Luftschiff Graf Zeppelin über der Wetterau

Es gibt nur wenige Gebilde von Menschenhand, die schiere Größe, technische Raffinesse und Eleganz vereinen. Neben den Ozeandampfern von einst gehören die majestätischen Zeppelin-Luftschiffe der 1920er und 30er Jahre dazu.

Besondere Popularität genoss die zum Großteil aus Spenden der deutschen Bevölkerung 1928 fertiggestellte Graf Zeppelin (LZ-127). Gleichwohl stellte eine Fahrt in dem 237 Meter langen Luftschiff einen für die allermeisten unerreichbaren Luxus dar.

Der Komfort der 25 Passagiere an Bord sucht auf Flugreisen bis heute seinesgleichen. Auch das zahlenmäßige Verhältnis von Besatzung (45 Mann) zu Mitreisenden dürfte rekordverdächtig sein. Für zuverlässigen Vortrieb sorgten fünf 12-Zylinder-Motoren von Maybach mit je 550 PS.

Die Geschwindigkeit von rund 120 km/h ermöglichte eine Atlantiküberquerung in wenigen Tagen. Dank der Reichweite von 12.000 km konnten Schlechtwettergebiete umflogen werden.

Zur weltweiten Bekanntheit von LZ-127 trug die Weltumrundung 1929 bei. Die Ankunft in New York war ein ungeheures Ereignis. Kapitän Hugo Eckener wurde dabei als einzigem deutschen Luftfahrtpionier die Ehre einer Konfettiparade zuteil.

Folgender zeitgenössischer Film lässt die begeisterte Stimmung in den USA spüren und bietet grandiose Aufnahmen des Luftschiffs.

© Videoquelle YouTube; Urheberrecht: Michael Rogge

Auf einer seiner Fahrten tauchte das Luftschiff Graf Zeppelin im Jahr 1933 über der Wetterau auf. Dies belegt das folgende Bild, das LZ-127 über dem Butzbacher Ortsteil Nieder-Weisel zeigt.

Die im Untertitel erwähnte romanische Komturkirche des Johanniterordens gehört zu den architektonischen Schätzen unserer Region, von denen selbst Einheimische oft nichts wissen.

Graf Zeppelin über Nieder-Weisel 1933© Luftschiff Graf Zeppelin 1933; Bildquelle: „Geschichte der Johanniterkomturei Nieder-Weisel“ von Friedrich Klar, Butzbach 1953; Sammlung Michael Schlenger

In den Folgejahren unternahm die Graf Zeppelin etliche Fahrten als Imageträger des Deutschen Reichs. Nach der Katastrophe von Lakehurst 1937, bei der die noch größere „Hindenburg“ zerstört wurde, stellte man den Passagierbetrieb ein.

LZ-127 verbrachte dann einige Jahre als Ausstellungsstück in Frankfurt/Main, bis es 1940 abgewrackt wurde.

Wer einmal die Enge in einem Überschallflugzeug des Typs Concorde erlebt hat (z.B. im Museum Sinsheim) mag sich fragen, ob Geschwindigkeit wirklich jeden Preis wert ist. Aus den Zeiten der Zeppelin-Luftschiffe sind jedenfalls keine Beschwerden über mangelnden Komfort oder zu lange Reisezeit überliefert.

Eine kleine, aber feine Ausstellung mit Originalstücken aus der Zeppelin-Ära gibt es übrigens vor unserer Haustür, nämlich in Zeppelinheim bei Frankfurt.

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