten die feinen Herren bei Mannesmann eigentlich auch wissen können, aber ab einer gewissen Größe beginnen Konzerne oft ein Eigenleben zu entwickeln, was sich in Quersubventionierung nicht-profitabler Geschäftsbereiche äußert.

Vielleicht war es im Fall von Mannesmann ählich wie bei Dürkopp und der Chef vom Janzen hatte schlicht Spaß an der eigenen Automarke, Man verdiente ja an anderer Stelle gut genug, um sich damit nicht die GuV zu ruinieren.

Solchen Verhältnissen verdanken wir technisch und formal durchaus konkurrenzfähige Gefährte wie diesen Mannesmann des Typs WII mit 20 PS-Vierzylindemotor:

Mannesmann WII 5/20 PS-Tourer; Originalfoto: Sammlung Matthias Schmidt

Diese Aufnahme, die mir Leser Matthias Schmidt digital übermittelte, zeigt ein weiteres Beispiel der kleinen Mannesmänner vor Einführung von Vorderradbremsen um 1925.

Dass auch der WII 5/20 PS dennoch nichts für den kleinen Mann war – außer für Buben in Matrosenanzügen – gibt uns der großgewachsene Herr neben dem Auto zu verstehen.

Sein Blick geht heroisch in die Ferne – so inszenierte man sich damals, wenn man Wert darauf legte, als wichtig und der Zukunft zugewandt wahrgenommen zu werden.

Die herrische Attitüde passte mir wunderbar ins Konzept – selten musste ich so wenig (eigentlich überhaupt nicht) über einen passenden Titel nachdenken.

Wen Sie nun den Eindruck haben, dass ich es mir diesmal ja ziemlich einfach mache, haben Sie recht. Zu diesen netten und je nach Aufbau sogar sportlich wirkenden Kleinwagen aus dem Hause Mannesmann will mir heute aber auch nicht viel mehr einfallen.

Nur eines habe ich noch in petto – und das ersetzt aus meiner Sicht jede öde Aufzählung marken- und modelltypischer Merkmale (das Mannesmann-Emblem kennen Sie ja inzwischen, falls nicht, finden Sie es in meiner Markengalerie):

Mannesmann WII 5/20 PS-Tourer; Originalfoto: Sammlung Matthias Schmidt; KI-unterstützte Kolorierung: Michael Schlenger

Das sieht doch gleich viel freundlicher aus und bringt uns die Altvorderen so nah, wie das vor der Verfügbarkeit KI-basierter Software kaum möglich war.

Diese Technologie ist heute auch für den kleinen Mann zugänglich. Man kann daraus – wie im Fall des Autos für jedermann – ersehen, welche phänomenalen Fortschritte der menschliche Erfindungsgeist gemacht hat.

Jetzt müsste sich diese Kompetenz nur auch noch in anderen Feldern manifestieren, in denen seit eh und je von oben herab über den kleinen Mann (m/w/d) bestimmt wird, als sei er leicht lenkbare Verfügungsmasse. Naja, vielleicht ist er das ja leider auch zu oft…

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Hoch hinaus – auf’s Land! Horch 350 Limousine

Hoch hinaus strebt mancher, oft leider nicht hoch genug qualifiziert – mir genügt es meist schon, wenn es auf dem Thermometer endlich nach oben geht.

In dieser Hoffnung strebte ich am letzten Wochenende gen Süden – in der zweiten Mai-Hälfte sollte es in Mittelitalien eigentlich schon ganz angenehm sein, so dachte ich.

Bei 11 Grad verließ ich das kalte Germanien, doch auch in der Schweiz sah es diesbezüglich nicht besser aus.

Verflixt, wenigstens südlich der Alpen sollte der Frühling doch alles fest im Griff haben, hoffte ich. Weit gefehlt – auch in Como dieselben 11 Grad.

Immerhin konnte ich dann die Po-Ebene trockenen Reifens durchmessen – nach 75.000km hatte mein wackerer Dacia Duster kurz vorher neue Pneus bekommen, diesmal Ganzjahresreifen von Continental.

Das sollte sich als gute Wahl erweisen, denn ab der Ausfahrt Cesena Nord, ab der es hart Richtung Süden ging, stand das Wasser immer wieder auf der Straße. Es schüttete wie aus Eimern und das, wie ich dem italienischen Radio entnahm, seit Tagen.

Die Contis durchpflügten indessen das Wasser, wie ich das so nicht kannte – man spürte die Reibung, aber kein Aufschwimmen – wenigstens das begeisterte mich.

Bei immer noch 11 Grad erreicht ich mein Ziel in Umbrien. Wie ich hörte, hatte noch am Vortag Schnee auf den höchsten Gipfeln gelegen. Entsprechend liefen die Leute herum wie im Winter.

Dazu passend kann ich mit diesem Foto aufwarten. es zeigt einen ebenfalls der Kälte angepassten Horch 10/50 PS von ca. 1925 nebst Besitzer aus der Zeit, bevor es bei den Sachsen hoch hinaus ging mit ihren phänomenalen Achtzylindern:

Horch 10/50 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Der Vierzylindertyp 10/50 PS war von der Leistung und den Dimensionen her bereits in der Oberklasse angesiedelt – man erkennt ihn übrigens an den weit unten angebrachten Luftschlitzen in der Motorhaube ähnlich den damaligen Fiat-Sechszylindern.

Von hier ging es ab 1927 freilich richtig hoch hinaus. Denn erst brachte man einen Achtzylinder allerfeinster Bauart heraus – mit zwei obenliegenden Nockenwellen.

Ab 1928 hatte man dann auch eine dem hochkarätigen Antrieb angemessene Karosserie im Programm – sie wurde mit dem Typ 350 eingeführt, den ich in meinem Blog schon etliche Male auf zeitgenössischen Fotos gezeigt habe.

Mit diesem Luxusgerät machte man auch auf dem Land gute Figur, wie ich heute anhand dieser Aufnahme illustrieren kann:

Horch 350; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Zugegeben, man sieht nicht furchtbar viel von der großen 6-Fenster-Limousine, aber genug, um sie als Achtzylinder-Horch 350 ab 1928 ansprechen zu können.

Ein wichtiges Detail in dem Zusammenhang sind die bei deutschen Autos jener Zeit seltenen Parkleuchten am hinteren Ende der Motorhaube. Vorbild waren hier US-Fabrikate, an denen Horch Ende der 20er Jahre auch sonst genau Maß nahm.

So konnte die flotte Lady vor dem Wagen sicher sein, dass es damit hoch hinaus ging, auch wenn man „nur“ auf’s Land fuhr.

Das wäre es an sich schon gewesen für heute, wenn sich der italienische Frühling nicht inzwischen von seiner prächtigsten Seite gezeigt hätte – noch frisch, aber sonnig.

Ich nutzte die Gelegenheit, um die Auffahrt zu meinem gegenwärtigen Aufenthaltsort mittels Bordkamera zu dokumentieren. Dabei geht es hoch hinaus aus der Valle Umbra, an deren Rand das 2500-jährige Spello thront, erst durch endlos scheinende Olivenhaine und dann Eichenwälder hinauf auf 600 Meter Höhe ins Bergnest Collepino.

Sehen Sie mir die vielen groben Schnitte nach – ich habe das hier zum ersten Mal ausprobiert und ich musste ja die Länge an das mittels KI erzeugte (somit copyright-freie Musikstück anpassen.

Ich meine aber, dass das satte Grün der Landschaft und der warm leuchtende Kalkstein seine eigene wohltuende Magie tun, während es hier hoch hinaus geht – zwar nur mit vier Zylindern aber auf moderne Weise durchaus luxuriös…

Fahrt von Spello nach Collepino (Umbrien), Mai 2026; Copyright: Michael Schlenger

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Wirkt so gleich viel charmanter: Chandler von 1927

Wenn mein seit über 10 Jahren betriebener Blog für irgendetwas gut ist, dann sicher dies: Er rückt die phänomenale Präsenz amerikanischer Automarken im Deutschland der 1920/30er Jahre wieder ins verdiente Licht.

Ich wüsste von keiner anderen Publikation – sei es in gedruckter oder digitaler Form – die der großen Zeit der US-Automobile im Vorkriegsdeutschland in ähnlicher Weise gerecht wird.

Dabei hatte ich es ursprünglich gar nicht darauf angelegt. Ich habe mich einfach nur von der schieren Masse an billigst verfügbaren Originaldokumenten jener Zeit leiten lassen.

So hat es sich fast von selbst ergeben, dass ich inzwischen alle großen US-Automarken (und etliche Nischenhersteller) in meinen einschlägigen Fotogalerien hauptsächlich anhand von Bildern aus deutschen Landen illustrieren kann.

Früher hätte man daraus vielleicht ein Buch gemacht, doch mein Blog-Projekt hat den Vorteil, dass ich die Dokumentation laufend ergänzen kann. Ein besonders hübsches Beispiel dafür kann ich heute präsentieren.

Dabei geht es um ein Fabrikat, das heute kaum noch einer kennt – Chandler aus Cleveland (Ohio). Die 1914 ins Leben gerufene Marke bestand nur bis 1929.

Ausgerechnet aus jenem Jahr stammt diese Reklame aus dem deutschen „Auto-Magazin“, die ich bisher noch nicht vorgestellt hatte:

Chandler-Reklame aus: Auto-Magazin Nr. 12, Januar 1929; Original: Sammlung Michael Schlenger

Hier wird nicht nur die Berliner Vertriebsgesellschaft genannt – es wird auch auf den 4.300 Meter hohen „Pikes-Peak“ im US-Bundesstaat Colorado angespielt, den anno 1925 ein Chandler in Rekordzeit erklommen hatte.

Die 6-Zylinder von Chandler genossen damals einen ausgezeichneten Ruf als leistungsfähige Mittelklassewagen (nach US-Maßstäben). Sie erreichten nicht die Stückzahlen der ganz großen Hersteller, aber immerhin über 20.000 Stück pro Jahr entstanden in den besten Zeiten der Marke – da blieb einiges für den Export übrig.

Ab 1927 brachte Chandler sogar eine Achtzylinderversion heraus, die jedoch in Deutschland kaum Käufer gefunden haben dürfte. Der rund 60 PS-starke „Six“ war für deutsche Verhältnisse bereits ein Luxusgefährt. Daneben gab es eine 80 PS-Variante.

Durchaus bodenständig kommt dieses Exemplar daher, das einst in Rochlitz (Sachsen) zugelassen war und das ich vor bald fünf Jahren hier präsentiert habe:

Chandler von 1927; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Der markante Kühler wurde über die Jahre nur wenig verändert, weshalb man bei der Datierung auf subtilere Details angewiesen ist – beispielsweise die Doppelstoßstangen und die trommelförmigen Scheinwerfer.

Nun wird man dem Chandler hier bei aller Seltenheit und Präsenz eines kaum zuschreiben wollen – dass er besonders charmant herüberkam.

Die prosaische Situation mit dem Fahrer bei der Wagenwäsche in einem namenlosen Fachwerkort verhindert zuverlässig das Aufkommen jeder Begeisterung.

Doch das ändert sich heute und zwar ausgerechnet mit zwei weiteren Fotos desselben Wagens am selben Ort, die mir erst kürzlich (nach 5 Jahren) zugelaufen sind.

Das erste zeigt den Chandler wohl nach erfolgter Wäsche – der Fahrer hat am Lenkrad Platz genommen. Das Licht am Aufnahmetag muss trübe gewesen sein – düster wirkt der an sich beeindruckende Wagen auch hier:

Chandler von 1927; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Immerhin kommen hier die Proportionen der 6-Fenster-Limousine besser zur Geltung – der Chandler war ziemlich großzügig dimensioniert.

Leider wissen wir nichts über seinen Besitzer und seine wirtschaftlichen Verhältnisse. Es war auf jeden Fall jemand, der sich einen angestellten Fahrer leisten konnte.

Ich vermute, dass der Chauffeur „seinen“ Wagen an seinem eigenen Wohnort gewaschen hatte und von dort aus täglich zum „Chef“ aufbrach.

Immerhin scheint man in diesen bescheidenen, aber soliden Verhältnissen einen Fotoapparat besessen zu haben, mit dem man den eigenen Status durchaus stolz dokumentierte.

Bei dieser Gelegenheit wird auch das dritte Foto entstanden sein, das mir die Inspiration zum heutigen Titel geliefert hat – denn so wirkt der Chandler doch gleich viel charmanter:

Chandler von 1927; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Es gibt kein Auto, das nicht durch die Anwesenheit einer hübschen Frau geadelt würde – wie überhaupt die Welt durch die Existenz holder Weiblichkeit ein besserer Ort wird.

Ob die versonnen dreinschauende junge Dame die Flamme des Chandler-Fahrers war, seine Verlobte oder „nur“ die adrette Schwester – das werden wir nicht mehr erfahren.

Jedenfalls hinterlässt der längst vergangene Chandler hier den besten Eindruck.

Künftig werden Sie vielleicht zuerst an dieses schöne Zeugnis denken, wenn Sie den Markennamen wieder einmal lesen oder – das wäre noch charmanter – einem raren überlebenden Original begegnen…

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Grüße von der Meta-Ebene: Chevrolet Six von 1934

Soziologen und andere akademisch geadelte Welterklärer fordern gerne die Rückkehr auf die Metaebene, wenn ihnen einer mit den zeitlos-irdischen Wahrheiten kommt, die sich aus der Anwendung des praktischen Hausverstands ergeben.

Gemeint ist damit, dass ihnen die banale Bühne des Alltagserlebens zu niedrig ist und sie sich lieber mit darüber angesiedelten Sphären befassen wollen, in denen sie höhere Prinzipien vermuten und mit großer Selbstgewissheit wortreich verorten.

Ein Meister dieses Fachs, das sich schon aufgrund möglichst komplizierter Formulierung von Banalitäten dem Normalsterblichen versperrt, war der kürzlich verstorbene deutsche Denker Habermas (RIP).

Schon vor Zeiten allgemeiner Verfügbarkeit von Künstlicher Intelligenz, mit der sich geschwollene Reden binnen Sekunden ihres opulenten Ornats entkleiden lassen, gab es unterhaltsame Versuche, die Habermas’schen Weisheiten auf ihren Kern zu reduzieren.

Wie im Fall von Kant und Marx zeigt sich bei solchen Bemühungen, dass die hinter Wortgirlanden verborgene Botschaft eher schlicht daherkommt, häufig auch reiner Unfug oder bloße Behauptung ist.

Dabei bin ich durchaus für Ausflüge auf die Metabene zu haben – also die Auseinandersetzung mit Strukturen oder Phänomenen, die einem konkreten Geschehen übergeordnet sind, es leiten oder erklären.

Ich bevorzuge dabei jedoch die Klarheit angelsächsischer Denker, deren Darlegungen meist ohne pseudorhetorischen Bombast daherkommen. Man kann ihre Werke auch noch nach 200 Jahren mühelos konsumieren (etwa Mills ‚“On Liberty“), wie die englischsprachige akademische Literatur noch heute meist erfreulich leserfreundlich ist.

So erweist sich auch mein heutiger Ausflug auf die Meta-Ebene als angenehm – geradezu leicht und erbaulich. Dazu begeben wir uns ins Jahr 1934 und auf die andere Seite des Atlantiks:

Chevrolet Six von 1934; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Hier sehen wir, was der amerikanische Brot- und Butterhersteller Chevrolet im Jahr 1934 seinen Käufern – ohne über Gebühr abzuheben – ganz bodenständig bot.

Als Einstiegsmodell wurde der preisgünstige Standard 6 angeboten, der mit im Zylinderkopf hängenden Ventilen selbst ohne Hubraum-Höhenflüge sehr solide 60 PS leistete. Daneben war der Master Six erhältlich, der es auf 80 PS brachte.

Die wohl vollverchromten Scheinwerfergehäuse an dem hier gezeigten Exemplar verweisen auf die stärkere Version. Sehr ansprechend ist der Aufbau als „Business Coupe“ – also als Zweitürer mit kurzem Dachaufbau und großem Gepäckabteil, wie das damals von Vertretern in den USA bevorzugt wurde.

Leider wissen wir nichts über die Verhältnisse der Besitzer dieses Fahrzeugs, außer dass sie deutsche Auswanderer waren. Die adrette Dame neben dem Chevrolet trug den uns heute altertümlich vorkommenden Vornamen Meta, wirkt hier aber zeitlos jugendfrisch.

Sie schickte dieses Foto einst an Verwandte in Deutschland und grüßte diese im Juni 1934 als Vertreterin eines höheren Lebensstandards von ihrer ganz persönlichen Meta-Ebene.

Dazu gehörte der offenbar ladenneue Wagen, der in den Staaten ein alltäglicher Anblick war – rund 600.000 Exemplare entstanden binnen eines Jahres.

Er kündet auf dieser Aufnahme davon, wie man es sich auch in den Niederungen des Alltags behaglich einrichten kann, wenn man den Vorzügen des Materiellen nicht ganz abhold ist und sich nicht durch überkompliziertes Denken selbst im Weg steht…

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Hier ist einiges merkwürdig: Mercedes 230 Limousine

Merkwürdig kommt einem ja fast täglich einiges vor – bisweilen denkt man: „Das meinen die jetzt nicht ernst, oder?“ Doch Anlass zu dergleichen Stirnrunzeln gibt heute ausnahmsweise kein aktuelles Tagesgeschehen, sondern ein bald 90 Jahre altes Dokument.

Es zeigt einen Mercedes-Benz 230 – den ich mit Cabriolet-Aufbau durchaus gelungen finde – wie ich überhaupt meine, dass die offenen Wagen der Marke in den 1930er Jahren am harmonischsten gestaltet waren.

Die folgende, bisher unpublizierte Aufnahme ist ein Beispiel dafür:

Mercedes-Benz 230 (?) Cabriolet; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Man muss hier nur über das unnötig hoch aufgetürmte Verdeck hinwegsehen, welches wohl einer nachlässigen Fixierung des Überzugs geschuldet war.

Übrigens bin ich mir gar nicht sicher, dass wir es wirklich mit dem Typ 230 zu tun haben, der 1937 den arg untermotorisierten 200er ablöste. Jedenfalls konnte ich kein exaktes Vergleichsfoto finden.

Ein Detail spricht aber aus meiner Sicht stark für den 230er – und damit wären wir schon bei den angekündigten Merkwürdigkeiten.

Denn alle Werksausführungen dieses Typs scheinen die eigentümlichen seitlichen „Schürzen“ am Vorderkotflügel besessen zu haben, die einen unmotivierten Knick statt einer Rundung aufweisen und auch nicht so weit herunterreichen, wie man das erwarten würde (und bei anderen Typen in aller Regel praktizierte).

Wie unentschlossen und unglücklich das wirkte, wird anhand der Limousinen-Ausführung deutlich, die im Mittelpunkt der heutigen Betrachtung steht:

Mercedes-Benz 230 Limousine um 1938; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Bevor wir uns weiteren formalen Merkwürdigkeiten zuwenden, noch ein Satz zur Motorisierung des 230er Mercedes. Gegenüber dem nur 40 PS leistenden Vorgänger 200, der nicht einmal Spitze 100 km/h schaffte, war ein spürbarer Fortschritt zu verzeichnen .

Aber auch das nunmehr 55 PS leistende Aggregat war lediglich solide Mittelklasse. Der kreuzbrave Hanomag „Sturm“ war damals identisch motorisiert und auch sonst technisch auf demselben Niveau.

Nur die hintere Pendelachse machte den Mercedes moderner, was die Konstruktion angeht. Die Marke mit dem Stern war damals im Serienbau ausgesprochen konservativ ausgerichtet, um es freundlich auszudrücken.

Immerhin konnte man sich jetzt auch auf die Autobahn trauen, wo man allerdings immer noch vom Fiat 1500 überholt wurde – dem damals effizientesten 6-Zylinder-Serienwagen seiner Hubraumklasse am deutschen Markt (gebaut in Heilbronn).

Zurück zu den formalen Qualitäten des Mercedes. Ob die Fixierung des Reserverads wirklich an so prominenter Stelle angebracht werden musste, wage ich zu bezweifeln. Die riesige Rändelmutter wirkt trotz Verchromung wie die Lösung an einer Landmaschine.

Auch die auffallend gestaltete Aussparung im Trittbrett für den Wagenheber erscheint mir wie von einem bösen Geist inspiriert, der partout die Schönheit der Linie stören will. Immerhin findet man diese Greueltat regelmäßig am 230er, was die Ansprache erleichtert.

Großes Lob verdient unterdessen die elegant nach hinten abfallende Gürtellinie der Limousine, die in einem verspielten Aufwärtsschwung endet. Das lässt den schweren viertürigen Aufbau leichter und raffinierter wirken – sehr schön! Damit kam die schlichte Ganzstahlkarosserie der erwähnten Hanomag „Sturm“-Limousine nicht mit

Allerdings verließen die Geister des guten Geschmacks die Gestalter dann auch wieder.

Denn am Heck wurde ein rucksackartiger Kofferraum angesetzt, der formal so gar nicht zum übrigen Wagen passen will. Merkwürdig auch die zusätzliche seitliche Chromlasche – sollte die Kofferraumhaube nicht durch mittig unten angebrachtes Schloss hinreichend fixiert sein?

Sie sehen nun, warum ich mich zum heutigen Titel genötigt sah. Man kann das alles natürlich auch anders sehen und ganz großartig finden, wie das bei den vom Stern Besessenen oft der Fall ist.

Man kann die Sache aber auch ebenso leidenschaftlich differenzierter angehen, meine ich…

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Eisenacher Alteisen: BMW 321 Limousine

Wenn mir wie heute bei der abendlichen Runde mit unserem türkisfarbenen Fiat 500 – auch als „rollende Eisdiele“ bezeichnet – ein BMW aktueller Produktion begegnet, dann denke ich oft: „Was hätten wohl die Gestalter der Marke von einst zu diesen Montrositäten gesagt?

Heute weiß vermutlich kaum noch einer der verantwortlichen Deformationskünstler, wie klar und unaufgeregt, zugleich aber unverkennbar die klassischen BMWs waren.

Vermutlich ist diesen Herrschaften auch nicht mehr bekannt, dass die BMW-Automobile zumindest in der Vorkriegszeit eine Schöpfung der damals in Deutschland führenden mittteldeutschen Automobilindustrie waren.

Im Eisenacher Werk, in dem bis 1928/29 Dixi-Wagen gebaut wurden, zuletzt in Gestalt eines Lizennachbaus des legendären Austin Seven, entstanden alle BMW-Automobile bis Ende des 2. Weltkriegs.

Noch 1937 hatte man eigene Karosseriepressen angeschafft, um die zeitgemäßen Ganzstahlkarosserien zumindest der BMW-Limousinen nunmehr unabhängig von Lieferungen der Berliner Firma Ambi-Budd herstellen zu können.

Im gleichen Jahr erschien der Typ 320, der optisch die moderne Linie des prestigeträchtigen BMW 326 aufnahm, aber einen auf 45 statt 50 PS gedrosselten 2-Liter-Sechszylinder besaß, außerdem die veraltete Vorderachse des Vorgängeryps 319.

Nur zwei Jahre später, noch vor Kriegsbeginn 1939, folgte der 321 mit der Vorderachse des 326 und einigen Detailverbesserungen.

Optisch ist dieses Modell an der abweichenden Stoßstange, dem Fehlen von Dreiecksfenstern und der Rückkehr zu hinten angeschlagenen (also vorne öffnenden) Türen zu erkennen:

BMW 321 ab 1939; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Diese ungewöhnliche Aufnahme zeigt meines Erachtens ein nach Ende des 2. Weltkriegs in Ostdeutschland (DDR)) zugelassenes Exemplar.

Für eine Nachkriegsversion spricht neben dem Kennzeichen auch die nachträgliche Montage eines Außenspiegels auf dem Vorderkotflügel.

Man könnte es bei der Bewunderung dieses meisterhaft gestalteten Eisenacher Alteisens bewenden lassen, wären da nicht die oberhalb der Windschutzscheibe angebrachten Scheibenwischer.

Das findet sich so nach meiner Recherche am BMW 321 in der Limousinen-Ausführung nicht, auch nicht an den noch in Eisenach nach dem Krieg bis 1950 gebauten Exemplaren dieses Typs.

In der Literatur konnte ich keinen Hinweis darauf finden, und stelle daher dieses Detail erwartungsfroh zur Diskussion.

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Fund des Monats: Ein Kissel „Gold Bug“ Speedster

Wo aber bleibt das Positive, Genosse?“ – diese zeitlos aktuelle Frage in Bezug auf die Segnungen, die den Deutschen (und Nachbarn) seit Jahrzehnten aus dem offiziellen Berlin zuteil werden – diese Frage beantworte ich regelmäßig ausweichend.

Angesichts ebenso zeitloser Risiken der Majestätsbeleidigung meidet man das Feld des Politischen möglichst und begibt sich stattdessen hinaus auf eine ideologisch unbelastete Grünfläche im Berliner Umland.

Dort findet man dann mit etwas Glück das gesuchte Positive bei einer gänzlich unpolitischen Versammlung gleichgesinnter Weggefährten. Gemeinsam haben sie allenfalls die Kennung „IA“, die bis Ende des 2. Weltkriegs auf eine Registrierung im Raum Berlin verwies.

Neben Bekannten in- und ausländischer Provenienz begegnet einem auf alten Dokumenten solcher Autonomen-Treffen bisweilen auch etwas, was einen über den Alltag erhebt und – ganz positiv – in die Luft gehen lässt.

Genau an einem solchen Erlebnis darf ich Sie, liebe Leser, heute teilhaben lassen. Ich war eine Weile sogar geneigt, hier bereits den Fund des Jahres entdeckt zu haben, aber dann dachte ich mir: „Ach was, legen wir die Latte dafür einfach noch höher„.

So präsentiere ich hier und jetzt als Fund des Monats Mai 2026 dieses Gerät:

Kissel „Gold Bug“ Speedster um 1925; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

In kühner Perspektive aufgenommen sehen wir hier einen großdimensionierten Roadster mit typischen tief ausgeschnittenen Türen, sehr niedriger Frontscheibe (mit seitlichen Windabweisern), Doppelstoßstange und Drahtspeichenrädern.

Die schiere Größe des Wagens ließ mich gleich an ein US-Fabrikat denken – dennoch brauchte es einige Zeit, bis ich den Hersteller und das Modell herausgefunden hatte. Als das der Fall war, konnte ich kaum glauben, was ich da an Land gezogen hatte.

Das Auto entpuppte sich als „Kissel“ aus Hartford im US-Bundesstaat Wisconsin. Dort hatte 1909 der deutschstämmige Louis Kissel mit seinen Söhnen begonnen, sehr hochwertige und gut motorisierte Wagen zu bauen, die sich passabel verkauften.

Direkt nach dem 1. Weltkrieg landete man einen großen Wurf – weniger die Stückzahlen, denn das Prestige betreffend. So brachte man einen knallgelb lackierten Roadster mit Sechszylindermotor heraus, der über 60 PS leistete und sich sportlich bewegen ließ.

Das gerundete Heck und die Farbe brachten diesem kostspieligen Spaßmobil den Spitznamen „Gold Bug“ ein – also: Goldkäfer.

Bis 1927 blieb der Kissel „Gold Bug“ im Programm, wobei neben dem hauseigenen 6-Zylindermotor zuletzt auch ein Achtzylinder von Lycoming verfügbar war. Auf Wunsch wurden schon 1924 hydraulische Bremsen verbaut, ab 1925 waren sie Standard.

Die Produktion dieses aufsehenerregenden Fahrzeugs blieb beschränkt. Die Schätzungen zur Gesamtzahl von 1919 bis Ende der 20er Jahre bewegen sich zwischen 1500 und 3000. Die geringe Zahl der überlebenden Exemplare (ca. 50) spricht aus meiner Sicht eher für die niedrigere Schätzung.

So oder so ist es bemerkenswert, dass ein Fahrzeug dieses Typs irgendwann ab 1925 im Raum Berlin einen Käufer gefunden hatte. Für die Datierung sprechen vor allem die Doppelstoßstange und der relativ niedrige Kühlwassereinfüllstutzen.

Frühere Exemplare grenzen sich im Detail davon ab – etwa das Exemplar von 1923 im Forney Museum of Transporation in Denver (Colorado). Es gehörte der legendären Fliegerin Amelia Earhart, die das Auto besonders liebte.

Sie selbst verschwand auf ihrem Flug um die Welt im Jahr 1937 – wahrscheinlich nach einer Notlandung auf dem unbewohnten Atoll Nikumaroro (vormals Gardner Island) im Pazifik.

Während Earharts Flugzeug – eine Lockheed Electra – bis heute verschollen ist, hat ihr Kissel „Gold Bug“ die Zeiten überdauert. Wir sehen ihn im folgenden Video auf einfühlsame Weise zusammengeschnitten mit Aufnahmen von Amelia Earhart…

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Bleibende Eindrücke – nicht alle willkommen: Hansa 1700

Je älter man wird, desto größer wird der Bestand an bleibenden Eindrücken. Nicht alle davon sind jedoch willkommen.

Immerhin kann man gezielt bei denen Zuflucht suchen, die einem helfen, über die Zumutungen des Hier und Jetzt hinwegzukommen – oder sie zumindest für eine Weile in den Hintergrund zu drängen.

Wer etwa in unseren Tagen die Eleganz und Geschmeidigkeit eines 6-Zylinderwagens vermisst, der kann sich beispielsweise einen feinen Jaguar XJ 4.2 Litre der 1980er Jahre zulegen – für einen vierstelligen Betrag.

Damit kann man dann gediegen nach England zum Goodwood Revival fahren und in der Nähe angemessen klassisch residieren:

Jaguar XJ 4.2; aufgenommen 2016 vor Lordington House (Sussex); Bildrechte: Michael Schlenger

Man kann natürlich auch einige Tausender für ein modernes Elektromofa (vulgo: E-Bike) ausgeben und sich mit buntem Plastikfummel angetan den Mitmenschen als überlegene Lebensform präsentieren – jedem Tierchen sein Plaisirchen.

Ich meine, dass die Laufkultur eines Sechszylinders eine zivilisatorische Errungenschaft darstellt, hinter die man auch dann nicht zurückfallen sollte, wenn der Sprit „dank“ diverser staatlicher Interventionen drastisch teurer ist als eigentlich notwendig.

In Relation zur Kaufkraft noch kostspieliger war das Vergnügen freilich in Vorkriegszeiten – auch damals zog der unersättliche Staat für diverse (auto)destruktive Vorhaben den Bürgern das Geld bei jeder Gelegenheit aus der Tasche.

Immerhin machten viele damals noch gute Miene zum bösen Spiel:

Hansa 1700 Cabriolimousine; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Geradezu britisch gestylt zeigt sich hier eines der für mich reizvollsten deutschen Autos der 1930er Jahre – der Sechszylinder-Hansa 1700, der ab 1934 gebaut wurde.

Im Unterschied zum etwas schwachbrüstigen Schwestermodell Hansa 1100 (28 PS) war der 1700er nicht nur adäquat motorisiert (40 PS) – auch kam seine Linie dank des längeren Radstands noch besser zur Geltung.

Notwendig war dies wegen der größeren Baulänge des Reihensechsers und der längere Vorderwagen bot so auch Platz für fünf statt nur vier der markanten Luftklappen.

Hansa hatte beiden Modellen laut Literatur eine zeitgemäße Ganzstahlkarosserie spendiert, zumindest bei der geschlossenen Version. Offene Ausführungen besaßen aber wohl meist noch aufwendige Holz-Stahl-Konstruktionen.

Im Unterschied zum 1100er wurde der Hansa 1700 nur bis 1937 gebaut – dennoch findet man auch von ihm etliche zeitgenössische Fotos, die bleibenden Eindruck machen – hier in Gestalt des Cabriolets:

Hansa 1700 Cabriolimousine; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Leider blieb dem 6-Zylinder-Hansa nicht erspart, ab 1939 für die keine Himmelsrichtung auslassenden Kriege des „Dritten Reichs“ eingezogen zu werden.

Wer keinen unabweisbaren Bedarf nachweisen konnte, den Wagen weiter zu fahren, musste ihn gegen eine keineswegs marktgerechte Entschädigung an das Militär abtreten.

Wie schon im 1. Weltkrieg gab es freilich auch Fälle, in denen die Besitzer das aus Überzeugung freiwillig taten. Ein Beispiel dafür könnte die folgende Aufnahme zeigen, die ich bisher noch nicht präsentiert habe.

Hier könnte die einstige Besitzerin mit einigen Soldaten posieren, die ihr den frisch in Feldgrau lackierten Hansa 1700 noch einmal vorführten, bevor es in den Einsatz ging:

Hansa 1700 Cabriolimousine; Originalfoto: Sammlung Jörg Pielmann

Wer eine andere (bessere) Erklärung für diese bemerkenswerte Aufnahme hat, die ich Leser Jörg Pielmann verdanke, kann sie gerne via Kommentarfunktion darlegen.

So oder so landeten die robust gebauten und mit gut 1 Tonne Gewicht gleichzeitig recht leichten Wagen in den unmöglichsten Situationen, wie es das Schicksal unzähliger deutscher und ausländischer beschlagnahmter Zivil-PKW war.

Folgende Aufnahme zeigt ein Exemplar des Hansa 1700, das von einem hohen deutschen Offizier namens Von der Wrede als Dienstfahrzeug im Winter genutzt wurde:

Hansa 1700; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Man könnte gut auf diese bleibenden Eindrücke aus unserer jüngeren Geschichte verzichten, kommt aber an ihnen nicht vorbei.

Sie mahnen nicht nur zu strikter Zurückhaltung, was den neuerlichen Aufbau militärischer Macht über eine reine Grenz-und Verteidigungstruppen hinaus betrifft.

Diese Zeugnisse veranschaulichen auch etwas, was Vorkriegsautos in vielen Fällen besonders macht – jenseits ihrer speziellen Formgebung: Sie waren Zeugen größter geschichtlicher und gesellschaftlicher Umbrüche und Katastrophen.

Die überlebenden Fahrzeuge sind häufig die letzten greifbaren Relikte des damaligen Geschehens. Das sind Exemplare, welche die „Stunde Null“ überdauerten und nach dem 2. Weltkrieg in einem in vielerlei Hinsicht neuen Deutschland nochmals wertvolle Dienste leisteten.

Diese Cabrio-Limousine wurde – eventuell mit erneuertem Verdeck – nach dem Krieg noch eine Weile im britisch besetzten Rheinland (vermute ich) gefahren:

Hansa 1700 Cabriolimousine; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Das könnte es schon gewesen sein für heute – wenn ich da nicht noch etwas hätte, was das Thema „Bleibender Eindruck“ auf besondere Weise verkörpert.

Tatsächlich war es das gleich folgende Foto, das mir die Idee zur heutigen Zeitreise mit dem Hansa 1700 lieferte – die Story schrieb sich dann wie meist von alleine.

Meine weitgehend instinktive Technik, mit der ich schon als Schüler leichterhand endlose Aufsätze zustandebrachte, entschuldigt auch alle Schnitzer, welche die erste Version enthält, die ich erst nach Publikation am nächsten Tag noch einmal durchzugehen pflege.

Hier aber nun der für heute letzte bleibende Eindruck vom Hansa 1700:

Hansa 1700; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Nett, nicht? Jetzt könnte zwar einer sagen, dass dieser in Leipzig zugelassene Hansa 1700 seinen vermeintlich bleibenden Eindruck auf dem Kotflügel bald wieder korrigiert bekam.

Gewiss, aber haben Sie auch den Fingerabdruck auf der Kühlerpartie gesehen? Diesen bleibenden Eindruck konnte kein Spengler in den letzten 90 Jahren ausbügeln.

Ich hätte das retuschieren können, so wie ich störende Flecke, Streifen oder Fehlstellen in aller Regel möglichst entferne. Doch dieser Fingerabdruck – von wem und wann er auch stammt – war mir willkommen, den wollte ich als bleibendes Sinnbild erhalten…

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Welche Klasse!? Ein Fiat „Tipo 3“ in Ungarn

Heute wird es wieder mal (vordergründig) politisch – denn wir müssen uns mit der Klassenfrage auseinandersetzen.

Meine ostdeutschen Leser werden dabei vielleicht schmunzeln, sofern sie noch das sozialistische Massenexperiment in der DDR erleben „durften“. Dort war es offiziell überaus wichtig, auch Alltagsfragen vom „richtigen“ Klassenstandpunkt aus anzugehen.

Das ist zwar zum Glück Geschichte, wenngleich ähnlich alberne Übungen im Sachen „richtige“ Haltung zu aktuellen Fragestellungen inzwischen gefragt sind. Doch heute nichts davon – die desolaten politischen Verhältnisse und ihre Protagonisten kommentieren sich ohnehin selbst am besten.

Allerdings kommen wir nicht ganz an der Politik vorbei – und zwar an der ganz großen vor weit über 100 Jahren, deren Folgen in einigen Regionen Europas bis heute fortwirken.

Anlass zu dergleichen Betrachtungen gab mir das folgende Foto, das mir Leser Matthias Schmidt aus Dresden in digitaler Kopie übermittelt hat:

Fiat Tipo 3; Originalfoto: Sammlung Matthias Schmidt (Dresden)

„Welche Klasse!“, möchte der Freund von Veteranenautos auf alten Fotos hier ausrufen. In der Tat – hier stimmt einfach alles: perfekte Perspektive, beste technische Qualität, ausgezeichnete Erhaltung und ein Klassewagen obendrein.

Das Auto lässt sich an dem birnenförmigen Kühler als ein Fiat identifizieren, wie er ab 1914 serienmäßig verbaut wurde, beginnend mit dem Tipo 2B. Von diesem zuletzt rund 30 PS starken Modell entstanden bis 1920 über 20.000 Stück, damals eine enorme Zahl.

Der Fiat auf dem heute vorgestellten Foto dürfte allerdings eher der große Bruder gewesen sein – der Tipo 3 mit rund 50 PS Leistung. Dafür sprechen die weit größeren Bremstrommeln an der Hinterachse in Verbindung mit Drahtspeichenrädern.

Da Italien nach Beginn des 1. Weltkriegs bis 1915 neutral blieb, wurden Fiats mit dem neuen birnenfömigen Kühler noch eine ganze Weile auch an die späteren Gegnerstaaten wie Deutschland, Österreich und Ungarn geliefert.

Auch die österreichische Tochtergesellschaft Austro-Fiat produzierte entsprechende Modelle für den heimischen Markt. Das erklärt aus meiner Sicht, weshalb der Fiat Tipo 3 mit der ab 1914 üblichen Kühlerform offensichtlich auf Seiten des ungarischen Militärs genutzt wurde.

Wieso „offensichtlich„?, werden Sie jetzt vielleicht fragen. Nun, weil auf dem Gebäude im Hintergrund etwas in Ungarisch geschrieben steht.

Wenn Sie jetzt sagen „Das ist ja Klasse!„, dann haben Sie recht. Doch offen bleibt vorerst, welche Klasse mit „OSZTÁLY“ gemeint ist. Jedenfalls interpretiere ich die Inschrift so, ohne von Ungarisch auch nur die geringste Ahnung zu haben.

Vielleicht vermag es ja ein Leser zu sagen, wie die Klassenfrage hier richtig zu beantworten ist.

Unterdessen habe ich mir erlaubt, mich selbst als Klassenprimus zu inszenieren, indem ich mit dieser selbstgeschaffenen Interpretation des Klasseautos von Fiat in Vorlage gehe:

Fiat Tipo 3; Originalfoto: Sammlung Matthias Schmidt (Dresden); Kolorierung: Michael Schlenger

Was sagen Sie dazu? Ich meine: Es ist eine Klasse für sich, was man mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts aus den Zeugnissen der Vergangenheit zaubern kann, ohne diesen die Würde des Originals zu nehmen.

Im Gegenteil: In Farbe begegnet uns die Welt von gestern so natürlich und lebendig, wie sie einmal war. Das ist keine Spielerei, das ist ein Fortschritt gleich um mehrere Klassen…

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Frühling, frische Farben! Ein Presto 6-Zylinder von 1927

Nur noch wenige Tage, dann ist Mai – und der ersehnte Frühling hat sich endlich eingestellt.

Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekommen ist, in Deutschland schon im März das Ende des Winters auszurufen. Nach meiner langjährigen Wahrnehmung gibt es im März vielleicht eine schöne Woche, die einen voreilig auf die Ankunft des Frühlings hoffen lässt.

Nachdem man den Winter wie in einem Film-Noir zugebracht hat (auf der Leinwand durchaus willkommen), registrieren die monatelang arbeitslosen Farbsensoren dankbar jede kleine Blüte.

Aber die Euphorie wird mit (un)schöner Regelmäßigkeit wieder gedämpft, denn der Frühling mit seiner Explosion von Farben hält dann doch erst einige Wochen später Einzug.

In meiner Heimatregion – der hessischen Wetterau – sprießt und leuchtet es nun seit einigen Tagen, frisches Blattwerk entfaltet sich freudig, die Apfelbäume blühen üppig. Die Tulpen und der Flieder sind zwar schon „durch“, doch dafür erfreut zartblaues Vergißmeinnnicht überall das empfängliche Herz.

Noch ein, zwei Wochen milde Temperaturen und auch die Rosen mit ihrem bereits kräftigen Blattwerk beginnen die Augen aufzutun.

Es ist wie ein neues Leben, das auch in einem selbst frische Energien weckt. Die kann ich in meinem aktuellen Gartenprojekt gut gebrauchen: eine Korkenzieher-Haselnuss hat über 50 Jahre einen baumdicken Stamm entwickelt, wirkt aber zuletzt kränklich und muss der jüngeren Generation weichen – so will es es nicht nur das Gesetz des Gärtners.

Gut, dass ich nicht ahnte, worauf ich mich einließ – das Teil mit seinem tiefreichenden Wurzelwerk musste letztlich ganz ausgegraben werden, damit am selben Ort etwas Neues gedeihen kann. Von der Axt bis zur Kettensäge wird alles aufgeboten, über den Winter ermattete Muskelkraft will reaktiviert, die Beweglichkeit wiederhergestellt werden.

Wenn man dann abends jeden Strang im Leib spürt und die Hände rauh vom Arbeitseinsatz sind, dann weiß man: Der Frühling ist da, frisch ans Werk!

Mit solchem neuen Schwung geht es direkt hinein in den Bilderfundus – aber ach: Das ist ja wieder alles „nur“ in Schwarz-Weiß…

Presto Typ F 10/50 PS bzw. Typ G 12/55 PS, Baujahr: 1927; Originalfoto: Sammlung Klaas Dierks

Natürlich ist das ein Luxusproblem, wenn man es mit so einem schönen Foto einer großen Sechszylinder-Limousine zu tun hat und sich allenfalls über die Absenz von Farbe beschweren kann.

Die Aufnahme hat mir Leser Klaas Dierks in digitaler Form zur Verfügung gestellt und dank meiner inzwischen immer mehr zur Referenz werdenen Bildergalerien hatte er auch bereits herausgefunden, was er da für einen Fang gemacht hatte.

„Presto“ steht vorne auf dem Kühlergrill und auch das Kühleremblem passt perfekt zu dieser deutschen Traditionsmarke aus Chemnitz (Sachsen). Nach dem enorm erfolgreichen Typ Vierzylindertyp D bzw. E versuchte man Ende 1926 mit einem modernen Sechsyzlindermodell erneut aufzutrumpfen.

Doch inzwischen begannen preisgünstigere, moderner anmutende und besser ausgestattete Importwagen aus den Vereinigten Staaten dieses Segment des deutschen Markts zu erobern – einheimische Hersteller zogen hier durchweg den kürzeren.

Wirtschaftlich war der neue Sechszylindertyp F 10/50 bzw. G 12/55 PS offenbar ein Fiasko und Konkurrent NAG übernahm Presto Ende 1927.

So sehen wir auf dem Foto von Klaas Dierks das letzte Presto-Modell überhaupt.

Doch anstatt deswegen in Sack und Asche zu gehen, nehmen wir den Frühlingsanfang zum Anlass, dem Foto mit frischer Farbe zu dem neuen Leben zu verhelfen, das es verdient:

Presto Typ F 10/50 PS bzw. Typ G 12/55 PS, Baujahr: 1927; Originalfoto: Sammlung Klaas Dierks; Kolorierung: Michael Schlenger

Das von mir verwendete KI-Werkzeug hat meine Vorgaben auf Anhieb in allen Details umgesetzt – diese Anwendungen werden in rasantem Tempo immer besser.

Leider findet dieser Fortschritt in Deutschland nicht statt, das nicht nur in Sachen IT so rückständig ist wie einst auf dem Autosektor in den 1920er Jahren.

Immerhin bekam man damals noch einigermaßen die Kurve, auch wenn es bis in die 60er Jahre dauern sollte, bis das Auto auch in deutschen Landen die wahrhaft demokratische Errungenschaft geworden war, die ich so daran schätze.

Ob heute hierzulande nochmals ein solches „Wirtschaftswunder“ möglich ist, das bezweifle ich. Was im Unterschied zu damals fehlt sind: höchste Bildungsstandards, unbedingter Aufstiegswille, ausgeprägter Wettbewerbsgeist, lustvolle Erwerbsorientierung – und das Ganze im weitgefassten Rahmen eines auf’s Notwendige beschränkten Staatswesens.

Immerhin können wir uns den Glanz von anno dazumal heute so auf den Bildschirm zaubern als seien wir dabeigewesen, wenigstens das stimmt doch frühlingshaft…

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Das Mirakel von Altötting: Ein AF1 der ÖAF…

Eines gleich vorab: der mysteriöse Titel mit verstörendem Buchstabensalat stammt von mir – dafür kann Leser Erhard Schmidt nichts, der mir eine hübsche kleine Geschichte nebst selten schönem Autofoto eingeliefert hat.

Eigentlich schuld an der Begriffsverwirrung ist ohnehin jemand anderes und die Sache ist längst verjährt: Dazu müssen wir zurück in die frühen 1920er Jahre, als die Österreichische Automobil-Fabrik AG (ÖAF) die Nachfolge der Österreichischen Fiat-Werke (bzw. Austro-Fiat) antrat, die bis dato Automobile nach Fiat-Patent gebaut hatte.

Nach dem 1. Weltkrieg produzierte man eigenständige Konstruktionen, „vergaß“ aber, diesen einen eingängigen Markennamen zu verpassen. „ÖAF“, das klingt wie der letzte Seufzer eines ans Spritmangel eingehenden Motorvehikels der alten kuk-Welt.

Doch wie so oft in der Automobilgeschichte fand der Volksmund eine Lösung für das Problem. Aus alter Gewohnheit und weil es irgendwie erhebend klingt, nannte man die ÖAF-Kreationen einfach weiterhin „Austro-Fiat“.

Dazu passend hatte ein subversiver Schlauberger bei der ÖAF die interne Typbezeichnung „AF“ für die Nachkriegsmodelle festgelegt – das konnte einfach für „Auto-Fabrik“ stehen, aber jeder mit Traditionsbewusstsein, assoziierte „Austro-Fiat“ damit.

Dass es im Alltag sogar zu einer Rolle rückwärts kommen konnte und so ein „Austro-Fiat“ der ÖAF völlig kontrafaktisch nur noch als „Fiat“ bezeichnet wurde, diese kuriose Erkenntnis verdanken wir (unter anderem) der folgenden Story von Erhard Schmidt:

Beim Stöbern auf der Verkaufs-Plattform ebay fand ich diese rund 100 Jahre alte Aufnahme, die einen offenen Kraftwagen in der einst als Torpedo benannten Karosserieform zeigt – mit zwei Damen und ebensovielen Herren darin bzw. drumherum.

Auf der Rückseite des Abzugs war als Aufnahmeort der Wallfahrtsort „Altötting“ in Oberbayern vermerkt.

Austro-Fiat AF1 in Altötting; Originalfoto: Sammlung Erhard Schmidt

Zunächst erkundete ich den Hintergrund der Aufnahme, welche die uralte Altöttinger Gnadenkapelle sowie dahinter den Kirchturm von St. Magdalena zeigt.

Betrachtet man heute diesen Ort, so ist dieser baulich weitestgehend unverändert; man darf sich bloß vom scheinbar gleich hoch fortgesetzten Giebelverlauf hinter der Gnadenkapelle auf dieser Aufnahme nicht irritieren lassen.

An dieser Stelle erlaube ich mir als Blogwart folgende Ergänzung: Ausgerechnet unter dem simpel wirkenden Spitzturm in Bildmitte ist ein Kleinod der frühen deutschen Architekturgeschichte verborgen – eine als Oktogon gestaltete Taufkapelle nach Vorbildern aus dem Mittelmeeraum – entstanden wohl im 8/9. Jh. im Zusammenhang mit der karolingischen Königspfalz am selben Ort. Dieser Kernbau hat mit dem sich erst im späten Mittelalter entfaltenden Walllfahrtskult in Altötting nichts zu tun.

Nun hat wieder Erhard Schmidt das Wort:

Der beschrifteten Rückseite war außer Altötting als Ortsangabe zu entnehmen, dass hier ein gewisse Annemie in ihrem Fiat zu sehen sei. Erwähnt werden außerdem drei weitere Personen: ein Kommerzienrat Illein und ein Ehepaar Dr. Jacobs.

Austro-Fiat AF1 in Altötting; Originalfoto: Sammlung Erhard Schmidt

Da wohl eine der Damen dieses Fiat Annemie hieß, erschien mir eine alpenländische Herkunft naheliegend und so interpretierte ich den Buchstaben D als Hinweis auf eine Salzburger Zulassung.

Das von Marita Krauss herausgegebene Buch über die bayerischen Kommerzienräte jener Zeit werde ich noch sichten, um den erwähnten Herrn Illein vielleicht noch näher kennenzulernen.

Was für einen Fiat man nun genau hier sieht, das bleibt ebenfalls zu klären. Mit einer Insassin namens Annemie, einem Kommerzienrat und einem Ehepaar mit Doktortitel ist dieses Bilddokument doch gewiß bemerkenswert!?“ 

In der Tat, kann ich als Blogwart feststellen und bedanke mich ausdrücklich nochmals bei Erhard Schmidt, dass er uns an diesem Mirakel von Altötting teilhaben lässt, welches freilich nur vordergründig mit dem Wunder zu tun hat, welches die Volksfrömmigkeit dort seit Jahrhunderten verortet.

Wahrhaft wunderbar sind vielmehr die Wege, auf denen dieser vermeintliche Fiat es bis in unsere Tage geschafft hat und uns eine seltene Gelegenheit gibt, den Kreationen der ÖAF der frühen 1920er Jahre nachzuspüren.

Denn dass wir es hier mit einem weiteren Exemplar des AF1 9/32 PS zu tun haben, der uns bisher nur sporadisch begegnet ist, davon bin ich als Wallfahrer in der Wunderwelt des Vorkriegsautomobils tief überzeugt…

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Wenigstens die Fassade wahren… Ein Vauxhall 14 Light 6

Wenn die Fassade bröckelt, gilt es, zumindest vordergründig den schönen Schein zu wahren.

Diesem Motto folgend nutzte ich das prächtige Wetter heute dazu, der alten Ziegelsteinhalle, in der meine historischen Gefährte wohnen, ein wenig auf den Putz zu rücken. Eigentlich wollte ich nur ein paar lose Stücke entfernen und nach Potemkinscher Manier übermalen, damit der erste Eindruck erhalten bleibt.

Dummerweise kam dabei mehr herunter als erwartet – mehrere Generationen hatten sich in den letzten 120 Jahren an dem Bau vergangen. Auf Ziegelmauerwerk immer wieder neue Putzschichten aufzutragen und zu überpinseln, ist letztlich keine gute Idee.

So machte ich dort Tabula Rasa, wo es leicht von der Hand ging, also an einem Großteil der Fassade. Darunter ein ganz alter dünner Putz mit viel Sand, typisch für die arme Wetterau. Das ganze wird nun stabilisiert, unebene Stellen rustikal aufgefüllt, damit es zur Gesamtoptik passt und dann kommt wieder Farbe drauf.

Das Ganze wird mich eine Weile beschäftigt halten neben allem anderen, was es an einem alten Anwesen zu tun gibt. Gut für Körper und Geist nebenbei – wer historische Immobilien und Mobilien hat, braucht keine (anderen) Therapien.

Passenderweise kann ich mich heute im Blog weiterhin mit dem Thema Fassade beschäftigen, zumindest vordergründig.

Hier sehen wir nämlich vorbildlich, wie man die Haltung weiter wahrt, auch wenn die Fassade grau zu beginnen wird:

Vauxhall 14 Light 6; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Im Englischen sagt man übrigens „to keep up appearances“ für „die Fassade aufrechterhalten“ und dieses Foto illustriert genau das nahezu vollkommen.

Die Aufnahme mit dem älteren Herrn im Nadelstreifenanzug entstand nämlich 1950 in Portsmouth. England hatte den 2. Weltkrieg mit größter Mühe (und mit ein wenig Hilfe der abtrünnigen Kolonie in Übersee…) überstanden.

Deutsche Bombardierungen hatten zwar nur lokal die Fassaden zerstört – in den betroffenen Städten allerdings heftig – doch die (wie in Frankreich) von Lenkungswahn geprägte staatliche Wirtschaftspolitik verhinderte, dass die Marktkräfte in einer Weise wie in Deutschland freigesetzt werden konnten.

Der vermeintliche Kriegssieger hielt bis 1954 an Rationierungen fest, besteuerte „die Reichen“ in enteignungsgleicher Weise und verstaatlichte rund ein Fünftel der Volkswirtschaft.

Unter solchen der Produktivität und Prosperität abträglichen Bedingungen fiel es schwer, die Fassade zu wahren selbst dann, wenn man glimpflich durch den Krieg gekommen war.

Während die amerikanischen GIs nach der Heimkehr Vorkriegsautos nur noch als Basis für heißgemachte Rennvehikel („Hotrods“) ansahen, wurden im verbündeten Großbritannien wie in Deutschland lange Zeit weiter Wagen der 30er Jahre im Alltag gefahren.

In deutschen Landen galt damals ein überlebender Opel 6 als heißbegehrt und geradezu exklusiv. Dasselbe war auf der Insel der Fall – bloß in Gestalt des Schwestermodells Vauxhall 14 Light 6:

Vauxhall 14 Light 6; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Erst diese zweite Aufnahme, die wohl am selben Tag in Portsmouth entstanden war, erlaubte mir die Identifizierung.

Wie Opel auch war die altehrwürdige britische Marke „Vauxhall“ bereits in den 1920er Jahren vom amerikanischen General Motors-Verbund übernommen worden.

Die einst prächtige Fassade von Vauxhall lebte nur noch in Form der markanten Kühlergestaltung mit den beiden seitlichen Einkerbungen fort, deren Profil sich in der Motorhaube fortsetzte – auch auf dem ersten Foto zu sehen.

Der schon etwas mitgenommene Wagen mit repariertem Schaden am rechten Vorderkotflügel lässt sich als das verbreitete 6-Zylindermodell „14“ von Vauxhall identifizieren.

Die Zahl 14 steht für die britischen Steuer-PS – eine komplizierte Bürokraten-Formel, die wie in einigen europäischen Ländern weder der tatsächlichen Leistung noch dem Hubraum entspricht.

Vermutlich wollte man kaschieren, dass man damit eine zusätzliche Vermögenssteuer geschaffen hatte, die nicht an Kaufpreis oder Verbrauch anknüpft. Sie fällt nämlich auch dann, wenn man gar nicht fährt…

Dass es keine schlüssige steuersystematische Begründung für dieses Relikt gibt, fällt dem abgabengeplagten Untertan aber längst nicht mehr auf (die Sektsteuer lässt grüßen).

Jedenfalls kam der britische Vauxhall mit einem 1,8 Liter-Sechszylinder daher, der dank im Zylinderkopf hängender Ventile 43 PS leistete. Das deutsche Pendant Opel 6 kam „dank“ veralteter Technik trotz 1,9 Liter-Motor nur auf 35 PS.

Der Vauxhall war damit zwar deutlich agiler, doch dafür bot der Opel hydraulische Bremsen und war einer geräumigeren Pullman-Version verfügbar, die gern als Taxi gefahren wurde.

So oder so vermochte man im Nachkriegsengland nicht, den „bloody Germans“ in Sachen automobiler Alltag den Rang abzulaufen.

Vordergründig die Haltung und Fassade wahren, das gelang dem Paar ganz gut, das wir heute mit seinem Vauxhall kennengelernt haben. Aber nach strategischem Sieg sieht die Sache nicht gerade aus.

Aber so etwas soll es ja auch in der Gegenwart geben, in der gern mit Getöse darüber hinweggetäuscht wird, dass man hinter der Fassade doch nicht so blendend dasteht…

Nachtrag: Das Kennzeichen wurde ab Juli 1936 im County Lancashire ausgegeben, was zum Erscheinungsbild des Vauxhall (1935/36) passt..

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Davon träumt der Busfahrer… Ein „Bolide“ von 1906

Wer beim letzten Blog-Eintrag aufgepasst hat, konnte bereits ahnen, was ich heute im Programm habe – eine eher seltene Ausnahme übrigens.

Meist weiß ich ja selbst noch nicht, wo ich bei dieser abendlichen Beschäftigung lande, welche übrigens eine meiner Meditationsmethoden ist, neben händischem Rasenmähen, Löwenzahnstechen, Kleinholzmachen, Reinigung von Oldtimerteilen und dergleichen.

Nun aber „muss“ ich mich dem in Aussicht gestellten „Boliden“ widmen, der keineswegs irgendein rasantes Vorkriegsgeschoss war, ich habe heute also keinen Ermessensspielraum. Das schränkt mich aber nicht im geringsten ein, zumal ich selbst fast nichts über den Wagen weiß, also freie Hand habe, was die Story angeht.

Erstmals begegnete mir besagter Bolide auf dieser Aufnahme, die wohl in den 1960er Jahren in der DDR bei einer der dort zahlreichen Veteranenveranstaltungen entstand:

Bolide von 1906; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Wer sich unter einem Boliden etwas anderes vorgestellt hat als so ein relativ einfaches Pionierfahrzeug aus der Zeit weit vor dem 1. Weltkrieg, mag jetzt enttäuscht sein.

Das hätten Sie aber bereits dem Titel entnehmen können. Denn Busfahrer sind für gewöhnlich bedächtige Zeitgenossen, die auch privat nicht zu Exzessen neigen, jedenfalls nicht, was die Fahrdynamik der von ihnen bewegten Automobile betrifft.

Wenn ein Buslenker sich für einen Boliden erwärmt, muss das schon etwas sein, was seinem behäbigen Charakter gemäß ist. Nun könnte man einwenden, dass ein Busfahrer doch auch einer sein kann, der bloß im Bus mitfährt, aber ansonsten stark motorisierte Gefährte und einen engagierten Fahrstil schätzt.

Theoretisch möglich, aber zumindest in meinem Heimatort Bad Nauheim scheinen mir doch die Vertreter der gemütlichen Fraktion als Passagier im Bus unterwegs zu sein.

Die Schüler sausen bei passablem Wetter fahrplanunabhängig mit dem Elektroroller oder dem 125er-Krad durch die Gegend und die gerade Volljährigen sind mit dem Auto unterwegs, so früh es geht. Denn beides führt und fährt von Tür zu Tür, schleicht nicht endlos über Land und macht Spaß.

Diese potenziellen Busfahrer fallen schon einmal aus, die wollen mit eigenen PS unterwegs sein – gern auch modifiziert und selbstgewartet, was ich mit Wohlgefallen betrachte.

Bleibt also nur der Buslenker selbst als Kandidat, dessen heimliche Sehnsucht dem Boliden auf dem eingangs gezeigten Foto gilt.

Lange Zeit hatte ich keine Ahnung, worum es sich beidem abgebildeten Fahrzeug handelt – nur dass es wohl ein französisches Fabrikat war, das dachte ich mir. Das lag auch nahe, waren es doch die in die hunderten Firmen in Frankreich, die ab 1900 das Automobil im Alltag richtig zum Laufen brachten.

Dazu zählten auch die 1899 von den Ingenieur Léon Lefebvre bei Paris gegründeten „Etabilissements Cycles & Moteurs Bolide“. Der Markename „Bolide“ weckte die Assoziation „Feuerball“ oder „Meteor“, was bei einigen großvolumigen Sportmodellen auch eingelöst wurde.

Daneben fertigte man Alltagsfahrzeuge mit zugekauften Motoren (Aster, DeDion-Bouton), wobei die Palette von Einzylindern bis zu Sechszylindern reichte. Irgendwann vor 1910 endete die Produktion – so ganz genau ist das im Netz nicht überliefert.

Nur eines ist sicher: Ein solcher „Bolide“ von 1906 hatte irgendwie in Deutschland die Zeiten überdauert und wurde nach dem 2. Weltkrieg vom Dresdner Busunternehmer W. Kaute wieder auf die Straße gebracht.

Das lässt sich kaum trefflicher und schöner illustrieren als durch dieses schöne Foto, das ich über Leser Matthias Schmidt (Dresden) erhalten habe:

Bolide von 1906; Originalfoto via Matthias Schmidt (Dresden)

Ist das nicht wunderbar, wie gekonnt hier das Zusammentreffen zweier Welten inszeniert ist? Der moderne Omnibus mit dem stilisierten Adler auf der Seite und dem Fahrer, der sich nach dem „Boliden“ umschaut, der genau nach seinem Geschmack zu sein scheint.

Vielleicht waren es aber auch Firmenchef W. Kaute nebst Gattin und Tochter, die hier stilvoll gekleidet seine Aufmerksamkeit einfordern.

Davon träumte jedenfalls einst der Busfahrer – irgendwann selbst so einen Wagen aus der Frühzeit des Automobils besitzen zu können und sie den staunenden Mitbürgern als Zeugen einer Zeit präsentieren zu können, deren kreative Kräfte nicht von Planvorgaben beschränkter Politiker und überbordenden Regularien stranguliert wurden.

Das moderne Automobil und damit auch die Boliden unserer Tage würden nicht existieren, hätte es schon damals die Bürokratie, die Gesellschafts“visionen“ und den Enteignungsfuror wie später in (Ost)Berlin oder Brüssel gegeben. Auch der Busfahrer von heute träumt nicht von einem tristen Dasein mit Lastenrad, Reglementierung und Rationierung allerorten…

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Nicht wirklich alt – oder doch? Ein Delage von 1933

Kennen Sie das? Da hat jemand die 80 schon eine Weile hinter sich, vergisst hin und wieder mal etwas und entschuldigt sich dann: „Bin halt halt...“.

Als Experte für die automobile Welt von gestern und Kenner wirklicher Alters-Erscheinungen auf historischen Fotos kann ich das natürlich nicht gelten lassen.

Nicht nur ist mir das Vergessen von allem Möglichen auch schon mit Ende 50 nur zu vertraut – ich fühle mich deshalb kein bisschen alt. Vielmehr muss etwas schon aus der Vorkriegszeit stammen, um bei mir als wirklich alt durchzugehen.

Und wenn es dann auch noch als Warnhinweis gleich zweimal draufsteht, dann könnte man meinen, dass etwas sich das Attribut „alt“ wahrlich verdient hat:

Delage Coupé um 1933; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Wie man rein vordergründig mit dem Alter kokettiert, das bekommen wir hier auf bemerkenswerte Weise vorgeführt.

Manchem mag auch der sympathische Aufkleber in Erinnerung kommen, der im letzten Jahrhundert gut abgehangene Gebrauchtwagen zierte: „Alt, aber bezahlt“.

Man darf auch hier sicher sein, dass der schmucke Wagen auf diesem Foto längst abbezahlt war, als er irgendwo im frühen Nachkriegsengland abgelichtet wurde.

Ich habe indessen meine Zweifel, dass unter meinen Leser einer darauf kommt, mit was für einem enorm sportlichen Coupé wir es hier zu tun haben.

Zwar kann ich auch mit einem Foto aufwarten, welches dasselbe Auto am identischen Ort zeigt, aber ich muss zugeben, dass ich mich lange Zeit schwertat, diesem Gerät den richtigen Namen zuzuordnen:

Delage Coupé um 1933; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Mein Fehler bestand darin, dass ich mich von der britischen Kennzeichnung als ALT in die Irre führen ließ und mutmaßte dass es sich auch um einen rüstigen Rentner aus Britannien handeln dürfte.

Die niedrige Silhouette ließ mich jedenfalls meinen, dass dies ein angelsächsisches Fabrikat sein dürfte. Doch wollte mir auf Grundlage dieser These keine Identifikation gelingen – der Vorkriegswagen ließ vielmehr mich alt aussehen.

Erst auf Umwegen kam ich darauf, dass wir hier einen Wagen aus Frankreich sehen, der auf der Insel den Krieg dank seines Exotenstatus überstanden hatte.

Das Großartige ist, dass genau dieses Fahrzeug noch heute existiert und ich es deshalb so genau identifizieren konnte, weil es halt den Hinweis „ALT“ so deutlich trägt.

Mit der Kennung ALT 753 wurde nämlich im September 1933 im Raum London ein Delage des 8-Zylindertyps D8S zugelasse. Dabei handelte es sich um die 120 PS leistende Sportversion des klassischen Delage D8 mit 4,1 Liter-Reihenachtzylinder, der noch aus den späten 20er Jahren stammte.

Diese Sportversion mit verkürztem Radstand und niedriger Silhouette wurde seinerzeit mit Spitze 150 km/h gestoppt und war damals eines der schnellsten Serienautos in Europa.

Das mit der Serie ist freilich sehr relativ zu verstehen – denn von der Sportversion des Delage entstanden damals über mehrere Jahre keine hundert Exemplare, die von äußerst wohlhabenden Käufern erworben wurden.

Dieser spezielle Wagen weist überdies die Besonderheit auf, dass er mit einer britischen Karosserie ausgeliefert wurde – sein Maßanzug stammte von Freestone & Webb (London), was die britische Anmutung erklärt, die mich zunächst in die Irre führte.

Sie sehen, so gesehen ist das mit dem „alt“ sein doch durchaus erbaulich und das Attribut steht einem sportlichen Vertreter der Generation über 90 gut zu Gesicht. Im England der frühen Nachkriegszeit war so ein Wagen in der Oberklasse formal wie leistungsbezogen durchaus noch zeitgemäß.

Fazit: Wenn es nach mir geht, muss man in unseren Tagen schon über 100 sein, um heute wirklich alt auszusehen. Schauen wir mal, ob sich nicht vielleicht demnächst ein Bolide findet, der dieses Kriterium erfülllt…

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Immer dieser Leistungsdruck: Stoewer „Gigant“ Cabrio

Nachdem der Fund des Monats März dem Besuch eines alten Freunds „zum Opfer gefallen“ war – wir diskutierten die Weltlage noch weit nach Mitternacht draußen in der Kälte – muss ich nun an schon gewohnheitsmäßig erwartete Standards anknüpfen.

Als Freund des Leistungsprinzips als Leitstern für alle, die nicht objektiv gehandicapt sind – sonst wird das nämlich nichts mit dem Wahren der Standards im Wettbewerb – will ich den Ausfall wieder gutmachen, indem ich mich heute ganz nach oben orientiere.

Zu den Sternen geht es dabei zwar nicht ganz – die Mercedes-Freunde müssen sich gedulden – aber ein spektakuläres Erlebnis wird es trotzdem werden.

Seit Erfindung von allerlei Fahr- und Flugmaschinen kommt dem Menschen als Bezwinger von Zeit und Raum die gnadenlose Anwendung des Leistungsprinzip entgegen – die verkürzte Formel lautet von jeher: viel hilft viel.

Bei den Automobilen war das lange Zeit der Hubraum, der durch nichts zu ersetzen war, wenn es darum ging, ein Maximum an Leistung auf die Straße zu bringen.

Zwar gab es schon früh im Rennsport auch raffiniertere Methoden des PS-Zuwachses – mehr Ventile, direkte Steuerung derselben, optimierte Strömung im Einlass und Auslass.

Doch lange überwog die einfache, aber effektive Methode amerikanischer Großserienwagen: Mehr Hubraum liefert zuverlässig mehr Schub, auch wenn die Spritrechnung dann höher ausfällt.

Den Grundsatz machte sich auch der Stettiner Nischenhersteller Stoewer Ende der 1920er Jahre zunutze. Nachdem man 1928 mit einem 2 Liter-Aggregat in die exklusive Welt der 8-Zylinder-Wagen aufgestiegen war, baute man binnen eines Jahres immer größere Varianten: 2,5 Liter (10/50 PS), 3,6 Liter (14/70 PS) und dann 4 Liter (15/80 PS).

Die letztgenannte Variante wurde unter anderem mit spektakulärem Aufbau als Sport-Cabriolet angeboten. Das ist mir zuerst in Form eines Zigaretten-Sammelbilds der frühen 1930er Jahre begegnet:

Stoewer G15 15/80 PS „Gigant“ Sport-Cabriolet; zeitgenössisches Zigaretten-Sammelbild (Sammlung Michael Schlenger)

Der bärenstarke Wagen wurde bemerkenswert häufig gebaut – jedenfalls für ein Manufakturauto der absoluten Luxuskategorie – nämlich laut Literatur in rund 650 Exemplaren.

Man möchte das kaum glauben, denn überlebt haben dürfte davon kaum einer, oder?

Bei der nächsten Gelegenheit, die ich Leser Wolfgang Spitzbarth verdanke, wirkte der Wagen noch beeindruckender und vor allem wirklichkeitsnäher.

Stoewer G15 15/80 PS „Gigant“ Sport-Cabriolet; Foto via Wolfgang Spitzbarth

Dieses Exemplar wurde offensichtlich bei einer der zeittypischen Concours-Veranstaltungen fotografiert, bei denen Privatbesitzer ihre Wagen einem anspruchsvollen Publikum präsentierten.

Dabei musste es sich nicht notwendigerweise um einen Spezialaufbau handeln, aber auf jeden Fall um ein exklusives Modell. Tatsächlich war die Ausführung als Sport-Cabriolet ein „Standard“ im Stoewer-Programm, wenn man davon bei einem Luxusgerät reden kann.

Heute habe ich das Vergnügen, ein fast identisches Exemplar in „freier Wildbahn“ präsentieren zu können – nur die Zahl der horizontalen Luftschlitze in der Motorhaube unterscheidet sich geringfügig (sieben statt sechs).

Die Gelegenheit dazu verdanke ich Leser Klaas Dierks, der uns dieses Prachtstück aus seiner Sammlung in digitaler Form zur Verfügung gestellt hat:

Stoewer G15 15/80 PS „Gigant“ Sport-Cabriolet; Originalfoto: Sammlung Klaas Dierks

Hier wird vielleicht noch verständlicher, warum Stoewer sein damaliges Spitzenmodell unter der Bezeichnung „Gigant“ auf den Markt brachte.

Man erkennt auch besser den Effekt der geschwungenen Schwellerpartie unterhalb der Tür, die dem 5,15 Meter langen Wagen die nötige optische Spannung gibt.

Die Leistung, die Stoewer mit diesem enormen offenen Zweitüer ablieferte – ästhetisch und technisch – lohnte sich vermutlich nicht besonders in betriebswirtschaftlicher Hinsicht.

Der Stettiner Traditionshersteller bewegte sich oft am Rande des Zusammenbruchs und überlebte nur dank des phänomenalen Talents der Gebrüder Stoewer entgegen alle Wahrscheinlichkeit bis in die 1930er Jahre.

Dabei brachte man stets die am Markt gefragte Leistung – sei es in der Mittelklasse, in der Spitzenklasse und später auch in der Einsteigerklasse verbunden mit Frontantrieb.

Diese Überlebensqualitäten und die Fähigkeit, sich mit wenigen, aber offenbar hervorragenden Mitarbeitern immer wieder neu zu erfinden – speziell im extrem anspruchsvollen 8-Zylinder-Segment – das begeistert mich, seitdem ich Stoewer (auch dank Markenspezialist Manfried Bauer) entdeckt habe.

Leistungsdenken, Leistungsvermögen, Leistungswille – das ist auch das zugrundeliegende Prinzip eines ganz anderen Geräts, das mich gerade beschäftigt: 98 Meter Länge, 2 Booster-Triebwerke mit zusammen 3.300 Tonnen Schub, 4 weitere Triebwerke mit 900 Tonnen Schub, Höchstgeschwindigkeit: knapp 40.000 km/h.

Die Rede ist von der SLS-Rakete der NASA für die Artemis-II-Mondmission, deren Startfenster nur noch wenige Minuten entfernt ist.

Gerade war ich vor der Tür – der Himmel hier ist sternenklar. Frau Luna (ein Stück Erde übrigens) schaut strahlendweiß und neugierig vom Himmel herunter. Wird alles gutgehen, wird es endlich wieder etwas geben, wo der Mensch seinen Genius in positiver Weise zeigt?

Wir werden es heute nacht und in den nächsten 10 Tagen erfahren…

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Sauber – schon wieder Winter! Chrysler von 1926/27

Im letzten Blog-Eintrag hatte ich es angekündigt – ich bin von meinem Italien-Aufenthalt wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Nun könnte man Ende März davon ausgehen, dass man dabei vom Hauch des Frühlings begleitet wird. Nachdem es in Umbrien die Tage zuvor ziemlich kalt gewesen war und es in höheren Lagen wiederholt geschneit hatte, stellte sich die Situation am Morgen der Abfahrt noch ganz vielversprechend dar:

Blick aus Spello (Umbrien) Ende März 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Kurz bevor es auf die Schnellstraße Richtung Norden ging, „musste“ ich noch kurz anhalten und diesen prächtigen Blick festhalten. Vorne die abfallenden Hänge des Monte Subasio, im Mittelgrund das 2500-jährige Spello und auf den schon an die Toscana grenzenden Gipfeln in der Ferne der letzte Schnee – so dachte ich.

Sauber – so lässt es sich gepflegt dem Frühling entgegenfahren„, könnte man hier meinen.

In Umbrien mit seinem eigenständigen Mikroklima blieb mir der Wettergott (m/w/d) noch hold. Doch kaum gelangte ich in das nördlich angrenzende Bergland, das kurzzeitig zur Toscana, dann zur Emilia-Romagna gehört, änderte sich das Bild.

Zwar blieb es sonnig, doch plötzlich war alles tief verschneit. Über Nacht waren 20cm Neuschnee gefallen. Bis zum Morgen hatten die Schneepflüge ganze Arbeit geleistet, sodass sich gut fahren ließ, wengleich stellenweise nur eine der zwei Spuren frei war.

Sauber – schon wieder Winter“ – mein im letzten Blog-Eintrag erwähnter treuer Weggefährte Dacia „Duster“ präsentierte sich trotz allem so, als wäre nichts gewesen:

Dacia Duster, Emilia Romagna, Ende März 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Der unheimlich saubere Auftritt ist einer Wachsschicht zu verdanken, die ich vor langen Touren aufzutragen pflege – da perlt schlicht alles ab, was von der nassen Straße auf die Karosserie gelangt.

Übrigens sind es Verhältnisse wie hier geschildert, die seinerzeit meine Entscheidung begründet hatten, die Allradoption zu wählen. In Italien kann es immer mal wieder solche Überraschungen geben, auch dort, wo nicht gleich ein Schneepflug aktiv wird.

Nicht zufällig sind in Mitteltalien alle möglichen 4×4-Varianten verbreitet, am häufigsten sind japanische Vertreter dieser Art, der Fiat „Panda“ und natürlich Dacias „Duster“. Es verhält sich mit dem Allradantrieb wie mit den Grundrechten – im Alltag braucht man sie nicht, sie sind auf Extremsituationen ausgelegt (so jedenfalls die Theorie…).

Nachdem ich hier Tank und Reservekanister zum „Super“-Preis aufgefüllt hatte, ging es dann ohne weitere Neubetankung bis nach Hause.

ENI-Tankstelle; Emilia Romagna, Ende März 2026; Bildrechte: Michael Schlenger

Normalerweise habe ich es auf der Heimfahrt eher eilig, doch diesmal wollte ich erproben, mit wie wenig Sprit sich die Strecke zur Not absolvieren lässt. Bei Tempo 100 wäre das zwar mit 5 Liter möglich, aber man will ja kein Verkehrshindernis sein.

Als guter Kompromiss erwies sich ein Marschtempo zwischen 115-120 km/h, so ergab sich ein Verbrauch von rund 6 Litern. Für einen Benziner dieser Größe und Leistung ein bemerkenswertes Ergebnis und zugleich Ausweis der Effizienz eines erschwinglichen modernen Wagens. Wer in solchen Verbrennern heute noch ernsthaft ein Problem sieht, hat keine Ahnung von den Verbräuchen und Abgaswerten von früher.

Ich lege also nicht nur äußerlich auf einen sauberen Auftritt wert – man ist ja schließlich nicht allein auf der Welt, ich reise auch mit sauberem Gewissen in meinem Verbrenner, der in ferner Zukunft gewiss nicht als rollender Sondermüll enden wird wie die Batteriekutschen.

Nachdem wir das alles sauber abgehandelt haben und in der hessischen Heimat der Winter immer noch nicht ganz überwunden scheint, dachte ich, dass man durchaus noch einmal ein passendes Vorkriegsfoto bringen könnte, bevor es wirklich Frühling wird:

Chrysler Modelljahr 1926/27; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Sauber – da erkennt man ja gar nichts!“ – könnte jetzt einer meinen.

Nun, zum einen fällt auf, wie glänzend dieses zweitürige Cabriolet hier trotz unverkennnbar winterlicher Gefilde daherkommt. Zum anderen ist genug zu sehen, um den Hersteller und auch die Entstehungszeit dieses Wagens ermitteln zu können.

Den ersten Hinweis gibt der Kühlwasserdeckel mit seitlichen Flügeln – das findet sich so bei Wagen der US-Marke Chrysler ab Mitte der 1920er Jahre. Der zweite Hinweis ist die glänzende Abdeckung der Öffnung für die (nur zur Not) vorgesehene Anlasserkurbel, die von der damals im Winter üblichen Kühlerabdeckung freigelassen wird.

Die Gestaltung der Vorderkotflügel wich bei Chrysler Ende der 20er Jahre einer glatten Ausführung, sodass sich dieses Exemplar auf ca. 1926/27 datieren lässt. Das deutsche Kennzeichen ist dabei keineswegs ungewöhnlich – Sie werden einige Vergleichsexemplare aus Deutschland in meiner Chrysler-Galerie finden.

„Sauber – endlich sind die US-Autofotos ebenfalls nach Marken sortiert“, mag jetzt einer denken. Stimmt, das gehört zu den vielen kleinen Verbesserungen, die laufend in dieses Projekt einfließen, das ich seit nunmehr über 10 Jahren verfolge.

Erfreulich nicht zuletzt, dass der heute in winterlichem Umfeld präsentierte Chrysler über einen typisch deutschen Cabrio-Aufbau verfügte – dafür spricht die Ausführung der Türpartie mit extrabreiter Zierleiste.

Nicht so sauber lässt sich das Kennzeichen erkennen – hier scheint die entscheidende Kennung aus römischer Ziffer und einem Buchstaben verschmutzt oder mit Schnee bedeckt zu sein.

Egal, am Reiz des Fotos ändert das nichts – so ein Chrysler war auch in der Mitte der 1920er Jahre noch verbreiteten Vierzylinder-Version ein ausgezeichneter Begleiter in allen Lebenslagen – das Versprechen des Automobils heute wie vor 100 Jahren…

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Gefällt als Gefährt und Gefährtin: 1929er Pontiac

Es kann gut sein, dass ich die heutige Story schon einmal in ähnlicher Form erzählt habe, aber nicht jeder, der jetzt hier mitliest, wird sie kennen. Ich habe auch keine Zeit, um mir etwas völlig Neues auszudenken.

Morgen in der Frühe geht es wieder zurück aus dem teilweise noch verschneiten Italien nach Deutschland – knapp 1200 Kilometer sind zu absolvieren. Mein vierrädriger Gefährte auf diesen Touren ist nun schon im fünften Jahr ein Dacia „Duster“.

Das ist zwar kein Vorkriegsauto, ist mir aber so ans Herz gewachsen, wie das bei den Autos der Altvorderen der Fall war, als man zu seinem Wagen eine innige Beziehung pflegte.

Mit 150 PS-Benziner ist der in Rumänien gebaute Franzose mit Nissan-Allradantrieb eine bunte Mischung, aber das Beste, was ich mir für meine Zwecke in der mittleren Preisklasse vorstellen kann und der erste und vermutlich letzte Neuwagen meines Daseins.

Über 70.000 pannenfreie Kilometer im Ganzjahresbetrieb sind keine Selbstverständlichkeit, wenn man auf neuzeitliches German Over-Engineering hereinfällt. Für einen „Duster“ dagegen ist das gerade erst der Anfang einer wunderbaren Freundschaft.

Was einen auf so langen Strecken treu, komfortabel und bei Bedarf mit Tempo 200 kutschiert, ist mehr als nur ein fahrbarer Untersatz – es ist ein Gefährte, der mir mein Dasein angenehm und (im positiven Sinne) abenteuerlich macht.

Genau so sollte das auch mit der zweibeinigen Gefährtin sein, und in der Beziehung habe ich ebenfalls die richtige Wahl getroffen. Schon als Student und Käfer-Fahrer hatte ich mir nämlich diese adrette Begleiterin zugelegt:

Pontiac von 1929; Originalfot: Sammlung Michael Schlenger

Klaglos, stets perfekt gestylt und immer gut gelaunt machte sie einige Umzüge und berufliche Neubeginne mit. Vermutlich hat sie mir heimlich und beharrlich die Faszination für die völlig andere Welt des Vorkriegsautos angehext.

Jedenfalls war sie – wenn ich mich recht entsinne – der Anfang meiner Foto-Sammelleidenschaft, was wirklich alte Autos angeht.

Lange hatte ich keine Ahnung, mit was für einem Wagen meine flotte Gefährtin sich einst hatte ablichten lassen. Tatsächlich bekam ich es erst vor ein paar Jahren heraus, als sich genügend Vergleichsmaterial angesammelt und sich mein Blick für die Details von Vorkriegswagen geschärft hatte.

Dieses Leserfoto lieferte mir über die Gestaltung der Räder den entscheidenden Hinweis:

Pontiac von 1929; Originalfoto: Sammlung Reinhard Sudhoff

Ein paar Vergleiche mit anderen Aufnahmen im Netz unter besonderer Berücksichtigung der Zierleiste unterhalb der Seitenscheibe räumten jeden Zweifel aus:

Meine langjährige Gefährtin hatte sich – bevor wir uns kennenlernten – für einen 1929er Pontiac entschieden.

Sie hatte ein gutes Gespür bewiesen, was die Wahl des Gefährts angeht. Für weniger als 900 Dollar bot die noch junge Marke Pontiac damals einen 60 PS starken und dank 3,3 Liter Hubraum drehmomentstarken 6-Zylindermotor, der für über 100 Stundenkilometer gut war.

Der Wagen ließ sich schaltfaul fahren, besaß aber schon ein teilsynchronisiertes Getriebe, was in der unteren Mittelklasse (nach US-Standards) noch nicht selbstverständlich war.

Davon wurden 1929 kolossale 120.000 Exemplare gebaut – genug, um auch die Exportmärkte in Europa abzudecken.

So ein Gefährt ließ – wie eine gute Gefährtin – wenig zu wünschen übrig, weshalb diese Wagen lange auf den Straßen blieben. Einer dieser Pontiacs hatte es sogar geschafft, ein unfreiwilliger,. wenn auch angesehener Insasse der DDR zu werden:

Pontiac von 1929; Originalfot: Sammlung Michael Schlenger

Dank der rührigen ostdeutschen Oldtimerszene, die sich lange vor der in der Bundesrepublik formiert und staatlich hatte absegnen lassen, blieben dort viele der einst in Deutschland allgegenwärtigen US-Wagen der späten 1920er Jahre erhalten.

Diese Fahrzeuge waren für ihre Besitzer wertvolle Gefährten in einer Welt des Mangels und (von Ausnahmen abgesehen) erbärmlicher Standards, was Gestaltung, Verabeitungsqualität, Platzangebot und Leistungsfähigkeit betrifft.

Ich bin fast sicher, dass der 1929er Pontiac auf dem wohl um 1970 entstandenen Foto aus DDR-Zeiten noch existiert.

Ein schönes Beispiel dafür, wie gefällig so ein Gefährt nach so langer Zeit noch wirken kann. Das kann man zwar nicht von jeder Gefährtin sagen, doch kann zumindest ich sagen: meine hat sich gut gehalten…

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Einst ein 6-Zylinder für kleine Leute? Opel 8/40 PS

Baut heute eigentlich noch jemand in Deutschland 6-Zylinder-PKW? Ich könnte es ja jetzt „Groken“ statt wie einst „Googeln“, aber mir ist’s eigentlich egal.

Die Zeiten sind ohnehin vorbei, in denen ein 6-Zylinder mit seiner bauartbedingten Geschmeidigkeit des Laufs als erstrebenswert für alle galt, die bisher in den Niederungen von 4-Zylinder-Aggregaten ihr automobiles Dasein fristeten.

Ende der 1920er Jahre war die erste große Phase der 6-Zylinder-Kultur im PKW-Segment – ausgehend von den USA. Das Phänomen erstreckte sich dort bis weit in die Mittelklasse, beschränkt sich aber in Deutschland meist auf das gehobene Segment.

Ein wohl ziemlich einzigartigen Versuch, einen Mittelklassewagen mit 6-Zylinder bei kleinem Hubraum zu etablieren, unternahm ausgerechnet Opel – ein Hersteller, der nach dem 1. Weltkrieg nicht gerade durch eine besonders raffinierte Modellpolitik aufgefallen war.

Angespornt vom wachsenden Interesse deutscher Käufer an eingermaßen bezahlbaren Wagen mit „amerikanischen“ Qualitäten, was Optik und Leistung angeht, führten die Rüsselsheimer 1927 den nur 1,7 Liter messenden Sechszylindertyp 7/34 PS ein

Der folgte allerdings vom Erscheinungsbild noch dem veralteten Opel-Standard und war ab 1928 der Konkurrenz billiger und zugleich stärkerer Wagen ausgesetzt. Man reagierte darauf bemerkenswert rasch und brachte noch im selben Jahr den Wagen mit 8/40PS-Motorisierung heraus.

Als dann noch 1929 die schwerfällige Optik einem dem Zeitgeschmack entprechenden Erscheinungsbild wich, das sich eng an den führenden US-Vorbildern orientierte, war die Grundlage für einen achtbaren Markterfolg geschaffen.

Opel 8/40 PS, Bauzeit: 1929/30; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Auf diesem Foto, das ich schon einmal vorgestellt habe, wird deutlich, dass der Opel trotz seines äußerst kompakten Sechszylinders weit davon entfernt war, ein Wagen für kleine Leute zu sein.

Otto-Normalverbraucher konnte sich im Deutschland der Vorkriegszeit nämlich überhaupt kein Auto leisten, erst recht keinen Sechszylinderwagen.

Und doch wurde der Opel 8/40 PS von kleinen Leuten durchaus geschätzt, wenn auch auf anderer Weise, als man erwarten würde. Diese Erkenntnis vermittelt ein „neues“ Foto dieses Modells, welches ich kürzlich erworben habe.

Es ist auch deshalb bemerkenswert, weil hier der Blick auf den Niederrahmen gelenkt wird, der ein Kennzeichen des „Facelifts“ des Opel 8/40 PS war:

Opel 8/40 PS, Bauzeit: 1929/30; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Jetzt wissen Sie schon einmal, wie das mit den kleinen Leuten gemeint war – wie so oft nicht ganz ernst, doch in gewisser Weise zutreffend.

Indessen mag es spannender sein, der Sache mit dem erwähnten Niederrahmen nachzugehen. Selbiger ist an der geringen Höhe der Schwellerpartie zwischen Trittbrett und Aufbau zu erkennen.

Ist Ihr Blick ebenfalls an dem dort angebrachten Schild hängengeblieben? Nun, wir wollen sehen, ob wir dort etwas erkennen können, was zumindest ein Indiz zur Herkunft dieses Opels liefern kann – also schauen wir genauer hin:

Ich kann hier sicher zwei Wörter entziffern, das erste und das letzte: „Auto….Stuttgart“. Was aber steht dazwischen – Staiger, Singer oder etwas anderes in der Richtung?

Sicher findet es ein Leser heraus und kann uns darüber aufklären, von wem genau dieser Opel einst verkauft wurde. Leider werden wir sonst kaum mehr über die „kleinen Leute“ erfahren, in deren Fotoalbum diese Aufnahme die Zeiten überdauert haben dürfte.

Wie so oft ist alles, was wir hier sehen, vergangen und vergessen – weshalb die Frage umso reizvoller ist, wieviele der einst immerhin 20.000 Opel-Sechszylinder überlebt haben, die Ende der 1920er Jahre einen zumindest für deutsche Verhältnisse achtbaren Erfolg hatten..

Nachtrag: Mehrere Leser nannten das traditionsreiche Stuttgarter Autohaus „Staiger“ als Kandidaten – Klaas Dierks konnte sogar eine zeitgenössische Reklame beisteuern:

Reklame für den Stuttgarter Opelhändler Staiger aus dem Adressbuch von 1930 (via Klaas Dierks)

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