(Un)günstige Constellation? Brennabor Typ Z 6/25 PS

Mein heutiger Blog-Eintrag ist ein Beispiel dafür, wie ich zu meinen Themen komme und welche Rolle dabei spontane Assoziation spielt.

Vielleicht wird dem einen oder anderen klarer, dass mein Blog keiner stringenten Logik folgt, in weiten Teilen Ergebnis subjektiver Prozesse ist – und schon gar nicht mit akademischen Maßstäben zu messen.

Wer ein Problem mit den oft eigenwilligen Pfaden hat, welchen ich folge, darf das Problem bei sich selbst suchen. Hier darf man keine bestimmten Inhalte und etablierte Herangehensweisen erwarten, zumal die Show kostenlos ist.

Am Anfang stand diesmal eine Postkarte, die ich als Teil der Polsterung eines neu erworbenen Fotos erhielt. Sie lieferte die Inspiration für die Story und den Teil des Titels, der merkwürdig „alterthümlich“ geschrieben scheint.

Dieses impulsgebende Moment werde ich aber erst am Ende offenbaren. Es wäre ja langweilig, einem dem tatsächlichen Zeitverlauf entsprechenden Erzählfaden zu folgen.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an mein Jahresauftakt-Opus, mit dem ich bei allem gegebenen Anlass, eine Schnute zu ziehen, zu guter Laune aufgerufen hatte.

Dabei hatte ich wieder mal das Modell Z 6/25 PS der deutschen Traditionsmarke Brennabor gewürdigt, welches den optisch missratenen Typ R 6/25 PS auf glückliche Weise ablöste:

Brennabor Typ Z 6/25 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Mit diesem technisch anspruchslosen Wagen der unteren Mittelklasse nahm Brennabor ab 1928 gekonnt die gestalterischen Tendenzen auf, welche damals maßgeblich von US-Fabrikaten geprägt waren.

Das kompakte, aber rundherum ansehnliche Fahrzeug ist in meiner Brennabor-Fotogalerie zahlreich vertreten und gehört zu den markantesten deutschen Wagen seiner Klasse am Ende der 1920er Jahre.

Selbst in einer ungünstigen Konstellation wie auf der folgenden Aufnahme lässt sich der kleine Brennabor eindeutig identifizieren – das muss ihm erst einmal einer nachmachen:

Brennabor Typ 6/25 PS bei Kaub am Rhein; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Kenner des prächtigen Mittelrheintals werden den Aufnahmeort auf Anhieb erkennen – zu sehen ist hier die im Strom liegende Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub.

Kaub wurde in der Vorkriegzeit noch „Caub“ geschrieben, aber das ist noch nicht der Grund, weshalb ich im Titel eine mutmaßlich ungünstige „Constellation“ erwähne.

Zwischen der Burg und dem Brennabor sehen wir einen jungen uniformierten Mann mit seinen Eltern. Die Hakenkreuz-Armbinde weist ihn indessen nicht als Mitglied der seit 1933 in Deutschland herrschenden national-sozialistischen Partei aus.

Vielmehr war dies das Outfit von Mitglieder des deutschen Reichsarbeitsdienst (RAD), eine staatliche Zwangsarbeits-Einrichtung mit bizarr anmutendem pseudomilitärischem Anstrich – natürlich hochgradig ineffizient, aber propagandistisch wirksam und eine disziplinierende Vorbereitung auf die Verwendung der männlichen Jugend als Kanonenfutter.

Die für den Jüngling auf dem Foto voraussichtlich ungünstige Konstellation wird in dieser Ausflugssituation noch nicht deutlich. Denn alle weiteren Bilder, die ich mit dieser Aufnahme erworben habe, haben mit den damaligen Zeitverhältnissen nichts zu tun.

Vielmehr ist darin eine Burgentour an Neckar, Rhein und Mosel im Jahr 1936 dokumentiert. Den anzunehmenden Anfang machte ein Besuch auf Burg Hornberg:

Burg Hornberg bei Neckarzimmern; originale Postkarte aus Sammlung Michael Schlenger

Die Station an dieser bedeutenden Burg, wo ein gewisser Götz von Berlichingen bis zu seinem Tod im damals stolzen Alter von 82 Jahren lebte, dokumentierten unsere Reisenden von Mitte der 1930er Jahre mit dieser von Hand nachbearbeiteten Postkarte.

Danach ging es gen Norden an den Rhein zum bereits erwähnten Halt bei „Caub“ am unteren Mittelrhein. Es ging dann weiter im Brennabor Z 6/25 PS Richtung Mosel.

Zuvor fand noch eine Visite auf Burg Stolzenfelz bei Koblenz statt. Hier wurden Muttern und „ihr Arbeitsmann“ (so die Beschriftung) vor dem Torwächterhaus der im 19. Jh. nach romantischen Vorstellungen stark überarbeiteten Anlage abgelichtet:

Burg Stolzenfels bei Koblenz 1936; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Weiter ging’s anschließend im Brennabor die Mosel hinauf. Werden wir den Wagen noch einmal in voller Pracht zu sehen bekommen?

Nee, ich hatte doch bereits darauf hingewiesen, dass wir es heute mit einer ungünstigen Konstellation zu tun haben. Nicht nur astrologisch veranlagte Zeitgenossen (m/w/d) werden das entsprechend zu interpretieren wissen.

Dennoch lohnt es sich dranzubleiben – jedenfalls wenn der eigene Horizont über die zweidimensionale Welt hinausreicht, in dem sich Automobile zu bewegen pfleg(t)en.

Bis wir in diese überraschenden Sphären gelangen, muss ich Ihnen aber noch zwei weitere Burgansichten zumuten – ja, ich weiß: wieder mal völlig „off-topic“, aber ich bin da ganz altmodischer Dokumentator, falls es dieses Tätigkeitsfeld gibt.

Hier ergötzt sich das mittelalterliche Auge (darf man das mit bald 57 noch sagen?) an der grandiosen Burg Eltz im Moseltal:

Burg Eltz an der Mosel; originale Postkarte: Sammlung Michael Schlenger

Diese vielleicht großartigste aller deutschen Burgen wird in der 34. Generation von Mitgliedern der Familie von und zu Eltz bewohnt und gepflegt – eine ehemalige Kollegin zählt dazu, wenn ich mich an meine eigene Arbeitswelt von gestern richtig entsinne.

Der alte Adel ist mir sympathisch, wenn ich das bei der Gelegenheit bemerken darf. Aber erst seitdem er politisch nichts mehr zu melden hat und „nur“ noch sein historisches Erbe zu verwalten und mit (hoffentlich) angemessener Demut zu erhalten hat.

Burg Eltz zierte einst den 500-Mark-Schein, wie der eine oder andere Westdeutsche vielleicht noch weiß. Die gestalterisch grandiosen Banknoten aus der alten BRD repräsentierten die weltweit anerkannte Stärke der damaligen Währung vollkommen.

Weiter moselaufwärts findet sich schließlich noch Burg Metternich – weniger bedeutend, aber nicht minder malerisch wirkend für das in dieser Hinsicht empfindsame Auge.

Hier entstand die letzte Aufnahme aus der heutigen Reihe – auf den Auslöser drückte vielleicht unser „Arbeitsmann“, als die Eltern gut aufgelegt den schmalen Weg durch die steilen Weinberge erklommen:

Burg Metternich an der Mosel 1936; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Haben auch Sie bis in diese Höhe durchgehalten? Dabei gibt es hier doch rein gar nichts in automobiler Hinsicht mehr zu erwarten. Dem wackeren Brennabor vom ersten Foto begegnen wir heute jedenfalls nicht mehr.

Aber: Sollte es nicht spannender sein, wenn man sich dem Strom des Unerwartbaren anvertraut? Und so über die gewohnten Gefilde hinauskommt, in denen man sich gewohnheitsmäßig bewegt?

Alles, was Sie über den Brennabor Typ Z 6/25 PS wissen wollen, können Sie andernorts nachlesen – und Fotos des Modells finden Sie in meiner Markengalerie zuhauf.

Aber eine Sache bin ich Ihnen noch „schuldig“. Das ist die eingangs erwähnte Inspiration für den heutigen Blog-Eintrag – die besagte „(Un)günstige Constellation“.

Die finden Sie auf der folgenden Postkarte der legendären US-Fluggesellschaft TWA (Trans World Airlines) von ca. 1950, die ich zufällig als „Verpackung“ eines Fotos erhielt:

Lockheed „Constellation“ der TWA im Rheintal; originale Postkarte aus Sammlung Michael Schlenger

Hier kehren wir in der 3. Dimension zurück ins Rheintal zur Burg Rheinstein – diesmal aber nicht im deutschen Vorkriegs-Brennabor, sondern in der amerikanischen Lockheed „Constellation“ der frühen Nachkriegszeit (etwas Geduld beim Video…).

Diese Passagiermaschine mit markantem Dreifach-Leitwerk war der noch vor Kriegsende in den USA entwickelte Vorgänger der „Super-Constellation“ – der ultimative Traum aller Propeller-Enthusiasten.

Der hier abgebildete fiktive Tiefflug an Burg Rheinstein vorbei mag wie eine unglückliche Konstellation wirken, doch auch die Lockheed „Constellation“ ist hier letztlich nur Dokument der anhaltenden Faszination einer der großartigsten Kulturlandschaften Deutschlands, die hoffentlich auch die Irrungen der Gegenwart unbeschadet übersteht.

DAS war es, was mir die Inspiration zur heutigen Burgentour im Brennabor lieferte – völlig am Thema vorbei, aber schlimmer als die morgendlichen Nachrichten war es wohl nicht…

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7 Gedanken zu „(Un)günstige Constellation? Brennabor Typ Z 6/25 PS

  1. Dachte mir schon, dass vielleicht doch einer sich gleich einen Reim auf die „Connnie“ macht. Danke auch für die Erinnerung an Meisterpilot Sullenberger (und den Co-Pilot), unvergessen die Aktion. Noch heute denke ich außerdem an die ebenfalls viermotorige DC-6 von Red Bull, die ich vor Jahren einmal live am Bodensee bei einer Flugvorführung erleben durfte – sagenhaft der Sound und nicht so brutal wie die Strahltriebwerke.

  2. Dankeschön – damit es nicht verlorengeht, ändere ich das gleich in den Galerien! In Sachen Brennabor sind Sie die „Instanz“ – ich weiß ja nur das, was in der Literatur steht udn denke mir manchmal etwas dazu. Bis zum nächsten Mal – habe noch viel Material zu den Brennabor-PKWs!

  3. Das war auch eine eher freie Erfindung von mir…

  4. Hallo Herr Schlenger,
    Ihre heutige morgentliche Burgentour im kleinen Brennabor führt mich wunderbar in die neue Arbeitswoche. Danke dafür.
    Über Ihre Markengalerie gelang ich wiedermal auf „meine“ Brandenburger. Hatte ich Ihnen hierzu schon einmal Anmerkungen zum Brennabor Typ P 8/32 geschrieben, der hier auch als Typ PW benannt wird ??? Wenn ja, ignorieren Sie bitte meinen Kommentar.
    Nun kurz zu meinem Kommentar.
    Es gab keinen Brennabor Typ PW. Klar, hier ist der Typ P 8/32 gemeint. Werner Oswald benennt den Typ zwar als PW. Nur, dafür gibt es keinerlei Nachweise. Erst in Oswalds Büchern zur Dt. Automobilfabrikation taucht diese Bezeichnung auf und zieht sich seit dem durch diverse Neuveröffentlichungen. Leider kann ich nicht nachvollziehen, warum Oswald dies so machte. Weder in seinem Brennabor Nachlass (in meinem Besitz), oder im Brennabor Nachlass vom Metternich (war in meinem Besitz) war dazu etwas zu finden.
    Oder haben Sie hier entsprechende Hinweise ?
    Ich würde mich daher sehr freuen, wenn Sie den Irrtum bei den Bildunterschriften und ev. auch im Block zum P 8/32 ändern würden. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte nix vorschreiben oder gar „besserwisserisch“ auftreten, es soll ja nur ein freundlicher Hinweis sein.
    Beste Grüße
    Mario Steinbrink
    IG-Brennabor

  5. Zu dieser grandiosen Urlaubs- Serie mit Stationen an den Meilensteinen deutscher Ritterlichkeit braucht es keine Highlights der Autoindustrie, es reicht ein durchschnittlich leistungsfähiges Massenfabrikat!
    An die „Constellation“ dachte ich schon beim Lesen des Titels des heutigen Blogs!
    Das TWA- Werbe- Gemälde mit dem spektakulären Einsatz der damaligen Weltspitze-Maschine im Mittelstreckendienst erinnert an die spektakuläre Notwasserung des Fluges AWE1549 , A 320 unter Kapitän Chesley Sullenberger auf dem Hudson River am 15. 1.2009 – wenn man die Burgen durch Hochhäuser ersetzt – und mich persönlich an das Foto in einem unserer Alben auf dem der 4- Jährige Dieter im August 1956 am Rande des Rollfeldes des neueröffneten Flughafens Frankfurt steht, im Hintergrund – eine TWA- Constellation !
    Sie und die darauffolgende „Superconstellation“ waren
    neben flegerischen Aktivitäten des Großvaters (schon 1919) Morivation für mich als Schüler mit der Fliegerei zu beschäftigen
    sowie Flugzeuge , erst aus Pappe dann aus Plastic zu bauen….

  6. Connie und Super Connie sind immer eine Erwähnung wert ! Dies gilt aber auch für den Brennabor Z – meinem heimlichen Liebling aus Brandenburg, der bei dieser Rheinlandreise zwar bildlich weniger präsent war, aber schon früher hier hinreichend gewürdigt wurde ! Daher sage ich auch heute wieder herzlichen Dank für Ihren erneut spannenden Bildbericht !

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