Alter Bekannter? Adler „Standard 6“ 2-Fenster-Cabrio

Zu den besonders häufigen Gästen auf diesem Oldtimerblog für Vorkriegsautos gehören die Wagen der Traditionsfirma Adler aus Frankfurt am Main.

Das spiegelt keine besondere Neigung des Verfassers wider sondern schlicht die Bedeutung und Verbreitung dieser einst international geschätzten Marke.

Gerade von den Adler-Modellen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg finden sich massenhaft zeitgenössische Aufnahmen  – auch im Fundus des Verfassers – doch ist ihre Identifikation mangels eines rundum überzeugenden Standardwerks oft schwierig.

Leichtes Spiel hat man bei den besser dokumentierten Modellen der 1920er Jahre – zumindest, was die allgemeine Ansprache des Typs angeht. Speziell der recht erfolgreiche Adler „Standard 6“ und das etwas kleinere Vierzylindermodell „Favorit“ waren im Deutschland der Zwischenkriegszeit oft anzutreffen.

Selbst auf historischen Postkarten stößt man immer wieder auf diese Adler-Typen im perfekten „Amerikaner“-Stil:

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Adler Standard 6 in Heidelberg; originale Ansichtskarte aus Sammlung Michael Schlenger

Wer sich ein wenig im eigenen Land auskennt,, – und sein Weltbild nicht bloß aus Kreuzfahrtreisen und klimatisierten Shopping-Oasen in der arabischen Wüste bezieht – erkennt hier auf Anhieb das Heidelberger Schloss.

Seinen romantisch ruinösen Zustand „verdankt“ es einem der Feldzüge unserer französischen Nachbarn, mit denen uns heute (hoffentlich) mehr als nur eine lange Geschichte wechselseitiger Überfälle verbindet.

Der Fotograf, der Ende der 1920er Jahre vom (bis heute erhaltenen) Kornmarkt aus das Wahrzeichen von Heidelberg anvisierte, wird die Sechsfensterlimousine des Typs Adler „Standard 6“ gern in die Bildgestaltung  einbezogen haben.

Leider ist die Aufnahme oder der Abzug vom Negativ verwackelt, sonst könnte man die „6“ (eventuell sogar „8“!) in der Raute oberhalb der Scheinwerferstange erkennen:

Adler_Standard_6_Heidelberg_Ausschnitt

Trotz der Unschärfe lässt sich anhand von zwei Details erkennen, dass dies ein vor 1931 entstandener Adler sein muss.

  • Erstens wanderte später das dreieckige Adler-Emblem ganz nach oben in die Kühlermaske.
  • Zweitens war der vordere Kotflügelabschluss nach 1930 stärker abgerundet gestaltet.

Soviel zu diesem Adler Standard 6 mit dem verbreiteten Aufbau als Limousine. Offene Versionen, die bis Mitte der 1920er Jahre in Deutschland bei praktisch allen Marken dominierten, findet man dagegen bei diesem Adler-Modell seltener.

Das eine oder andere Cabriolet des Adler „Standard 6“ in der bis 1930 gebauten Version konnten wir bereits dokumentieren. Doch vom ab 1931 verfügbaren Nachfolger mit modernisierter Karosserie fand sich bisher erst eine offene Ausführung.

Heute können wir endlich eine weitere präsentieren:

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Adler „Standard 6“ Cabrio; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese Aufnahme entstand laut umseitiger Beschriftung einst in Bad Berneck im Fichtelgebirge. Die drei wackeren Automobilisten haben sich vermutlich nach einer Übernachtung im Gasthoff Oetter vor dem Aufbruch ablichten lassen.

Vom Wagen sehen wir genug, um ihn mit einiger Wahrscheinlichkeit als Adler „Standard 6“ Cabriolet ab Baujahr 1931 identifizieren zu können.

Die stilsicher gezeichnete und handwerklich vollendet gestaltete Vorderpartie liefert uns fast alle wesentlichen Hinweise:

Adler_Favorit_oder_Standard_6_Cabrio_spät_Berneck_1_Frontpartie

Die Adler-Kühlerfigur findet ihr Pendant im dreieckigen Adler-Emblem auf dem Ersatzrad, das mit sinnigerweise drei Bolzen auf der Felge befestigt ist.

Wenn der Verfasser die Quellenlage richtig interpretiert, ist bei den ab 1931 gebauten Modellen ein im Vorderschutzblech angebrachtes Ersatzrad ein starkes Indiz dafür, dass man keinen Vierzylindertypen Adler „Favorit“ vor sich hat.

Bis 1930 konnte man bereits anhand der Zahl der Radbolzen den „Standard 6“ (sieben Radbolzen) vom „Favorit“ (fünf Radbolzen) unterscheiden, danach verfügten beide Modelle einheitlich über fünf Radbolzen.

Was aber verrät uns überhaupt, dass wir es mit einem ab 1931 gebauten, modernisierten Adler zu tun haben? Nun, das lässt sich aus dem aufgenieteten Blech mit senkrechten Luftschlitzen ableiten. Zuvor waren horizontale, in die Motorhaube geprägte Schlitze Standard, auch beim Adler Favorit.

Nach der Pflicht kommt nun die Kür – denn die spezielle Ausführung dieser Karosserie verdient besondere Aufmerksamkeit. Ins Auge fällt die helle Lackierung, die den mächtigen Wagen gerade in der offenen Ausführung leichter wirken lässt.

Die Schutzbleche sind etwas dunkler gehalten – im selben Ton wie die Zierleiste entlang der Gürtellinie. Das alles ist ausgesprochen geschmackvoll ausgeführt und verrät die Hand von Könnern.

Auch die leicht schräggestellte Frontscheibe sagt uns, dass dieser Aufbau nicht im Berliner Presswerk von Ambi-Budd aus der Stanze gefallen ist wie die gängigen geschlossenen Karosserien des Adler „Standard 6“ und „Favorit“.

Interessanterweise liefert die (überschaubare und veraltete) Literatur zu Adler keine exakte Entsprechung zu diesem Adler „Standard 6“ als Cabriolet.

Dass es sich hier um eine zweifenstrige Ausführung handelt, lässt eine weitere Aufnahme desselben Wagens erkennen, die am selben Ort entstand:

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Adler „Standard 6“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier sieht man über der Schulter des mittleren Hutträgers mit Gummimantel den hinteren Abschluss des Seitenfensters aufragen – bis zum Ansatz des Verdecks war demnach kein Platz mehr für eine weitere Seitenscheibe.

Der Stil der Karosserie macht Karmann als Hersteller wahrscheinlich. Für den Adler „Standard 8“ ist in der Literatur ein ähnlicher Karmann-Aufbau überliefert (vgl. Werner Oswald: Adler Automobile 1900-45, 1. Auflage 1981, S. 55).

Man sollte meinen, dass sich im 21. Jahrhundert die Identität dieses (und weiterer) Adler klären lassen sollte. Bei anderen deutschen Marken wie Dixi, DKW und Stoewer und sogar bei einigen Exotenherstellern gibt es immer wieder Resonanz von Kennern, wenn es um die Identifikation von Autos auf Vorkriegsfotos gibt.

Von den Adler-Freunden hierzulande hört man bislang praktisch kaum etwas – aber vielleicht ändert sich das allmählich – auch dort steht der Generationenwechsel an.

Die große Tradition der Frankfurter Marke hat im Internetzeitalter eine angemessene Würdigung verdient und der Verfasser trägt gern mit seinen in die hunderte gehenden Adler-Originalfotos dazu bei.

Lassen wir uns doch einfach vom Optimismus der Adler-Fahrer – und der kessen Dame im Hintergrund – anstecken, die uns hier über einen Abstand von fast 90 Jahren in die Augen schauen…

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© Michael Schlenger, 2018. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.

 

 

 

Von Kopf bis Fuß auf Adler eingestellt: „Favorit“ 8/35 PS

Die „Adler“-Galerie mit zeitgenössischen Fotos und Originalreklamen gehört zu den bislang umfangreichsten auf diesem Blog für Vorkriegsautos.

Über 100 Fahrzeuge sind dort inzwischen dokumentiert, darunter auch seltene Typen aus der Anfangszeit vor dem 1. Weltkrieg.

Die Volumenmodelle der späten 1920er und der 1930er Jahre sind natürlich mehrfach vertreten – denn immer wieder finden sich reizvolle „neue“ Dokumente, die oft einen ganz eigenen Blick auf alte Bekannte erlauben.

Ein schönes Beispiel dafür haben wir hier vor uns:

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Adler „Favorit“ 8/35 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die 6-Fenster-Limousine im perfekten US-Stil der späten 1920er Jahre gibt keine Rätsel auf – das ist ein Adler „Favorit“, wie er von 1928-30 gebaut wurde.

Das Modell mit 8/35 PS-Vierzylindermotor war der kleine Bruder des ein Jahr zuvor vorgestellten Adler „Standard 6“, mit dem die Frankfurter Traditionsfirma den ersten deutschen Wagen mit Ganzstahlkarosserie und hydraulischen Bremsen anbot.

Auf die Hydraulikbremsen musste der „Favorit“ zwar verzichten, doch besaß er grundsätzlich die gleiche Karosserie aus dem Presswerk von Ambi-Budd in Berlin.

Dennoch kommt einem der „Favorit“ mitunter kleiner vor als der „Standard 6“ wie auf dieser raren Aufnahme:

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Adler „Standard 6“ und „Favorit“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Drei Dinge sind es – abgesehen von der Perspektive – die den „Standard 6“ mächtiger erscheinen lassen als den „Favorit“:

Der Standard 6 besaß Räder mit größerem Durchmesser, diese waren mit sieben statt nur fünf Radbolzen befestigt und es war eine Karosserie mit 30 cm längerem Radstand verfügbar, für die sich etliche Käufer entschieden.

Davon abgesehen war Fahrern des Adler „Favorit“ ein ähnlich repräsentativer Auftritt möglich – bis hin zur Kühlerfigur, die die Silhouette eines Adlers im Flug darstellte:

Adler_Favorit_Foto_Otto_Petras_Züllichau_Kühler

Auf dem Ausschnitt zu sehen sind außerdem die waagerechten Luftschlitze in der Motorhaube, die die bis 1930 gebauten „Favorit“- bzw. „Standard 6“-Modelle von den bis 1933/34 gefertigten Nachfolgern unterscheiden.

Wer genau hinsieht, kann auch den „ADLER“-Schriftzug auf der Nabenkappe der Räder und auf den Reifen den Firmennamen der Frankfurter „PETERS UNION“ erahnen.

Das Nummernschild verrät folgendes: Römisch „I“ verweist auf Preussen, das „E“ war dort für die Provinz Brandenburg reserviert. Die Nummer 80545 wurde im Landkreis Züllichau vergeben.

„Foto Petras, Züllichau“ lautet wie zur Bestätigung der Stempel auf der Rückseite des Abzugs, der auf unbekannten Wegen die Zeiten überdauert hat.

Selbstverständlich ist das nicht, denn die Gegend von Züllichau war Anfang 1945 Schauplatz von Kämpfen zwischen der nach Westen vordringenden Roten Armee und Wehrmachtseinheiten.

Nach Kriegsende wurden die verbliebenen Bewohner von Züllichau aus ihrer Heimat vertrieben und das Gebiet wurde wie das angrenzende Schlesien Polen zugeschlagen.

Wie der Verfasser aus der eigenen Familiengeschichte weiß, gehörten die Fotoalben zusammen mit Zeugnissen und anderen persönlichen Dokumenten zu den wenigen Habseligkeiten, die man auf jeden Fall mit auf den Weg ins Ungewisse nahm.

So mag auch die hier vorgestellte Aufnahme damals im Koffer eines Heimatvertriebenen nach Restdeutschland gelangt sein.

Das schöne Bild erzählt auch nach rund 80 Jahren immer noch eindrucksvoll von der Verbundenheit eines einstigen Adler-Fahrers mit seinem „Favoriten“:

Adler_Favorit_Foto_Otto_Petras_Züllichau_FahrerDieser junge Mann – wohl ein angestellter Chauffeur bei gutsituierten Leuten, die selbst keinen Führerschein besaßen – war im wahrsten Sinne von Kopf bis Fuß auf Adler eingestellt.

Man beachte das dreieckige Adler-Emblem auf seiner Schirmmütze, es entspricht genau dem Markenemblem vorn am Kühler des „Favorit“.

Mit der rechten Hand hält er das Lenkrad des Adler, eine intuitive Geste, die an den Landedelmann auf alten Gemälden erinnert, der sein Pferd am Zügel hält.

Zu seinen Füßen, an denen er lederne Schnürstiefel wie ein Reitersmann trägt, sehen wir schemenhaft die Herstellerplakette der Frankfurter Adlerwerke:

Adler_Favorit_Foto_Otto_Petras_Züllichau_Schweller

Von Kopf bis Fuß auf Adler eingestellt, war das einst seine Welt und sonst gar nichts?

Was ihn sonst bewegt haben mag zu dem Zeitpunkt, als diese Aufnahme entstand, davon wissen wir nichts. Sicher konnte er nicht ahnen, dass sich die Waagschale des Glücks für ihn nur wenige Jahre später zu senken begann.

Mehr als dieser Abzug werden von ihm und seinem Adler „Favorit“ letztlich nicht geblieben sein. Auch das macht diese alten Autofotos so berührend, sind sie doch oftmals letzte Spuren längst vergangenen Lebens und erloschener Leidenschaften… 

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Familienzuwachs 1910: Das Adler 7 PS-Modell

Die Automobilmodelle der Frankfurter Adler-Werke, die vor dem 1. Weltkrieg entstanden, kennt heute kaum noch jemand – außer einer handvoll Spezialisten, die mit ihrem Wissen leider nur wenig Öffentlichkeitswirksames zuwegebringen.

Die Literatur zu den Adler-Wagen ist veraltet, lückenhaft und mit Vorsicht zu genießen. Aussagefähige Fotos von ganz frühen Adler-Modellen sind darin fast gar nicht abgebildet und wenn, sind es oft Sonderausführungen.

Im Internetzeitalter ist es deutlich einfacher geworden, an originale Aufnahmen heranzukommen, wenngleich dazu immer noch Geduld und Glück gehören.

In der Sammlung des Verfassers haben sich so im Lauf der Zeit zahlreiche Fotos von Adler-Wagen der Frühzeit eingefunden, die noch der genauen Einordnung harren.

Doch mit jeder „neuen“ Aufnahme wird das Bild klarer und durch Vergleich von Formgebung und Proportionen lassen sich eine Datierung und eine mehr oder minder genaue Typansprache wagen.

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Adler um 1912; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Bei diesem schlecht erhaltenen Abzug ist eine genaue Identifikation nicht mehr möglich, wohl aber eine allgemeine Einordnung in das Adler-Modellprogramm:

  • Die Kühlerform verweist eindeutig auf Adler, auch wenn hier keine entsprechende Kühlerfigur zu erkennen ist.
  • Der fließende Übergang von der Motorhaube zur Schottwand – der sogenannte Windlauf – verrät, dass wir einen ab 1910 entstandenen Typ vor uns haben.
  • Wenn nicht alles täuscht, besitzt das Auto elektrische Positionslampen. Dann dürfen wir eine Entstehung ab etwa 1912 vermuten. Dazu würde auch die Form der Schutzbleche passen.
  • Den Radstand können wir auf mindestens 3 Meter veranschlagen. Hier haben wir eindeutig einen großen Adler vor uns.

Adler mit diesen Merkmalen und Proportionen waren in mehreren Motorisierungen verfügbar, die äußerlich nicht unterscheidbar waren.

Für den Wagen auf obigem Abzug kommen Vierzylinder mit 25, 30 oder 35 PS in Frage, deren Hubraum von 2,6 bis 3,9 Liter reichte.

Mit diesen großzügigen, reisetauglichen Modellen hatte sich Adler einen hervorragenden Ruf erarbeitet – dabei hatte man überhaupt erst im Jahr 1900 ein selbstkonstruiertes Auto vorgestellt: den Motorwagen Nr. 1 mit 3 PS.

Trotz der späteren Erfolge der großen Adler-Modelle blieben die Frankfurter dem Kleinwagensegment treu. So bot man die ab 1910 gängige neue Linie mit fließend gestalteter Frontpartie auch im Kleinformat an.

Folgende Aufnahme aus der Sammlung von Leser Marcus Bengsch dokumentiert übrigens hervorragend die gestalterische Zäsur, die sich um 1910 bei Adler und den meisten übrigen Herstellern im deutschen Sprachraum vollzog:

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Adler-Automobile vor und ab 1910; Originalfoto aus Sammlung Marcus Bengsch

Abgesehen von der Kühlerform haben die drei Adler-Wagen fast nichts mehr gemeinsam. Das Auto in der Mitte dürfte nur rund fünf Jahre vor seinen Nachbarn entstanden sein, doch wirkt es im Vergleich dazu bereits wie ein „Oldtimer“.

Zugleich ist es ein Vertreter der Kleinwagenlinie von Adler, während links und rechts große Typen zu sehen sind.

1910 gab es in der Adler-Modellfamilie Nachwuchs, der nun auch in der Kleinwagenklasse eine zeitgemäße Optik bot. Damit wären wir beim eigentlichen Gegenstand des heutigen Blog-Eintrags:

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Adler 7/17 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese schöne Aufnahme wurde einst vor weit über 100 Jahren als Postkarte nach Kiel verschickt, leider ist der Poststempel unleserlich.

Die Identifikation des Wagens als Adler ist hier ein Kinderspiel – Perspektive, Kontrast und Schärfe lassen keinen Zweifel.

  • Auffallend sind die kompakten Dimensionen des Wagens im Vergleich zum ersten Foto, auf dem sich der Fahrer in dem mächtigen Fahrzeug beinahe verliert.
  • Die elf Luftschlitze in der Motorhaube sind ein weiteres Indiz für ein Kleinwagenmodell, die großen Versionen besaßen mehr davon.
  • Die relativ schwach ausgeführten Vorderschutzbleche sprechen ebenfalls für einen kompakten Adler.
  • Den gestuften Übergang zwischen der Motorhaube und dem Windlauf findet man so nur kurz nach 1910 – schon 1912 ist der Übergang fließend gestaltet.

Die Indizien sprechen für ein Kleinwagenmodell von Adler, das zwischen 1910 und 1912 entstanden ist. Tatsächlich gibt es in der Literatur (Adler-Automobile 1900-1945, Werner Oswald, 1981) die Aufnahme eines beinahe identischen Wagens (S. 21).

Dieser wird als Adler Typ K 7/17 PS angesprochen, für den als Bauzeit 1910-12 angegeben wird. Offenbar wurde dieses Kleinwagenmodell anfänglich als 7/15 Typ mit 3-Gang-Getriebe gebaut, das rasch vom 7/17 PS-Modell mit 4 Gängen abgelöst wurde.

Auf einer älteren Postkarte des Metz-Verlags aus Tübingen fand sich die Abbildung eines als Adler Typ K7/17 PS angesprochenen Wagens, die auf 1912 datiert ist:

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Adler Typ K 7/17 PS; Postkarte aus dem Metz-Verlag, Tübingen, Bildrechte unbekannt

Somit dürfen wir die Identifikation unseres kleinen Adler als Typ K 7/17 PS als plausibel ansehen und können uns nun den Insassen und Umstehenden widmen, die diesen historischen Aufnahmen erst das Leben einhauchen.

Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass dem Verfasser auch die zweibeinigen Zeitgenossen der hier präsentierten vierrädrigen Gefährte am Herzen liegen.

Im vorliegenden Fall haben wir es gleich mit einem halben Dutzend an interessanten Charakteren zu tun, aus deren Dasein das Foto einen Moment für uns konserviert hat.

Beginnen wir bei den Insassen des Adler:

Adler_7_PS_um_1911_Ak_nach_Kiel_Insassen

Die beiden Damen auf dem Rücksitz mit ihren opulenten Kopfbedeckungen sind wohl irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geboren.

Mit Pferdegespannen und Eisenbahn großgeworden gehörten sie zu der Generation, deren privilegierteste Vertreter erstmals das Mobilitätswunder Automobil erleben durften.

Doch vermutlich war der pferdelose Wagen nur eine von vielen Errungenschaften jener so produktiven Zeit, deren Zeugen sie wurden. Elektrizität, fließendes Wasser und irgendwann das Telefon hielten Einzug in ihren Alltag.

Für den Familienzuwachs, um den der Fahrer den Arm gelegt hat, sollte dieser Luxus bereits selbstverständlich sein, er wuchs sicher in gutsituierten Verhältnissen auf.

Der zufrieden dreinschauende Mann am Lenkrad war dem technischen Fortschritt wohl so zugetan wie der Namensgeber der Mütze, die er trug: Prinz Heinrich von Preussen – Bruder des Kaisers, versierter Seemann und begeisterter Automobilist.

Adler_7_PS_um_1911_Ak_nach_Kiel_Umstehende

Nicht unerwähnt bleiben soll die dunkelhaarige junge Dame, die offenbar die Gesellschaft in dem Adler mustert.

Über ihrer aufwendigen Hochsteckfrisur hat einst jemand mit Tinte ein Kreuz angebracht – vermutlich war es ein dem Empfänger der Karte bekanntes Familienmitglied.

Wie es scheint, ist auf der Hausfassade hinter ihr „Peder Christiansen“ zu lesen. In Verbindung mit der angrenzenden Bildergalerie lässt sich damit vielleicht der Aufnahmeort identifizieren.

Dass das Foto in Norddeutschland entstanden ist, wird auch bei einem Blick auf das Kennzeichen des Adler plausibel. Die Kombination aus römisch „I“ für Preussen und dem Buchstaben „P“ stand für den Regierungsbezirk Schleswig.

Die Nummer erlaubt keine nähere räumliche Zuordnung, da sie dort um 1912 fortlaufend vergeben wurde (vgl. A. Herzfeld, Handbuch Deutsche Kfz-Kennzeichen, Band 1, Deutschland bis 1945, S. 55).

Damit scheint alles gesagt zu dem Adler des Typs K 7/17 PS, der einst vor über 100 Jahren in einer norddeutschen Stadt Halt gemacht hatte.

Doch halt – beinahe hätten wir den Jungen übersehen, der sich neben dem Adler postiert hat und mit ernstem Blick in die Kamera schaut.

Adler_7_PS_um_1911_Ak_nach_Kiel_Umstehende2

Hatte er sich bloß auf die Aufnahme gemogelt? Oder gehörte er zu der Reisegesellschaft in dem Adler?

Sein mantelartiger Umhang und die Schirmmütze lassen vermuten, dass er damals ebenfalls in den Genuss einer Fahrt im Automobil kam. Das unterschied ihn von den meisten Altersgenossen, die in bescheidenen Verhältnissen auf dem Land oder in der Stadt großwurden.

Doch eines hatten sie gemeinsam: Ihnen standen zwei Weltkriege und die Hungerjahre danach bevor. Wer das bis in die Zeit des Wirtschaftswunders überleben sollte, das entschied das Schicksal meist unabhängig von Herkunft oder Verdienst.

Man meint, dem Jungen eine Ahnung des Kommenden anzusehen. Dagegen verblassen die Luxusprobleme der Gegenwart – Burnout, Feinstaub, Gender-Wahn…

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Rarer Vorgänger des „Standard 6“: der Adler 10/50 PS

Heute beschäftigen wir uns mit einem Modell, das auch eingefleischte Freunde der Frankfurter Traditionsmarke Adler allenfalls vom Hörensagen kennen.

Die Rede ist vom Vorgänger des 1927 vorgestellten Adler „Standard 6“, des bis dahin größten Erfolgs der Firma.

Zwar haben wir schon etliche Originalfotos des ersten deutschen Wagens mit hydraulischen Vierradbremsen gezeigt. Doch der großzügige Wagen mit seinem 2,5 später 2,9 Liter messendem Sechsyzlinder ist immer wieder ein schöner Anblick.

Davon kann man gar nicht genug bekommen, zumal die Ausführung als 7-sitziger Tourenwagen, die wir hier haben, eher selten ist:

Adler_Standard_6_Westensee_Kiel_Rendsburg_Galerie

Adler „Standard 6“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Nebenbei ist diese einst am Westensee in Schleswig-Holstein entstandene Aufnahme ein Beispiel für eine untergegangene Kunst – das lässige Posieren rund um ein Automobil.

Dabei wirkt jede der sieben wie von einem Regisseur um den Wagen herum positionierten Charaktere vollkommen gelassen – man möchte fast an einen Betriebsausflug einer Theatertruppe denken.

Bevor es weitergeht, schauen wir uns die Herrschaften näher an – der Adler ist hier Nebensache:

Adler_Standard_6_Westensee_Kiel_Rendsburg_Ausschnitt1

Nach damaligen Maßstäben sportlich wirkt der Herr ganz links mit Pullunder, Krawatte und Manschettenhemd. Der Verzicht auf ein Jackett, das umgehängte Fernglas und der Siegelring an der linken Hand weisen ihn als besonders stilbewusst aus.

Ganz anders der bullige Typ mit Schmiss, der in die Ferne schaut. Ihm geht jede Sportlichkeit ab, er scheint vielmehr seinen stattlichen Bauch mit Stolz zu tragen. Mit kleinem Hut und Knickerbockerhosen hat er sich für eine Landpartie ausstaffiert.

Ein eigener Charakter scheint auch der junge Mann mit dem dunklen Teint auf dem Trittbrett zu sein. Mag sein, dass er einer militärischen oder politischen Organisation seiner Zeit angehörte – Lederriemen über der Brust und Gamaschen sprechen dafür.

Besonders gut gefallen dem Verfasser aber die drei Grazien auf diesem Ausschnitt – da muss der junge Mann mit dem bademantelartigen Oberteil hintanstehen:

Adler_Standard_6_Westensee_Kiel_Rendsburg_Ausschnitt2Alle drei Damen tragen kräftige Zöpfe – vermutlich sind es Schwestern – doch vom Typ her könnten sie kaum unterschiedlicher sein:

  • Links haben wir die Intellektuelle mit der Brille – sie hat bestimmt das beste Abitur und wird Medizinerin.
  • In der Mitte die Unternehmungslustige mit keck sitzender Mütze – sie verkehrt vielleicht in Kreisen, wo auch die Damen rauchen und trinkfest sind.
  • Ganz außen die Verschlagene, die darüber sinniert, wie sie die nächste Intrige einfädelt – ob in der Familie, in der Schule oder auf der Arbeit.

Diese Charakterisierungen sind natürlich reine Phantasie. Genug davon, denn eigentlich geht es ja um diesen raren Vogel:

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Adler 10/45 oder 10/50 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wie es der Zufall will, sind hier wieder sieben Personen und ein Tourenwagen zu sehen, doch im Unterschied zur ersten Aufnahme ist das Arrangement weniger gelungen. Auch ist auf den ersten Blick kein Hinweis auf Marke und Typ zu erkennen.

Ein Wagen mit Flachkühler – spricht für die späten 1920er Jahre – schmale senkrechte Luftschlitze – für sich genommen wenig aussagefähig – Drahtspeichenräder und Vierradbremsen – das muss ein gehobenes Modell sein.

Dann wären da noch das glänzende Schutzblech auf dem Schweller unterhalb der Vordertür und die senkrecht stehenden Türgriffe. Durchaus markant, doch schien diese Aufnahme lange Zeit ein hoffnungsloser Fall zu sein.

Bei der Identifikation von Vorkriegsautos auf alten Fotos helfen Geduld, Glück und Gleichgesinnte. Hier lieferten zwei Fotos aus der Sammlung eines Oldtimerfreundes, der schon länger der Marke Adler verfallen ist, den Schlüssel zur Lösung:

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Adler 10/45 oder 10/50 PS; Originalfoto aus Sammlung Rolf Ackermann

Diese fröhliche Gesellschaft scheint aus Spaß einen Adler-Tourenwagen anzuschieben – das dreieckige Markenemblemauf dem Kühler ist gerade noch zu erkennen. Könnte hier dasselbe Modell zu sehen sein?

Nun, immerhin besitzt auch dieser Wagen Speichenräder, besagtes Schwellerschutzblech und mit etwas gutem Willen ahnt man zwei senkrecht stehende Türgriffe. Aber besitzt dieser Wagen ebenfalls Vierradbremsen?

Aus dieser Perspektive ist das nicht eindeutig zu beurteilen. Zum Glück findet sich in der Sammlung von Rolf Ackermann ein weiteres Bild desselben Autos:

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Adler 10/45 oder 10/50 PS; Originalfoto aus Sammlung Rolf Ackermann

Auf dieser raren Heckansicht ist die Bremstrommel am linken Vorderrad klar zu erkennen – demnach spricht auch hier alles für den Sechszylindertyp 10/45 oder 10/50 PS, der 1925-26 gebaut wurde.

Von diesem Vorgänger des Adler „Standard 6“ entstanden keine 1.000 Exemplare. Entsprechend selten begegnen einem Vorkriegsfotos dieses stattlichen Wagens, dessen Radstand von 3,35 Meter deutlich länger war als der des Nachfolgers.

Der Adler „Standard 6“ war zwar in mancher Hinsicht moderner und erzielte angesichts der starken Konkurrenz amerikanischer Wagen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre einen Achtungserfolg.

Doch von den schieren Dimensionen war erst der Adler „Standard 8“ ein würdiger Nachfolger des Typs 10/45 bzw. 10/50 PS von der Mitte der 1920er Jahre – auf den mächtigen Achtzylinder kommen wir gleich zurück.

Hier noch einmal der Adler 10/45 bzw. 10/50 PS von dem ersten Foto in der Ausschnittsvergrößerung:

Adler_10-45_oder_10-50_PS_Ausschnitt

 

Er war tatsächlich um einiges größer als der Nachfolger Adler „Standard 6“. Wer genau hinschaut kann nun auch die stilisierte Adler-Kühlerfigur erkennen.

Heute existiert möglicherweise kein einziger Vertreter dieses raren Sechszylindertyps von Adler mehr – oder weiß es jemand besser?

Hier schließt sich übrigens der Kreis, denn Rolf Ackermann, dem wir die beiden anderen Fotos dieser Rarität verdanken, gehört zu den glücklichen Besitzern eines heute fast ebenfalls völlig ausgestorbenen Adler-Typs – des erwähnten „Standard 8“, der ab 1928 neben dem „Standard 6“ (oder besser: oberhalb davon) angeboten wurde:

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Adler Standard 8; Bildrechte: Michael Schlenger

Das war nun ein weiter Weg vom Adler „Standard 6“ zum „Standard 8“ – und noch dazu ging es eigentlich um einen anderen Typ der ehemals stolzen Adlerwerke.

Doch manchmal kommt man nur auf solchen Umwegen ans Ziel – und wie bei einer gelungenen Oldtimerausfahrt sind die weniger bekannten Nebenrouten oft die reizvollsten…

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Stilvoll durch den Winter: Adler „Trumpf“ & „Primus“

Wir nähern uns der Mitte des Monats Februar und registrieren erfreut, dass die Tage endlich wieder länger werden. Doch der Winter ist noch nicht ganz vorüber – Temperaturen um die null Grad und häufige Schneeschauer erinnern uns daran.

In der Wetterau zwischen Taunus und Vogelsberg – der Heimat des Verfassers – fallen die Winter meist mild aus. Dennoch scheinen speziell junge Männer wild entschlossen, mit dicken Schals und Mützen mit Ohrenklappen Väterchen Frost zu simulieren.

Man fragt sich, ob dies bloß modische Attitüde ist oder ob die Burschen hierzulande heutzutage wirklich so schnell frieren. Was ziehen die bloß an, wenn’s mal wieder einen richtig strengen Winter gibt?

Unsere Altvorderen waren da aus anderem Holz geschnitzt:

Adler_Primus_Winter_Galerie

Adler Primus; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auf dieser Aufnahme sieht man den Schnee fast waagerecht vorbeisausen – nicht gerade ideale Bedingungen für einen Schnappschuss im Freien vor dem Automobil.

Die junge Dame im Kostüm mit Bluse und Krawatte – ein raffinierter Stil, den man heute schmerzlich vermisst – hält sich dennoch wacker. Ihr Begleiter mit fesch sitzendem Hut und zweireihigem Mantel scheint ebenfalls guter Dinge zu sein.

Vermutlich war es bloß ein Tag mit Temperaturen um die null Grad, an dem ein kräftiger Schneeschauer in Windeseile Frontscheibe und Nummernschild zuwehte – auf der Straße jedenfalls zeigt sich eher Schneematsch.

Bei solchen Bedingungen kam man auch mit einem Wagen mit Heckantrieb zurecht, wie wir ihn auf dem Foto sehen. Der klassische Flachkühler mit dem stilisierten Adler verrät, dass es sich um einen „Primus“ der Frankfurter Adlerwerke von 1932 handelt.

Dieser blitzsauber gezeichnete Wagen war die konservative Variante eines Mittelklassemodells, mit dem Adler damals einen großen Erfolg landete.

Mit 32 PS aus 1,5 Liter Hubraum war man im Deutschland der frühen 1930er Jahre angemessen motorisiert. Das Fahrwerk des „Primus“ war mit blattgefederten Starrachsen zwar konventionell, doch immerhin gab es hydraulische Vierradbremsen.

Parallel dazu gab es ein fortschrittliches Schwestermodell, den heute bekannteren Adler „Trumpf“. Davon haben wir ebenfalls ein zur Jahreszeit passendes Foto:

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Adler „Trumpf“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Vom identischen Motor abgesehen war bei diesem schönen 2-türigen Cabriolet, das ebenfalls 1932 entstanden sein dürfte, praktisch alles anders:

Mit Frontantrieb (man beachte die Schneeketten vorn) und Einzelradaufhängung bot Adler hier ein modernes Konzept, das auch durch den schräggestellten Kühler auf Anhieb vom traditionellen Primus zu unterscheiden war.

Weshalb man bei diesem zukunftsweisenden Typ, der von Hans Gustav Röhr entwickelt wurde, noch Seilzugbremsen verbaute, bleibt rätselhaft. Selbst Wagen der unteren Mittelklasse wie der Typ 4/23 PS von Hanomag besaßen damals hydraulische Bremsen.

Möglich, dass die seilbetätigten Bremsen bei korrekter Einstellung ausreichten und man aus Kostengründen daran festhielt. Denn Limousine und Cabriolet des Fronttrieblers Adler „Trumpf“ waren teurer als die jeweiligen Varianten des „Primus“.

Kann jemand sagen, wer der Hersteller des feinen Adler „Trumpf“ Cabrios war, das wir auf dieser Winteraufnahme sehen? Es scheint keine Standardkarosserie zu sein.

Was bleibt, sind zwei schöne Dokumente, die eine Vorstellung davon vermitteln, wie selbstverständlich die heute sorgsam behüteten Adler-Veteranen einst im Wintereinsatz bewegt wurden und wie stilvoll man sich damit präsentierte.

Vielleicht eine Anregung für Besitzer solcher Adler-Wagen, auch selbst möglichst „original“ daherzukommen…

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Vollendeter Auftritt: Ein Adler „Diplomat“ Cabriolet

Heute kommen wieder einmal die Freunde der einst hochangesehenen Frankfurter Marke „Adler“ auf ihre Kosten – und das gleich mit einem der seltensten Modelle der 1930er Jahre, einem Adler „Diplomat“.

Wer sich mit den Adler-Typen jener Zeit nicht auskennt, hat vom „Diplomat“ wohl noch nie gehört – es wurden davon ab 1934 auch nur wenige tausend Stück gebaut.

„Den“ Adler der 1930er Jahre schlechthin kennt dagegen jeder, der sich für deutsche Vorkriegsautos erwärmen kann, die Rede ist vom „Trumpf Junior“. Hier haben wir ein Exemplar auf einer schönen, bislang unveröffentlichten Originalaufnahme:

Adler_Trumpf_Cabriolimousine_Galerie

Adler „Trumpf Junior“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Viel besser hätte die Werbeabteilung das Volumenmodell von Adlerrund 100.000 wurden davon gebaut – auch nicht treffen können.

Schräg von vorn kommt das Adler-Emblem an dieser Cabrio-Limousine perfekt zur Geltung. Die beiden Herren mit Fahrerhaube machen durchaus den Eindruck, dass sie zufrieden mit ihrem 25 PS leistenden modernen Fronttriebler sind.

Wer übrigens eine Idee hat, wo sich die Kirchen- oder Klosterruine im Hintergrund befindet, kann dies über die Kommentarfunktion kundtun.

Nun aber zurück zum raren Adler „Diplomat“, von dem wir bislang überhaupt nur ein Exemplar zeigen konnten, dieses hier:

Adler_Diplomat_1934_Galerie

Adler „Diplomat“ Limousine; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Den eindrucksvollen Wagen hatten wir vor einiger Zeit hier vorgestellt. Dabei sind wir auch ausführlich auf den Ursprung und die besonderen Qualitäten dieses 6-Zylindermodells eingegangen.

Deshalb verzichten wir an dieser Stelle auf eine ausführliche Besprechung des Typs an sich – und widmen uns stattdessen einer Karosserievariante des Adler „Diplomat“, die nach Meinung des Verfassers das Attribut „formvollendet“ verdient.

Leider wissen wir bislang nicht, welcher Karosseriebaufirma wir dieses Prachtstück zu verdanken haben:

Adler_Diplomat_Cabriolet_Galerie

Adler „Diplomat“; Orignalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

So repräsentativ die Limousine auch wirkt, so elegant kommt dieses 4-Fenster-Cabriolet daher. Es soll auch eine zweifenstrige Version gegeben haben – im Fundus des Verfassers findet sich aber bislang noch keine entsprechende Aufnahme.

Selbst Fotos dieser offenen Ausführung sind ausgesprochen selten, zumal es sich um die nur 1934 gebaute Variante handelt.

Diese ist an den schüsselförmigen Scheinwerfergehäusen (später tropfenförmig) und den ausstellbaren Luftklappen in der Motorhaube zu erkennen, außerdem an der wie beim „Trumpf Junior“ nur leicht geneigten Kühlermaske:

Adler_Diplomat_Cabriolet_Frontpartie

Auf dieser Ausschnittsvergrößerung kann man auf der Radkappe deutlich „Adler Diplomat“ lesen, sodass formal ähnliche Wagen wie der Hanomag „Sturm“ ausscheiden.

Leider ist der Abzug im Bereich zwischen A-Säule und Ersatzrad beschädigt, doch die Qualität des Aufbaus ist auch so bemerkenswert. Was besticht, ist die Klarheit der Karosserieelemente, die wie gemeißelt wirken.

Ob die präzise Sicke entlang des Vorderschutzblechs, die Ausschnitte der Luftklappen oder die seitliche Zierleiste, die die Gürtellinie des Wagens akzentuiert, alles wirkt konzentriert, schlüssig und selbstverständlich.

Gerade Linien werden so weit wie möglich vermieden, selbst der Türgriff weist einen leichten Schwung auf und die seitliche Zierleiste wird nach hinten breiter.

Wunderbar dann der Verlauf der nach hinten erst leicht abwärts- und dann wieder aufwärtsschwingenden Linien unterhalb der Seitenfenster und der kurvige Abschluss der Fahrgastzelle oberhalb des Trittbretts:

Adler_Diplomat_Cabriolet_Heckpartie

Diese leicht gegenläufigen Bögen erzeugen Spannung im Wagenkörper, vermeiden die öde Gleichförmigkeit paralleler Linien und rechter Winkel.

Wie hier das Karosserievolumen spannungsreich und dennoch im Einklang mit der Funktion der einzelnen Elemente gestaltet ist, verrät eine meisterliche Hand. Das gilt gleichermaßen für die Zeichner des Aufbaus wie für die Arbeiter, die diese organischen Formen mit ihren Händen schufen.

Denn solch eine Blechskulptur fiel nicht aus irgendeiner Stanze und wurde auch nicht über einer Abkantbank in simple Form gezwungen – so etwas war Stilsicherheit pur und Kunsthandwerk vom Feinsten.

Nun betrachte man sich, was heutzutage von vielen Herstellern an „Design“ produziert wird, das von irgendwo beginnenden und im Nichts endenden Sicken und Falzen geprägt ist, das mit plump aufgesetzten Plastikelementen und grotesk überzeichneten Lufteinlässen und Auspuffpartien daherkommt.

Wer sich fragt, was die Magie der wirklich alten Autos ausmacht, findet hier eine Antwort.

So wie eine Violine irgendwann ihre vollendete Form fand (das ist schon ein paar Jahrhunderte her) so markieren auch die Autos der 1930er Jahre in den gelungensten Fällen eine formale Vollkommenheit, an der es nichts zu verbessern gibt.

Mit dem „Diplomat“ von 1934 erreichte Adler in gestalterischer Hinsicht einen Grad der Vollendung, dem nichts Vergleichbares mehr folgen sollte.

Wenn jetzt noch jemand belegen könnte, wer der Hersteller dieses wunderbaren Cabriolet-Aufbaus war, wäre das Glück perfekt…

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Der Teufel steckt im Detail: 2 Adler „Standard 6“ Cabriolets

Im letzten Blogeintrag haben wir uns mit der Bedeutung des Begriffs „Standard“ als Typbezeichnung bei Vorkriegsmodellen befasst – und in dem Zusammenhang auch den Adler „Standard 6“ der späten 1920er Jahre erwähnt.

Da die Adler-Freunde hier schon länger nicht bedacht wurden, nutzen wie die Gelegenheit und nehmen uns gleich zwei Exemplare des großzügigen Modells aus den Frankfurter Adlerwerken vor.

Dabei zeigt sich, dass man genau hinsehen muss, um die jeweilige Ausführung der Wagen identifizieren zu können, die keineswegs „Standard“ ist. Auf der folgenden Aufnahme sieht man zunächst einmal nicht viel Auto:

Adler_Standard_6_Cabriolet_oder_Favorit_Galerie

Adler Standard 6 oder Favorit; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier haben wir eine sehr schöne Fotopostkarte, die einst von einem herrschaftlichen Anwesen im ehemaligen deutschen Osten verschickt wurde.

Wer diese malerische Aufnahme gemacht hat, für den stand das Auto mit Zulassung in der Provinz Pommern nicht im Mittelpunkt. Hier ging es darum, die Atmosphäre eines lichtdurchfluteten Sommertags einzufangen – das ist eindrucksvoll gelungen.

Für unsere Zwecke müssen wir tief in das Foto hinein“zoomen“ – zum Glück ist die Qualität des fast 90 Jahre alten Abzugs für eine heftige Ausschnittsvergößerung gut genug, wie man sieht:

Adler_Standard_6_oder_Favorit_Cabriolet_Karmann_Ausschnitt

Das ist nebenbei ein schönes Beispiel dafür, dass historische Autofotos dann besonders reizvoll sind, wenn sie „belebt“ sind.

Die beiden Kinder am Eingang zum Herrenhaus schaffen ein Gegengewicht zu dem mächtigen Wagen und rücken zugleich seine Dimensionen ins Verhältnis.

Wem der „Look“ des Autos amerikanisch vorkommt, liegt zwar im Hinblick auf den Hersteller falsch, hat aber in stilistischer Hinsicht den richtigen Riecher. Dieser Wagen sollte nämlich genau diesen Eindruck hinterlassen.

Abgesehen von der dreieckigen Emaille-Plakette mit dem Adler-Symbol auf der Kühlermaske wirkt hier nichts „deutsch“:

Adler_Standard_6_Kühler

Mit dem ab 1927 gebauten „Standard 6“ und dem äußerlich sehr ähnlichen Vierzylindermodell „Favorit“ gelang den Frankfurtern eine perfekte Imitation des seinerzeit maßgeblichen US-Stils.

Das war auch bitter nötig, denn die in jeder Hinsicht modernen „Amerikanerwagen“ machten seit Mitte der 1920er Jahre den an veralteten Konzepten festhaltenden einheimischen Herstellern das Leben schwer.

Mit dem anfänglich 45, später 50 PS leistenden Sechszylindermotor und  hydraulischen Vierradbremsen war der Adler Standard 6 auch technisch auf der Höhe der Zeit.

Zwar blieben die Stückzahlen (ca. 20.000 Exemplare) wie bei allen deutschen Herstellern weit hinter den Produktionsmengen der US-Marken zurück. Doch immerhin war das Modell so erfolgreich, dass es diverse Karosseriehersteller auf den Plan rief.

Dass wir es mit keinem Standardaufbau zu tun haben, sieht man spätestens hier:

Adler_Standard_6_oder_Favorit_Cabriolet_Karmann_Ausschnitt2

Offenbar handelt es sich um ein zweitüriges und zweifenstriges Cabriolet.

Ein Sport-Cabriolet in diesem eleganten Stil mit dunkel abgesetzter Zierleiste an der Tür gab es beispielsweise von Karmann, doch auch andere Manufakturen sind denkbar.

Genau wird sich das vielleicht nicht mehr klären lassen. Der Teufel steckt aber auch in anderer Hinsicht im Detail. Die Aufnahme könnte nämlich auch das vierzylindrige Schwestermodell des Standard 6, den „Favorit“, zeigen.

Dieser unterschied sich äußerlich nur durch größere Reifen und sieben statt fünf Radbolzen vom Sechszylinder, zumindest in der ersten, bis 1930 gebauten Serie mit horizontalen statt senkrechten Luftschlitzen in der Motorhaube.

Genau diese Unterscheidungsmerkmale bleiben uns aus diesem Aufnahmewinkel verborgen. Vielleicht kann ein „adlerkundiger“ Leser dennoch Genaueres sagen.

Erst ab 1930 kam man in den Adlerwerken auf die Idee, die verfügbaren  Motorisierungen voneinander optisch unterscheidbar zu machen. Das tat man so wirksam, dass der genaue Typ sogar auf folgender, mäßiger Aufnahme erkennbar ist:

Adler_Standard_6_Cabrio_bei_Remagen_a_Galerie

Adler Standard 6, 2-Fenster-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dieses Foto entstand Anfang der 1930er Jahre an einem Wintertag bei Remagen.

Gleich mehrere markante Details sind zu erkennen:

  • senkrechte Luftschlitze in der Haube
  • oben in der Kühlermaske angesiedeltes Adler-Emblem
  • rautenförmiges Emblem über dem Nebelscheinwerfer
  • fünf Radbolzen
  • leicht geneigte Frontscheibe

Hier eine Ausschnittsvergrößerung, die das besser erkennen lässt:

Adler_Standard_6_Cabrio_bei_Remagen_a_Ausschnitt

Das Nummernschild mit der römischen Ziffer „I“ verweist übrigens auf eine Zulassung in der Region Bautzen in Sachsen.

Was lässt sich nun zu dieser Ausführung sagen? Nun, trotz der nur fünf Radbolzen ist das kein Vierzylinder des Typs „Favorit“.

Ab 1931 verfügte zwar nur noch der Achtzylindertyp  „Standard 8“ über sieben Radbolzen. Doch gleichzeitig wurden die Sechs- und Achtzylindermodelle in dem rautenförmigen Feld vor dem Kühler kenntlich gemacht.

Beim Favorit sparte man sich eine „4“ an dieser Stelle – das wäre so prestigeträchtig gewesen wie das „D“ hinter der „200“ bei neuzeitlichen Mercedes-Modellen…

Ob nun „Standard 6“ oder „Standard 8“ – dieses Auto ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Das wird auf dem zweiten erhaltenen Foto desselben Wagens deutlich:

Adler_Standard_6_Cabrio_bei_Remagen_b_Ausschnitt

Adler Standard 6, 2-Fenster-Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier sehen wir den Adler endlich vollständig – auch die mutmaßliche Gattin des Besitzers ist hier deutlich vorteilhafter abgelichtet.

Der Ehemann ließ bei dieser Gelegenheit dem Chauffeur den Vortritt, der mit verwegen sitzender Schirmmütze hinter „seinem Adler“ posiert.

Den angestellten Fahrer ebenfalls mit im Fotoalbum zu verewigen, das zeugt von Wertschätzung und Stil – man findet das oft auf solchen historischen Aufnahmen.

Bleibt die Frage, welche Variante des Adler Standard 6 (oder 8?) wie hier sehen.

Wie auf dem Bild des Wagens aus Pommern handelt es sich um ein zweitüriges Cabriolet. Jedoch verfügt dieses Exemplar über vier Seitenfenster.

Einen Adler genau in dieser Ausführung konnte der Verfasser in der ihm vorliegenden Literatur bislang nicht finden. Das will aber nichts heißen, denn er kennt sich bei deutschen Vorkriegsautos überall ein bisschen, aber nirgends richtig aus.

Daher: Adler-Spezialisten vor – wer lieferte die Karosserie dieses Adler, der einst einem sächsischen Paar nebst Fahrer zu einem Ausflug an den Rhein diente?

© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

Adler-Freunde im Glück: 6/24 PS-Tourenwagen

Heute dürfen sich die Freunde der einstigen Frankfurter Marke Adler auf ein besonderes Verwöhnprogramm freuen – gleich vier Spitzenaufnahmen der 1920er Jahre aus der Sammlung des Verfassers werden genüsslich zelebriert.

Vielleicht hat der eine oder andere Leser beim Titel gestutzt – sollte es da statt „6/24 PS“ nicht „6/25 PS“ heißen? Immerhin war der Typ 6/25 PS das bekannteste und verbreitetste Adler-Automobil, das Mitte der 1920er Jahre gebaut wurde.

Entsprechend häufig ist dieses von 1925-28 meist als Tourenwagen gefahrene Modell auf diesem Oldtimerblog vertreten (siehe Adler-Bildergalerie).

Für die in Sachen Adler weniger versierten Leser hier eine bisher unpublizierte Aufnahme – wohl die beste auf diesem Oldtimerblog des Typs 6/25 PS:

Adler_6-25_PS_Tourenwagen_Galerie

Adler 6/25 PS Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Man möchte meinen, dass eine über 90 Jahren alte Aufnahme eines Adler- Tourenwagens kaum besser sein könnte.

Ein technisch wie von der Situation her perfektes Foto, das einen eigenen Blog-Eintrag wert wäre, wenn wir nicht noch einen (bzw. drei) draufsetzen könnten.

Zur Identifikation des Typs an dieser Stelle nur das Nötigste: Scheibenräder und Flachkühler mit in das Kühlernetz hineinragendem Adler-Emblem gab es so nur beim Volumenmodell Adler 6/25 PS.

Die seitlichen Kotflügel“schürzen“ aus (Kunst?)Leder waren ein verbreitetes Zubehör, das einer Verschmutzung des Wagens entgegenwirkte:

Adler_6-25_PS_Tourenwagen_Frontpartie

Wenn nicht alles täuscht, beginnt das Kennzeichen dieses Adler 6/25 PS mit „HH“ – was schon bei Vorkriegsautos für die Hansestadt Hamburg stand.

Da der Boden, auf dem der Adler steht, sandig erscheint, könnte diese Aufnahme bei einem Ausflug an die See entstanden sein. Dazu mag allerdings die Waldlandschaft im Hintergrund nicht so recht passen.

Wie auch immer – wir erfreuen uns an den Details, die sich an diesem Adler 6/25 PS-Tourenwagen studieren lassen – die Insassen inbegriffen:

Adler_6-25_PS_Tourenwagen_Insassen

Sieben Insassen schauen uns hier mit einem Abstand von über 90 Jahren an – man stellt sich das in einem heutigen Cabriolet vergeblich vor – so faszinierend anders sind nun einmal Vorkriegsautos!

Bemerkenswert ist auch der Benzinkanister auf dem Trittbrett mit „windschnittiger“ Optik – darin lebt etwas von der expressiven Ästhetik der Spitzkühlerperiode weiter, die bei Adler bis in die frühe Nachkriegszeit anhielt.

Im Hinterkopf behalten wir außerdem die Herstellerplakette auf dem Schweller – die nicht etwa auf eine spezielle Karosseriemanufaktur verweist, wie man meinen könnte, sondern schlicht auf die Adlerwerke zu Frankfurt am Main.

Genau diesem Detail begegnen wir auf folgender Aufnahme wieder:

Adler_6-24_PS_1c_Ausschnitt

Adler 6/24 PS Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier haben wir nun eine Aufnahme von herausragender Qualität, die wir in einigen Details studieren wollen.

Dass auch dieser blitzsauber, doch keineswegs langweilig gezeichnete Tourenwagen ebenfalls ein Adler ist, erschließt sich nicht auf den ersten Blick, doch ist die Beweisführung selten so einfach wie hier:

Adler_6-24_PS_1c_Frontpartie

Auf dieser Ausschnittsvergrößerung des Abzugs kann man auf der Herstellerplakette tatsächlich den Schriftzug „ADLERWERKE“ lesen.

Ganz selten auf alten Aufnahmen zu erkennen ist außerdem der (hier vertikale) Schriftzug „ADLER“ auf der Nabenkappe der Drahtspeichenräder.

Apropos: Die Drahtspeichenräder, das Fehlen von Vorderradbremsen und die breiteren Luftschlitze in der Motorhaube dieses Wagens sind Hinweise darauf, dass wir einen der raren Vorgänger des Adler 6/25 PS vor uns haben, ein 6/24 PS Modell von 1923.

Eine historische Aufnahme dieses laut Literatur nur in rund 500 Exemplaren gebauten Typs haben wir hier bereits vorgestellt. Heute können wir den Luxus gleich dreier Fotos desselben Wagens zu genießen.

Dabei beziehen diese schönen Aufnahmen ihren Reiz nicht zuletzt aus den Insassen:

Adler_6-24_PS_1c_Insassen

Selten ist dem Verfasser eine historische Aufnahme von Vorkriegsautos begegnet, auf der die Insassen so vollkommen glücklich und in sich ruhend wirken.

Man schaue sich diese Leute genau an – das sind echte Persönlichkeiten und alle wirken sympathisch. Vermutlich waren das die „Hipster“ der 1920er Jahre – aber was für ein Unterschied zu den „Fashion Victims“ unserer Tage, die alle gleich aussehen.

Hier haben wir dieselbe gutgelaunte Gesellschaft ein weiteres Mal – und nun sehen wir auch die Kühlerpartie des Adler 9/24 PS:

Adler_6-24_PS_1a_Galerie

Adler 6/24 PS Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Natürlich schauen wir uns auch hier die Insassen gleich noch genauer an, doch erst einmal ist die Frontpartie des Adler 9/24 PS dran, die ähnliche Seitenschürzen an den Vorderschutzblechen trägt wie der eingangs gezeigte Adler 6/25 PS.

Interessanterweise tauchen erst Anfang der 1930er Jahre Vorderkotflügel an Serienwagen auf, die dieselbe Schutzwirkung entfalten. Das erste Auto, das damit aufwarten konnte, war der amerikanische Graham „Blue Streak“ (Bildbericht).

Zurück zu „unserem“ Adler 6/24 PS Tourenwagen, hier die Frontpartie im Detail:

Adler_6-24_PS_1a_Frontpartie

Abgesehen von den Drahtspeichenrädern sehen wir einen weiteren Unterschied zum ab 1925 gebauten Nachfolgemodell 6/25 PS: das Fehlen von Vorderradbremsen.

Hier erahnt man auch den nach unten schmaler werdenden Wagenkörper, ein Reflex der vor dem 1. Weltkrieg modischen „Tulpenkarosserie“, von der wir gelegentlich ein herausragendes Beispiel anhand eines Adler zeigen werden.

Erneut lohnt sich ein Blick auf die Insassen des Adler 6/24 PS:

Adler_6-24_PS_1a_Insassen Dieselben Adler-Enthusiasten, dieselbe ungezwungene Haltung – es muss wirklich ein schöner Tag gewesen sein, an dem der unbekannte sechste „Mann“ – wahrscheinlich die Begleiterin des Herrn vor dem Wagen – dieses Foto schoss.

Kurios, dass hier beide Insassen auf der hinteren Rückbank die Schutzbrille verkehrt herum tragen – vielleicht hatten sie schlicht keine Erfahrung damit, womöglich war es ihre erste Fahrt in einem Automobil, wer weiß?

Dass man je nach Tempo auf den rückwärtigen Sitzen auch ohne Brille auskam, selbst im Winter, darauf weist die dritte Aufnahme des Adler 6/24 PS hin:

Adler_6-24_PS_1b_Galerie

Adler 6/24 PS Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auch wenn wir hier auf die beiden charmanten Damen verzichten müssen, lohnt sich doch ein zweiter Blick, denn ausgerechnet diese im Vergleich zu den beiden vorherigen unscheinbarer wirkende Aufnahme hat es „in sich“.

Damit sind weniger die Insassen gemeint, die wir zum Teil kennen:

Adler_6-24_PS_1b_Insassen

Hier spart sich der Verfasser einen Kommentar, denn diese Typen, die jeden Kinofilm bereichert hätten, sprechen vollkommen für sich.

Stattdessen befassen wir uns mit einem winzigen Detail, das rein gar nichts mit dem Adler 6/24 PS und seinen stilbewussten Insassen zu tun hat, aber dem hessischen Lokalpatrioten Vergnügen bereiten dürfte.

Dazu nehmen wir noch einmal die Frontpartie des Adler 6/24 PS ins Visier:

Adler_6-24_PS_1b_Detail Hotel „Hohe Mark“ steht auf dem Emailleschild an der Hauswand geschrieben, darunter der Name des Inhabers „Johann Heinrich Bauser“.

Die beiden Informationen zusammengenommen genügen, um den Ort zumindest diese Aufnahme zu lokalisieren: Besagtes Hotel stand einst in Oberursel im Taunus.

Eventuell lässt sich anhand dieser Information der Aufnahmeort der beiden anderen Fotos des Adler identifizieren, evtl. Bad Homburg vor der Höhe?

Über weiterführende Hinweis würde sich der Verfasser freuen – gegebenfalls wird der Blog-Eintrag entsprechend ergänzt.

Davon ganz unabhängig: Ist das eine Fotoserie, die Adler-Freunde glücklich macht? Wenn ja, haben wir noch einiges von vergleichbarem Kaliber in petto…

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1934: Der „Diplomat“ von Adler setzt neue Standards

Nachdem wir mit den letzten Blog-Einträgen in Großbritannien „fremdgegangen“ sind und einige erlesene Vorkriegsautos beim jährlichen Goodwood Revival Meeting  bewundert haben, kehren wir nun wieder in heimische Gefilde zurück.

Darüber werden sich vor allem die Freunde der einstigen Frankfurter Automarke Adler freuen, deren Wagen einst mit am häufigsten auf Deutschlands Straßen unterwegs waren.

Wer nun fürchtet, es würde wieder „bloß“ ein Vertreter der im Blog bereits gut repräsentierten Spezies Adler „Standard 6“ vorgestellt, liegt daneben – aber nur knapp.

Originales Fotomaterial zu diesem ab 1927 gebauten Modell bietet der Fundus des Verfassers noch in erfreulichem Umfang. Immerhin wurde der den auch hierzulande erfolgreichen US-Sechszylinderwagen nachempfundene Wagen über 20.000mal gebaut.

Da wundert es kaum, dass sich auf alten Aufnahmen immer mal wieder ein Adler „Standard 6“ findet – und sei es so versteckt wie auf diesem schönen Bild:

Adler_Standard_6_und_US-Wagen_Bacharach_Galerie

Ansicht aus Bacharach; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese atmosphärische Aufnahme entstand um 1930 im romantischen Bacharach im Mittelhreintal, das von den instinktlosen Verwüstungen der Nachkriegszeit weitgehend verschont geblieben ist.

Das hier abgebildete Restaurant „Altes Haus“ aus dem späten 16. Jahrhundert sieht heute noch genauso aus und kündet von der Langlebigkeit und Schönheit alter Baukunst. Bloß in automobiler Hinsicht hat die Szenerie seither gelitten.

Wir Altautofreunde haben aber Glück, denn auf dem historischen Foto finden sich gleich drei Wagen ganz nach unserem Geschmack, neben zwei US-Modellen auch ein Adler Standard 6 (ganz links):

Adler_Standard_6_und_US-Wagen_Bacharach_Ausschnitt

Die Frontpartie mit dem ins Kühlernetz hineinragenden Adler-Emblem verweist auf eine Entstehung spätestens 1930. Die sieben Radbolzen unterscheiden den Wagen vom äußerlich sonst fast identischen Vierzylindermodell „Favorit.

In der Raute auf der Verbindungsstange zwischen den Scheinwerfern ist schemenhaft eine „6“ zu erkennen – so schön es auch wäre, hier eines der äußerst seltenen Achtzylinder-Exemplare zu sehen…

Das Auto im Hintergrund ist übrigens ein Buick – wahrscheinlich ein Typ der Serie 121 bzw. 129, die wir hier bereits gestreift haben.

Nun aber genug davon – sollte es heute nicht um den Adler „Diplomat“ gehen? Sicher, nur kommt man an dessen Vorgänger „Standard 6“ nicht vorbei.

Denn 1933 erschien eine überarbeitete Version des „Standard 6“, die abgesehen von der Motorisierung eine weitgehende Neukonstruktion darstellte. Verantwortlich war dafür war kein geringerer als der brilliante Autodidakt Hans-Gustav Röhr.

Nachdem er mit seiner eigenen Automobilfirma an wirtschaftlichen Zwängen gescheitert war (Bildbericht), fand er mit seinem Entwicklerteam ein neues Betätigungsfeld bei Adler.

Die Frankfurter Traditionsmarke verdankte Röhrs Gespür und Führungsqualitäten nicht nur das erfolgreiche Frontantriebsmodell „Trumpf“, sondern auch den „runderneuerten“ Standard 6.

Dieser zeichnete sich durch eine drastisch verbesserte Straßenlage aus, die dem tiefliegenden Chassis und der Einzelradaufhängung vorn zu verdanken war.

Unterstrichen wurde die Modernisierung des Modells durch eine Formgebung, die ein wenig an britische Wagen mit sportlicher Anmutung erinnerte:

Adler_Diplomat_1934_Galerie

Adler „Diplomat“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Geliefert wurde dieser makellos gezeichnete Aufbau von der Berliner Firma Ambi-Budd, die einen guten Ruf für ihre Ganzstahlkarosserien genoss.

Wer sich nun fragt, woran man denn erkennt, um was für ein Modell es sich überhaupt handelt, legt eine berechtigte Skepsis an den Tag. Denn genau betrachtet haben wir hier gar keinen Adler „Standard 6“ der 1933 neu vorgestellten Baureihe vor uns.

Das verrät folgender Bildausschnitt:

Adler_Diplomat_1934_Frontpartie

Adler „Diplomat“ lässt sich auf der Radkappe des Ersatzrads entziffern. Was ist denn davon zu halten?

Nun, formal haben wir es immer noch mit einem Adler Standard 6 neuerer Bauart zu tun – er wurde bloß 1934 umbenannt in „Diplomat“, was anspruchsvoller klang.

Äußerlich war dies nur an den seitlichen „Schürzen“ der Vorderschutzbleche erkennbar, wenngleich die letzten noch als „Standard 6“ verkauften Modelle dieses beim Graham „Blue Streak“ erstmals auftauchende Detail ebenfalls erhielten.

Übrigens wurde der Adler „Diplomat“ in der Ausführung auf unserem Foto so nur 1934 gebaut. Im Folgejahr bekam er eine weiter überarbeitete Karosserie, die wir bei einer anderen Gelegenheit besprechen werden.

Vom Adler „Diplomat“ wurden bis 1940 rund 3.000 Exemplare gebaut. Von der hier gezeigten Ausführung des Jahrs 1934 dürfte es bloß einige hundert gegeben haben.

Ob davon auch nur ein einziger überlebt hat? Vielleicht weiß jemand vom Adler Motor-Veteranen-Club (AMVC) etwas darüber. Auf dessen Website findet sich jedenfalls nichts Verwertbares über das eindrucksvolle Modell Diplomat von 1934…

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Adler „Favorit“ oder „Standard 6“ – das ist die Frage…

Die einst international hochangesehene Frankfurter Marke Adler nimmt auf diesem Oldtimerblog eine prominente Rolle ein. Dies hat sich durch die gute Verfügbarkeit entsprechender alter Aufnahmen ergeben.

So ist hier eine umfangreiche Galerie mit historischen Originalfotos von Adler-Automobilen entstanden, die vor allem im Hinblick auf die wenig dokumentierten Modelle der Frühzeit interessant ist.

Dort bestehen zwar noch Lücken und manche Zuschreibung ist vorläufig, doch mit Hilfe von Adler-Kennern sollte sich das Bild vervollständigen lassen.

Heute beschäftigen wir uns aber mit gängigeren Adler-Typen der 1920er Jahre, bei denen kaum Fragen offen sein sollten. Die Rede ist von den nach US-Vorbild neukonstruierten Modellen „Standard 6“ (ab 1927) und „Favorit“ (ab 1928).

Der „Standard 6“, dessen Bezeichnung von den damals enorm erfolgreichen amerikanischen 6-Zylinder-Wagen übernommen wurde, besaß gegenüber dem Vierzylindermodell „Favorit“ eine deutlich überlegene Motorisierung.

Begnügte sich der 1,9 Liter „Favorit“ mit rund 35 PS, brachte es der „Standard 6“ auf 45 PS (später 50 PS), die dank größeren Hubraums (2,5 bzw. 2,9 Liter) bei niedrigerer Drehzahl anfielen.

Die Karosserie war aber zumindest bei der Limousine einheitlich und wurde von Ambi-Budd in Berlin geliefert. Nur wenige Details erlauben eine Unterscheidung von Adler „Favorit“ und „Standard 6“, ohne die Haube zu öffnen.

Das macht im Einzelfall die Identifikation des genauen Typs auf historischen Fotos schwierig bis unmöglich. Einen solchen Fall haben wir hier:

Adler_Favorit_oder_Standard_6_spät_01-1934_Galerie

Adler „Favorit“ oder „Standard 6“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Bei dieser Aufnahme stand der Adler erkennbar nicht im Vordergrund. Ob er den beiden Herren – es könnten Vater und Sohn sein – gehörte, wissen wir nicht.

Vielleicht haben sie sich bloß vor dem zufällig dastehenden Wagen fotografieren lassen. Denn ein Auto war hierzulande noch eine Rarität. 

Ende der 1920er Jahre gab es in Deutschland weit weniger als 500.000 PKW. Bei einer Bevölkerung von 60 Millionen entfiel somit nicht einmal ein Auto auf 100 Einwohner (Quelle: „Die deutsche Automobilindustrie“, von Seherr-Thoss, S. 637).

Ob absichtlich oder zufällig haben die beiden Herren die entscheidende Partie des hinter ihnen stehenden Wagens freigelassen:

Adler_Favorit_oder_Standard_6_spät_01-1934_Ausschnitt

Das ist ein Adler, wie er ab 1930/31 gebaut wurde. Zu erkennen ist das daran, dass das dreieckige Markenemblem nicht mehr in das Kühlernetz hineinragt, sondern vollständig auf der Kühlermaske angebracht ist.

Dazu passen auch die senkrechten Luftschlitze in der Motorhaube, zuvor waren sie bei den Adler-Modellen der späten 1920er Jahre waagerecht.

Bleibt die Frage: Adler „Favorit“ oder „Standard 6“? Leider müssen wir hier passen, denn es fehlen uns die entscheidenden Details, die eine Unterscheidung ermöglichen.

An dieser Stelle kommt eine Aufnahme ins Spiel, die zumindest zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Blogeintrags noch kein historisches Original war:

Adler_Favorit_früh_und_spät_HG_08-2017_Galerie

Adler „Favorit“, frühe und späte Ausführung; Bildrechte: Michael Schlenger

Trotz der „Vintage“-Anmutung ist diese Aufnahme am 2. August 2017 entstanden, beim Halt eines Rudels von Adler-Fahrzeugen in der „Central Garage“ in Bad Homburg, einem ganz besonderen Automobilmuseum in der hessischen Region.

Der Verfasser hatte das Vergnügen, anlässlich der vom rührigen Adler-Motor-Veteranen-Club ausgerichteten „Clärenore-Stinnes-Gedächtnisfahrt“ die Wagen am Start in Bad Homburg bewundern zu können.

Der Zufall wollte es, dass die beiden oben abgebildeten Wagen nebeneinander standen – daran kann man mustergültig Adler-Typologie betreiben.

Auf den ersten Blick wirken die Autos recht unterschiedlich, speziell Kühler- und Haubenpartie weichen deutlich voneinander ab. Sollten wir hier einen Adler „Favorit“ und einen „Standard 6“ nebeneinander stehen sehen?

Leider nicht, aber interessant ist die Situation allemal. Beide Wagen verfügen trotz aller sonstigen Unterschiede über fünf Radmuttern – das sicherste Erkennungsmerkmal eines Adler „Favorit“, hier nochmals in Großaufnahme:

Adler_Favorit_spät_Vorderrad_HG_08-2017_SW

Es lässt sich sogar der „Adler“-Schriftzug auf der Nabenkappe lesen, was auf historischen Fotos selten der Fall ist.

Der Adler „Standard 6“ und sein heute noch seltenerer großer Bruder „Standard 8“ besaß dagegen stets sieben Radbolzen. 

Demnach hatte der Verfasser tatsächlich zwei Versionen des Adler „Favorit“ vor dem Objektiv:

Adler_Favorit_früh_und_spät_HG_08-2017_Ausschnitt_Galerie

Der hintere Wagen trägt noch die frühe, ab Einführung des Typs 1928 verbaute Kühlermaske, bei der das Adler-Emblem in den Kühlergrill hineinragt. Gut zu erkennen ist aus diesem Winkel die leichte Wölbung des oberen Kühlerausschnitts.

Auf das frühe Modell verweisen zudem die in zwei Reihen angebrachten waagerechten Luftschlitze.

Beim vorderen „Favorit“, wie er ab 1930 gebaut wurde, wirkt der Kühler sachlicher, das Adler-Emblem ist nach oben gewandert. In dekorativer Absicht versah man den Unterteil der Kühlermaske mit senkrechte Sicken.

Die Karosserie mit den stark profilierten Vorderschutzblechen blieb ansonsten nahezu unverändert. Wie es scheint, finden sich an beiden Modellgenerationen die schönen „HASAG“-Frontscheinwerfer mit „Adler“-Prägung in der Streuscheibe:

Adler_Favorit_spät_HASAG-Lampe_HG_08-2017_Galerie_SW

HASAG-Scheinwerfer; Bildrechte: Michael Schlenger

Viel mehr wollen wir an dieser Stelle gar nicht zu den beiden Versionen des Adler „Favorit“ erzählen, obwohl speziell der jüngere eine spannende Geschichte aufweist.

Wir kehren zurück zur Frage, ob man stets einen „Favorit“ äußerlich von einem „Standard 6“ unterscheiden kann und wollen sie nach den Erfahrungen mit dem eingangs gezeigten Foto salomonisch beantworten: Es kommt drauf an.

Nehmen wir beispielsweise diese Aufnahme aus der Sammlung des Verfassers:

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Adler „Standard 6“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier dürfte der Fall klar sein: Sieben Radbolzen und eine Kühlermaske in der frühen Ausführung, das wird ein „Standard 6“ sein. Die für diese Generation typischen waagerechten Luftschlitze sind durch die Perspektive bedingt verdeckt.

Praktisch unmöglich dürfte die Frage dagegen im folgenden Fall zu beantworten sein –  den Wagen haben wir vor längerer Zeit bereits vorgestellt:

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Adler „Favorit“ oder „Standard 6“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Für die Adler-Freunde dürfte diese hochwertige und von der Perspektive ungewöhnliche Aufnahme dennoch ein Augenschmaus sein.

Sehr ansehnlich ist auch ein weiteres Foto, das wir hier schon einmal präsentiert haben und bei dem uns die Sache ausnahmsweise sehr leicht gemacht wird:

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Adler „Standard 6“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die späten Ausführungen des Adler „Standard 6“ trugen den Hinweis auf die Zylinderzahl auf einer Mittelstrebe zwischen den Scheinwerfern.

Weiß jemand, ab wann genau dies der Fall war bzw. ob dies ein optionales Zubehör war? Eine entsprechende Information würde die Identifikation der Adler-Wagen dieser Modellreihe weiter erleichtern.

Bei der Gelegenheit sei den Teilnehmern der „Clärenore-Stinnes-Gedächtnisfahrt“ für ihren Einsatz für den Erhalt dieser selten gewordenen Zeitzeugen und die geduldigen Auskünfte zu ihren Schätzen gedankt.

Für Anmerkungen und etwaige Ergänzungen bitte die Kommentarfunktion nutzen.

© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.