Als wär man selbst dabeigewesen: Apollo 10 (PS)

Im Mai 1969 fand die amerikanische Mondmission Apollo 10 statt – die Generalprobe für die anschließende Landung auf unserem Trabanten, der nach heutiger Kenntnis ein Stück Erde ist. Vielleicht erklärt das den Wunsch dorthin zu gelangen.

Ich selber schaue bei jeder Gelegenheit auf zum Mond – besonders mag ich es, wenn er tief über dem Horizont steht und bernsteinfarben leuchtet.

Vor 35 Jahren hatte ich im italienischen Amalfi den letzten Bus zu meinem Feriendomizil in Positano verpasst – doch es war eine warme Nacht und der riesig scheinende Vollmond begleitete mich vom Meer aus über dem Horizont stehend, als ich die Strecke zu Fuß anging, bis mich irgendwann ein Autofahrer mitnahm. So etwas vergisst man nicht.

Auch zu Apollo 10 habe ich eine persönliche Beziehung. Denn damals bin ich ja quasi dabeigewesen – wenn auch erst im zarten Alter von ein paar Monaten.

Bei diesen Voraussetzungen hätte ich eigentlich selbst darauf kommen müssen, dass mein Rätselfoto des Monats August 2026 einen Apollo 10 PS-Typ zeigt:

Apollo Typ 10/30 oder 10/40 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Ich hatte zwar kurz die Marke aus Apolda im mitteldeutschen Thüringen erwogen, aber gleich wieder verworfen – ich hatte glatt vergessen, dass man dort nach dem 1. Weltkrieg auch so große Wagen baute.

Doch gleich mehrere meiner Leser waren offenbar wacher als ich und nannten einhellig den 10 PS-Typ von Apollo der frühen 1920er Jahre als Lösung.

Vermutlich war die Sache mit Apollo 10 einfach zu lange her – von meiner letzten Begegnung kündet aber in meiner Markengalerie immerhin dieses schöne Foto:

Apollo Typ 10/30 oder 10/40 PS; Originalfoto: Sammlung Michael Schlenger

Hier wäre man doch gern dabeigewesen – auch im Schwarzweiß-Modus ist das ein ausgeprochen reizvolles und lebendiges Bild. Die vermeintlich tote Technik wird hier auch nach über 100 Jahren zu einem faszinierenden Gefährten des Daseins geadelt.

Da man solches heute selten sieht – was mit der Allgegenwärtigkeit des Automobils, aber auch dem Mangel an erfassbarer Gestaltung zu tun hat – dachte ich mir, dass wir zumindest Apollo 10 mit einiger Verspätung beiwohnen sollten.

Was damals mit einfachster Technik (und phänomenalem menschlichen Können) gelang, lässt sich heute mit einem für den Normalsterblichen schwer begreiflichen, hochkomplexen Technologie nacherleben – sowohl in der Raumfahrt wie auf dem Boden der Tatsachen.

So habe ich den Versuch unternommen, den auf meinem Rätselfoto nur mäßig erhaltenen Apollo mit KI-Technologie uns so vor Augen zu zaubern, dass man meinen könnte, man sei dabeigewesen:

Apollo Typ 10/30 oder 10/40 PS; KI-basierte Bearbeitung: Michael Schlenger

Natürlich ist man zuerst von den plötzlich lebendig wirkenden Insassen, dem ernst schauenden Mädchen auf dem Trittbrett und dem Wuschelkopf am Kühler eingenommen, den ich für den Junior der Familie halte.

Wie anders Vorkriegswagen von der formalen Gestaltung her sind, lässt sich bei dem Gedankenexperiment nachvollziehen, diese Aufnahme mit irgendeinem modernen Fahrzeug nachstellen zu wollen. Es funktioniert nicht ansatzweise.

Dennoch hat unsere Zeit eine ganze Menge für sich – keine Frage. Denn wir sind heute imstande, auch nach über 100 Jahren die auf dem Originalfoto unsichtbare Nabenkappe am Hinterrad wieder herbeizuzaubern.

Das war noch eine einfache Übung, verglichen mit der Herausforderung den im Ersatzreifen (nebst Felge) verschollenen Handbremshebel wiederzufinden. Auf dem Originalfoto ist diese Partie tief verschattet und wolkig, doch bei der KI-Rekonstruktion muss dort etwas erscheinen, was einigermaßen plausibel ist.

Das ist mir nur ansatzweise gelungen, ich weiß, aber besser als ein im Nichts endender Handbremshebel ist das Resultat allemal.

Damit meine ich, Apollo 10 so nahe gekommen zu sein wie zuletzt 1969 – nur diesmal im Bewusstsein, wirklich dabei zu sein dank einer Technologie, die wie alles Menschenwerk (und der Mond) ihre Schattenseiten hat, die wir aber (wie den Mond) nicht missen wollen, weil sie uns neue Ziele und Möglichkeiten bietet, unser Dasein für andere nutzbringend und für sich selbst erfüllend zu gestalten…

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2 Gedanken zu „Als wär man selbst dabeigewesen: Apollo 10 (PS)

  1. Sicher, optimal ist das Ergebnis nicht Daher zeige ich ja immer auch das Original. Aber dieses ist ja ebenfalls kein exaktes Abbild der Wirklichkeit. Auf dem unkomprimierten Original ist keine Aufnahme für den Hebel zu sehen, da ist alles nur wolkig und fleckig – gleiches gilt für das Hinterrad, alle Details versinken dort in einem tiefgrauen Matsch. Die KI-Überarbeitung lässt den Wagen zumindest wieder so beeindruckend erscheinen, wie er mal war und bringt uns zudem die Insassen näher, ohne dass etwas hinzugedichtet wird. Das rechtfertigt den Versuch aus meiner Sicht. Zudem werden die Ergebnisse immer besser – noch vor einem Jahr wäre mir so etwas gar nicht möglich gewesen und auch ich selbst lerne laufend hinzu.

  2. Ich weiß nicht recht, ob ich mit den KI optimierten Bildern so glücklich bin. Ich erkenne zwar die optische Verbesserung an, welche ohne viel Grafiker-Aufwand erzielt werden kann, habe aber so meine Schmerzen mit der Entfremdung der Details nach Gutdünken der Logik im Hintergrund des Algorithmus.

    Wenn man genau hinschaut, erkennt man sechseckige Nabenkappen an der Vorderachse des orig. Apollobildes. Auch an den Naben des Bildes mit der Dame in weiß erkennt man die Anzahl der Ecken. Die KI macht daraus runde Deckel.
    Das man an der Hinterachse am Originalfoto keine Nabenkappe erkennt, mag vielleicht auch seinen Grund haben. Vielleicht überdeckte die blecherne Radverkleidung die Nabe hinten?!

    Auch beim außenliegenden Bremshebel erkennt man auf dem Originalbild im Dunkel des Reserverades eine bogenförmige Führungskulisse. Auch diese unterschlägt der Algorithmus und macht daraus einen unscharfen langen Maschinenhebel.

    Die nachträglichen Kolorierungen der KI finde ich jedoch immer beeindruckend und diese werten die Bilder auf, als Vorstellung davon wie es ausgesehen haben könnte.

    Viele Grüße René

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