„Eigentlich wollte ich…“ – so beginnen bekanntlich viele Ausflüchte. Besser aber als zu behaupten, „Alles super, nur bei der Kommunikation kann ich noch besser werden…“.
Also eigentlich wollte ich Mitte Mai das obligate Fotorätsel des Monats bringen – und dann habe ich es doch nicht getan, ohne das zu erklären – unverzeihlich!
Daher schiebe ich heute die Erklärung nach und als Trostpflaster für die Enttäuschten das Foto, das ich eigentlich für die Rubrik vorgesehen hatte.
Eigentlich wollte ich an diesem Beispiel eines typischen deutschen Tourenwagens der ersten Hälfte der 1920er Jahre darüber rätseln, ob es sich nun um einen Adler, einen Benz oder auch einen Simson handeln könnte.
Alle diese Hersteller (und einige weitere) hatten damals solche mit Spitzkühler versehenen Wagen im Programm, die aus einer Perspektive wie dieser kaum auseinanderzuhalten sind:

Auf jeden Fall ein schönes Dokument eines Ausflugs mit Chauffeur und Straßenbuben. Das gab den Ausschlag für den Erwerb, denn ich dachte mir, dass ich dem Auto womöglich selbst gar nicht auf Spur kommen würde.
Und dann passierte das: Ich war schon dabei, alles für das Fotorätsel des Monats vorzubereiten, als mir die Lösung einfach so in den Schoß fiel. „Das könnte doch auch ein Dürkopp sein – an den hatte ich gar nicht gedacht.“
So hatte mein Hinterkopf ganz von selbst durch Abgleich mit allem Möglichen, was dort an Mustern gespeichert ist, die wahrscheinlichste Lösung produziert. Künstliche Intelligenz funktioniert übrigens ganz ähnlich, bloß auf Basis mathematischer Approximationen.
Der Durchschnittsmensch ist also immerhin schon einmal so begabt wie eine x-beliebige KI, bloß langsamer und nicht unendlich belastbar. Also ist er gut beraten, sich auf Felder zu verlegen, auf denen echtes Verstehen und kreatives Entwickeln von Neuem gefragt ist.
Genau so etwas mache ich in diesem Blog – ein gutes Beispiel für etwas, was nicht so einfach automatisierbar ist wie eine Steuererklärung oder das Fahren schienengebundener Fahrzeuge (außer bei der Deutschen Bahn, die muss erst ihren Betrieb wieder auf das Niveau der 1980/90er Jahre bringen, als ich den Laden großartig fand).
Mein künstliches Alter Ego müsste erst einmal verstehen, nach welchen Kriterien ich die Fotos aussuche, welche ich hier vorstelle – ich kenne sie selber nicht. Dann müsste sie meine Welt in- und auswendig kennen und wissen, was mir abends durch den Kopf geht, wenn ich mich mehr oder (meist) weniger vorbereitet ans Werk begebe.
Das nur nebenbei zur Frage, was man macht, wenn ein digitaler Knecht die eigene Tätigkeit schneller und besser, ohne Jammern oder „Burnout“, erledigen kann.
Hier nun das, was mir das Unterbewusstsein als bestmögliche Annäherung an den vermeintlichen Rätselwagen in Erinnerung brachte:

Diesen Dürkopp des Typs 8/24 PS hatte ich bereits vor längerem vorgestellt, außerdem weitere Exemplare mit ähnlichem Aufbau.
Einziger Unterschied zu dem heute neu gezeigten Wagen ist die spezielle Ausführung des Hecks, die von derjenigen bei einem herkömmlichen Tourer abweicht.
Dabei handelte es sich übrigens um eine eigenwillige Werksversion von Dürkopp, die auch andernorts gut dokumentiert ist – damit meine ich mangels Alternativen meine einschlägige Fotogalerie):

Die Firma Dürkopp, zu deren durchaus bedeutenden Autoproduktion mir bislang keine spezielle Literatur bekannt ist, bot ihren Typ 8/24 PS außerdem mit flottem Aufbau als Sport-Zweisitzer an.
Ein originales Werksfoto dieses verwegenen Geräts konnte ich vor einigen Jahren angeln.
Interessant ist hier die Gestaltung des Kastens am hinteren Ende des Schwellers oberhalb des Trittbretts, hinter dem sich die vordere Aufhängung der Blattfeder befindet. Vergleichen Sie dieses Detail nebst Wartungsklappe einmal mit dem eingangs gezeigten Tourer:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damit das vermeintliche „Rätsel“ als gelöst betrachten darf. Wer indessen partout nicht überzeugt, ist eingeladen, alternative Vorschläge zu machen.
Für mich ist aber bis dahin nur eine Sache offen: Wo könnte diese Aufnahme entstanden sein? Einen Schlüssel könnte der Bau am linken Bildrand liefern, der trotz Fachwerks nach Gründerzeit aussieht und irgendeine Verwaltung beherbergte.
Damit dieses Rätsel sich ansprechender darbietet, habe ich die bereits erwähnte KI bei etwas in Anspruch genommen, was dem Menschen mit vernünftigem Aufwand unmöglich ist – nachträgliche Kolorierung.
Genau für solche Sachen ist der digitale Knecht ideal, sofern der Herr ihn mit den passenden Anordnungen („Prompts“) in die gewünschte Richtung zu lenken vermag.:

Bei so einem Ergebnis sollte sich der Verzicht auf das Fotorätsel des Monats verkraften lassen, meine ich…
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