Unterwegs im Adler Trumpf Cabriolet im Winter 1940

Dass der Winter in unseren Gefilden bereits vorüber ist, ist keineswegs ausgemacht. Und da der Fundus noch einige stimmungsvolle Winterbilder hergibt, bleiben wir vorerst bei dem Thema. Heute geht es um ein Cabriolet der 1930er Jahre, das auf folgendem Originalfoto zu sehen ist:Adler-Trumpf_1.7 Liter_1940

© Adler Trumpf Cabriolet, Baujahr 1934/35; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auch ohne besondere Kennerschaft erkennt man, dass es sich um ein zum Militär eingezogenes Zivilfahrzeug handelt. Sofern der linke Teil des Nummernschildes nicht verdreckt ist, beginnt die Kennung mit der Ziffern-Buchstaben-Kombination „IA“, die auf eine Zulassung im Bezirk Berlin hinweist.

Das auf den in Fahrtrichtung linken Kotflügel gemalte Kürzel „WH“ steht für „Wehrmacht / Heer“. Darüber ist ein taktisches Zeichen angebracht, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Truppengattung – hier die Infanterie – erkennen lässt.

Der in die Ferne schauende Offizier links – zu erkennen an der silbernen Mützenkordel – dürfte zum Führungsstab seiner Einheit gehören. Auf dieser Ebene war während des 2. Weltkriegs der Transport in nicht-militärischen PKW eher die Regel als die Ausnahme – das gilt auch für die europäischen Kriegsgegner:

Adler-Trumpf_1940_Front

Was verrät die Frontpartie über den Wagen? Anhand der Gestaltung von Kühlermaske, Motorhaube, Schutzblechen und Radkappen lässt sich das Fahrzeug als Adler Trumpf identifizieren. Das markante Adler-Logo ist entweder unter dem Bezug des Kühlergrills verborgen oder bereits entfernt worden. Der Kühlerüberzug lässt nur den Mittelteil des Kühlers frei, wo ein schmaler Mittelsteg zu erkennen ist.

An der Mittelstange zwischen den eventuell nachgerüsteten, sehr großen Hauptscheinwerfern ist ein Nebelscheinwerfer montiert. Nur schemenhaft zeichnet sich die Hupe ab. Auch sie erscheint recht voluminös – vielleicht ebenfalls ein von einem größeren Wagen stammendes Ersatzteil.

Sämtliche Chromteile – Stoßstange, Scheinwerferringe, Scheibenrahmen – sind wie der gesamte Wagen grau überlackiert. Hinter der Windschutzscheibe ist eine nachträglich angebrachte Heizvorrichtung zu erkennen. Sie wurde mit Saugnäpfen von innen befestigt und an das Bordnetz angeschlossen. Dieses sinnvolle Zubehör gab es in unterschiedlichen Größen und technischen Spezifikationen zu kaufen:

Scheibenheizungen_Katalog_Otto_Plümecke_1935

© Heizgitter für die Frontscheibe, Marken “Melas” und Avog“ im Katalog des Zubehörhändlers Otto Plümecke, Hannover; Faksimile des Archiv-Verlags

Bei der genauen Identifikation des Modells ist ein Blick auf die Seitenpartie des Adler hilfreich. Denn die Grundform des Wagens findet sich sowohl beim großen „Trumpf“ in der von 1932-36 gebauten Version mit 1,5 oder 1,7 Liter-Motor als auch beim 1934 vorgestellten, kleineren „Trumpf Junior“ mit 1-Liter-Aggregat.

Der Schlüssel zur Lösung ist die Ausführung als 4-Fenster-Cabriolet. Denn diese gab es laut einschlägiger Literatur nur beim Trumpf, während die Cabrio-Ausführung des Trumpf-Junior mit zwei Fenstern auskommen musste. Die Cabrio-Limousine des Trumpf-Junior verfügte zwar ebenfalls über vier Fenster, wies aber einen stärkeren Mittelholm auf als der hier zu sehende Wagen.

Adler-Trumpf_1940_Heck

Somit haben wir es hier sicher mit einem Adler Trumpf Cabriolet zu tun, das in der 4-Fenster-Ausführung nur 1934/35 verfügbar war. Diese Version wurde im Normalfall von Karmann gebaut, seit 1932 der von Adler bevorzugte Lieferant von Cabrio-Aufbauten.

Stutzig macht nur eines: Die Unterseite der Zierleiste, die unterhalb der Fensterlinie verläuft, fällt bereits vor den Türscharnieren ab. Auf Abbildungen des Cabriolets von Karmann scheint die Leiste länger geradlinig zu verlaufen, um dann abrupter abzufallen, ähnlich übrigens wie bei der seltenen Ausführung des Trumpf-Cabriolets von Autenrieth.

Möglicherweise täuscht die Perspektive aber auch. Zudem wurden die Karosserien bei Karmann größtenteils handwerklich gefertigt, sodass wohl keine im Detail ganz genau wie die anderen ausfiel. Auf jeden Fall eine sehr gelungene Form, die von der großen Stilsicherheit kündet, die seinerzeit typisch für Karmann war.

Was lässt sich zu Ort und Zeitpunkt der Aufnahme sagen? Nur dieses: Auf der Rückseite des Fotos steht der handschriftliche Vermerk „Mein Wagen, 1940“. Damals war der Frankreichfeldzug mit dem Sieg der Wehrmacht beendet. Was das Neue Jahr bringen würde, den fatalen Angriff auf die Sowjetunion, dass wussten der Offizier auf dem Bild und sein junger Fahrer, der hinter dem Adler steht und den Fotografen uns anschaut, ganz sicher nicht.

Der finstere in die Ferne gehende Blick des Offiziers kommt uns heute dennoch wie ein Vorgriff auf das noch Kommende vor.

Russland_1943© Adler Cabriolet, Russland 1943; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

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