Fotorätsel des Monats: „Eisgruber Special“ um 1912

Zur Mitte des Monats steht wie üblich ein Fotorätsel an. Für gewöhnlich habe ich eine ungefähre Vorstellung davon, was auf der vorgestellten Aufnahme zu sehen ist, setze aber auf das Wissen von Lesern, um meine These zu bestätigen oder auch zu verwerfen.

Heute habe ich ausnahmsweise keine Ahnung, um was für ein Fabrikat es sich handeln könnte. Wenn ich dennoch den exotischen Namen „Eisgruber“ ins Spiel bringe, hat das seine Gründe – dazu gleich mehr.

Erst einmal werfen wir ein Blick auf die Originalaufnahme, um die es geht:

unbekannter Zweisitzer um 1912; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Entgegen meiner Gewohnheit zeige ich hier das eingescannte Foto ohne die üblichen Anpassungen, die ich daran vorzunehmen pflege – also: Entfernen von Flecken und Kratzern, Umsetzen in Grauwerte, Anpassen von Kontrast, Helligkeit und Schärfe.

Keine Sorge, das holen wir alles nach, aber diesmal auf andere Weise als bisher.

Zunächst will ich festhalten, was hier zu sehen ist: Ein offener Zweisitzer im Stil der Zeit vor dem 1. Weltkrieg mit leicht ansteigendem Windlauf vor der Frontscheibe – also jener Blechpartie, die den Übergang von der Motorhaube herstellt.

Vor 1910 stieß die Haube in aller Regel noch direkt an die Stirnwand, die Motorraum und Innenraum voneinander abschottet. Dann setzte sich vor allem im deutschsprachigen Raum binnen kürzester Zeit der „Windlauf“ durch – anfangs noch aufgesetzt und steil ansteigend (daher auch als „Windkappe“ bezeichnet), bis sich ab 1913/14 eine durchgehende Linie vom Kühler bis zur Frontscheibe etablierte.

Wir befinden uns hier als genau in der Mitte dieser rasanten Entwicklung, die dem Auto damals eine Erscheinung verlieh, die einem auch heute einigermaßen vertraut erscheint. Damit begründe ich meine Datierung auf „ca. 1912“, die unterstützt wird durch die umseitige Beschriftung des Fotos – „im Jahre 1913“ steht dort nämlich.

Da ist aber noch etwas anderes zu lesen – doch bevor wir uns damit beschäftigen, wollen wir erst einmal sehen, wie eine rein KI-gestützte Restaurierung des Originalfotos aussieht:

unbekannter Zweisitzer um 1912; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger; Restaurierung KI-basiert

Ich meine, dass man mit dem Ergebnis zufrieden sein kann. Statt aufwendiger Fummelei mit irgendwelchen Bildbearbeitungsprogrammen habe ich meiner KI einfach ein paar klare Anweisungen gegeben, was hier zu tun ist. 20 Sekunden Rechnerei und „voilá“!

Wichtig sind dabei insbesondere zwei Dinge: Ich schreibe meine „Prompts“ auf Englisch, um übersetzungsbedingte Unschärfen zu vermeiden. Zwar „verstehen“ gängige KI-Tools auch deutsche Anweisungen, sie übersetzen sie aber stets erst ins Englische, bevor sie ausgeführt werden.

Konkurrenzfähige deutsche Angebote gibt es auf dem Sektor schlicht nicht, nur die Chinesen sind in Sachen KI auf Augenhöhe mit den besten Anbietern aus den USA.

Der zweite wichtige Aspekt ist der, dass man der KI auch mitteilt, was sie nicht tun soll. Da dem Ganzen mathematisch basierte Appproximationsverfahren zugrundeliegen, kommt es sonst nämlich vor, dass Details aus ähnlichen Kontexten ergänzt werden.

So, jetzt bleibt nur noch zu klären, was es mit dem „Eisgruber Special“ auf sich hat. Nun, das ist quasi mein Arbeitstitel für das heutige Rätselfoto, denn umseitig ist neben dem Aufnahmejahr auch der Name „Eisgruber“ vermerkt.

Dabei handelt es sich um einen eher seltenen Namen aus Oberbayern und dem angrenzenden Österreich – auch das ist mit KI-Analyse blitzschnell recherchiert. Damit haben wir immerhin eine regionale Eingrenzung des wahrscheinlichen Aufnahmeorts.

Eventuell hilft das aber auch bei der Ermittlung des tatsächlichen Herstellers dieses erwachsen wirkenden Automobils. Da die Bayern auf dem Sektor in der Vorkriegszeit mangels Industrietradition wenig zustandegebracht haben, könnte es erfolgversprechend sein, einen Blick auf die Hersteller im KuK-Imperium zu werfen.

Das überlasse ich aber gerne Ihnen, liebe Leser…

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