Na, wo haben Sie den letzten Tag des Jahres 2024 verbracht? Hoffentlich in angenehmer Gesellschaft und ohne bürgerkriegsähnliche Szenen, wie sie aus Berlin berichtet wurden.
Aber vom Babylon an der Spree sind wir heute ohnehin denkbar weit entfernt, auch vom Wetter in unseren nördlichen Breiten. Der Kontrast zum hiesigen Silvester könnte kaum größer sein. Heißt das also, dass wir Silvester zum Teufel jagen? Nein, das nicht, ganz im Gegenteil – wir besuchen den Teufel bei der Gelegenheit sogar an seiner Wohnstatt.
Das fängt ja gut an im Neuen Jahr, mögen Sie jetzt denken. Können wir zum Jahresauftakt nicht einfach eine unkomplizierte Story mit einem flotten Vorkriegswagen haben?
Klar können Sie das, aber ich kann nichts dafür, dass es an Silvester nicht überall auf dem Planeten so zugeht und aussieht wie in deutschen Landen – und das ist gut so. Zum Beweis sei diese Aufnahme angeführt, die auf den 31.12.1947 datiert ist:

Diese Aufnahme wurde einst per Post an die deutsche Verwandschaft gesandt, die Silvester im germanischen Winter kurz nach dem Ende des Kriegs in aller Bescheidenheit zubrachte.
Auf der anderen Seite des Globus – in Südafrika – war zum damaligen Jahresende gerade Sommer und zur Silvesterparty fuhr man im entsprechend leichten Dress. Vorher unternahm man aber noch einen Ausflug mit dem Wagen.
Der führte zwar nicht wie unsere vorherige Zeitreise an den italienischen Gardasee, sondern bloß zu einem Stausee.
Der Ausruf „Zum Teufel!“ war dabei aber keineswegs Ausdruck von Missbilligung, was das Ziel angeht, vielmehr wusste die Miss, dass es nun zur Duivelskloof ging – der Teufelsschlucht – welche wohl irgendwann in den 1930/40er Jahren mit einer Staumauer versehen wurde.
Dummerweise konnte ich den Ort nicht mehr lokalisieren, was bei Erwerb des Fotos vor einigen Jahren noch möglich war. Nicht nur scheint der traditionelle Name Duivelskloof einem anderen gewichen zu sein, es wurden auch viele ältere Staudämme in Südafrika erhöht oder anderweitig verändert.
Vielleicht hat ja ein geduldiger Leser mehr Glück in dieser Hinsicht.
Zum Teufel mit der Staumauer – wir wollen jetzt mehr über das Auto wissen. Hier wiederum kann ich verlässlich Auskunft geben. Der Wagen mit dem Coupé-Aufbau ist schnell als Chevrolet von Mitte der 1930er Jahre identifiziert.
Die lackierten Scheinwerfergehäuse waren ein Kennzeichen des 1935er Modells „Standard“, ansonsten entsprach die Form der Ausführung von 1934. Mit diesem Modell deckte Chevrolet seinerzeit in den Staaten das Einsteigersegment ab.
Während Konkurrent Ford damals ganz auf V8-Power für die Masse setzte – mit ungeheurem Erfolg – hielt Chevrolet noch eine Weile an Sechszylindermotoren fest.
Dass dies für klamme Käufer kein Nachteil sein musste, das lassen die technischen Daten erkennen. So besaß der Chevrolet „Standard“ einen großzügigen Hubraum von 3,4 Liter und verfügte über mehr als 70 PS. Übrigens handelte es sich beim Motor nicht um einen der gängigen Seitenventiler, sondern um ein kopfgesteuertes Aggregat (ohv).
Die hubraumstarken Motoren erlaubten auch im US-Billigsegment schaltfaules Fahren bei materialschonend niedriger Drehzahl und damit astronomische Laufleistungen.
Für den Chevrolet „Standard“ des Modelljahrs in der Ausführung als Coupé entschieden sich damals nur gut 32.000 Käufer. Die meisten Kunden wollten das stärkere Modell „Master DeLuxe“ mit 80 PS und längerem Radstand.
Insgesamt entstanden gut 550.000 Exemplare des 1935er Chevrolet, die Käufer in aller Welt fanden. In den Schatten gestellt wurde das allerdings durch die V8-Modelle von Ford, von denen 1935 fast 1 Million gebaut wurden.
Viele davon landeten bei aufgeschlossenen Kunden in Deutschland – ein Thema, das ich dieses Jahr angehen muss. Fotomaterial dazu habe ich mehr als genug. Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn ich diese Story nicht bis zum nächsten Silvester hinbekomme…
Michael Schlenger, 2025. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://vorkriegs-klassiker-rundschau.blog with appropriate and specific direction to the original content.
Frohes neues Jahr Herr Schlenger!
Vielleicht hilft dies weiter:
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Modjadjiskloof
Gerne lese ich auch dieses Jahr wieder mit. Vielen herzlichen Dank fuer das Onlinestellen ihres Blogs.
Viele Gruesse,
Frithjof