Der Regen der letzten Tage war nach den trockenen Sommerwochen durchaus willkommen – im Garten wurde das Nass dankbar aufgesogen.
Andernorts mag der Segen für vorübergehendes Hochwasser gesorgt haben, aber hier in der hessischen Wetterau kennen wir das kaum. Irgendwann in den 80ern gab es mal eine Überflutung in Bad Nauheim, wenn ich mich recht entsinne, als die Usa aus dem Taunus ungewöhnlich viel Wasser durch das enge Tal schaufelte, in dem die Stadt liegt.
Für den Fall der Fälle ist man mit einem Auto gut gewappnet, welches reichlich Bodenfreiheit hat – damit lässt sich auch bei Hochwasser noch gut vorwärtskommen.
Das Thema kann indessen bekleidungstechnisch zu einem Problem werden. Denn bei Hochwasser nützt das modischste Outfit nichts – ruckzuck ist die Figur ruiniert. Dazu muss man sich selbst noch nicht einmal dem Wasser aussetzen – was nebenbei auch verfeinertem Schuhwerk nicht gut bekommen würde.
Wenn Sie sich jetzt fragen, wohin diese Erörterung wohl führen mag, kann ich nur sagen: Das weiß ich selbst nicht so genau – doch irgendwo in Europa (vielleicht auf dem Balkan) mag das Foto entstanden sein, dass förmlich „Hochwasser!“ schreit:

Sie sehen, hier ist tatsächlich alles ganz auf Hochwasser eingestellt: der Zweisitzer mit Schwiegermuttersitz im Heck sowieso, aber auch der Herr daneben, der sich die Hose schön hinauf aufs Bäuchlein gezogen hat – die Flut kann kommen!
Eleganter Hut und hochgekrempelte Ärmel machen die Sache in der Kombination zwar nicht besser, aber herrje: das passt schon zum Selbstbild als Dandy irgendwo in der Provinz.
Ohnehin ist hier das Auto unser eigentliches Studienobjekt – das könnte bei einer flotten Lady in solcher Pose durchaus anders sein.
Der Aufbau des Wagens mit leichtem Verdeck, zwei Türen und Notsitz im langen Heck ist uramerikanisch. In den Staaten nannte man diese Karosserieform „Rumbleseat-Roadster“ oder auch nur „Roadster“.
Der geflügelte Helm auf dem Kühlerverschluss lässt den Wagen als Chrysler erkennen. Die erst 1924 gegründete Marke nutzte das Symbol bis 1930 als Erkennungszeichen.
US-typisch war das seitlich zugängliche Gepäckfach – in der Reklame gern mit Golfschlägern assoziert. Dieses Detail ist – wie die 20 Haubenschlitze – ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um die Vierzylinderversion „50 Four“handelte. Vielmehr haben wir es mit einem der beiden 6-Zylindertypen 60 bw. 70 zu tun.
Die verchromten Scheinwerfer in Schüsselform dürften am lokalen Markt montiert worden sein, da der 1927er Chrysler ab Werk anders geformte Lampen besaß.
Hochwassertauglich und geeignet für die Gegenden ohne befestigte Straßen waren solche US-Fahrzeuge der Einsteiger- und Mittelklasse allgemein – einer der Gründe für die damalige Beliebtheit von in weniger entwickelten Regionen.
Abseits der Städte kam es nicht mehr auf feines Schuhwerk, gute Manieren und gepflegten Auftritt an – hier waren andere Qualitäten gefragt. Wer dort auf Hochwasser und andere Unzuträglichkeiten eingestellt war, der konnte sich wie der Herrr mit seinem Chrysler sagen: Mir doch egal – das passt schon!
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