„What goes up, must come down“ – diese alte Weisheit kennt jeder, der schon ein paar Zyklen am Kapitalmarkt miterlebt hat.
Was sich als Übertreibung an de Börsen herausstellt, das weiß man mit Gewissheit erst hinterher. Das war schon so um das Jahr 2000, als das Internet und mobile Kommunikation für aberwitzige Höhenflüge auch bei Firmen sorgte, die längst Geschichte sind.
Andere haben dagegen alle Erwartungen übertroffen und einst Unglaubliches ermöglicht. Daher bin ich überzeugt: Die digitale Technologie ist das Einzige, wo es auch nach einem Vierteljahrhundert noch aufwärts geht im Westen.
Während indessen die einen auf solarbetriebene Rechenzentren im All hinarbeiten und dazu Raketen zum alltäglichen Transportmittel entwickeln, geht es bei den anderen indessen auch in technologischer Hinsicht abwärts.
Europa ist international gesehehen praktisch in keinem Technologiefeld mehr führend, seine Unis gelten global als drittrangig und echte Fachkräfte suchen das Weite in Übersee.
Dennoch wollen hier heute dem Weg nach unten durchaus erbauliche Seiten abgewinnen und das in zweierlei Hinsicht.
Die eine Illustration des Themas findet sich auf dieser alten Postkarte, die wohl um 1930 entstand:

Wir sehen hier einen Abschnitt des österreichischen Passes „Lueg“ (ca. 550 m) an der Salzach zwischen Golling und Werfen im Tennengebirge. Die enge und felsige Schluchtdurchfahrt diente bereits in der Antike als wichtige Handelsroute.
Heute gibt es eine moderne Umfahrung, aber der alte Abschnitt ist noch erkennbar. In den 1920er/1930er Jahren war die Region ein beliebtes Ausflugsziel (Gollinger Wasserfall, Eisriesenwelt-Höhle in der Nähe).
Gut situierte Touristen ließen sich dort mit privaten oder gewerblichen Autos chauffieren – genau wie auf diesem Foto.

Dieses Fahrzeug, das offenbar einem lokalen Taxibetrieb gehörte, ist anhand der markanten Frontpartie ohne Kühlergrill schnell als Tatra der 1920er Jahre identifiziert.
Die Wagen der tschechischen Marke waren bekannt für ihre robusten luftgekühlte Boxermotoren, die rund 15 PS aus gut 1 Liter Hubraum (T12) bzw. 24 PS beim größeren Schwestermodell T30 leisteten.
Gerade in gebirgigem Gelände waren die Tatras dank der Luftkühlung und des leistungsfähigen Fahrwerks bestens geeignet.
Im vorliegenden Fall dachte ich erst an eine Spezialversion des T12 auf verlängertem Chassis, das einen viertürigen Aufbau als Ausflugsauto ermöglichte. Markenkundige Leser wiesen mich aber darauf hin, dass es sich um den ebenfalls ab 1926 gebauten T30 handelt.
Dort fanden die Insassen reichlich Platz an der gesunden frischen Mittelgebirgsluft. Mehr bleibt mir zu diesem hübschen Dokument nicht zu sagen, außer dass es mich darauf brachte, wie schön doch so eine Tour sein kann, auch wenn’s dabei nur abwärts geht.
Genau das soll das folgende Video vermitteln, das kürzlich entstand, als es für mich von meinem Aufenthalt im italienischen Umbrien von 600 Meter wieder herunter in die Ebene der Valle Umbra ging.
Die fachlich Versierten unter meinen Leser mögen auch bei dieser dilettantischen Produktion beide Augen zudrücken – ich bin auf diesem Sektor noch am Experimentieren.
Das Ergebnis (inkl. KI-basiert komponierter Musik) kann sich aber aufgrund der Opulenz der frühlingswonnig wuchernden Natur und der gebändigten Kraft der Kulturlandschaft durchaus sehen lassen, meine ich…
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Ein berühmter Vorfahre war der 1822 geborene Georg Lienbacher, der ab 1870 auch Golling im Salzburger Landtag vertrat, und die heutigen Berufe reichen vom Nähmaschinenservice bis zum Fußballspieler. Jedenfalls wurde der T30 kommerziell genutzt, ob nur für Übernachtungsgäste oder für alle Touristen ? Sowohl eine Fahrt zum Bahnhof Abtenau oder bis Hallein wie auch zur Burg Hohenwerfen waren damals schon denkbare Ziele, vielleicht so wie jetzt zu Pfingsten !
Besten Dank Herr Engl! Sie und Herr Billicsich haben mich überzeugt – es dürfte ein T30 mit Vierzylindermotor sein. Ich passe den Text entsprechend an.
Besten Dank für den Hinweis – an den T30 hatte ich gar nicht gedacht. Wahrscheinlich haben Sie recht!
Genau so war es gedacht – zum Herunterkommen. Gegenverkehr ist dort in der Tat selten, da die Steigung doch recht heftig ist. Der kleine Film entstand am späten Nachmittag, wenn die Schatten lang sind und das Licht schön warm ist.
Ja, sehr gut möglich!Der Name könnte freilich auch von mehreren Firmen genutzt worden sein – je nach dem, wie weit verzweigt die Familie war.
Lieber Michael Schlenger,
Der nette Tatra – Bericht wird aus meiner Sicht durch das Videoerlebnis mit Ihrer Abwärtsfahrt in die Ebene des Valle Lunga noch gekrönt. Auch wenn es, wie mir scheint am frühen Morgen ist, ein Erlebnis der ganz seltenen Art. Ein Genuss, mehr schon ein Traum, eine landschaftlich so schöner Bergstraße ohne jeglichen Verkehr „erfahren“ zu dürfen. Wo gibt es das noch ??? Mit der beruhigenden Musik könnte ich es sogar manchem Münchner Berufsverkehrhektiker therapeutisch zum „Runterkommen“ empfehlen. Wünsche noch einen angenehmen Pfingstmontag.
Ihr Münchner Blogleser Wolfgang Hirmer
Sehr geehrter Herr Schlenger,
könnte es auch ein Tatra T 30 sein?
Der längere Radstand führt mich dort hin. Auch das etwas undeutliche Bild hier
https://www.tatraportal.sk/data/popisky/t30/t30_11.jpg
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Billicsich
Hallo Herr Schlenger,
der Tatra gehörte wahrscheinlich nicht zu einer lokalen Taxi-Firma, sondern war Teil des Shuttle-Services der heute noch bestehenden Pension Lienbacher.
Schöne Grüße,
KD
Im Juli 1938 sind im Salzburger Gau, zu dem auch Golling gehört, 4918 Kfz, davon 1289 Pkw zugelassen. So fängt das „Taferl“ dieses Tatra wohl mit D 10 an und hat insgesamt 4 oder 5 Ziffern – mir scheint es auf D 10.62 Z oder wohl richtiger auf D 10.627 zu lauten, denn da ist der Punkt nach der 10.
Somit wurde es nach der neuen Systematik ab 1930 erteilt, was so auch zum bis 1932 gebauten T12 paßt. Von 3 auf 5 Stellen binnen weniger Jahre überrascht dennoch, verglichen mit dem Austro-Fiat, den seine Chauffeurin nach Altötting lenkte. Falls die Pension Lienbacher schon damals existierte, könnte dieser Tatra auch als hoteleigener Ausflugs- und Zubringerwagen fungiert haben.
Werter Herr Schlenger,
Ich darf Sie verbessern: Das ist ein Tatra 30 mit verlängertem Radstand, Vierzylindermotor mit 1.680 cm³ und 24 PS. Das Fahrgestell wurde nach Wien geliefert und bekam dort von den Tatra-Werken-Wien eine österreichische Karosserie, erkennbar daran, dass an der Vorderfront 2 Embleme montiert sind: Das „Nesselsdorfer“- und das „Tatra“- Abzeichen. Nesselsdorfer war der Name der Vorgängerfirma in der österreichisch-ungarischen Monarchie. (Quelle: Rosenkranz „Tatra Personenkraftwagen“, Austro-Tatra)
Freundliche Grüße
Hans Engl